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Die Sümpfe der Traurigkeit in der Unendlichen Geschichte

Du bist mein Freund, ich liebe dich!

18.09.2014 - 16:00 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Atreju & Artax: Ein letzter Abschied
© Constantin Film
Atreju & Artax: Ein letzter Abschied
Ich und Atrejus und Artax' Kampf gegen die Traurigkeit, oder: Wie man einer ganzen Generation die Unschuld nahm

Die unendliche Geschichte von Wolfgang Petersen, ein Film, der wohl fast jedem ein Begriff ist. Ist doch Michael Endes gleichnamige Buchvorlage eines der wahrscheinlich schönsten Jugendbücher überhaupt. Zu diesem außergewöhnlichen Werk werde ich noch einige Texte schreiben, beginnen möchte ich mit der traurigsten Szene des Films.

Atreju (Noah Hathaway) macht sich zusammen mit seinem treuen Pferd Artax auf den Weg, den Grund für die Krankheit der kindlichen Kaiserin (Tami Stronach) zu suchen. Auf diesem Wege durchqueren sie die Sümpfe der Traurigkeit.

In den Sümpfen der Traurigkeit

Aus dem Off Bastians (Barret Oliver) Stimme: "Atreju und Artax hatten die Silberberge hinter sich gelassen, die Wüste der gescheiterten Hoffnungen, und die gläsernen Türme; ohne Erfolg. So blieb ihnen nur noch ein Ausweg: Die uralte Morla zu finden, das weiseste Wesen Fantasiens."

Auf der Suche nach einer Heilung für die kindliche Kaiserin sah man, wie Atreju und Artax die schönsten Plätze durchstreiften und die dicksten Freunde wurden, nun aber, in den Sümpfen der Traurigkeit sah man einen trostlosen Morast, alles grau in grau, ein undurchsichtiger Nebel und weit und breit kein Ausweg. Um Artax den beschwerlichen Weg durch den tiefen Sumpf zu erleichtern, steigt Atreju ab. Langsam kommen sie voran, wobie Artax sich immer wieder sträubt, bis er, bereits bis zum Rumpf eingesunken gar nicht mehr weiter möchte, so sehr Atreju ihn auch zerrt und auf ihn einredet, das Pferd versinkt immer mehr.

Atreju brüllt ihn an, er solle doch nicht stehen bleiben und fleht ihn an: "Artax, bitte! Du darfst dich von der Traurigkeit nicht überwältigen lassen, du darfst nicht aufgeben! Du musst am Leben bleiben, für mich! Du bist mein Freund, ich liebe dich." Sagt Atreju unter Tränen zu seinem Begleiter, der mittlerweile bis zum Kopf versunken ist. Voller Wut brüllt Atreju Artax ein letztes Mal an und versucht, ihn heraus zu ziehen. Ein schwarzer Bildschirm.

Man sieht den weinenden Atreju, der leeren Blickes auf die Stelle des Sumpfes blickt, in der eben sein Freund versank. Auch Bastian kann die Tränen nicht mehr halten. Atreju trottet konsterniert und scheinbar antriebslos weiter durch den Sumpf, bis er irgendwann den Hornberg, sein Ziel erblickt.

Meine Sicht auf diese Szenerie

Atmosphärisch ein Meisterwerk ist diese erste Sumpfszene. Bereits beim bloßen Weg durch diesen kommt eine bedrückende Stimmung auf (der Zuschauer fürchtet ja noch immer der kurz zuvor erschienene Gmork könnte auftauchen). Nach den vorherigen Geschehnissen hat man Artax ins Herz geschlossen, leidet also umso mehr mit. Fast keiner in meinem Bekanntenkreis, der den Film als Kind sah, kann von sich behaupten, nach dieser Szene weiterhin so unbeschwert durchs Leben gegangen zu sein, wie zuvor. Diese Szene hat auf einen Schlag allen Frohsinn und alle Leichtigkeit des Kindseins geschluckt. Für viele war diese Erfahrung sicherlich schwer zu verdauen.
Neben der großartigen Leistung der Bühnenbauer und allen anderen Beteiligten muss ich hier die Leistung des Pferdes heraus heben. Es war in einem Becken voller gefärbtem Wasser lange Zeit auf einer Bühne gefesselt und musste mit Blick auf Noah Hathaway dessen Zerren und Auffordern ignorieren und nur auf der Bühne stehen bleiben.

Eine der wohl traurigsten Szenen, die ich je in einem Film gesehen habe, vor allem damals. Ich bin nicht sehr nah am Wasser gebaut, und habe auch das Buch häufiger gelesen, aber in dieser Szene, so kurz sie auch sein mag, mit der Atmosphäre, Klaus Doldingers unfassbar packende Musikuntermalung und dieser darstellerisch starken Leistung von Mensch und Tier bekomme ich noch heute einen Klos im Hals. Auch wenn ich Michael Endes Kritik am Gesamtresultat nachvollziehen kann, dieser Ausschnitt ist seines Kunstwerks würdig.

Komplette Szene zum Text



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