Dumbo ist die erste Disney-Realverfilmung, die Sinn ergibt

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© Walt Disney/Entertainment Weekly
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Mit Star Wars und dem Marvel Cinematic Universe verwaltet Disney momentan zwei äußerst prominente Franchises, die bislang - lassen wir Solo: A Star Wars Story einmal außen vor - zuverlässig Geld in die Kassen spülen. Nicht zu vergessen ist aber darüber hinaus der Erfolg diverser Realverfilmungen von Zeichentrick-Klassikern des Mäusekonzerns aus jüngerer Vergangenheit. So avancierte die Kino-Neuauflage des Märchens Die Schöne und das Biest 2017 zum Megahit, dessen Ausmaße (weltweites Einspiel: über 1 Milliarde Dollar) wohl selbst die Macher verblüffte. The Jungle Book konnte schon zuvor am Box Office überzeugen, ebenso Maleficent - Die dunkle Fee mit Angelina Jolie. Da überrascht es kaum, dass uns in absehbarer Zukunft eine Welle an weiteren Live-Action-Remakes von Disney-Zeichentrickfilmen regelrecht zu überrollen droht. Hierzu zählen die kommenden Leinwandadaption von Aladdin und Der König der Löwen ebenso wie Tim Burtons Dumbo. Zur Neuauflage der Geschichte rund um den knuffigen Elefanten gibt es nun den ersten Dumbo-Trailer - und der lässt mich vermuten, dass Burton uns die erste Disney-Realverfilmung beschert, die auch aus kreativer Sicht wirklich Sinn macht.

Disney braucht wieder mehr Herz, Dumbo hat es

Ich bin ein großer Fan von Die Schöne und das Biest aus dem Jahre 1991, konnte mit Bill Condons Version des Märchens aber überhaupt nichts anfangen - zu glatt waren mir die Bilder, zu routiniert agiert in meinen Augen das Ensemble um Emma Watson, zu wenig Herz versprüht im Allgemeinen die Regie. Favreaus Aufarbeitung des Dschungelbuchs sagte mir vergleichsweise stärker zu, insbesondere aufgrund des gegenüber 1967 abgewandelten Endes sowie den beeindruckend animierten Tieren. Der ganze Sinn dahinter erschloss sich mir aber auch hier nicht eindeutig - abgesehen natürlich von Disneys finanziellen Interessen. Umso mehr überrascht mich nun der erste Trailer zu Dumbo, der in nicht einmal eineinhalb Minuten viel Seele beziehungsweise Hingabe zum Original erkennen lässt. Dies liegt in erster Linie daran, dass Disney mit Tim Burton einen Regisseur verpflichtet hat, der weit mehr ist als nur Handwerker und Sachverwalter.

Tim Burton ist der Autorenfilmer, den Dumbo verdient

Tim Burtons großes Wiedererkennungsmerkmal ist seine Faszination für Außenseiter, was sich unter anderem, aber bei Weitem nicht nur, in Edward mit den Scherenhänden manifestiert. Sogar eine Comic-Aadaption wie Batmans Rückkehr deutete Burton entsprechend um, sodass wir in dem Leinwandabenteuer von 1992 einen antagonistischen Pinguin (Danny DeVito) erleben, mit dem wir dennoch sympathisieren können. Die berührende Biografie Dumbos ist demnach wie gemacht für den 59-Jährigen Burton - schließlich hat der kleine Zirkuselefant aufgrund seiner viel zu großen Ohren sowohl bei seinen Artgenossen als auch den Menschen einen schweren Stand. Als der knuffige Dickhäuter dann auch noch von seiner Mutter getrennt wird, die ihn nur beschützen wollte, brechen beim Ansehen des Originals von Ben Sharpsteen bereits früh alle Tränendämme. Zweifellos bewegt sich Burton thematisch hier auf bevorzugtem Terrain. Dass er das nötige Feingefühl mitbringt, um seinen Dumbo wirklich lebendig zu gestalten, steht praktisch außer Frage.

Für Dumbo spricht außerdem, dass dieses Mal nicht Burtons langjähriger filmischer Weggefährte Johnny Depp mit an Bord ist, der bereits seit Jahren wie ein Schatten seines früheren Selbst wirkt. Stattdessen dürfen wir uns auf Michael Keaton freuen. Er bahnte sich mit Birdman verdient den Weg zurück ins Rampenlicht und kooperierte in der Vergangenheit bekanntlich auch mehrfach mit Burton.

Nicht zuletzt drückt Leinwandmagier Tim Burton Dumbo klar erkennbar die ihm eigene, unverwechselbare Bildsprache auf - und das im besten Sinne. Der Trailer mutet verträumt und fantasievoll an, zeigt aber auch Respekt für den 1941er Zeichentrick-Klassiker. Sogar die damals kontrovers rezipierte berühmte Sequenz, in der der titelgebende Held unter Alkoholeinfluss rosa Elefanten sieht, ist im Clip wiederzuerkennen. Zwar ist es bei einem Remake immer schwierig, den Spagat zwischen Eigenständigkeit und Ehrerweisung zu meistert, doch Tim Burton ist dies womöglich tatsächlich gelungen. Nachdem also seine letzten Werke Die Insel der besonderen Kinder und Big Eyes beim Publikum nur wenig Anklang fanden, deutet vieles darauf hin, dass der Regisseur - um an dieser Stelle im Dumbo-Universum zu bleiben - seine magische Feder wiedergefunden hat. Zu wünschen wäre es ihm ebenso wie Disney.

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