Falls ihr euch nicht nur von Twisters abkühlen lassen wollt, haben wir einen alternativen Kino-Tipp für euch. Es geht um Leute, die ihren Job richtig gut beherrschen, alte Seilschaften, Betrügereien und das große Geld. Die Rede ist von Verbrannte Erde, einem Heist-Thriller über einen Kunstdiebstahl, voller markiger Typen und kaltschnäuziger Fluchtwagenfahrerinnen. Kühler wirds dieses Wochenende nicht im Kino. Und besser war der deutsche Film dieses Jahr selten.
Ein In Verbrannte Erde soll ein Gemälde von Caspar David Friedrich geklaut werden
Misel Maticevic spielt die Hauptrolle des Berufsverbrechers Trojan, der sich nach langer Zeit wieder in Berlin blicken lässt. Über einen Freund kommt er an einen vielversprechenden Job: Trojan soll ein Gemälde von Caspar David Friedrich stehlen und dafür von seinem unbekannten Auftraggeber fürstlich entlohnt werden. An seiner Seite stehen Computer-Experte Chris (Bilge Bingül), Fluchtfahrerin Diana (Marie Leuenberger) und sein alter Freund Luca (Tim Seyfi).
Wer schon mal einen Heist-Film à la Heat oder Rififi gesehen hat, wird spätestens beim Anblick von Victor (Alexander Fehling) Bauchweh bekommen. Victor ist der Handlanger des unsichtbaren Auftraggebers und Fehling spielt den Macker in Lederjacke köstlich übertrieben. Zumeist redet er derart hartgekocht daher, als wurde er mit den Filmen von Lino Ventura oder Michael Mann gesäugt. So unterkühlt und klar Verbrannte Erde oft wirkt, so vollmundig kostet Fehling die harte Schale seines Gangsters aus – und es bereitet große Freude, ihm dabei zuzusehen.
In dem Gangster-Thriller wird eine 14 Jahre alte Geschichte fortgesetzt
Gegenspieler Trojan besucht nicht zum ersten Mal die deutschen Kinos. Bereits 2010 erschien Thomas Arslans Gangsterfilm Im Schatten, der zeigt, warum Trojan Berlin einst verlassen musste. Für das Verständnis von Verbrannte Erde ist der Vorgänger nicht notwendig – anschauen sollte man ihn aber lieber früher als später. Denn Arslan beweist darin und in seinem neuen Film, wie deutsches Genre-Kino auch aussehen kann: eigensinnig und doch tief verwurzelt in den Traditionen des Genres.
Mit seinem Berliner Setting, den Backshops und Bausünden wird in Verbrannte Erde eine Unterwelt skizziert, die treffsicher in der deutschen Großstadt-Gegenwart landet. Einer wie Trojan könnte morgen neben euch am Bahnhofs-Imbiss einen Filterkaffee schlürfen.
Bei aller Bodenständigkeit wird in Verbrannte Erde aber auch nicht vor den Schauwerten des Heist-Thrillers zurückgescheut, im Gegenteil: Es ist ein Genuss, einem penibel geplanten Raubüberfall zuzuschauen oder bei einer leichtfüßig choreografierten Verfolgungsjagd durch Berlin zuzuschauen. Diesen abkühlenden Genuss solltet ihr euch nicht entgehen lassen.