Erst nach Avengers 4: Black Widow kommt zum völlig falschen Zeitpunkt

Scarlett Johansson als Black Widow in Avengers 2: Age of Ultron
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Scarlett Johansson als Black Widow in Avengers 2: Age of Ultron
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Lange hat es gedauert, bis Scarlett Johansson ihren eigenen Film im MCU bekam. Als Black Widow ist sie eine der Ur-Avengers und noch dazu die am besten verdienende weibliche Darstellerin im Marvel-Franchise. Zwischen ihrem ersten Auftritt in Iron Man 2 von 2010 und dem kommenden Black Widow-Film, der nächstes Jahr erscheint, hat Scarlett Johansson bereits zehn Jahre MCU auf dem Buckel.

Jetzt ist endlich der Trailer zu Black Widow erschienen und eigentlich ist ihr der Solofilm nach so viel Einsätzen im Schatten anderer ja zu gönnen. Dumm nur, dass es mittlerweile viel zu spät dafür ist. Sowohl innerhalb der Dramaturgie der Marvel-Filme, als auch was die Herangehensweise betrifft, hat das Agentenabenteuer den richtigen Zeitpunkt schon lange verpasst.

Black Widow ist tot, es lebe Black Widow

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Black Widow ist tot. In Avengers: Endgame opfert sie sich in einer der tragischsten Szenen des Films für Hawkeye (Jeremy Renner) und das Schicksal des gesamten Universums, um den Seelenstein in den Besitz der Avengers zu bringen und damit die gefallenen Helden aus dem Infinity War wieder auferstehen zu lassen.

Es war ein hochemotionaler Schlusspunkt in der Geschichte von Black Widow, die Marvel-Fans über viele Filme hinweg verfolgen durften. Auch wenn es traurig ist, war es doch ein würdiges Ende, dass jetzt durch den neuen Film an Wirkung verliert.

Das Prequel, das im Anschluss an die Ereignisse von The First Avenger: Civil War spielt, ändert zwar nichts am Schicksal von Black Widow. Dennoch wirkt es aus dramaturgischer Sicht nun völlig deplatziert, sie wieder putzmunter auf der Leinwand Schurken verprügeln zu lassen.

Wenn der Tod einer Filmfigur mit der Gewissheit verknüpft ist, sie nie wieder in der Rolle wiederzusehen, dann hat er mehr Gewicht, als wenn sie jederzeit für einen neuen Film zurückkehren kann, der bequemerweise vor ihrem Tod spielt. Oder wünscht sich ernsthaft jemand, dass Tony Stark zurückkehrt, nachdem er ihn in Avengers: Endgame einen so schönen Abschluss bekommen hat?

Black Widow wird unter der Last von Endgame leiden

Wie auch Hawkeye war Black Widow unter den Avengers immer eine Ausnahmeerscheinung, weil sie nicht über Superkräfte verfügt. Die beiden Normalos verliehen der Superhelden-Truppe immer eine angenehm menschliche Seite, die unter grüner Haut, High-Tech-Rüstungen und asgardischen Bauchmuskeln nicht so leicht zu finden war.

Während Black Widow bodenständig blieb, kamen immer außergewöhnlichere Helden ins MCU. Vision, Scarlett Witch oder Doctor Strange beherrschten Fähigkeiten weit über ihrer Liga und mit Thanos und den Infinity Steinen wurden die Zuschauer der Marvel-Filme an immer größere Mächte gewöhnt. Black Widows Quasi-Selbstmord in Endgame stand auch symbolisch dafür, den neuen Umständen nicht mehr gewachsen zu sein.

Einen Film in der zweiten oder dritten Phase des MCU hätte Black Widow besser stemmen können. Doch mittlerweile ist einfach zu viel passiert, die mächtigen Eternals stehen schon in den Marvel-Startlöchern und es wird schwer für Scarlett Johansson, jetzt noch zu glänzen. Es müsste schon ein innovativer Ansatz her, aber den werden wir vom MCU nicht bekommen.

Black Widow ist unoriginell

Der Trailer zu Black Widow wirkt leider wie die typische Marvel-Kost, die wir schon etliche Male serviert bekommen haben. Action, Humor und schnippische Dialoge sorgen kombiniert für ein kurzweiliges Abenteuer. Tonal gesehen die selbe alte Leier.

An den Bombast der Avengers-Filme kann der Solofilm sowieso nicht heranreichen. Es bräuchte den Mut, sich einem speziellen Genre zu widmen, um sich von anderen Teilen abzugrenzen.

DC hat mit dem Joker vorgemacht, dass das zum Erfolg führen kann. Doch Marvel riskiert nichts: Statt mit der Action auf dem Boden zu bleiben und einen dedizierten Spionage-Thriller zu bieten, muss Black Widow im Trailer auch noch fliegen (oder besser gesagt: mit Stil fallen), um ins Superhelden-Genre zu passen.

Von besonderen eigenen Qualitäten ist in der Vorschau zu Black Widow keine Spur. Vor ein paar Jahren hätte das noch funktionieren können, doch nach etlichen Marvel-Filmen wirkt der neue MCU-Teil so generisch, langweilig und egal wie Ant-Man 2. Ein Lückenfüller auf dem Weg zu Phase vier und ein gut gemeintes Abschiedsgeschenk an Scarlett Johansson, das dafür aber viel zu spät kommt.

Was haltet ihr vom Trailer zu Black Widow? Ergibt der MCU-Film überhaupt noch Sinn?

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