Hacksaw Ridge im TV: Das sind die wahren Hintergründe des Kriegsdramas

Andrew Garfield in Hacksaw Ridge
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Anfang 2017 lieferte Regisseur Mel Gibson mit Hacksaw Ridge ein bildgewaltiges Kriegsdrama. Es dreht sich um den Sanitäter Desmond Thomas Doss (gespielt von Andrew Garfield). Der junge Soldat wollte im Zweiten Weltkrieg zwar seinem Land dienen, nicht aber zur Waffe greifen. Später rettete Doss während der Schlacht um Okinawa schätzungsweise 75 Kameraden das Leben und wurde dafür mit der Medal of Honor ausgezeichnet.

Gibsons bis heute letzte Regiearbeit wurde bei der Oscarverleihung nicht nur mit gleich zwei Goldjungen ausgezeichnet (Bester Schnitt, Bester Ton-Mix), sondern brachte Garfield auch eine Nominierung als Bester Hauptdarsteller ein. RTL zeigt Hacksaw Ridge heute Abend um 22:05 Uhr in der Free TV-Premiere.

Die wahre Geschichte von Desmond Thomas Doss

Die Geschichte des Amerikaners Desmond T. Doss wurde zuvor bereits 2004 im Dokumentarfilm The Conscientious Objector von Terry Benedict näher beleuchtet. Mithilfe von Archivmaterial und Interviews unter anderem mit Desmond Doss selbst lassen sich die wahren Hintergründe dieser bewegenden Geschichte besser verstehen (via History vs. Hollywood).

Glaube verbietet den Griff zur Waffe

Desmond Thomas Doss wurde am 7.2.1919 in Virginia geboren. Als Sohn einer strenggläubigen Familie, die zur Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten gehörte, prägten die Texte der Bibel das Leben des Jungen von klein auf. Besonders das sechste Gebot "Du sollst nicht töten" sah Doss als Leitfaden für seine spätere Entscheidung, nicht zur Waffe zu greifen.


Wie Doss im Rahmen der Dokumentation verriet, wollte er sich an Jesus ein Beispiel nehmen und Leben retten, statt Leben zu nehmen und gab dies als Grund an, weshalb er sich als Sanitäter am Zweiten Weltkrieg beteiligte.

Ein einscheidendes Erlebnis bestärkte Doss in seinem Bestreben, niemals eine Waffe zu halten: Sein Vater und Onkel gerieten betrunken in eine Prügelei, in der Desmonds Vater schließlich eine Schusswaffe zog. Nur das Einschreiten der Mutter konnte Schlimmeres verhindern.

Es war dieser Moment, in dem der spätere Kriegsheld schwor, niemals eine Waffe anzurühren. Im Film wird übrigens impliziert, der Streit habe zwischen Desmonds Vater und Mutter stattgefunden.

Desmond Doss wurde für seine Entscheidung verachtet

Nachdem sich immer mehr junge Amerikaner im Zweiten Weltkrieg für den Militärdienst meldeten, wollte auch Desmond seinem Land dienen und trat im April 1942 der United States Army bei. Während seiner Ausbildung in Fort Jackson stieß er aufgrund seiner Entscheidung von Beginn an auf Ablehnung.


Um ihn doch noch dazu zu bewegen, eine Waffe zu führen, wurde Desmond von seinen Vorgesetzten durchgehend unter Druck gesetzt und eingeschüchtert. Seine Kameraden bezeichneten ihn als Pest und warfen ihm vor, eine Show abzuziehen. Da Desmond stets eine Bibel bei sich trug und jeden Abend betete, wurde er scherzhaft "Heiliger Jesus" genannt.

"Manche zogen ihre Schuhe aus und warfen sie nach ihm [...]", wie Ken Lafond, ein früherer Militärangehöriger berichtet. Außerdem soll ein Kamerad gedroht haben, Desmond auf dem Schlachtfeld zu erschießen.

Ironie des Schicksals

Captain Jack Glover (im Film gespielt von Sam Worthington) versuchte noch, den unerschütterlichen Soldaten aus seinem Bataillon zu werfen, wie der echte Glover in der Dokumentation zugibt. Während der späteren Schlacht um Okinawa änderte sich seine Meinung jedoch spätestens, als ausgerechnet Desmond ihm das Leben rettete.

Die Schlacht um Okinawa

Als Sanitäter im 77. Regiment der 307. Infanterie wurde Desmond Doss 1945 an die Küste der japanischen Insel Okinawa verlegt. Dass er zuvor bereits an der Schlacht von Guam und der Schlacht von Leyte teilnahm und im Zuge dessen für außerordentliche Tapferkeit ausgezeichnet wurde, lässt Gibson in seinem Film aus.


Auf der Insel, die fast gänzlich von einer fast 100 Meter hohen Steilküste, der sogenannten Hacksaw Ridge umgeben ist, kam es zu verheerenden Feuergefechten zwischen japanischen und amerikanischen Soldaten. Die Japaner waren darauf fokussiert, zunächst die amerikanischen Sanitäter auszuschalten, um die Moral der Truppen zu senken. Aus diesem Grund entfernten die Sanitäter sämtliche Erkennungszeichen von ihrer Uniform.

Während seines Aufenthalts widersetzte sich Desmond allen Gefahren und rettete am 5. Mai 1945 innerhalb von 12 Stunden schätzungsweise 75 Kameraden das Leben, indem er sie unter ständigem Beschuss durch japanische Soldaten eigenhändig von der Klippe und in Sicherheit beförderte.

Mel Gibson hinterlässt in seinem Film den Eindruck, die Schlacht erstreckte sich lediglich über wenige Tage. Tatsächlich aber befand sich Desmond sich mit seiner Einheit etwa drei Wochen an der Steilküste.

So knapp entkam Desmond Doss dem Tod

In der Dokumentation The Conscientious Objector erinnert sich ein japanischer Soldat, Desmond während seiner Rettungsaktion im Visier gehabt zu haben. Aufgrund eines klemmenden Abzugs kam es jedoch nie zum tödlichen Schuss.


Dennoch trug der Sanitäter während seiner Mission einige Verletzungen davon. So hinterließ eine Granatenexplosion 17 Splitter in seinem Körper. Als er sich daraufhin einem verwundeten Kameraden näherte, wurde er von einem Scharfschützen am linken Arm getroffen. Gibson entschied sich, dieses Ereignis wegzulassen, da es in seinen Augen für die Zuschauer zu unglaubwürdig sei.

Desmond Doss erhält die Medal of Honor

Am 12. Oktober 1945 wurde Desmond Doss im Weißen Haus vom damaligen US-Präsidenten Harry S. Truman für seine Taten mit der Medal of Honor ausgezeichnet. Damit war er der erste Soldat, der ohne je eine Kugel abgefeuert zu haben, mit der höchsten Auszeichnung der amerikanischen Streitkräfte geehrt wurde.

Falls ihr mehr über die wahren Hintergründe der Geschichte um Desmond T. Doss erfahren wollt, können wir euch die Dokumentation The Conscientious Objector ans Herz legen.

Habt ihr Hacksaw Ridge schon gesehen?

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