Heute im TV

Ab in die 1950er mit Pleasantville

Bud (David) hilft seiner Mutter dabei, ihre neu gewonnene Farbe abzudecken
© Concorde Film
Bud (David) hilft seiner Mutter dabei, ihre neu gewonnene Farbe abzudecken

Stellt euch vor, ihr bekämt eine seltsame Fernbedienung und müsstet euer eigenes Leben gegen das eines Serien-Charakters eintauschen: Gary Ross lieferte mit Pleasantville sein Regiedebüt ab und geht darin der Frage nach, was wohl passiert, sobald wir nicht mehr selbst der Herr über unser TV-Programm sind – sondern wir stattdessen von der fiktiven Welt fremdbestimmt werden. Gary Ross lässt dabei außerdem zwei Generationen aufeinanderprallen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und präsentiert uns eine Parabel über Vorurteile, Rassismus und sozialen Wandel, die sich auch noch auf technisch höchstem Niveau spielt.

David (Tobey Maguire) und Jennifer (Reese Witherspoon) sind der Inbegriff der Teenager aus den 90ern: Ihre Eltern haben sich getrennt, die Schule nervt und David flüchtet sich deshalb am liebsten in die Harmonie-Welt seiner Lieblingsserie Pleasantville, die in den 50ern spielt. Seine Schwester genießt stattdessen lieber das Leben zusammen mit ihren Freunden und kann ihren Bruder nur belächeln. Eines Abends kommt es dann zu einem heftigen Streit um das Fernsehprogramm und zum besonderen Entsetzen von Jennifer landen die beiden wie von Zauberhand selbst in Pleasantville – natürlich in Schwarz-Weiß. Während sich David hier anscheinend wohl fühlt, will Jennifer ihr altes Leben auf keinen Fall aufgeben und sich nicht dem Spießbürgertum ihrer neuen Umgebung anpassen. Dadurch bringt aber sie einige schwerwiegende Veränderungen ins Rollen, die das bisherige Leben der Pleasantville-Bewohner gehörig auf den Kopf stellen und allmählich Farbe in die Ortschaft bringen. Und das nicht gerade zur Freude aller Beteiligten.

Pleasantville ist ein sehenswerter Film zwischen Märchen und Satire, der eine Moral à la Leben heißt Veränderung und Werte wie Neugierde, Liebe, Freiheit und Gleichheit propagiert. Damit schrammt Regisseur Gary Ross zwar nur knapp am Kitsch vorbei, aber gleichzeitig ist zum Beispiel das Nebeneinander von Schwarz-Weiß und Farbe mehr als eindrucksvoll. Und abgesehen von der poetischen Inszenierung glänzen nicht nur die Hauptdarsteller, sondern vor allem auch die Auftritte von William H. Macy, Joan Allen und Jeff Daniels überzeugen auf ganzer Linie. Pleasantville war 1999 deshalb zurecht drei Mal für den Oscar nominiert (Bestes Szenenbild, Bestes Kostüm-Design und Beste Musik bzw. Best Original Dramatic Score von Randy Newman).

Was: Pleasantville (1998)
Wann: 20:15 Uhr
Wo: Tele5

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