Heute im TV: Unglaublich erschütterndes Kriegsdrama nach wahrer Geschichte, das 2021 mit Preisen überhäuft wurde

28.07.2023 - 09:40 UhrVor 7 Monaten aktualisiert
Quo vadis, Aida?farbfilm/Filmwelt
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Heute läuft ein erschütterndes Kriegsdrama im Fernsehen, das von den Tagen vor dem Massaker von Srebrenica erzählt. Warum sich Quo Vadis, Aida? lohnt, lest ihr hier.

Eine Übersetzerin gerät zwischen die Fronten im Kriegsdrama Quo vadis, Aida?, das die Ereignisse unmittelbar vor und während des Völkermords von Srebrenica nachzeichnet. In den Juli-Tagen 1995 wurden mehr als 8000 muslimische Bosniaken, überwiegend Jungen und Männer, von bosnisch-serbischen Sicherheitskräften ermordet.

Die internationale Koproduktion wurde nach der Premiere beim Filmfestival von Venedig 2020 mit Lob überschüttet, aber es wäre selbst dem treusten Arthouse-Publikum verziehen, wenn es den Film zwischen den diversen Covid-Lockdowns übersehen hat. Am heutigen Freitag gibt es die Chance, Quo Vadis, Adia? von Jasmila Zbanic nachzuholen.

Die Geschichte von Quo Vadis, Aida? in Kürze

Es ist der Sommer 1995, und während der Krieg die Region erschüttert, kämpft Aida (gespielt von Jasna Djuricic) zusammen mit ihrer Familie ums Überleben in der Stadt Srebrenica. Die ehemalige Lehrerin arbeitet als Übersetzerin für die Vereinten Nationen, was ihr eine gewisse Sicherheit inmitten des Chaos bietet.

Quo Vadis, Aida?

Als die Truppen der bosnischen Serben die Stadt einnehmen, verschlechtert sich die Situation dramatisch. Aida wird durch ihre Arbeit Zeugin der Verhandlungen zwischen General Mladić, der später als Kriegsverbrecher verurteilt wurde, und den Blauhelm-Truppen unter dem Kommando des Niederländers Thom Karremans. Die Situation wird für sie und ihre Familie immer bedrohlicher, denn der Schutz der UN-Truppen beginnt zu bröckeln.

Warum der Film unbedingt sehenswert ist

Die Geschichte basiert lose auf Hasan Nuhanović' Buch Unter der Flagge der Vereinten Nationen. Die Staatengemeinschaft und der Völkermord von Srebrenica. Selbst ohne historisches Hintergrundwissen über das Massaker von Srebrenica, ist die Grundstimmung eines nahenden Unglücks in Quo Vadis, Aida? unverkennbar.

Regisseurin und Autorin Jasmila Zbanic erzielt diesen Effekt, indem sie Aida selten aus den Augen lässt. Wir klemmen gewissermaßen an den Fersen der engagierten Frau, ihrem Spießrutenlauf durch die militärische Bürokratie, den kleinen Siegen und der grauenhaften Ohnmacht ihrer Position als Übersetzerin. Aida ist eine Macherin, ständig auf dem Sprung, ständig am Abwägen und Entscheiden, weshalb ihre Kollision mit der Untätigkeit der UN-Truppen sich umso furchtbarer anfühlt.

Zbanic verzichtet auf eine allzu explizite Darstellung des Massakers und findet ihre erschütterndsten Momente in den Szenen, die von dessen Ermöglichung handeln. Wenn Aida unter den bosnisch-serbischen Truppen ehemalige Nachbarn und Schüler trifft und die Uniform wie ein Freifahrtschein zur Erniedrigung wirkt, erzählt Quo Vaids, Aida? von dem individuellen Profit, der auf niederster Ebene aus dem Krieg geschlagen wurde.

  • Quo Vadis, Aida? läuft am heutigen 28. Juli ab 20:15 Uhr bei Arte. Wer den Film verpasst hat, kann ihn kostenlos in der Arte Mediathek streamen.

2021 wurde Quo Vadis, Aida? für den Oscar nominiert, erhielt drei europäische Filmpreise, unter anderem als Bester Film, und wurde mit dem Independent Spirit Award als Bester internationaler Film ausgezeichnet.

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