J.K. Rowling gefährdet die Zukunft von Harry Potter

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© Warner Bros.
Harry Potter
13.06.2020 - 10:20 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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Die Harry Potter-Schöpferin widerspricht mit ihren transphoben Äußerungen den Werten ihrer Geschichten. Fans wenden sich von ihr ab. Was bedeutet das für die Zukunft der Reihe?

Es hat eben nicht mit dieser einen Tweet-Reihe begonnen, die J.K. Rowling am vergangenen Wochenende aussendete an über 14 Millionen Follower. Rowling betreibt auf ihrem Twitter-Account schon länger eine Agenda: Sie retweetet und liket Posts, die große Teile der Trans-Community und des Harry Potter-Fandom verletzen. Sie verhalte sich wie eine Aktivistin und Expertin für Transgender-Themen, schreibt Laura Bradley in The Daily Beast .

Sie unterstützte öffentlich eine Person, die wegen transphobischer Tweets entlassen  wurde. Sie tut das alles in einer befremdlichen Regelmäßigkeit.

Harry Potter-Fans aufgebracht: Der Auslöser des Tweet-Storms um Rowling

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Die Harry Potter-Schöpferin hat sich mit einer nicht nachvollziehbaren Vehemenz in eine Auseinandersetzung mit der Trans-Community verrannt.

Diskussionsangebote, etwa von der Organisation GLAAD , schlägt sie aus. Rowling beharrt, aber sie äußert sich ohne Themenkompetenz, meint Laura Bradley: "Rowlings Post stellt klar, mehr als alles andere, wie wenig sie über die Trans-Community weiß und von ihr versteht."

Die Auseinandersetzung mit der Trans-Community wächst jetzt unwiderruflich mit der öffentlichen Persona J.K. Rowling zusammen, die mit ihren Büchern so viele Kinder und heutige Erwachsene beeinflusste wie keine andere Schriftstellerin. Sie schadet damit auch der Welt und den Figuren (der Marke), die sie erschaffen hat.

Wie J.K. Rowlings Äußerungen Harry Potter gefährden

Mit ihren Standpunkten können sich viele Fans nicht identifizieren, Variety  trug einige Stimmen zusammen.

“Wenn jemand, der so aktiv und für so viele Jahre für Gleichheit und Toleranz stand, eine marginalisierte Gruppe niederschlägt - und alle Harry Potter-Fans, die genauso fühlen - bin ich irgendwie am Boden zerstört", sagt zum Beispiel Melissa Anelli, die Harry Potter-Fan-Conventions ausrichtet.

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Genauso geht es den direkt an dem Franchise Beteiligten. Schauspieler und Schauspielerinnen aus der Harry Potter-Welt solidarisieren sich mit der Community und grenzen sich damit von Rowling ab.

Statements gibt es von ...

Die besondere Beziehung zwischen dem Harry Potter-Franchise und J.K. Rowling

Das Studio Warner Bros. hält die Rechte an der Wizarding World, in der die Geschichten aus dem Harry Potter-/Rowling-Fundus zusammengefasst sind. Warner wittert die Gefahr für sein neben DC wohl wertvollstes Franchise. Das gestern veröffentlichte Statement  ist vergleichsweise ein Witz, die Stars oben positionieren sich deutlicher gegen Rowling.

Doch allein, dass sich das Studio gezwungen sieht, eine Erklärung abzugeben, legt die enge Verknüpfung zwischen Rowling und dem Franchise offen, die in der Filmwelt derzeit einmalig ist: Warner fürchtet offenbar die Infizierung der Marke. Harry Potter ist eine der jüngsten Popkultur-Marken, die stetig Filme, Serien, Spielzeuge, Bücher, T-Shirts und Kugelschreiber hervorbringt. Herr der Ringe, Star Wars, DC und Marvel sind allesamt mindestens zwei Jahrzehnte älter, wenigstens in der Kinopräsenz.

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Und bis auf Herr der Ringe, dessen Erfinder Tolkien schon tot ist, ist keine der Marken derart zentral an eine einzelne Person gebunden. Vergleichbar wäre in diesem Club wohl nur die Beziehung zwischen George Lucas und Star Wars. Lucas ist seit dem Verkauf an Disney aber öffentlich von Star Wars abgetrennt.

Neue Filme, Bücher oder Serien sind unmittelbar abhängig von Rowlings Gedanken. Ihre Werte decken sich nun jedoch nicht mehr mit einem großen Teil der Anhänger, denen sie auch außerhalb der Geschichten Orte geschenkt hat , um sich auszutauschen. Der Harry Potter-Fandom ist eine der lebhaftesten, freundlichsten und einfühlsamsten, was wissenschaftliche Studien  auf die mit den Büchern aufgesogenen Werte zurückführen

Kann Warner es für sich vertreten, künftige von Rowling erdachte Geschichten zu verfilmen, wenn die Autorin doch so stark den Werten des Zielpublikums widerstrebt?

Alles, was Rowling denkt, tut und postet färbt auf die Geschichten ab, die aus ihrer Welt entstehen und ihrer Feder entfließen. Sie schrieb an den Drehbüchern der beiden Fantastic Beasts-Filme mit, drei weitere sollen noch kommen.

Johnny Depp, jetzt Rowling: Die Fantastic Beats-Filme wanken

Der Erfolg und das Fortkommen der Fantastic Beasts-Reihe bröckelt bereits unter den Widersprüchen zwischen Fandom und Schöpferin. Rowling etwa nickte die Weiterbeschäftigung von Johnny Depp (als Gellert Grindelwald) ab, dem von seiner Ex-Partnerin Amber Heard Häusliche Gewalt vorgeworfen wird. Auch mit dieser Entscheidung waren viele Fans nicht einverstanden.

Der Superstar könnte leicht ersetzt werden, die Verantwortlichen halten aber an ihm fest. Fantastic Beasts Teil 2, der nach Depps Figur benannt ist, erfüllte die Einspielerwartungen nicht. Teil 3 kämpft mit kreativen Problemen und musste verschoben werden.

Im Frühling belastete Ezra Miller, der Credence spielt, das Vertrauen in die Marke zusätzlich. Es existiert ein Video, in dem er eine Frau würgen soll .

Tierwesen 2

Ist eine Harry Potter-Zukunft ohne J.K. Rowling denkbar?

All das wirft ein unappetitliches Licht auf ein Franchise, in dem noch viel Potential steckt und das sich eigentlich in einem gesunden Wachstum befand. Rowlings öffentliches Gebaren wird künftige Projekte jetzt eher bremsen als befördern.

Aus der Situation ergeben sich besorgniserregende Fragen für das Franchise.

  • Wie wird sich Rowlings Verhalten auf die künftige Zusammenarbeit mit Warner auswirken?
  • Sitzt das Studio den Tweet-Storm einfach aus?
  • Und können die Fans, die jetzt verletzt sind, wieder vergessen?
  • Oder beginnt J.K. Rowling die offene Auseinandersetzung, die sich viele Vertreter der Community wünschen?

Oder entfernen sich Schöpferin, Studio und Fandom weiter voneinander? Schauspieler lassen sich leichter ersetzen als die Schöpferinnen einen ganzen Welt. Rowling besitzt die Wizarding World, die Filmrechte liegen weiterhin bei Warner. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hat sich hinter der Schöpferin aber eine Achse aus Harry Potter-Spezialisten gebildet, die in der Lage wären, das Filmfranchise fortzuführen, auch ohne die Unterstützung von Rowling. David Yates, Steve Kloves, Jack Thorne etwa.

So weit sind wir noch nicht. Rowlings Äußerungen gegen die Trans-Community sind nicht nachvollziehbar, sie hat dem Harry Potter-Franchise bereits Schaden zugefügt. Sie müsste sich jetzt auf die Werte ihrer Bücher besinnen und Empathievermögen beweisen, damit die Zukunft der Reihe wieder von ihrer einstigen Menschlichkeit profitiert. Und nicht in rückständiger Kleingeistigkeit vertrocknet.

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Wir diskutieren die positive und negative Kritik an Staffel 1, wie Tote Mädchen lügen nicht in Staffel 2 sein eigenes Trauma (nicht genug) verarbeitet und was am Ende problematisch ist.

Könnt ihr euch Harry Potter ohne J.K. Rowling vorstellen?

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