Das Harry Potter-Franchise strauchelt: Phantastische Tierwesen 3 in der Krise

Bringt Phantastische Tierwesen 3 das Harry Potter-Franchise in Gefahr?
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Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.

Nachdem Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen gelaufen ist, liegt bei Phantastische Tierwesen 3 so einiges im argen. Es gibt nicht nur einen, sondern gleich mehrere Krisenherde, die einen Schatten auf die Fortführung von J.K. Rowlings Harry Potter-Universum werfen.

Das heißt natürlich nicht, dass die Warner Bros. Studios die restlichen drei noch angekündigten Filme der Tierwesen-Saga nun absagen werden. Doch es zeigt eine zauberhafte Welt in der Krise. Wir haben für euch aufgeschlüsselt, worin die Probleme des Sequels Phantastische Tierwesen 3 bestehen.

Phantastische Tierwesen und wo das Geld zu finden ist

Geld regiert die Welt - und die Zaubererwelt von Harry Potter ist davon nicht ausgenommen. Lasst uns deshalb mit dem offensichtlichsten Problem von Phantastische Tierwesen 3 anfangen: An den Kinokassen blieb Phantastische Tierwesen 2 weit hinter den finanziellen Erwartungen zurück.

Laut Box Office Mojo spielte das Tierwesen-Sequel nur ca. 160 Millionen Dollar in den USA und 494 Millionen im Rest der Welt ein. Die Gesamt-Summe von über 650 Millionen Dollar mag einem Ottonormalzauberer, dessen Gringotts-Verließ nur ein paar einsame Galleonen aufweist, groß vorkommen. Doch Warner ist von der Zaubererwelt ganz andere Zahlen gewohnt. Das unerwartet niedrige Einspielergebnis macht Phantastische Tierwesen 2 zum mit Abstand Einnahme-schwächsten Film des gesamten Harry Potter-Franchises.

Das ist kein Flop, signalisiert aber definitiv sinkendes Zuschauerinteresse. Bei einer Differenz von fast 200 Millionen Dollar zum am wenigsten erfolgreichen Harry Potter-Film und fast 700 Millionen zum erfolgreichsten, darf es aber nicht verwundern, dass das Studio nachdenklich gestimmt ist, wofür das Budget von 200 Millionen Dollar verpulvert wurde.

Phantastische Tierwesen 3: In der Ruhe liegt die Magie

Wenn ein Film wie Phantastische Tierwesen 2 enttäuscht, wird natürlich nach Gründen gesucht. Die zum Teil verheerenden Filmkritiken prangerten das Sequel als "fehlgeleitet" und "irrelevant" oder schlicht als "schlechten Film" an. Negative Kritikerstimmen hoben vor allem die zerstückelt wirkende Erzählung hervor, die inmitten all der Fan-Service-Harry-Potter-Referenzen nicht auf eigenen Füßen stehen könne.

Schon früh wurde klar, dass Phantastische Tierwesen 2 mit seinem holperigen Schnitt kurz vor dem Kinostart in November 2018 noch radikal gekürzt und verändert wurde. Der später veröffentlichte Extended Cut zum Heimkinostart bestätigte das. Viele vermuteten deshalb, dass die Fortsetzung unter Zeitdruck überstürzt zu Ende gebracht worden war.

Die Konsequenzen, die Warner daraus zog, zeigten sich Anfang 2019 mit einer Verschiebung der Dreharbeiten von Teil 3. Die Entschleunigung sollte einen (weiteren) zu gehetzten Film verhindern. Harry Potter-Autorin und Tierwesen-Drehbuchschöpferin J.K. Rowling erhielt mehr Zeit zum Schreiben und das Sequel bekam dadurch die Gelegenheit, solange zu "köcheln, wie es nötig ist".

Ob sich die Verspätung lohnt, wie Jacob-Darsteller Dan Fogler es für den "noch größeren Film" versprach, wird natürlich nur die Zeit zeigen können. Mehr Komplexität könnte schließlich auch mehr Chaos bedeuten.

Außerdem sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Ermüdung vieler Harry Potter-Fans gegenüber Kanon-Änderungen und -Ergänzungen durch J.K. Rowling schon stattliche Meme-Ausmaße angenommen hat. Das aber ist nicht eben die beste Voraussetzung für ein weitere Harry Potter-Spin-off.

Phantastische Tierwesen und die Angst um Harry Potters Image-Schaden

Das Tierwesen-Team bei Warner ist sich seiner Probleme bewusst. Die schlechtere Qualität des Sequels wurde vom Studio so gut wie zugegeben, wie Cinemablend zuletzt zitierte:

Der zweite Tierwesen-Film lief nicht so gut wie der erste, aber wir glauben zu wissen, was wir tun müssen, damit der dritte Film hoffentlich noch besser wird als der erste. J.K. Rowling arbeitet hart am dritten Skript und wir werden es richtig machen. [...] Wir wollen einen alleinstehenden Film erschaffen, der [auch] von jemanden genossen werden kann, der nicht tief im [Harry Potter-]Mythos drinsteckt.

Diese Aussage mag gewisse Einsichten offenlegen, stammt zugleich jedoch von Warners einstigem CEO Kevin Tsujihara. Als leitender Geschäftsführer ist er mittlerweile zurückgetreten - und zwar nach Vorwürfen zu eingeforderten sexuellen Gefälligkeiten gegenüber einer Schauspielerin, wie unter anderem Variety berichtete. Daran knüpft sich offenbart ein drittes großes Problem der Tierwesen-Reihe: ihr in Verruf geratenes Personal.

Dazu zählt an vorderster Front natürlich die Johnny Depp-Kontroverse: Johnny Depp sorgte mit seiner Besetzung als Grindelwald von Beginn an für Aufregung. Nachdem seine Ex-Frau Amber Heards ihn öffentlich häuslicher Gewalt bezichtigte, forderte viele, Johnny Depp bei der Phantastische Tierwesen-Reihe zu feuern. Der Schauspieler schwieg lange, während Regisseur David Yates sich hinter ihn stellte und auch J.K. Rowling ihn öffentlich verteidigte. Erst spät brach er selbst sein Schweigen. Mittlerweile läuft ein Gerichtsprozess, bei dem sich wiederum Amber Heard Johnny Depps Gewalt-Vorwürfen stellen muss.

Zuletzt zeigten sich Warner-Mitarbeiterinnen besorgt über die Zusammenarbeit mit Johnny Depp und die Botschaft, die das an die Außenwelt senden würde. Das legte die Krise von Phantastische Tierwesen 3 erneut offen: Die Harry Potter-Reihe hat einst als Kinderbuch-Verfilmung begonnen, doch auch das erwachsene Publikum kennt Grenzen. Wie viel negative Publicity kann die Zaubererwelt aushalten, bevor - unabhängig von Schuld und Unschuld - Konsequenzen gezogen werden?

Fürchtet ihr um das Schicksal der noch kommenden Phantastische Tierwesen-Filme?

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Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.
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