Jetzt ist The Walking Dead komplett größenwahnsinnig geworden

Andrew Lincoln als Rick Grimes in The Walking Dead, Staffel 9
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Andrew Lincoln als Rick Grimes in The Walking Dead, Staffel 9
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Schaut zu viel ins Internet.

Was hat eigentlich Scott M. Gimple das letzte halbe Jahr lang gemacht? Bis zum Ende der 8. Staffel fungierte er als Showrunner von The Walking Dead. Mit der jüngsten Verlängerung hat er seinen Posten jedoch geräumt, um bei AMC als Chief Content Officer die ganze Marke zu beaufsichtigen. Was das bedeutet, war bisher nicht wirklich klar. Mit Ausstrahlung von Andrew Lincolns letzter Folge von The Walking Dead bringt ein umfangreicher Bericht des Hollywood Reporters etwas Licht ins Dunkel: The Walking Dead erwartet eine massive Expansion, deren Kronjuwel nach aktuellem Stand drei aufwendig produzierten Fernsehfilme sind, die mit Rick Grimes als Protagonisten aufwarten. Nachdem die Serie zuletzt aber vor allem mit sinkenden Quoten für Schlagzeilen sorgte, gleicht diese Franchise-Erweiterung einer größenwahnsinnigen Verzweiflungstat und ist trotzdem irgendwie bemerkenswert.

Uns erwarten unzählige neue The Walking Dead-Projekte

Wenn wir Scott M. Gimples Worten Glauben schenken dürfen, haben wir noch nicht einmal die Spitze des The Walking Dead-Eisbergs gesehen. Zwar befindet sich AMCs Serienflaggschiff, das auf Robert Kirkmans gleichnamiger Comicvorlage basiert, inzwischen in der neunten Runde und hat ebenfalls das Spin-off Fear the Walking Dead hervorgebracht. Dass die Marke populär ist, dürfte an dieser Stelle niemand infrage stellen. Mit Gimple als hauseigenen Kevin Feige will AMC das The Walking Dead-Universum endgültig in eines der dominierenden Franchises unserer Zeit verwandeln - dagegen sehen selbst HBOs Game of Thrones-Spin-off-Pläne alt aus. Doch was hat Gimple für The Walking Dead genau angekündigt?

  • Drei hochbudgetierte Fernsehfilme mit Andrew Lincoln
  • Mögliche neue The Walking Dead-Serien
  • Diverse The Walking Dead-Specials
  • Digitaler High-Quality-Content
  • Nicht näher definierte, weitere The Walking Dead-Projekte

Fünf große Punkte listet Gimple auf, nachdem er gegenüber dem Hollywood Reporter etabliert hat, dass es noch bedeutend mehr Geschichten aus dem The Walking Dead-Universum zu erzählen gibt. Während wir uns unter den drei Fernsehfilmen durchaus etwas vorstellen können und die Ankündigung weiterer potentieller Spin-off-Serien ebenfalls niemanden überraschen dürfte, stellt sich die Frage, was sich hinter den anderen Punkten verbirgt. Als Special könnte etwa eine Webserie wie Fear the Walking Dead: Flight 462 verstanden werden, was sich ebenfalls mit dem digitalen Qualitätsinhalten vereinen könnte, von begleitenden Formaten wie Talking Dead ganz zu schweigen. Wo aber führen all diese Inhalte hin?

The Walking Dead kämpft gegen die Übersättigung

Star Wars und Marvel haben es vorgemacht, jetzt soll The Walking Dead ebenfalls auf allen Kanälen die Fans begeistern. Vor Übersättigung hat Gimple trotzdem keine Angst, wie er es in seinen eigenen Worten zum Ausdruck bringt:

Übersättigung ist ein Wort, über das ich viel nachgedacht habe. Wir veröffentlichen die Inhalte allerdings nicht alle gleichzeitig, sondern haben auf sehr lange Sicht geplant.

Nach zehn Jahren Marvel Cinematic Universe ist klar, worauf er anspielt: Drei Kinofilme pro Jahr und zahlreiche Serienproduktionen bilden die Spitze eines Franchises, das inzwischen gar nicht mehr von einem Fan alleine wahrgenommen werden kann, sondern die geballte Kraft des Internets in Anspruch nimmt, um alle Easter Eggs ausfindig zu machen. Dass Gimple langfristig plant, ist eigentlich löblich, da es in der Theorie die Wahrscheinlichkeit eines Schnellschusses verringert. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob er die mögliche Übersättigung nicht unterschätzt, wenn selbst ein Mega-Franchise wie Star Wars mit einem Han Solo-Spin-off baden gehen kann.

Als Kevin Feige seinerzeit die MCU-Pläne bis zu Avengers: Infinity War enthüllte, war das Franchise noch lange nicht erschöpft, sondern sprudelte wie ein fröhlicher Quell, der selbst ein abseitigeres Projekt wie Guardians of the Galaxy in einen Erfolg verwandeln konnte. Bei The Walking Dead hingegen sind die sinkenden Quoten ein deutliches Signal, dass die Marke längst ihren Höhepunkt erreicht hat. Ungeachtet der Qualität und der Tatsache, dass die Serie selbst mit schlechten Quoten gegenüber der Konkurrenz noch protzen kann, schalten bei The Walking Dead seit den Spitzenwerten der 5. Staffel zunehmend weniger Zuschauer ein, während Fear the Walking Dead quotentechnisch nie wieder an die Auftaktstaffel herankam. Natürlich finden sich nach wie vor bemerkenswerte Spitzen wie die Auflösung des Cliffhanger der 6. Staffel. Doch der Abwärtstrend ist deutlich erkennbar.

Drei filmische The Walking Dead-Events als Rettung der sinkenden Quote

Womöglich versteckt sich in dieser Beobachtung bereits der Schlüssel von Gimples Taktik: Als Event funktioniert The Walking Dead einwandfrei, was aktuell der offensiv angekündigte Ausstieg von Andrew Lincoln beweist. Dass er mit drei Fernsehfilmen das nächste The Walking Dead-Level erreicht hat, fügt sich wunderbar in dieses Narrativ, das Highlights beschwört, um relevant zu bleiben, und sich dabei bis dato abwechslungsreich präsentiert. Fernsehfilme kennen wir im Kontext einer Serie eher aus der Ecke Netflix/HBO, wenn etwa eine vorzeitig abgesetzt Serie wie Sense8 und Looking einen nachträglichen Abschluss erhält. Was Gimple für die The Walking Dead-Filme vorschwebt, scheint allerdings noch einmal eine Spur größer zu sein und das Kronjuwel der neuen Ära.

Wenn wir Rick Grimes das nächste Mal in der Zombie-Apokalypse sehen, dann handelt es sich hierbei um einen "groß angelegten Film, der sich wie Kino-Blockbuster anfühlt", schwärmt Gimple von der nächsten Evolutionsstufe des Franchises. Eine Laufzeit von zwei Stunden soll damit alle bisherigen Episoden der Serie deutlich in den Schatten stellen, selbst wenn diese in Vergangenheit immer öfter die Norm der üblichen 45 Minuten überschritten. Das hört sich durchaus aufregend an, zumal solch ein Sprung bisher nur den wenigsten Serien gelungen ist. Ein ambitioniertes Wagnis, vielleicht spricht aus Gimple aber auch der pure Größenwahn, während die Marke ausgeschlachtet wird und sich in eine gefährliche Sackgasse manövriert. Selbst wenn Gimple die Etablierung neuer Figuren und die Rückkehr alter Figuren in Serien und Miniserien in Aussicht stellt, dürfte The Walking Dead schon bald das Gewichtungsproblem von Fear the Walking Dead wieder einholen.

Das Spin-off lockte mit dem Versprechen, uns eine Facette der Zombie-Apokalypse zu zeigen, die wir noch nicht kannten. Tatsächlich aber konnte sich die Serie nie aus dem Schatten des Mutterschiffs herausbewegen. Stattdessen erfolgte im Verlauf der späteren Staffeln eine mühsame Transformation in einen The Walking Dead-Klon, besiegelt mit Morgans Übergang. Trotzdem hat Fear the Walking Dead nie die Hoheit von The Walking Dead erlangt. Wenn Rick Grimes, neben Daryl und Carol die einzige verbleibende Hauptfigur der 1. Staffel, exklusiv nur noch in Filmen auftritt, stellt sich früher oder später definitiv die Frage der Gewichtung. Es wäre zu schade, wenn die Serie nach all den überwundenen Hürden der Vergangenheit an Bedeutung verliert. Zuversichtlich stimmt da immerhin Angela Kang, die neue Showrunnerin, die mit ihrer bisherigen Arbeit der 9. Staffel bewiesen hat, dass sie ein außerordentlich gutes Gespür für die Fortführung und notwendige Neuausrichtung der Serie mitbringt.

Die 9. Staffel von The Walking Dead läuft sonntags auf AMC und ist montags in Deutschland über FOX und Sky Ticket zu sehen.

Was haltet ihr von den aktuellen Entwicklungen im The Walking Dead-Franchise?

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