Jurassic World: So verteidigen die Macher den grausamsten Tod

20.05.2020 - 17:15 UhrVor 13 Tagen aktualisiert
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Jurassic World: Chris Pratt und die RaptorenAbspielen
© Universal
Jurassic World: Chris Pratt und die Raptoren
Heute kommt Jurassic World beim ZDF. Anlässlich dessen erinnern wir an eine viel kritisierte Todesszene im Blockbuster und die Verteidigung der Macher.

Die Jurassic Park-Reihe ist reich an grausamen Toden, obwohl selten Blut zu sehen ist. Normalerweise sorgen diese Todesszenen in den Dinosaurier-Abenteuern aber nicht für größere Diskussionen. Ganz anders bei Jurassic World.

Nachdem die Fortsetzung der Reihe mit Chris Pratt und Bryce Dallas Howard ins Kino kam, mussten sich die Macher Fragen und Kritik zu einer besonders grausamen Todesszene gefallen lassen. Dabei handelte es sich um das langwierige Ableben von Assistentin Zara. Da Jurassic World heute Abend ab 20:15 Uhr im ZDF zu sehen ist, lohnt ein Blick auf die Kritikpunkte an der grausamen Todesszene. Wie haben sich die Macher dazu geäußert?

Zaras Tod: 40 Sekunden Qual in Jurassic World

Warum musste Zara auf derart grausame Art sterben, fragten sich nach dem Kinostart von Jurassic World einige Kritiker. Und erst vor einem Monat wurde die Szene nochmal bei Twitter geteilt und sammelte fast 2 Millionen Views. Gemeint ist der langwierige Tod von Zara (Katie McGrath), der persönlichen Assistentin von Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) in Jurassic World.

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In der Szene, in der die Dinosaurier im neuen Park wüten, durchlebt die Aufpasserin von Gray (Ty Simpkins) und Zach (Nick Robinson) eine quälende Tortur. Sie wird von Flugsauriern in die Höhe gerissen, hin und her geworfen, landet im Becken des Parks, wird noch einmal von einem Pteranodon aufgegriffen und schließlich von dem Mosasaurus gefressen. 40 Sekunden dauert die Szene, die ihr euch hier anschauen könnt:

Warum die Szene aus Jurassic World als unnötig grausam kritisiert wurde

Die Kritik zielte vor allem auf die Länge der Szene ab. Bösewichte wie Dennis Nedry (Jurassic Park) und Peter Ludlow (Vergessene Welt) wurden mit 30 respektive 15 sekündigen Todesszenen für ihr schlechtes Verhalten bestraft. Die längste Todesszene des ganzen Jurassic-Franchise ereilte aber die unschuldige Zara. The Mary Sue  setzte den Tod daraufhin in den Kontext der problematischen Frauenfiguren in Jurassic World.

Andere Autoren sahen die Todesszene als Ausdruck von generellen Drehbuchproblemen. Bei Birth Movies Death  heißt es beispielsweise, "Zaras Tod fühlt sich an, als wurde er ohne Sorge um die größere Bedeutung der Tötung kreiert". Zara sei im finalen Film schlicht als Figur zu unterentwickelt, um eine so große Todesszene tragen zu können. No Film School  pflichtete damals bei.

Mein persönlicher Eindruck ist: Damals im Kino fühlte sich die Todesszene quälend langsam und gleichzeitig sinnlos an. Fünf Jahre später hat sich die Reaktion nicht verändert. Die Szene gehört zu mehreren im Film, die dem Update von Jurassic Park eine zynische Note verleihen. Sie ähnelt berühmten Franchise-Vorbildern, hat aber keinen tieferen Sinn oder Esprit.

Jurassic World: Das sagen Colin Trevorrow und Bryce Dallas Howard zum Thema

Seit dem Start haben sich verschiedene Beteiligte über die Todesszene in Jurassic World geäußert. Bryce Dallas Howard sprach gegenüber Cinemablend  etwas stolz vom "ersten weiblichen Tod durch einen Dinosaurier in dem Jurassic-Franchise" und gab zu: "Das war ein brutaler Tod, nicht wahr? [Zara] wurde gequält. Okay, sie war halt ein bisschen pflichtvergessen."

Zara (noch lebendig)

Kritische Nachfragen richteten sich an Ko-Autor und Regisseur Colin Trevorrow. In einem Podcast mit JurassicOutpost  erklärte Trevorrow ein Jahr nach dem Kinostart, dass die Szene möglichst viel Schrecken auslösen sollte:

[...] Ich kann nur ehrlich sein und erklären, was das Ziel dahinter war. Und bei Zara ging es darum, die Zuschauer zu überraschen, die glauben, schon alles gesehen zu haben. Wir sind alle Drehbuchautoren, [...] und ein unverdienter Tod ist für mich die Definition von Terror. Das ist sozusagen das, womit wir gerade auf der Welt zurechtkommen müssen, also viele unverdiente Tode, die uns erschrecken.

Niemand ist sicher in den Jurassic World-Filmen

Für den unverdienten Tod fand Trevorrow noch ein (wesentlich kürzeres) Beispiel aus dem ersten Film der Reihe:

Und wisst ihr, Sam Jackson hat es auch nicht verdient, dass sein Arm [in Jurassic Park] abgerissen wird, er hat niemandem etwas getan, aber die Szene, dieser Moment hat dir gezeigt, dass niemand sicher war, dass der Film dich schockieren würde.

Trevorrow ging in Sachen Vorbilder noch weiter:

Die Filme von [Steven Spielbergs Produktionsfirma] Amblin haben das auch immer gemacht und das fand ich toll. Und ich erinnere mich daran, wie dem Typen in Indiana Jones und der Tempel des Todes das Herz herausgerissen wird und meine Eltern schockiert waren und ich dachte, dass das großartig ist und nicht glauben konnte, dass ich das sehen durfte. Und vielleicht ist es etwas egoistisch, aber ich wollte den Kindern von heute dieses Gefühl geben, weil ich denke, dass es ein Teil davon ist, den wir an unserer Kindheit vermissen. [...]

2018 erklärte Trevorrow seine Motivation bei der Todesszene noch einmal bei Twitter  und bekräftigte seinen Wunsch nach dem "puren Terror" beim Zuschauer.

Die Verteidigung der Szene greift nicht ganz

Die Begründung ist durchaus nachvollziehbar, wenn auch die großen Vergleiche aufzeigen, wo die Schwächen der Szene liegen. Der Moment mit Samuel Jacksons Figur bzw. deren Arm in Jurassic Park schockiert als Überraschung und ist ebenso schnell wieder vorbei. Der Schock geht Laura Derns Ellie durch Mark und Bein. Die brutale Opferung in Tempel des Todes hat indes eine klare Funktion im Drehbuch. Sie gruselt mit dem anonymen Opfer für einen Moment, bereitet jedoch auch eine spätere Szene vor, in der sich Indy in derselben Situation wiederfindet.

Katie McGrath bereitet sich auf den Dreh vor

Zaras Leben dagegen wird sprichwörtlich weggeworfen. Darin unterscheidet sich Jurassic World auch von einem der sadistischeren Filme der Reihe: Vergessene Welt - Jurassic Park. Eddie Carr (Richard Schiff) wird in dem Spielberg-Film von einem Tyrannosaurus rex-Paar in zwei Hälften gerissen. Eine brutale und sadistische Szene für einen Blockbuster. Eddie spielte vorher aber eine größere Rolle als Helfer der Helden und war als Figur klar definiert.

Innerhalb des großen Set-Pieces mit dem High-Tech-Wohnwagen an der Klippe hat er zudem einen dramaturgischen Sinn. Eddies Ableben verschärft die Situation. All das kann von der Todesszene Zaras nicht behauptet werden. Ob ein quälend langer Tod voller Angstschreie nun ein gravierendes Problem in einem Blockbuster ist oder ein interessanter Querschläger in einem polierten Produkt, steht auf einem anderen Blatt.

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Wie habt ihr Zaras Tod in Jurassic World bei der ersten Sichtung wahrgenommen?

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