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Normaler Familienwahnsinn

Lachen und Weinen mit Hannelore Elsner

01.09.2010 - 09:08 Uhr
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Alles Liebe
© ARD
Alles Liebe
Wer heute Abend noch nichts vor hat, sollte um 20:15 Uhr die ARD einschalten. Hier könnt ihr sehen, wie Hannelore Elsner im Kreise ihrer Lieben an ihrem 65. Geburtstag endlich mal die Wahrheit auf den Tisch packt. Der Fernsehfilm Alles Liebe ist bei den Kritikern bisher gut angekommen.

Hannelore Elsner, die auf eine Karriere von einem halben Jahrhundert zurückblicken kann und die wir unter anderem aus Die Unberührbare, Alles auf Zucker! und zuletzt aus Zeiten ändern Dich und Hanni & Nanni kennen, ist heute Abend in dem ARD-Fernsehfilm Alles Liebe zu sehen. In der Tragikkomödie im familiären Kreise spielt sie die 65jährige Irma, deren drei Kinder ihr zum Geburtstag eine besondere Überraschung machen wollen. Gemeinsam fahren sie zu einem heruntergekommenen Ferienhaus am See, das der Familie gehört und welches Irmas verstorbener Mann wieder aufbauen wollte. Doch statt Irma einen Gefallen zu tun, kommen bei ihr nur schmerzhafte Erinnerungen hoch und sie muss feststellen, dass sie ihr Leben lang ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt hat und nur für die Anderen gelebt hat. Als schließlich noch drei weitere Überraschungsgäste eintreffen, bricht plötzlich ein Familiendrama auf, dass vorher stets im Verborgenen gehalten wurde.

Steffen Grimberg von taz.de ist von den schauspielerischen Qualitäten der Darsteller und den Dialogen überzeugt, denn „schließlich landen doch alle Wahrheiten auf dem Tisch, ohne dass es allzu weh tut. Angerührt merken das auch die ProtagonistInnen, und dass dies weder rein routiniert runtergespielt daherkommt noch übermäßig aufgekitscht wirkt, ist die große Leistung dieses Mehr-Generationen-Familienensembles. […] Zum Glück gelingt es Buch und Regie, dass der Film keine strapaziöse Selbstfindungsnummer ist, sondern ein leicht verregnetes Sommerstück mit teilweise brillanten Dialogen.“

„Allein der Titel Alles Liebe wirkt wie pure Ironie, wie blanker Hohn“, findet Thilo Wydra vom Tagesspiegel. „Denn es ist wahrlich alles andere als alles Liebe, was zwischen Irma, den drei Kindern, Heidrun und dem Rest an diesem Geburtstag ausgetauscht wird. All die Verletzungen und Missverständnisse haben dazu geführt, dass sie in Distanz leben. Wirkliche Nähe wird hier lange schon nicht mehr gelebt. Keiner sieht den anderen so, wie er wirklich ist. Und alle leiden sie darunter. Den schwierigen Prozess dieser sehr schmerzlichen Erkenntnis zeichnen Kai Wessel und Beate Langmaack über weite Strecken sehr einfühlsam und glaubwürdig nach. Damit es auch diese Familie schafft, aus der Apathie aufzuwachen.“

Josef Seitz von focus.de ist leider hier und da nicht ganz so zufrieden, denn ihm zufolge gibt es in Alles Liebe auch Szenen, die überflüssig sind: „Der Grat ist schmal zwischen Klamauk und Tragödie. Die Familiengeschichte Alles Liebe unter Regie von Kai Wessel rutscht immer wieder ab. In die Geschichte mogeln sich Unglaubwürdigkeiten. Die 13-jährige Tochter ist kaum verschwunden, da steht schon die Polizei im Haus, nimmt die Vermisstenanzeige auf und fragt nach Fotos. Die Freundin des Sohnes läuft beim Antrittsbesuch stets zwischen nackt und fast nackt durchs Haus. Solche Szenen strapazieren die Fantasie des Zuschauers ein wenig. Vor allem sind sie völlig überflüssig.“

Und Klaudia Wick von Berliner Zeitung lobt die verschiedenen Emotionen und den Spagat, den der Film zwischen Tragik und Komik zu schlagen fähig ist: „Alles Liebe [führt] mit viel Feingefühl für menschliche Schwächen und erzählerische Zwischentöne die modernen Lebensmodelle unserer Gesellschaft zusammen. […] Man muss lachen und mitleiden, staunen und den Kopf schütteln, wie sich diese Familie mit Lust und Verzweiflung selbst zerlegt. Artifiziell und realistisch zugleich gehört dieses Kammerspiel zum Besten, was das Fernsehjahr 2010 bisher zu bieten hatte.“

Bei diesen beinah durchweg positiven Kritiken lohnt es sich, heute Abend einzuschalten. Alles Liebe mit Hannelore Elsner, Karoline Eichhorn, Axel Schreiber und Julia Brendler kommt um 20:15 Uhr in der ARD. Wenn Euch doch etwas anderes interessiert, dann schaut doch bitte in unser Fernsehprogramm.

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