Live bei The Big Bang Theory und Co.: Unser Lachen ist harte Arbeit

The Big Bang Theory
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Volontär bei Moviepilot. Kann viel mit Superhelden anfangen. Hat Westworld 4 Mal gebingt und würde es jederzeit wieder tun, wenn nicht gerade Sam und Dean seine Hilfe benötigen.

Nach einem langen Marathon lief vergangenen Montag das große Finale von The Big Bang Theory bei ProSieben. Zwar wird die Sitcom so schnell wohl nicht aus dem Programm des Senders verschwinden. Dennoch geht mit den letzten Folgen eine Ära zu Ende, immerhin gilt TBBT mit insgesamt 279 Episoden als die längste Sitcom der Welt.

Die Entstehung einer solchen Comedyserie untersteht im Gegensatz zu anderen Serienformaten ganz eigenen Regeln, was vor allem daran liegt, dass Sitcoms wie The Big Bang Theory, Two and a Half Men, 2 Broke Girls oder Mike & Molly vor einem Live-Publikum aufgezeichnet werden.

Sitcom-Aufzeichnungen: Ein Erfahrungsbericht

2013 hatte ich das Glück, an einigen dieser Aufzeichnungen teilzunehmen und meine unerträgliche Lache zum Besten zu geben. Zum großen Finale von The Big Bang Theory möchte ich mit euch meine persönlichen Erfahrungen teilen und das Geheimnis lüften, was ein Zuschauer beim Dreh so alles erlebt.

Eines vorweg: Ja, die teils aufdringlichen Lacher im TV, die bei jedem Gag ertönen, sind echt.

The Big Bang Theory und Co. - So kommt ihr an die Tickets

Überraschenderweise ist es in der Theorie kein Hexenwerk, bei einer Aufzeichnung der eigenen Lieblings-Sitcom dabei zu sein und die Stars hautnah bei der Arbeit zu erleben. In den USA gibt es eigene Webseiten, auf denen sich jeder für die nächste Aufzeichnung kostenlos anmelden kann. Schon ist das Ticket sicher.

Neben vielen Sitcoms aus dem Hause Warner lassen sich so auch zahlreiche Shows wie America's Funniest Home Videos oder The Ellen DeGeneres Show besuchen.

Das Problem: Aufgrund des kostenlosen Angebots und der Popularität der Sendungen sind Schnelligkeit und viel Glück das A und O. Nicht selten kommt es vor, dass die Tickets für die nächste Aufzeichnung in weniger als 10 Minuten ausgebucht sind. Umso größer natürlich die Vorfreude, wenn die Bestätigung der Buchung im Postfach eintrudelt.

Ankunft am Studio: Safety First!

Am Tag der Aufzeichnung geht es dann mit dem Bus durch die nie enden wollenden Staus von Los Angeles zu den Warner Brothers Studios im Herzen Hollywoods. Treffpunkt ist ein Parkplatz gegenüber den großen Hallen, in denen womöglich gerade der nächste Blockbuster gedreht wird.

Zwei lange Bankreihen mit aufgeregten Zuschauerinnen und Zuschauern erwarten uns bereits, darunter nicht nur US-Amerikaner, sondern auch überraschend viele deutschsprachige Fans. Während die eine Bankreihe aus Ticketinhabern besteht, die auf die Ausweiskontrolle durch das Personal warten, hoffen die übrigen Anwesenden, doch noch einen Platz ergattern zu können.


Schließlich beginnen die Mitarbeiter, ihre Namenslisten abzuarbeiten und die Ausweise aller Gäste intensiv zu prüfen. Wer sich nicht als blinder Passagier oder gar Terrorist outet, erhält einen UV-Stempel auf dem Unterarm. Mehrfach werden wir eindringlich daran erinnert, jegliche elektronischen Geräte, insbesondere Smartphones und Kameras, im Auto zu lassen.

Nachdem endlich alle Gäste überprüft wurden, geht es nun umringt von Security-Mitarbeitern zum eigentlichen Studiogelände. Hier folgt die nächste Kontrolle: UV-Stempel vorzeigen und ab durch den Körperscanner. Vielfliegern dürfte dieser Schritt bekannt vorkommen. Weiter geht es über das Gelände, vorbei an den vielen Produktionsstätten. Ein Blick auf die Namensschilder an den Parkplätzen verrät: Hier arbeiten echte Stars!

Vor einer der großen Hallen kommt unsere Gruppe schließlich zum Stehen. Am Eingang erwartet uns eine weitere Sicherheitskontrolle, bei der auch die letzten Übeltäter ihre Smartphones samt Ausweis abgeben müssen. Dann dürfen wir auch endlich ans Set und auf der Tribüne Platz nehmen.

The Big Bang Theory und Co.: Das Set zum Greifen nah

Da sitzen wir also, Schulter an Schulter, vor uns die Hauptschauplätze der Sitcoms, die wir sonst nur aus dem Fernsehen kennen. Sei es die Nerd-Wohnung von Leonard und Sheldon, das Strandhaus von Walden Schmidt, der Charlie Harper beerbte, oder das legendäre Diner aus 2 Broke Girls. Während ich versuche, dieses surreale Erlebnis zu verarbeiten, fallen mir die zahlreichen Mikrofone auf, die über unseren Köpfen hängen.

Die erfüllen nur einen einzigen Zweck, wie man uns später erklärt: Sie nehmen unsere Lacher auf, die später in der ausgestrahlten Folge zu hören sein sollen. Ob es sich am Ende tatsächlich um unsere eigenen Lacher handelt, oder um bereits verwendete Aufnahmen, lässt sich natürlich nur schwer nachvollziehen. Uns versichert man zumindest, dass die Macher Wert auf Authentizität legen.


Bevor der eigentliche Dreh beginnt und die Stars das Set betreten, erhalten wir von einem "Bespaßer" eine kurze Einführung in den Ablauf des Abends und interessante Hintergrundinformationen über die Serie und ihre Macher. Dabei erklärt er auch, dass die Szenen jeder Folge - im Gegensatz zu Filmproduktionen - immer chronologisch gedreht werden, was einer Art Theaterstück gleichkommt, dem das Publikum leichter folgen kann.

Dabei macht er auch noch einmal auf die über uns hängenden Mikrofone aufmerksam und betont, wie wichtig es sei, unsere ehrliche Reaktion zu den gespielten Gags in Form von Lachen (oder eben auch nicht) zum Ausdruck zu bringen. Diese seien ein wichtiger Indikator für die Autoren, ob ihre geschriebenen Dialoge so funktionieren, wie gedacht.

Live dabei in einer Sitcom: Wenn Lachen zur Arbeit wird

Dann ist es so weit. Unter Jubelschreien der Fans betreten die Stars der Show einzeln das Set, winken uns kurz zu und bereiten sich dann hinter den Kulissen auf ihren ersten Einsatz vor. So schnell, wie die Menge aufgesprungen war, kehrt auch wieder Stille ein. Denn jetzt beginnt die Crew mit ihrer Arbeit. Drei Kameras werden auf großen Pumpstativen für die erste Szene in Position gebracht.

Unser Bespaßer flüstert uns mit seinem Mikrofon noch schnell die Rahmenhandlung der Folge zu, dann heißt es: "Action!". Was nun folgt, beschreibt die nächsten 4 bis 5 Stunden: Die Darsteller spielen ihre Szene, das Publikum lacht. Zwischen den Takes schreitet der Regisseur immer wieder ein und gibt neue Anweisungen.


Meine persönlichen Highlights waren immer die Patzer, die sich natürlich kein Schauspieler erlauben will. Auf jeden Versprecher folgte jedoch stets großes Gelächter, bei dem sich auch die Schauspieler das Lachen nicht mehr verkneifen können.

Nicht selten drehen sie eine einzige Szene gleich ein Dutzend Mal und testen dabei verschiedene Dialoge, abgewandelte Wortwitze, oder einfach andere Betonungen der Wörter. Das führt zwangsläufig dazu, dass wir über denselben Witz zehn Mal und öfters lachen "müssen", denn dafür sind wir schließlich hier.

Dennoch lassen sich gewisse Ermüdungserscheinungen nicht verbergen. Da kommt eine kleine Pause gerade rechtzeitig. Die überfreundlichen Warner-Mitarbeiter verteilen Pizza und Getränke im Publikum - umsonst, versteht sich. Da wird mir gleich wieder bewusst, was für ein Privileg es eigentlich ist, den Schauspielern so selbstverständlich bei der Arbeit zusehen zu dürfen.

Eine Sitcom-Aufzeichnung macht Spaß - und ist anstrengend

Wann immer ich die Chance hatte, ein Ticket für eine Aufzeichnung zu erhalten, habe ich sie mit Freuden wahrgenommen. Neben viel Spaß an Situationskomik sollte man aber vor allem genügend Sitzfleisch mitbringen. Eine Aufzeichnung ist erst zu Ende, wenn die ganze Folge im Kasten ist. Das kann im Extremfall auch mal 7 Stunden dauern.


Wem das zu viel ist und wer einfach aufstehen und gehen möchte, der sei an dieser Stelle vorgewarnt: Aufgrund der hohen Sicherheitsbestimmungen kann das Studio nur in einer der wenigen Pausen in Begleitung eines Mitarbeiters verlassen werden. Wer hofft, mit einem Autogramm oder gar einem Foto mit seinem Star nach Hause zu gehen, wird ebenfalls enttäuscht werden.

Dennoch kann ich eine solche Aufzeichnung jedem nur wärmstens ans Herz legen, der sich für Sitcoms begeistern kann und die Darsteller einmal hautnah erleben möchte. Die spätere Ausstrahlung der Folge im TV ist das i-Tüpfelchen dieser einmaligen Erfahrung.

Habt auch ihr schon einmal die Aufzeichnung einer Sitcom besucht?

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