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Luft raus bei Game of Thrones: Der große Twist zerstört die Spannung

Game of Thrones
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Game of Thrones
01.05.2019 - 08:15 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Zitternd verfolgten wir in Game of Thrones jüngst die Schlacht von Winterfell. Das Leben zahlreicher Figuren stand auf dem Spiel. Doch nach der neusten Staffel 8-Folge herrscht vor allem Ratlosigkeit.

Achtung, Spoiler zu Staffel 8, Folge 3 von Game of Thrones! Das war es also. Ex-Niemand Arya Stark ist offiziell die Schlächterin des Nachtkönigs. Die mittlerweile zur Killerin transformierte Figur tötet ihn nach einem zugegebenermaßen eindrucksvoll inszenierten Schlachtfest mit dem Dolch, der damals Bran ein Ende bereiten sollte. Der personifizierte Winter ist also vorbei, Game of Thrones hingegen nicht. Und jetzt?

Darum wird Game of Thrones jetzt weniger spannend

  • Wer auf dem Eisernen Thron sitzt, ist viel uninteressanter, als die verheerende Gefahr durch den Nachtkönig
  • Die symbolische Bedeutung der Weißen Wanderer verpufft
  • Die meisten Figuren sind auserzählt

Wen interessiert in Staffel 8 noch der Eiserne Thron?

Die Weißen Wanderer sind tot. Es gibt keine alles vernichtende Bedrohung mehr. Dennoch bleiben noch drei Folgen der Fantasy-Serie übrig. Es ist schwer vorstellbar, dass der Kampf um die Vorherrschaft der Sieben Königslande allen Ernstes das zentrale Konflikt-Thema der finalen Folgen von Game of Thrones sein wird.

Aber genau danach sieht es aus: schließlich wird Daenerys ihren vermeintlichen Thronanspruch wohl kaum aufgeben. Ebenso wenig wird Cersei die Krone freiwillig an eine aus ihrer Sicht dahergelaufene Möchtegern-Drachenmutter abtreten. Dabei sollten diese infantilen Machtkämpfe doch längst der Vergangenheit angehören.

Wird Cersei einfach auf dem Eisernen Thron sitzen bleiben?

Die Game of Thrones-Macher sind nachlässig geworden

Die Macht über die Sieben Königslande und die Vernichtung der gesamten Menschheit stehen in einem klaren Verhältnis zueinander: Die Krone verliert ihren Wert, wenn es nichts mehr zu regieren gibt. Offenbar haben uns die Macher der Serie also dreist angelogen, indem sie immer wieder Hinweise auf die vermeintlich übermächtigen Eis-Zombies streuten. Nur so ist zu erklären, dass sich die ach so große Gefahr durch den Nachtkönig und seine Armee plötzlich verflüchtigt.

Zur Erinnerung: Im Prolog der ersten Game of Thrones-Folge überhaupt wurden die Weißen Wanderer bereits als Bedrohung eingeführt. Das war vor acht Jahren. Seitdem treten sie zwar nur selten persönlich in Erscheinung, stellten aber stets eine nicht einzuschätzende Eismacht dar, die alles vernichten würde, was sich ihr in den Weg stellt. Am Ende hingegen war es dann doch erschreckend einfach, sie zu besiegen.

Game of Thrones: Wo sind die Konsequenzen im Finale?

George R.R. Martin, Autor der Buchvorlage, deutete in einem Interview mit der New York Times  an, dass die Weißen Wanderer sich im Laufe der Reihe zu einer Metapher für den Klimawandel entwickelt hätten. Während der Rest der Welt sich um Banalitäten wie Macht und Weltherrschaft streitet, gibt es nämlich eine globale Gefahr, die ununterbrochen voran schreitet. Sollte uns bekannt vorkommen.

Vielleicht steht der Nachtkönig auch sinnbildlich für miserable Drehbücher.

Nach Folge 3 der finalen Staffel wirkt dieser Vergleich aber nur noch paradox, so als könnte die berühmte schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg dem Übermonster Erderwärmung einfach den Schulstreik-Dolch in den Leib jagen und wir hätten wieder mehr Schnee im Winter. Es fehlen die greifbaren Konsequenzen, die uns vor Augen führen, dass diese in der Serie verbildlichte Gefahr ignoriert wurde.

Rückschritt statt Fantasie in Staffel 8 von Game of Thrones

Über 8 Staffeln hinweg hat Game of Thrones langsam den Schwenk von einer mittelalterlichen Intrigen-Serie hin zu einer Fantasy-Geschichte unternommen, in der gefährliche Eis-Zombies und mächtige Drachen hausen. Jetzt wurde diese langsame Entwicklung mit dem Tod des Nachtkönigs abrupt unterbrochen.

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Die finalen Folgen scheinen stattdessen wieder eine geerdetere Welt herzustellen, in der es überwiegend um banalere Dinge wie Machterhalt und Intrigen geht. Wozu dann die jahrelange Implikation, solche Ränkespiele seien unwichtig im Schatten des nahenden Winters?

Wichtige Game of Thrones-Charaktere verblassen

Arya ist jetzt wieder jemand

Hinzu kommt, dass die meisten Figuren nun den Höhepunkt ihrer Charakterentwicklung durchlebt haben. Die Geschichten dieser Charaktere sind auserzählt, trotzdem müssen sie sich allem Anschein nach für einen letzten Konflikt mit Noch-Königin Cersei zusammenraufen.

Die Drehbuchautoren stehen vor einer schwierigen Aufgabe, Figuren wie Arya oder Brienne noch etwas hinzuzufügen. Arya hat die Menschheit vor dem Untergang gerettet, während Brienne zum Ritter geschlagen wurde und damit ihrem Lebensziel erreicht hat. Was können diese Protagonisten jetzt noch Neues liefern?

Mehr Figuren hätten in der Schlacht um Winterfell sterben sollen

Auch mit Figuren wie dem vernachlässigten Tyrion, Grauer Wurm und Missandei wissen die Schreiber bereits seit einigen Folgen nichts mehr anzufangen. Sie haben sich deshalb einen Gefallen damit getan, ihr Personal auszudünnen und nur die für das Finale wichtigsten Figuren am Leben zu lassen. Die Verabschiedung von noch mehr Charakteren wäre sogar wünschenswert gewesen.

  • Die finale Staffel Game of Thrones könnt ihr jetzt mit Sky Ticket  parallel zur US-Ausstrahlung streamen. Die Staffeln 1-7 sind dort ebenfalls verfügbar. Einfach monatlich kündbar – jetzt hier testen !

Es bleibt zu hoffen, dass die Macher von Game of Thrones doch noch mit neuen Ideen bestechen und die Serie auf den letzten Metern mit Spannung und Bedeutung aufladen. Das passiert gewiss nicht, indem Super-Arya Cersei mit einem Dolch ersticht und Jon und Daenerys in Frieden und Gerechtigkeit herrschen.

Findet ihr auch, dass Game of Thrones jetzt an Spannung verloren hat?

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