Staffel 8, Folge 3

Game of Thrones: Staffel 8 liefert die schockierendste Folge seit Ned Starks Tod

Game of Thrones: Schlacht um Winterfell
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Game of Thrones: Schlacht um Winterfell
Moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.

Kurz vor Ende zieht eine laue Brise übers eisige Ohrläppchen des Nachtkönigs und mit ihr landet ein Dolch in seiner Brust. Nach Jahren der Fan-Theorien, der Symboldeutung und Analyse löst sich der Bösewicht von Game of Thrones einfach so in Eisstaub auf.

Dabei haben wir gerade mal die Halbzeit des Finales von Game of Thrones erreicht. Die Macher stoßen den Fans mit dieser frühen Entsorgung der augenscheinlich größten Gefahr in Westeros vor den Kopf. Die Schlacht um Winterfell bietet den schockierendsten Moment in der Serie, seit Ned Stark im Finale von Staffel 1 seinen Kopf verlor. Schauen wir also, was die Schlachten-Folge auszeichnet - und warum sie ausgerechnet an einen Star Wars-Film erinnert.

Die drei wichtigsten Erkenntnisse der Game of Thrones-Folge:

Der Twist von Game of Thrones spaltet

Ist Arya Stark (Maisie Williams) die Auserwählte? Interessiert das überhaupt? Arya nämlich springt auf leisen Sohlen in die Arme des Nachtkönigs. Sie tötet ihn im zweiten Anlauf, wie er einst erschaffen wurde: Von den Kindern des Waldes mit einem Dolch in der Brust, verdammt zum ewigen untoten Leben als Waffe.

Von allen Menschen in den Mauern Winterfells ähnelt am ehesten Arya dem Nachtkönig. Sie wurde ausgebildet, um als Tod auf zwei Beinen gesichtslos zu morden. Sie entschied sich fürs Leben, was sie auf den Pfad zur Erlöserin der Menschheit brachte.

So zumindest die gnädige Deutung des Twists im Finale der 3. Folge von Game of Thrones Staffel 8.

Die weniger positive: Von allen Figuren wählen die Autoren jene, die am wenigsten mit dem Nachtkönig zu tun hat. Während Jon (Kit Harington), Bran (Isaac Hempstead-Wright) oder Daenerys (Emilia Clarke) zu den Gesichtern des Krieges für die Menschheit stilisiert werden, stopfen die Autoren Aryas Sprung durch die Weißen Wanderer notdürftig ins Drehbuch. Hauptsache die Zuschauer werden überrascht.

Beide Perspektiven auf die Folge sind legitim und ich bin nach wie vor hin- und hergerissen. Andererseits: Als die Weißen Wanderer, Viserion und die vielen Schlachtgerippe in sich zusammenfielen, konnte ich nur jubeln. Die Last von 70 Minuten schwer erträglicher Hochspannung fiel von meinen Schultern.

Staffel 8, Folge 3: Ein Kriegsfilm mit großen und dunklen Bildern

Jeder kann sterben. Diese Marschrichtung gab Game of Thrones Millionen Zuschauern mit der Hinrichtung von Ned Stark vor. Die Schlacht um Winterfell (Im Original: The Long Night) hämmert einen diese Grundregel ein, wenn auch das zentrale Opfer an unerwarteter Stelle gebracht wird.

Die zitternden Hände Samwell Tarlys (John Bradley) laden uns ein zur langen Nacht. Eine passende Der Soldat James Ryan-Referenz: hier der Bücherwurm und angehende Maester, dort der Englischlehrer. Sams Angst überträgt sich mit einem unheilvoll wortlosen Long Take auf den Hof Winterfells, wo die einen in die Krypta, die anderen aufs Feld müssen.

GoT-Snacks für Zwischendurch:

  • Bran ist mittlerweile wie eine gesprungene Schallplatte, auch wenn ich den Theon-Blickwechsel sehr mochte.
  • "Witty remarks won't make a difference." (Sansa)
  • Schön auch, wie das majestätische "Dracarys" von Daenerys verpufft, als der Nachtkönig stehen bleibt.

Bilder der Angst dominieren diese Game of Thrones-Folge. Tausende von Melisandre (Carice van Houten) befeuerte Dothraki versinken in der Dunkelheit, als hätte sie jemand mit eisigen Fingerspitzen ausgelöscht. Tränen stehen später in den Augen der betenden roten Priesterin. Hat ihr Gott sie etwa verlassen?

Die Gräben werden angezündet, doch auf jede Verschnaufpause folgt ein Rückschlag. Auf jeden majestätischen Drachenflug folgt ein Absturz, auf jeden abgewehrten Zombie ein Schwert in den eigenen Rücken. David Benioff, D.B. Weiss und Regisseur Miguel Sapochnik haben eine zermarternde Schlacht-Dramaturgie entworfen, die uns vom Sternenhimmel direkt in den Abgrund wirft. Bei Figuren wie Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Brienne (Gwendoline Christie) geschieht das zu oft, Jorahs (Iain Glen) trauriger Tod auf den letzten Metern schmerzt dagegen umso mehr.

Die Bilder von Drachen überm Wolkengetümmel werden eher in Erinnerung bleiben als die schwer zu entschlüsselnden Wackel-Kamera-Kämpfe im Schneesturm oder das Ratespiel, welcher Drache wo abgeblieben ist. Verwirrung in den Details der Schlacht zieht sich durch den Kampf im Schnee, in den Himmel und tief bis in die Krypta, wo die Toten auferstehen - sofern man sie denn erkennt.

Wenige neue Ideen in der Schlacht um Winterfell

Das hatten andere Schlachten, ob am Schwarzwasser, in Hartheim oder zwischen Bastarden, besser gelöst. Für eine Serie, die im Streaming-Zeitalter groß geworden ist, scheinen die Macher bedeutend wenig Gedanken an die technischen Umstände ihrer Zuschauer zu verschwenden.

Als effektives Mittel neben den "groß" gedachten Bildern stellt sich die Tonspur heraus. Grausige Schreie dringen aus dem Dunkel, an anderer Stelle dröhnt die Stille in den Ohren oder bedrängt der Score von Ramin Djawadi.

In der ersten Hälfte werden Erinnerungen an die treibenden Uhrzeiger und Sirenen aus Hans Zimmers Scores für Dunkirk und The Dark Knight wach. Später nimmt Djawadi die Struktur seines Light of the Seven-Themes aus dem explosiven Finale von Staffel 6 auf und steigert sich von zarten Klaviertönen in einen Streicher-Wirbel.

Ramin Djawadis The Night King aus dem GoT-Soundtrack:

Wie schon in den ersten beiden Folgen der 8. Staffel scheint die Serie hier von ihrem eigenen Fleisch zu zehren. Neue Ideen beschränken sich auf Gareth Edwards Godzilla-Wolkengemälde und Elemente des Zombie-Films, als Arya durch die Bibliothek schleicht. Selbst die Rettung in letzter Sekunde haben wir bereits bei zwei der drei größten Schlachten von Game of Thrones erlebt.

Die Folgen dieser Rettung verwandeln sie trotzdem in den radikalsten Schritt der Serie seit dem Tod ihrer nominellen Hauptfigur in Staffel 1.

Game of Thrones ahmt den Snoke-Twist aus Star Wars 8 nach

Seit der ersten Folge der Serie wurden die Untoten als Gefahr etabliert, die über den Intrigen der Menschen stehen. Ihre Präsenz fütterte das Popkultur-Phänomen Game of Thrones: Spekulationen über die Motivation, die Bedeutung der "Körperwelten"-Ausstellungen im hohen Norden, über wahre Identitäten und so weiter. Es war Teil der Unterhaltung von Game of Thrones und Zündstoff für den wachsenden Hype.

Mit einem Stich wurde dem ein Ende gesetzt, als hätten David Benioff und D.B. Weiss bei einem zukünftigen Kollegen gelernt: Rian Johnson, Autor-Regisseur von Star Wars 8: Die letzten Jedi. Schade nur, dass der Nachtkönig nie in einem goldenen Bademantel aufmarschiert ist.

Stattdessen stehen wir da, wo wir uns am Anfang zum Game of Thrones einfanden. Da öffnete sich ein Tor und die Männer der Nachtwache blickten angstvoll ins Ungewisse. In der Mitte des großen Finales von Game of Thrones wurden die Zombies vom Spielfeld gestoßen.

Nach dieser spannenden, aber holprig geschriebenen Episode bleibt fraglich, ob die Autoren das Zeug für eine stimmige menschliche Auflösung von Game of Thrones haben. Der gemeinsame Tod in der Schlacht war der einfachste Ausweg ihrer Helden. Das gemeinsame Leben bleibt die ungelöste Herausforderung im Lied von Eis und Feuer.

Zitat der Folge: "What do we say to the Lord of Death?" - "Not today." (Meli und Arya, wie damals im Gespräch mit Syrio)

Wie hat euch die Schlacht um Winterfell und Aryas Tat in Folge 3 der 8. Staffel gefallen?

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