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Netflix' Auswirkungen auf die Anime-Industrie

26.10.2017 - 11:30 Uhr
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© Studio Trigger
Little Witch Academia
Nach einer Reihe exklusiver Lizenzen steigt der VOD-Dienst Netflix im nächsten Jahr mit 30 neuen Animes auch als Produzent in die Nische ein. Die Auswirkungen auf die Industrie sind schon jetzt spürbar.

Die geschäftliche Seite von Anime ist mysteriös und komplex. Viele Studios mussten schon schließen oder stehen im dauerhaften Beinahe-Bankrott, dessen Ursprung im mittlerweile fest eingeplanten finanziellen Verlust bei der Produktion und Ausstrahlung eines Animes liegt. Oft schreiben Serien erst durch den Verkauf von Merchandise, DVDs und Blu-rays schwarze Zahlen. Es ist ein Geschäftsmodell, das jeden Moment zusammenbrechen könnte, da dürften den Studios Alternativen wie die vor wenigen Jahren gestartete Anime-Initiative von Netflix gelegen kommen.

Zu Beginn drang der Streaming-Dienst durch die Aneignung exklusiver Streaming-Rechte in die Anime-Nische ein, ein Vorgehen, das in nächster Zeit nach und nach eigenen Produktionen weichen soll. Auf eine ähnliche Weise wurde das Konzept der Netflix-Serie zu einer eigenen Marke, die einige der beliebtesten und meist diskutierten Serien der letzten Zeit herausbrachte. Vielleicht erreicht einer der 30 geplanten Animes im nächsten Jahr einen ähnlichen Status.

Der Hollywood Reporter  hat einige Vertreter der Industrie dazu befragt und Bilanz gezogen, wie sich Netflix' Einfluss bisher ausgewirkt hat und weiter auswirken könnte.

Ein wesentlicher Vorteil sind die höheren Budgets, die den Studios zur Verfügung stehen. Diese sind zwar nicht offiziell belegt, werden aber als offenes Geheimnis gehandelt. Durch das Netflix-Modell entstünden sowohl bessere Arbeitsbedingungen als auch bessere Profite, wie Joseph Chou angibt. Chou arbeitet derzeit als Produzent der Serie Saint Seiya: Knights of the Zodiac für Netflix:

In letzter Zeit wurde die Anime-Industrie heftig von den Medien kritisiert, die Fernsehsender haben darüber berichtet, aber sie sind mit daran Schuld. Netflix bringt uns wieder auf ein gescheites Geschäftsmodell zurück. Ich rede über Gewinne von etwa 15 % statt Verluste von 5.

Es ist jedoch anzumerken, dass die höheren Budgets und stärkeren Profite bisher nicht die Animateure der Studios erreichten, die weiterhin von schlechter Bezahlung und katastrophalen Arbeitsbedingungen  sprechen.

Auch die künstlerische Freiheit ist bei der Arbeit mit Netflix stärker gegeben. Im traditionellen Modell ist ein Studio durch zweierlei Faktoren wesentlich eingeschränkt. Die möglichen Inhalte variieren stark mit dem jeweiligen Time-Slot, zu dem ein Anime im Fernsehen ausgestrahlt wird. Außerdem erfolgt die Finanzierung durch ein Produktionskomitee aus mehreren Fraktionen, deren Anforderungen miteinander abgestimmt werden müssen, ein zusätzlicher zeitlicher und finanzieller Aufwand. Laut Kotaro Yoshikawa von TMS Entertainment (Baki) fällt dies bei Netflix weg:

Kein Fernsehsender gibt uns Änderungen vor, um etwas an die Fernsehausstrahlung anzupassen, auch wenn wir eventuell trotzdem für die Fernseh-Version Korrekturen vornehmen müssen, wie eine geringere Blutmenge.

Nach Veröffentlichungen wie Neo Yokio oder Death Note ist es nur schwer vorstellbar, dass Netflix wesentliche Änderungen an Filmen oder Serien vornehmen würde.

Das Resultat dieser Veränderungen lässt sich erst im nächsten Jahr richtig einschätzen, wenn Netflix nach und nach sein Anime-Original-Programm enthüllt und veröffentlicht. Ersten Einschätzungen zufolge scheint sich die Beteiligung des VOD-Dienstes aber insgesamt positiv ausgewirkt zu haben, auch wenn viele negative Seiten der Industrie weiterhin unverändert bleiben.

Was haltet ihr von Netflix' Anime-Plänen?

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