New Amsterdam ist das neue Grey's Anatomy - und noch viel mehr

New Amsterdam: Die neue Artzserie für Grey's Anatomy-Fans
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New Amsterdam: Die neue Artzserie für Grey's Anatomy-Fans
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Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.

Die Wartezeit zwischen zwei Staffeln kann sich für einen Grey's Anatomy-Zuschauer lange hinziehen. Mittlerweile wurde zwar immerhin ein deutscher TV-Start von 15. Staffel bei ProSieben bekannt gegeben, aber bis dahin dauert es noch einen Monat. Der Retter in der Not heißt deshalb VOX: Hier startet heute ein guter Ersatz - und zwar mit der neuen US-Krankenhausserie New Amsterdam.

New Amsterdam in New York: auf ins Krankenhaus-Getümmel

Die vom amerikanischen Sender NBC georderte Arztserie von Serienschöpfer David Schulner spielt in einem (fiktiven) Krankenhaus namens New Amsterdam, das sein Vorbild im ältesten staatlichen Hospital der USA hat: dem Bellevue Hospital in New York City.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Serie sich ein Buch (Twelve Patients: Life and Death at Bellevue Hospital von Eric Manheimer) zur Vorlage nahm, um die Brücke zur Realität zu schlagen. Obwohl die Show ihren Titel von Manhattans früherem Ortsnamen bezieht, ist von angestaubtem Verharren in der Vergangenheit nichts zu spüren, denn die Serie stürzt sich gleich zu Beginn atemlos ins Krankenhaus-Geschehen.

Wir lernen diese hektische Welt aus der Sicht des neuen medizinischen Direktors Dr. Max Goodwin (Ryan Eggold aus The Blacklist) kennen, der hier an seinem ersten Tag aufkreuzt, um frischen Wind in die angestaubten Strukturen zu bringen. Er belauscht Hausmeister und Krankenschwestern, um von Missständen zu erfahren, schafft Wartezimmer ab und entlässt auch schon mal die gesamte Cardio-Abteilung, weil diese sich nur selbst bereichern und nicht mehr helfen will.

Doch Hilfe steht für Goodwin, der das "gut" und den "Gewinn" schon im Namen trägt, an erster Stelle, wie nicht nur seine ständig wiederholte Frage "Wie kann ich helfen?" beweist. Das Hauptpersonal der Serie soll darauf eine Antwort finden:

  • Dr. Lauren Bloom (Janet Montgomery) zeigt sich als eine der ersten Kolleginnen hilfsbereit und von Max' Methoden angetan.
  • Dr. Helen Sharpe (Freema Agyeman) ist von der Ärztin zunehmend zur PR-Frau des Krankenhauses verkommen und lässt sich von Max wieder an ihre medizinische Aufgabe als Krebs-Expertin erinnern.
  • Dr. Floyd Reynolds (Jocko Sims) wird als Herz-Chirurg erst gefeuert und dann wieder eingestellt, um eine neue bessere Abteilung aufzubauen, der das Patientenwohl am Herzen liegt.
  • Dr. Iggy Frome (Tyler Labine) ist Psychiater des Krankenhauses, der inbesondere im Umgang mit Kindern tätig ist.
  • Dr. Vijay Kapoor (Anupam Kher) ist einer der dienstältesten Medizinier im Haus, auch wenn bisher nur wenige seinen Erfahrungsreichtum zu schätzen wussten.

In diesen Punkten gleicht New Amsterdam Serien-Liebling Grey's Anatomy

Einer der wichtigsten Einstiegspunkte, um eine neue Serie anzufangen, sind häufig die sympatischen Figuren. Keiner will Stunden seines Lebens damit zubringen, hassenswerten Charakteren bei der Arbeit zuzusehen. Doch obwohl Dr. Max Goodwin und Dr. Meredith Grey auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben, treffen sie sich eben doch an einem entscheidenden Punkt.

Sie sind für ihre jeweilige Serie eine interessante, starke Hauptfigur. Als ruheloser Helfer und werdender Vater ist Max zudem krebskrank und greift damit das in Grey's Anatomys 15 Staffel immer wieder beliebte Thema des selbst erkrankten Arztes auf. Das verleiht der Serie zusätzliche Spannung, weil seine Krankheit zugleich einen Wettlauf gegen die Zeit einläutet, wenn der Oberarzt als Krankenhausleiter etwas verändern will.

Bustle hebt in diesem Zusammenhang außerdem die geistige Haltung des Kampfes gegen das System zugunsten der Lebensrettung hervor, die New Amsterdam mit Grey's Anatomy teilt und sogar auf einem seiner Poster als Spruch ausstellt: "Break the Rules, Heal the System" (Breche die Regeln, heile das System). Hier findet sich in Zeiten düsterer Serien-Unterhaltung ein selten gewordener Idealismus in einer Dramaserie.

Zwar verschiebt sich die Stadt-Betonung von Seattle nach New York, doch innerhalb des Gebäudes existiert auch in New Amsterdam eine wiedererkennbare Lobby und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Abteilungen und Mediziner. Und natürlich gibt es auch in New Amsterdam romantische Spannungen zwischen Ärzten, samt privaten Problemen und medizinische Fälle, die in letzter Sekunde gelöst werden.

Nicht zu vergessen wäre auch die Grey's-typische Diversität, die Geschlechter, Ethnien und Altersstufen umfasst. Dabei gelingt New Amsterdam trotz Fokus auf die Ärzte das Kunststück, dass auch Grey's Anatomy immer wieder zu Wege bringt: Die Patienten werden wichtig und menschlich präsentiert, sodass wir als Zuschauer trotz der Kürze der (Episoden-)Zeit an ihrem Schicksal Anteil nehmen können.

Zudem sollten die stimmungsvollen Songs nicht unerwähnt bleiben, die wichtige emotionale Momente betonen und deshalb schon in der 1. Folge von James Browns "I Feel Good" bis "Fix You" von Coldplay reichen können.

Wie kann ich helfen? - New Amsterdam geht seinen eigenen Weg

Natürlich soll New Amsterdam an dieser Stelle nicht vollkommen mit Grey's Anatomy gleichgesetzt werden, denn ein gewisses Maß an Eigenständigkeit ist wichtig, um zu funktionieren - und die besitzt New Amsterdam durchaus.

Die Ausgangssituation als Ärzteserie mag nicht die neuste sein, aber New Amsterdam bringt ein erfrischendes Tempo, untermauert von ungewöhnlichen, aber energetischen Schlagzeug-Solos und schnellen Dialogen. Dieses Tempo lässt die Serie auch nicht wie ein erneutes Wiederkäuen bekannter Themen wirken.

Ärzte-Beziehungen werden zwar angedeutet, aber nicht mit im Medizinschrank- Sex ausgelebt, was den Fokus hin zu Krankenhaus verschiebt. Hier darf der Oberarzt mit einer Tänzerin verheiratet sein und muss sich sein Privatleben nicht im Hospital suchen. Zum Standort New York mit politischeren Themen passen zudem Fälle wie der Ebola-Terrorismus, eingelieferte UN-Mitarbeiter sowie die Behandlung von Immigranten und Patienten des nahen Gefängnisses (in der kommenden Episode 3).

Wenn Grey's Anatomy eines Tages trotz seiner Rekorde brechenden Laufzeit irgendwann enden wird, könnte New Amsterdam als Ersatz-Mediziner-Show jetzt schon in die engere Auswahl kommen, um auf sympathische Ärzte im Fernsehen nicht verzichten zu müssen. Nur die letzte Parallele der zwei Serien könnte New Amsterdam zu Verhängnis werden. Beide werden nämlich am Mittwochabend ausgestrahlt - und schon in einem Monat kehrt Grey's Anatomy mit neuen Episoden zurück.

Alle wichtigen Infos zur Ausstrahlung von New Amsterdam:

  • Wann: ab dem 06.03.2019, immer um 20:15 Uhr (und 21:15 Uhr)
  • Wo: auf VOX
  • Wie: in Doppelfolgen

Als Grundlage für diesen Serien-Check dienten die ersten zwei Folgen.

Werdet ihr New Amsterdam eine Chance geben und die erste Folge ansehen?

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