Oliver Masucci - Das Leben vor und nach dem Hitler

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Wenn einer das Handwerk des Schauspielers von der Pike auf gelernt hat, dann Oliver Masucci. Vor seinem großen Durchbruch als Adolf Hitler in David Wnendts Er ist wieder da, spielte er sich in mehreren Jahrzehnten durch die deutschsprachige Theaterlandschaft. Nun erschien letzte Woche mit HERRliche Zeiten ein neuer Film auf der großen Leinwand, bei dem Oliver Masucci wieder eine ganz andere Seite von sich zeigen kann. Diesmal gibt er einen Schönheitschirurgen, der zusammen mit seiner Frau in aller Ruhe den Luxus genießen will. Aber der Pöbel soll bitte schön draußen bleiben, oder viel besser noch, als Haussklave dienen. Eine persönliche Note gibt es hier dennoch von Masucci zu sehen, darf er doch seinen Bonner Heimatdialekt zum Besten geben. Auch diese Rolle wurde erst durch seine Leistung in Er ist wieder da möglich. Blicken wir auf die Karriere vor und nach dem Hitler zurück.

Mit der Seeräuber-Jenny fing alles an

Der Deutsch-Italiener Oliver Masucci kam schon mit 16 Jahren zur Schauspielerei. Seine einstige Deutschlehrerin lotste ihn in die Theatergruppe, wo gerade die Dreigroschenoper geprobt wurde. Als die Polly das Lied der Seeräuber-Jenny anstimmte, war es um ihn geschehen. Eine Karriere in der Gastronomie im italienischen Restaurant seines Vaters stand zwar zur Debatte, doch nach einem Jahr Schauspielschule und einem Schauspielstudium an der Universität der Künste Berlin, konnte er seine Eltern davon überzeugen, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

Nach der Ausbildung war Masuccis Können vornehmlich den Theatergängern vorbehalten, doch nicht ausschließlich, in kleineren Rollen war er immer wieder im Fernsehen zu sehen. So trat er 2002 unter anderem im Film Die rote Jacke von Florian Baxmeyer auf, der für seinen Film den Studenten-Oscar der Academy Awards gewinnen konnte. Es folgten Fernseh-Eventfilme wie Das Blut der Templer oder Vulkan, die zwar nicht die Herzen der Kritiker gewinnen konnten, doch der Weg zum Erfolg ist bekanntlich steinig und schwer. Wer dem Fernsehen nicht zugeneigt war, konnte Masucci unter anderem in den Schauspielhäusern Basel, Zürich oder im Burgtheater Wien sehen. Das Wiener Burgtheater war von 2009 bis 2015 lange Zeit sein künstlerisches Zuhause und sein letztes Engagement als Theaterschauspieler, bevor mit Er ist wieder da ein neues Zeitalter im Leben Masuccis anbrach.

Der Durchbruch mit Er ist wieder da

Für Oliver Masucci kam das Angebot, zum Casting von Er ist wieder da zu gehen, zum richtigen Zeitpunkt. So erklärte er, dass er im Wiener Burgtheater zwar in einem sicheren Engagement war, doch wurde es dort fast schon zu bequem. Er wollte seine Sicherheit aufgeben, doch es fehlte der nächste konsequente Schritt. Den wollte Masucci nun gehen:

Es war ein Sprungbrett, eine gute Chance, mich nach langer Zeit für eine Weile vom Theaterspielen zu verabschieden, auch wenn ich nicht wusste, wie stigmatisierend diese Rolle werden könnte. Es zog mich eigentlich immer zum Film. Deshalb bin ich Schauspieler geworden.

Gesagt, getan und gecastet! Die Macher wollten ein noch unbekanntes Gesicht und das bekamen sie mit Oliver Masucci. 26 Kilo musste er für die Rolle des Adolf Hitler zunehmen. Ein schwieriges Unterfangen, denn Masucci ist von klein auf ein sportbegeisterter, kräftiger Mensch. Doch die Mühe zahlte sich aus, mit knapp 2,5 Millionen Kinobesuchern sichert sich die Hitler-Satire Platz 10 der erfolgreichsten Filme des Kinojahres 2015 in Deutschland. Auch über eine Nominierung als Bester Hauptdarsteller beim Deutschen Filmpreis konnte sich Masucci freuen.

Wo andere wie Bruno Ganz Probleme hatten, sich von der Rolle des Adolf Hilter zu emanzipieren, stand dieses Problem für Oliver Masucci nie im Raum. Seine Darstellung scheint andere Filmschaffende derart inspiriert zu haben, sodass ihm zahlreiche Türen geöffnet wurden :

Die Film- und Fernsehrollen, die ich jetzt bekomme, sind eine Chance, noch mal völlig neu, vielleicht auch ganz anders gesehen zu werden als von den Leuten, mit denen ich die letzten fünfzehn Jahre zu tun hatte. Die Chance, sich ganz anders zu zeigen. Das ist was Schönes.

Es folgten zwar Auftritte in TV-Filmen wie Die vierte Gewalt, Tatort: Zahltag , Polizeiruf 110: Sumpfgebiete und Tödliche Geheimnisse 2 - Jagd in Kapstadt. Mehr Aufsehen erregt haben jedoch die Produktionen Dark und 4 Blocks. Als Polizist Hagen Kutscha ist er in 4 Blocks auf den Fersen des Familienclans von Ali "Toni" Hamady (Kida Khodr Ramadan) und passt mit seinem kantigen Aussehen und seinem Jack Palance-Gesicht perfekt in den Kampf gegen die organisierte Kriminalität. In die Herzen eines noch breiteren Publikums spielte er sich allerdings als Ulrich Nielsen in der ersten deutschen Netflix-Mystery-Serie Dark. Hier mimt er erneut einen Polizisten, der das Verschwinden der Kinder in Winden aufklären soll. Dabei bleibt es aber nicht, denn sein Charakter ist noch weiter in die Geschichte eingebunden. Der Erfolg von Dark machte Oliver Masucci über die Grenzen von Deutschland, Österreich und der Schweiz bekannt. Da Dark von Netflix produziert und ausgestrahlt wird, können aktuell rund 125 Millionen Abonnenten weltweit die Serie sehen.

Das Niveau halten

Aktuell wird die zweite Staffel von 4 Blocks gedreht, von Dark ist eine weitere Staffel angekündigt. Im Serienbereich ist er also gut ausgelastet. Dieses Jahr erwartet uns mit Werk ohne Autor auch ein weiterer Kinofilm mit Masucci. Dort ist er als Prof. Antonius van Verten an der Seite von Tom Schilling und Paula Beer in einem Drama vom oscarprämierten Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck zu sehen.

Oliver Masucci bleibt weiterhin ein gefragter Darsteller, der entweder schon auf seinem Zenit angekommen ist, oder noch viel mehr erreichen kann. Die Zeit wird es zeigen. Genug Facetten dafür hat er. Das Sprungbrett vom Theaterschauspieler zum gefragten Fernseh- und Kinostar mit nur einer Kino-Hauptrolle hat er gut genutzt und so innerhalb kürzester Zeit eine enorme Wandlung durchgemacht. Es scheint, als würden seine Pläne immer aufgehen. Das trifft auch auf seine Rollenwahl zu, die scheint bislang stets ein guter Griff gewesen zu sein. Masucci selbst hat auch eine Idee, woran das liegen könnte:

Ich kann mich grundsätzlich ganz gut reindenken in so widerspenstige Charaktere. Die geben aber auch einfach mehr her, diese Außenseiter. Im klassischen Theater sind die Charaktere ja auch alles vom Leben geschlagene Figuren. Das sind immer die interessantesten Rollen.

Hoffen wir, dass es so bleibt und wir als Zuschauer weiterhin in den Genuss der guten Entscheidungen von Oliver Masucci kommen.

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