Outsiders - Unser erster Eindruck im Pilot-Check

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Es ist in den seltensten Fällen ein gutes Zeichen, wenn eine Serie schon im Vorfeld als "eine Mischung aus X und Y" beworben wird. Im Falle von Outsiders wurde gleich mit einer ganzen Reihe von verschiedenen populären Serien jongliert, von Justified über Banshee - Small Town. Big Secrets. und Vikings bis hin zu Sons of Anarchy. Da darf dann ruhig auch Mal gezweifelt werden, ob die Serie bei all den herangezogenen Vergleichen auch genug Kraft hat, um sich eine Daseinsberechtigung in der überfüllten Serienlandschaft zu erkämpfen. Ein endgültiges Fazit lässt sich natürlich erst in ein paar Wochen ziehen, doch Farrell Wine deutet es schon an: Es sieht nicht gut aus.

Die Prämisse von Outsiders ist eine einfache: Eine Gruppe von Außenseitern verschanzt sich auf einem Berg im Wald und lebt dort in ihrer eigenen kleinen Welt. Hin und wieder begeben sie sich in die Zivilisation, um zu ihrer Versorgung Supermärkte auszurauben. Von Geld halten sie überhaupt nichts. Die örtliche Polizei toleriert das, vor allem aus Angst: Deputy Wade (Thomas M. Wright) berichtet von einem Versuch vor 25 Jahren, die Abtrünnigen von dem Berg zu vertreiben. Was genau passiert ist, verrät er nicht, doch es gab Tote und die Bande befindet sich offensichtlich immer noch genau da, wo sie war. Das soll sich jetzt endgültig ändern. Ihr Wohnsitz beherbergt gigantische Kohlevorräte und lockt dementsprechend Firmen vom Rohstoffmarkt an, die das damit verbundene Geld einsacken wollen.

Als die Outsiders von dem Vorhaben der Behörden erfahren, denken sie natürlich gar nicht daran, ihren Platz zu räumen. Stattdessen rüsten sie sich für den Krieg. Doch innerhalb ihrer Gruppe gibt es jede Menge Konfliktpotential: Big Foster (David Morse) möchte die Leitung von Lady Ray Farrell (Phyllis Somerville) um jeden Preis übernehmen, während Hasil (Kyle Gallner) langsam anfängt, mit einem sozialisierten Leben zu flirten. Für ständige Spannung sorgt auch die (Nicht-)Anwesenheit von Asa (Joe Anderson), der offenbar mal zu der Bande gehörte, dann für zehn Jahre verschwand und nun wieder zurückgekehrt ist, was ihm seit sechs Monaten ein Leben im Käfig beschert.

Große Themen, nichts dahinter

Es ist nicht so, dass Outsiders grundsätzlich Platz für spannende Themen ausschließt und diese nicht anschneiden würde. Da wäre zunächst einmal die Idee von den Außenseitern selbst: Ein Zusammenschluss von Menschen, denen die amerikanische Gesellschaft zu viel wurde, die in ihren Strukturen und Mechanismen alles andere als ein Ideal sehen und sich ihr nur in Ausnahmefällen nähern und sie sogar für gefährlich halten. Seinem Sohn verbietet Big Foster, den Wald zu verlassen, weil er noch zu jung sei ("There is nothing good down there. Nothing but poison."). Sie verbrennen Dollarnoten, lehnen Besitz ab. Moralisch ein bisschen desorientiert, aber im Kern dann paradoxerweise sehr scheinheilig: Diebstahl, Vandalismus, Muttermord und Waffengewalt werden nicht per se abgelehnt, wenn es bedeutet, einfach in Frieden gelassen zu werden.

Ihnen gegenüber stehen die kapitalistischen Anzugträger, die gleich zu Beginn ganz klassisch durch Überheblichkeit und Inhumanität unsympathisch auffallen und einfach nur ihre verdammte Kohle haben wollen. Vielleicht nicht unbedingt auf der selben Seite wie die Unternehmer, aber definitiv auf einer anderen als die Outsider befindet sich zudem eine fadenscheinige Vorstadtgesellschaft, in der Kids in Polohemden sich wie Honigkuchenpferde freuen, wenn sie zwei Tütchen Gras auf der Straße kaufen und deren Eltern im Einfamilienhaus sitzen und "intoxicated" als Teil ihres aktiven Wortschatzes pflegen.

Zwischen all diesen Gruppen gäbe es zweifellos genug Platz für eine Meditation um Kapitalismus, Ökologie, Selbstbestimmung und familiären Strukturen in Zeiten des Neoliberalismus - und der Pilot macht durchaus den Eindruck, dass er die Existenz dieses Potentials wahrnimmt. Doch gleichzeitig sieht es nicht so aus, als würde er sich dafür sonderlich interessieren. Die Themen werden alle kurz angedeutet, doch niemals näher behandelt. Selbstverständlich könnte das etwas sein, dem die Serie in Zukunft noch nachgehen wird, doch in Anbetracht dessen, wie sehr sie sich auf ihren billigen Mystizismus inklusive bedeutungsvollen Wölfen und Geschwafel von Prophezeiungen sowie ihre drittklassig erzählten Liebesgeschichten versteift, ist das doch sehr unwahrscheinlich.

Charaktere vom Reißbrett

All das könnte ja immer noch Spaß machen, wenn die Autoren bloß bei der Essenz der Serie nicht versagt hätten: Die Outsiders selbst. Ein Haufen uninteressanter Charaktere vom Reißbrett, die auch noch so wunderbar ins Bild der dummen Hillbillys passen. Keiner von ihnen kann lesen und natürlich sind sie ein stark inzestuöser Verein ("I don't see any demons here. All I see is cousins!"), in ihren Wünschen und Sehnsüchten weitläufig primitiv: Saufen, prügeln, vögeln. Asa und Hasil sollen da ganz offensichtlich Ausnahmen bilden; doch abgesehen davon, dass das für solch eine große Gruppe im Mittelpunkt einer Serie ohnehin ziemlich dürftig wäre, sind auch sie allerhöchstens zweidimensional. All das wird dann auf denkbar unkreative Art und Weise umgesetzt. Jeder Satz, jedes Bild im Outsiders-Pilot wurden nicht nur bereits einmal gehört und gesehen - sie wurden schon viel zu oft gehört und gesehen.

Gleich die ganze Serie zu verurteilen wäre natürlich unangemessen, denn das Kind hier ist durchaus noch zu schaukeln. Zum Beispiel, in dem die oben genannten Themenbereiche intensiver erforscht werden. Oder aber - die Option gefällt mir aufgrund der zahlreichen Baustellen ein bisschen besser - Outsiders hört einfach komplett auf, sich ernst zu nehmen, was in dieser Episode ein Teilproblem ist. Denn in seinen besten Momenten kann Farrell Wine immerhin ein trashig-ulkiges Vergnügen sein, beispielsweise wenn die Outsiders auf ihren Quads durch den Supermarkt heizen oder ihr selbstgebrauter Wein den Weg in die Stadt findet und für die ganze große Familientragödie sorgt. In diesen Momenten scheint die Serie ein humorvolles Bewusstsein ihrer eigenen Absurdität zu entwickeln. Doch dann kommen sie wieder, diese klobigen, ungelenken Versuche eines gehaltvollen Charakterdramas und verderben den ganzen Spaß.

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