Alles für die Quote

Sat.1 blamiert sich mit Die Mongolettes

28.03.2012 - 15:13 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Die Mongolettes - Wir wollen rocken!
© Sat.1
Die Mongolettes - Wir wollen rocken!
Sat.1 hat mal wieder den Vogel abgeschossen. Für einen neuen TV-Film wählte der Sender den eingängigen Titel Die Mongolettes – Wir wollen rocken! Ob der Streifen die Beleidigung Mongo für Menschen mit dem Down Syndrom wieder salonfähig machen will?

Sat.1-Produktionen bieten immer wieder Grund zum Stirnrunzeln. Da gibt es Plötzlich fett und Bei manchen Männern hilft nur Voodoo. Aber mit seiner neuesten Produktion hat der Privatsender sich in Sachen Titelwahl selbst übertroffen. Die Mongolettes – Wir wollen rocken! heißt der Streifen, der offenbar versucht, das Schimpfwort Mongo wieder salonfähig zu machen. Denn im Mittelpunkt steht ein Gitarrist, der unter anderem Menschen mit Trisomie 21 die Freude an der Musik vermittelt. Schönes Thema, richtig schlechter Titel, ist doch der Begriff Mongo nicht nur eine altmodische, sondern auch eine extrem abwertende Bezeichnung für all jene, die mit dem auch als Down Syndrom bekannten Gendefekt leben.

Zu Recht regt sich die Hannoversche Allgemeine über die undurchdachte Titelwahl auf. Noch mehr schockiert allerdings die Antwort von Sat.1. Anstatt sich etwa argumentativ mit der Selbstbestimmung jener Menschen zu rechtfertigen, die das Down Syndrom haben, wird die pure Sucht nach Quote vorgeschoben: “Wir hatten keine Bedenken”, heißt es da und “Wir wissen auch, dass das politisch unkorrekt ist, aber das Wort ,mongoloid‘ ist im Sprachgebrauch verankert.” Nach Angaben von Sat.1 wurde der Titel bewusst gewählt, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen, schließlich sei der Fachbegriff Trisomie 21 viel zu kompliziert für eine Überschrift. Jeder kenne den Begriff Mongo, also sei der Titel Die Mongolettes nur naheliegend.

Zur Erinnerung: Bis in die 60er wurde das Down Syndrom als Mongolismus bezeichnet. Damals wurde die Bezeichnung unter anderem wegen ihres rassistischen Beigeschmacks abgeschafft. In der Zwischenzeit setzte sich “Mongo” in der Jugendsprache als Schimpfwort durch, da es die geistige Behinderung mit Idiotie gleichsetzt, so wie es vor Jahrzehnten in der Forschung üblich war. Sat.1 heischt mit dem Titel seines School of Rock -Ripoffs also nicht nur um Aufmerksamkeit, sondern bedient gedankenlos einen depperten Schulhofjargon. Der beleidigt zum einen alle, die mit dem Down Syndrom leben, und läuft zum anderen Gefahr, einen rassistisch eingefärbten Begriff wieder in die Umgangssprache wandern zu lassen.

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