Skyscraper bei Amazon Prime: Dwayne Johnson ist der langweiligste Action-Held

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15.03.2020 - 10:00 UhrVor 8 Monaten aktualisiert
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Dwayne Johnson ist der größte Star des heutigen Hollywoodkinos. Sein prächtiger Glanz auf der Leinwand aber lässt allmählich nach: Der Action-Held wird immer langweiliger.

Seit heute ist mit Skyscraper das beste Beispiel bei Amazon Prime dafür verfügbar, dass das moderne Blockbusterkino ohne die Präsenz eines Dwayne Johnson längst nicht mehr vorstellbar ist. Der bullige Charmebolzen hat sich von der Wrestling-Ikone zum Hollywood-Topverdiener hochgekämpft und bringt die schillernde Erfolgsgeschichte seiner Person im souverän ausgestellten Perlweißgrinsen zu jeder Zeit zum Ausdruck.

Wir möchten Dwayne Johnson den seit einigen Jahren bereits anhaltenden Höhenflug auch nicht verdenken. Dafür ist der muskelbepackte Sunnyboy auch viel zu gewandt darin, sein Publikum um den kleinen Finger zu wickeln. Dass unlängst nicht mehr alles Gold ist, was der Sexiest Man Alive  anpackt, wird inzwischen jedoch deutlicher denn je.

Risikoscheuer Mainstream: Die Gemütlichkeit der hochbudgetierten Komfortzone

Dwayne Johnson ist zu einer Marke geworden, die sich mittlerweile auch für das ein oder andere Gähnen verantworten muss. Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass Johnsons risikoscheue Rollenauswahl eine ungemeine Gemütlichkeit mit sich bringt. Fest angekommen im komödiantischen Action-Mainstream, verschwendet Johnson keinen Gedanken mehr darauf, diese hochbudgetierte Komfortzone in nächster Zeit wieder zu verlassen.

Rampage

Warum auch? Der Erfolg gibt ihm Recht. Der Mann ist ein Box-Office-Garant, darüber hinaus maßgeblicher Bestandteil Milliarden-schwerer Franchises wie etwa Jumanji: Willkommen im Dschungel oder The Fast and the Furious und durch seine Auftritte in San Andreas, Rampage, Baywatch oder Skyscraper zu einem Superhelden der Neuzeit aufgestiegen, der dafür nicht einmal Marvel, DC und Co. in seinem Rücken benötigte. Vorerst.

Genau diese allgegenwärtige Übermenschlichkeit aber rückt Dwayne Johnson immer weiter in die stumpfsinnige Eintönigkeit. All die lebensnahen Motivationen, die seine Charaktere dahingehend umtreiben, zusehends über sich hinauszuwachsen, sind reine Behauptung. Egal, wie groß die Gefahr und wie unmöglich die Herausforderung ist: Dwayne Johnson ist unantastbar, unerschütterlich und schwebt über den Dingen. Seine Verwundbarkeit ist kalkulierte Fassade.

Familientauglich und blutleer - Dwayne Johnson wird so niemals Filmgeschichte schreiben

Wo sich frühere Action-Ikonen wie Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone noch darum bemüht haben, ein möglichst breites Publikumsspektrum abzudecken, sind die Zeiten, in denen sich Dwayne Johnson noch im R-Rated-Kino in den Kopf hat schießen lassen (Faster), lange vorbei. Was ihm stattdessen bleibt, ist die glatt gebügelte Selbstverständlichkeit des handzahmen, gerne Disney-geprägten Family Entertainments (im Juli startet der filmgewordene Themenpark Jungle Cruise in den deutschen Kinos).

Augenfällig ist dabei auch der Umstand, dass Dwayne Johnson – abseits seiner beachtlichen Physis – schlichtweg das Alleinstellungsmerkmal fehlt. Konnten die Egos von Bruce Willis, Arnie und Sly einst noch hinter ihren Charakteren zurücktreten, um dadurch ewige Helden wie John McLane, den Terminator oder John Rambo zu erschaffen, ist Dwayne Johnson immer nur... The Rock. Familientauglich und blutleer – und damit auch Lichtjahre davon entfernt, ernsthaft (Kino-)Geschichte zu schreiben.

Skyscraper

Passend dazu erweist sich auch sein makelloses Saubermann-Image, welches Dwayne Johnson in aller Regelmäßigkeit auf Social-Media-Kanälen wie Instagram oder Facebook propagiert. Da zeigt er sich als ehrgeiziger Fitness-Maniac, als vorbildlicher Super-Papa und galanter Geschäftsmann von Welt. So galant sogar, dass er den kürzlichen Tod seines eigenen Vaters dazu verwendet, um seinen Tequila ins Gespräch zu bringen . Auf Daddy!

Skyscraper ist typisch Dwayne Johnson: Kostspielig, aber austauschbar

Skyscraper von Rawson Marshall Thurber ist nun ein wunderbares Beispiel dafür, warum Dwayne Johnson niemals in die Fußstapfen der großen Action-Helden der 1980er und 1990er Jahre treten wird. Seine Paraderolle – der Mann, der für seine Familie alles tun würde und natürlich auch tut -, ist keine Paraderolle, sondern nur prototypisches Amalgam, dem es schlichtweg an Eigenständigkeit fehlt. Da tut es auch nichts zur Sache, dass Johnsons Figur in der Vergangenheit einmal gescheitert ist.

Über sein Vorbild wächst indes weder Dwayne Johnson noch Skyscraper hinaus. Sicherlich kann der Blockbuster mit einigen eindrucksvollen Money Shots protzen, aber Thurbers Regie ist zu formelhaft und das Drehbuch zu durchschaubar. Alles schon zigmal gesehen – und dabei auch schon oft genug besser. Schön wäre es, wenn sich Johnson mal wieder zu seinen Wurzeln bekennen und für kleines, rustikales Genre-Kino hergeben würde. Aber Träume sind Schäume.

Skyscraper steht seit heute auf Amazon Prime zur Verfügung.

Was haltet ihr von Dwayne Johnson?

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