The Society: Nach Riverdale und Stranger Things kommt eine unterhaltsame Seifenoper

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Netflix liebt Geschichten über Jugendliche. Das wird auch bei den Neuerscheinungen des Streaming-Anbieters deutlich. Serien wie Riverdale und Stranger Things haben bereits in der Vergangenheit die Herausforderungen des Erwachsen-Werdens mit Mystery-Elementen vermengt.

The Society fährt auf dieser Schiene voll weiter – sogar so sehr, dass buchstäblich jemand in der Serie bemerkt: "Sind wir hier in einer Folge von Riverdale?" Am stärksten ist The Society allerdings nicht im Mysterium, sondern in seinen zwischenmenschlichen Momenten.

Darum geht es in The Society

Die Stadt West Ham ist vor allem eines: sehr klein. Die jugendlichen Bewohner wünschen sich vermutlich nichts lieber, als endlich in die weite Welt zu entfliehen. Dazu haben sie jetzt die Möglichkeit. Mehrere Busse bringen sie für einen Camping-Ausflug aus dem Ort.

Ein großes Gewitter verhindert allerdings das Unternehmen und so werden die Jugendlichen wieder nach Hause gebracht. Doch etwas stimmt nicht: ihre Eltern sind nicht mehr da. Von nun an sind die Jungen und Mädchen auf sich allein gestellt. Über kurz oder lang müssen sie eine neue Gesellschaftsordnung errichten.

Netflix' The Society ist eine Seifenoper – aber das ist nicht schlimm

The Society ist weniger eine Mysteryserie als eine klassische Seifenoper. Während es anfangs noch um den Verbleib der Erwachsenen geht, taucht die Serie später tief in die Konflikte rund um die Bildung einer Gesellschaft ein. Einige übernehmen Verantwortung, anderen gefällt das nicht, wieder andere haben nur Augen für die Liebe.

Dank zumindest einiger komplexer Charaktere bleibt die Soap-hafte Inszenierung aber immer unterhaltsam. Gerade die weiblichen Figuren sind in The Society sehr gut ausgearbeitet. Anführerin Cassandra etwa versucht Ordnung in die chaotische Lage zu bringen, ist aber auch überfordert von der großen Verantwortung.

Ein Großteil der Figuren bleibt klischeehaft

So komplex die weiblichen Jugendlichen sind, so stereotyp sind es die meisten der männlichen Vertreter. Figuren wie Harry, Gordie und Campbell verkommen zum Großteil zu klischeehaften Rollenträgern als Rebell, Nerd und fieser Fiesling. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie ihnen in den letzten Folgen noch etwas Charakterentwicklung zugesteht.

Ein Lichtblick ist die Figur des Sam. Als Gehörloser kommuniziert er hauptsächlich in Gebärdensprache und vermittelt so auf wunderbare Weise seinen humorvollen und empathischen Charakter. Ein emotionaler Ausbruch von ihm gehört zu den stärksten Szenen der 1. Staffel.

Der Aufbau der neuen Gesellschaft ist nachvollziehbar

Klar, dass ein neuer Staat nicht über Nacht entstehen kann. The Society begreift das und nimmt sich deshalb viel Zeit, neue Strukturen zu etablieren. Maßnahmen wie ein sozialistisches Arbeitssystem und gerechte Nahrungsaufteilung werden erst nach und nach getroffen, meistens als Reaktion auf bestimmte Vorfälle.

Es ist allerdings schade, dass die Serie regelmäßig erzwungene Konflikte aus dem Hut zaubern muss. Kaum beschließt Cassandra mit ihrer Gefolgschaft eine neue Maßnahme, kommen wie auf Kommando Hasstiraden auf sie zu – selbst wenn es um offensichtlich vernünftige Vorschläge handelt.

Diese Konflikte sind leider auch sehr kurzlebig. Selbst schockierende Ereignisse haben einige Episoden später kaum noch eine Bedeutung. So beschleicht einen oft der Eindruck, dass die Macher nur von Folge zu Folge gedacht haben, anstatt langfristige Konsequenzen auf Story-Ereignisse wirken zu lassen.

The Society erinnert an The Walking Dead

Aber wie gesagt: The Society ist in erster Linie eine Seifenoper und als solche kann sie überzeugen: durch spannende Figuren und ein interessantes Setting. Am Ende fühlt sich dieses Überleben ohne Mama und Papa ein bisschen so an wie eine lange Füller-Episode von The Walking Dead. Ohne Zombies und mit Jugendlichen. Das ist tatsächlich unterhaltsamer, als es den Anschein hat.

Die 1. Staffel von The Society umfasst zehn Episoden, die am 09.05.2019 bei Netflix veröffentlicht wurden. Als Grundlage für diesen Seriencheck dienten die ersten fünf Folgen der 1. Staffel.

Werdet ihr The Society auf Netflix schauen?

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