Türkisch für Anfänger von Anfängern

...weil du endlich Drogen genommen hast.
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Preise, Fans, Umsatz - alle keine Ahnung. Ernsthaft! Das ist jetzt kein Anstacheln zur Echauffierung. Das ist eine Feststellung: Die Demokratie der Kinokasse funktioniert einfach nicht. Denn wenn diese drei Reiter der cineastischen Apokalypse auch nur den leichtesten, rosigen Hauch einer Ahnung auf ihren Wangen durch die Welt trügen, wäre Türkisch für Anfänger - Der Film definitiv kein so riesiger Erfolg geworden.

Vielleicht hätten wir damals alle auf jacker hören sollen, als er bereits vor vier Jahren dieses Fanal der Warnung, des guten Geschmacks setzte. Aber wir schauten weg. Wir hofften, es sei vorbei. Wir dachten, mit diesem Film würde ein Kapitel geschlossen, der Mantel des Schweigens über ein letztes, anstrengendes, quietschbuntes und viel zu erfolgreiches Hurra der seichten Komödie gebettet. Aber ein Jahr später wurde alles noch viel schlimmer. Denn ein Jahr später gingen wir alle mit Elyas M'Barek zur Schule...

Der Kommentar der Woche von jacker zu Türkisch für Anfanger - Der Film

Nach allen Regeln der Kunst wird hier, in einer nahezu ausgeglichenen Balance zwischen schmerzhafter Fremdscham und einigermaßen komischen Albernheiten, absoluter Schrott abgeliefert!
Türkisch für Anfänger ist dabei immer extrem. Entweder extrem dumm, so dumm dass es im tiefsten Inneren schmerzt, die Gedärme sich zusammenziehen und man sich schämt zu der Art zu gehören, deren Anhänger sich diese Grütze aus den Fingern gesaugt haben. Oder extrem überdreht, albern und so bescheuert dass es schon wieder ganz gut ist. Natürlich ist das gewollt, doch bekanntermaßen ist gut gemeint das Gegenteil von gut.

Über die Laufzeit gemittelt kommt man recht schnell zu einem klaren Fazit - alles in TFA ist too much!

Das geht bei der visuellen Gestaltung los. Vielleicht wurde in der Post-Production ein Praktikant ans Colouring gelassen, vielleicht ist irgendjemand aus Versehen mit dem Farb-Regler auf +100% gerutscht und niemand hats gemerkt (wäre in Anbetracht der offensichtlichen geistigen Umnachtung der Beteiligten durchaus denkbar), vielleicht sollte aber auch, passend zum unerträglichen Neon-Chart-Elektro Soundtrack - Marke: Feelgood-deutsch-Komödie mit übersättigtem Schweiger-Vibe - entsprechende Dauer-Rave Atmosphäre geschaffen werden. Wir wissen es nicht, Fakt ist dass TFA auch nach massiver Reduktion der Fernseher-Helligkeit und Farbsättigung immer noch einer Säurebehandlung für die Netzhaut gleichkommt.

Beim Schauspiel geht es weiter.

Josefine Preuß ist zwar ganz niedlich, setzt in ihrem Spiel aber auf eine zutiefst nervige Mischung aus Nic Cage und Otto Waalkes. Mal klappt das, meist nervt das. Regisseur / Autor Bora Dagtekin reicht dieser, nah an 'Techno-Leichen-nach-zu-viel-Pillenkonsum' angelehnte Gesichtsfasching jedoch noch nicht aus, und er gießt literweise unnütze und plump-dämliche Voiceovers ins 'Geh-mir-auf-den-Sack'-Feuer, um auch die letzten erträglichen Momente seiner inszenatorischen Tragödie zu brandroden. Auch Elyas M'Barek tritt mit seiner Wannabe-Macho-Chef-Gangster-vom-Block-Attitude direkt ins Klo. Kann er wenig für, denn das liegt überwiegend an dem, was man ihm da in den Mund gelegt hat, nicht wie er es vorträgt.

Seine Figur Cem grenzt an eine Katastrophe: Nichts gegen Randgruppenhumor (großartige Formate wie die Chappelle's Show haben bewiesen, dass der funktioniert), aber in TFA wirkt dieser 'Humor' als ob sich Dagtekin dachte: "Ich bin Türke, ich darf das, also wird jetzt mal richtig auf Klischees geritten - von Kopftuch, über Buschmann-Klischees, bis zum Abziehneger kommt alles mit rein". Problem: Der Humor ist nicht gut, die Jokes zünden selten und die aufgesetzte Proll-Masche von Cem, bleibt als endlose Aneinanderreihung von stumpfem 'Halt die Fresse! Deine Mudda! Geh mir nicht auf den Sack'-Gebashe im Gedächtnis. Zwar glänzen vereinzelte Momente, wie die 'Nutten am Pool'-Parodie von deutschem Asi-Rap, doch überwiegend bleibt ungläubiges Kopfschütteln.
Grotesk.

Dank ausgeprägtem Hang zu Slapstick-Humor und hirnlosen Albernheiten, konnten mir einige Momente dieser Art die 100 Minuten zur Achterbahnfahrt (mit beschränkter Zahl an Highlights) umfunktionieren und noch einigermaßen erträglich erscheinen lassen - dennoch ist von diesem Machwerk mit aller Deutlichkeit abzuraten.
Oder doch nicht?

Am Ende haben sich doch alle lieb! Wie schön! Und der böse Bube ist doch ganz weich! Noch schöner! Und TFA ist ausgezeichnet mit dem deutschen Comedypreis, dem Bambi, dem Bayerischen Filmpreis. Dazu Platz 1 der Kinocharts.. Die Masse kann doch nicht irren!?

Des Originals Boshaftigkeit erscheint hier in all ihrer Glorie... :)

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