Insidious 1 & 2

Darum sind Haunted-House-Filme so gruselig

Insidious
© Wild Bunch/Central Film
Insidious
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sciencefiction Andrea Wöger
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Update: Dieser Text wurde zum Kinostart von Insidious: Chapter 2 im Oktober 2013 veröffentlicht. Da er nichts an seinen grusligen Erklärungen verloren hat, haben wir ihn zur TV-Ausstrahlung von Insidious und Insidious: Chapter 2 auf RTLII aufgehübscht und aktualisiert. Euch viel Spaß beim Gruseln.

Wer kennt es nicht, das Overlook Hotel in Stanley Kubricks Shining oder das heimgesuchte Haus der Freelings in Tobe Hoopers Poltergeist. Hinter der Hausfassade treiben böse Kräfte ihr makaberes Spiel mit amerikanischen Durchschnittsfamilien. Das Horror-Subgenre des Haunted House (zu Deutsch “Spukhaus” oder “Geisterhaus”) befremdet uns und gehört schon seit Jahrzehnten zu Hollywoods fixem Mainstream-Bestand. Immer wieder feiern kleine Haunted-Hause-Filmproduktionen immense Box-office- und auch Kritiker-Erfolge. Dieser Tage sind auf RTLII Insidious und Insidious: Chapter 2 zu sehen, die so manchen von euch moviepiloten bestimmt das Fürchten lehren.

Doch warum ist das Haunted House im Horrofilm ein so beliebtes Instrument, uns das Fürchten zu lehren? Und woher kommt diese plötzliche Angst, wenn die Türen zu knarren und die Decken zu ächzen beginnen, und sich das Bettlaken wie von Geisterhand zu wölben beginnt?

Die großen Hits der letzten Jahre

Der Überraschungserfolg Insidious von James Wan (Saw) lief im Juli 2011 in unseren Kinos. Der erste Teil des Horror-Franchises erzählt eine klassische Haunted-House-Geschichte mit Patrick Wilson und Rose Byrne als besorgte Eltern. Im August 2013 fegte erneut eine Spuk-Story von James Wan durch die Kinos: Conjuring – Die Heimsuchung überzeugte nicht nur einen Großteil der Kritiker mit seinem Old-School-Look, den spannenden Kamerafahrten und kräftigen Schreck-Momenten, auch die Zuseher ließen weltweit bei Produktionskosten von 20 Millionen US-Dollar über 300 Millionen US-Dollar an den Kinokassen liegen.

Solch preisgünstige, positiv rezipierte „Ware“, wie beispielsweise auch Oren Pelis Paranormal Activity aus dem Jahr 2009, fordert nach dem Wirtschafts-1×1 eine gruselige Anzahl an Fortsetzungen, wobei die Qualität der bisher sechs Sequels stark schwankt. Insgesamt waren es über 890 Millionen US-Dollar, die das bisherige Paranormal-Activity-Quartett bei Produktionskosten von insgesamt beinahe lächerlich erscheinenden 48 Mio. einspielte. Nachschub bzw. ein mögliches Reboot ist in Planung.

American and other Horror Storys

Die perfide Grundidee von American Horror Story zeigt, mit welcher Freude sich Millionen von Zusehern bei spitzfindigen Hauted-House-Storys für Erwachsene ebenso im TV-Format gruseln. Mit interessanten Hintergrundgeschichten, Morden, Selbstmorden, Untreue und zahlreichen Monstern im Keller hebt AHS das möglich geglaubte Niveau unserer voyeuristischen Lust am Zusammenbruch der amerikanischen Durchschnittsfamilie im verfluchten Haus auf ein neues Level. J.A. Bayonas Das Waisenhaus, Brad Andersons Session 9 und James Watkins Die Frau in Schwarz sind weitere gelungene Kino-Beispiele der letzten Jahre aus verschiedensten Ecken dieser Welt. Das Genre bietet so viel ikonischen Wiedererkennungswert, dass sich sogar die wirklich nicht originelle und so gar nicht sehenswerte Parodie Ghost Movie dieses Jahr über 40 Millionen US-Dollar in die Tasche schaufeln durfte.

Was ist denn eigentlich ein Haunted House?

Zu Beginn einer solchen Haunted-House-Geschichte bezieht meist eine Familie ein neu erworbenes Häuschen am Land. Charakteristische Musik, Kameraführung und verdächtige Geräusche machen schnell klar, was die Hausbesitzer meist noch eine ganze Zeit lang leugnen: Es spukt! In vielen Fällen ist der Hausgeist auf ein vergangenes (Selbst-)Mordopfer in diesem Gebäude (oder unter dem Gebäude, am Baum im Garten, im Teich, etc.) zurückzuführen. Zahlreiche Wissenschaftler versuchen seit den ersten ernst gemeinten Erwähnungen von Spukhäusern, diese übernatürlichen Vorkommnisse mit logischen Begründungen zu widerlegen. Vor allem in den USA werden dieses Haunted Houses gerne zu kommerziellen Zwecken genutzt.

Schon lange vor dem Kino entstanden die ersten Haunted-House-Storys und ihre Beliebtheit zieht sich ebenso durch die gesamte Geschichte des Laufbilds. Bereits 1932 entstand James Whales Kult-Parodie Das Haus des Grauens, die, wie der Original-Titel “The Old Dark House” schon sagt, eine Gruppe gestrandeter Leute in einem alten und dunklen Haus zusammenbringt. Über Robert Wises geisterlosen Geistergeschichte Bis das Blut gefriert und der Henry-James-Adaption Schloß des Schreckens aus den 1960ern bis hin zu Alejandro Amenábars Landhaus-Grusel The Others von 2001 zieht sich der kommerziell und qualitativ erfolgreiche Haunted-House-Film durch die Kinogeschichte und ist heute beliebter und erfolgreicher, als je zuvor.

Die eigenen vier Wände

Dass wir Horrorfilme gucken, um uns zu gruseln, ist ebenso kein Geheimnis, wie die zu erwartenden Schock-Effekte. Horror ist leicht als solcher erkennbar und schürt unsere existenzielle Angst, dass wir alle irgendwann sterben müssen. Während dies auf alle Filme des Horrorgenres zutrifft, gehen Haunted-House-Geschichten noch einen Schritt weiter. Sie treffen uns dort, wo wir uns eigentlich sicher fühlen – in unseren eigenen vier Wänden. Während Komödien dafür gemacht sind, in Gesellschaft gesehen zu werden, entwickeln Horrorfilme ihr wahres Gänsehaut-Potenzial, wenn wir sie alleine in unserem Eigenheim bei abgedrehtem Licht ansehen und uns auf der Couch unter die Decke kauern. Ein Haunted House trifft immer diejenigen, die darin wohnen.

Das Verlangen nach Privatsphäre ist in unserer Gesellschaft ebenso ausgeprägt wie jenes nach Geborgenheit. Beides wird meist von den eigenen vier Wänden verkörpert. Wir können uns wunderbar mit jedem anderen Durchschnittsmenschen, der sich ein neues Zuhause einrichtet, identifizieren. Und ebenso erschrecken wir, wenn sich dieser sichere Ort gegen ihn wendet, egal, ob das Haus selbst zu einer bösen Macht mutiert oder sich fiese Dämonen darin verbergen.

Unheimliches Eigenheim

Im Deutschen bietet uns das Wort „unheimlich“ einen besonders passenden Zugang zum Thema, da hier die Verneinung des „heimlichen“ in Hinblick auf die Privatsphäre und des „heimeligen“ in Bezug auf die heimische Geborgenheit das Wort prägen. Gegenüber der New York Times verriet Oren Peli, Schöpfer der Paranormal-Activity-Reihe, seine Eindrücke des unheimlichen Eigenheims, wenn sich die Zuseher bei dem kleinsten Spuk bereits fürchten: “Ich wollte die Häuser selbst nie gruselig erscheinen lassen. Also denkt das Publikum, ‘Wenn es in einem normalen Haus passieren kann, könnte es auch bei mir passieren.’“ Während in Splatter-Filmen die Gedärme spritzen reicht beim gut inszenierten Haunted House meist schon das Aufbauschen einer Decke oder die ungewöhnliche Bewegung eines Kindes, um uns in Angst und Schrecken zu versetzen und unser Eigenheim unheimlich erscheinen zu lassen.

Was haltet ihr vom Genre Haunted House?

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