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Zum 35. Jubiläum

Weshalb Das Ding aus einer anderen Welt noch immer schockt

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© Universal
Das Ding aus einer anderen Welt
22.10.2017 - 11:00 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Damals gehasst, heute geliebt: John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt war ein Kino-Flop. Heute gilt er als einer der besten Horrorfilme überhaupt. Warum ist er auch heute noch so mitreißend?

Vor genau 35 Jahren wurde John Carpenters Sci-Fi-Horror Das Ding aus einer anderen Welt auf die deutschen Zuschauer losgelassen. Carpenter wollte seinen Film vom Klassiker Das Ding aus einer anderen Welt von 1951 abgrenzen und sich näher an die Romanvorlage Who Goes There? von John Campell halten. Als der Film in die Kinos kam, war die Resonanz allerdings eher bescheiden: Kaum ein Kritiker oder Zuschauer war von dem übertrieben brutalen Horrorfilm überzeugt. Laut Carpenter  war auch der Erfolg von E.T wenige Wochen vor dem Kinostart dafür verantwortlich. Das Publikum mochte das Familien-Abenteuer mit dem wohlwollenden Alien und dessen hoffnungsvolles Happy-End. Das Ding war das vollkommene Gegenteil: Düster und schonungslos mit einem offenen Ende. Vincent Camby von der New York Times  schrieb in seinem Review, dass die Schauspieler lediglich Requisiten seien, die dazu da wären, zerhackt, zerstückelt und geköpft zu werden.

Das Ding aus einer anderen Welt

Der gesichtslose Schrecken

Doch im Laufe der Jahrzehnte hat sich Das Ding aus einer anderen Welt (im englischen Original John Carpenter's The Thing oder einfach nur The Thing) den Status eines wahren Kultfilms errungen. Die Prämisse des Films ist denkbar einfach. In einer Forschungsstation in der Antarktis übernimmt "Das Ding" nach und nach die Besatzung. Keiner weiß, wer das Ding ist, woher es wirklich kommt und wie man es stoppt. Es beginnt mit einem Hund, der von der nächstgelegenen norwegischen Forschungsstation zu den Amerikanern flieht und, wenn man so sagen will, das Ding in sich trägt. Als die Gruppe die benachbarte Station aufsuchen möchte, findet sie nur abgebrannte Ruinen und eine Ausgrabungsstätte, in der die Norweger scheinbar etwas gefunden haben. Zurück im eigenen Camp beginnt der Horror: Einer nach dem anderen wird infiziert und grausam transformiert. Das Ding verschlingt die Leute und ersetzt sie. Aber da niemand weiß, wer infiziert ist, beginnen die Männer, sich gegenseitig zu verdächtigen.

Das Ding aus einer anderen Welt

Düstere Paranoia im Niemandsland

Es gibt viele gute Gründe, Das Ding zu lieben. Und dieselben Gründe können aufgeführt werden, Abneigung gegen den Film auszudrücken. Die Geschichte ist geradlinig: Es gibt keine Nebengeschichte, keine überladenen Erklärungen und keine Entstehungsgeschichte zu dem Alien-Wesen. Der Film ist über alle Maßen düster und sehr trocken. Das wird vom akzentuierten Soundtrack noch verstärkt. Tiefe Bässe geben dem Zuschauer ein ständiges Gefühl der Unsicherheit und Beklemmung. Wer als nächstes stirbt, ist unvorhersehbar. In einer Art Kammerspiel haben wir verschiedenste Personen, die alle zusammen gegen das Ding und doch gegeneinander kämpfen. Das alles erzeugt eine Atmosphäre der unaufhebbaren Paranoia.

Das Ding aus einer anderen Welt

Verstörende Verwandlungen und innere Kämpfe

Die Transformationen, wenn ein Mensch zum Ding wird, sind blutig und grausam und genauso effektiv. Es fühlt sich wie ein innerer Kampf zwischen der ergriffenen Person und dem Ding an. Die Charaktere zittern und sind im Schockzustand. Wenn die eigentliche Transformation beginnt, wirkt es so, als würde auch das Ding große Schmerzen erleiden. Es ist keine simple Übernahme; es ist ein Kampf. Das Ding ist niemals „ein“ Ding. Der Zuschauer weiß häufig nicht, wie viele verschiedene Identitäten in einem Wesen vereint sind, und in welcher Beziehung diese zueinander stehen, in welchem Stadium der Transformation es ist und wie viel menschliches noch in dem Wesen steckt. Das erkennt der Zuschauer an den verschiedenen Ausformungen des Dings. Bei der Verwandlung des Hundes zu Beginn erkennt man in dem Wesen einen deformierten Hundekopf, links daneben etwas eindeutig Außerirdisches und später verschiedene menschliche Augen in einer einzigen Gestalt. Alle Transformationen im Film sind verschieden und überraschend. Durch solche Irritationen generiert Das Ding extreme Spannung und Unwohlsein beim Zuschauer.

Das Ding aus einer anderen Welt

Effekte aus einer anderen Zeit

Ein Aspekt sticht besonders hervor: Die Spezialeffekte. Vor CGI, welches heutzutage die Norm ist, wurde viel Einfallsreichtum und vor allem handwerkliches Geschick benötigt. Jede Manifestation des Dings ist eine wirkliche, echte Requisite des damals 23-Jährigen Rob Bottin. Und diese haben es in sich. Selten gab es davor oder danach derartig detaillierte Figuren in einem Film. Für Fans des Horror-Genres von der Zeit vor computergenerierten Bildern steht Das deshalb oben an der Spitze. Die Effekte sind nicht nur brutal und gruslig - sondern auch wirklich originell. Diese Requisiten haben etwas, was neuen Filmen mit CGI-Effekten fehlt: Sie sind wirklich präsent. Die Schauspieler interagieren mit ihnen, es besteht realer Kontakt, der auch heutzutage noch schwer computergeneriert dargestellt werden kann. Denn das menschliche Auge lässt sich nicht so leicht täuschen. Fehlende Schatten, unnatürliche Beleuchtung, zu glatte Oberflächen und dergleichen erkennen wir vielleicht nicht auf den ersten Blick, aber unser Unterbewusstsein merkt, dass das Objekt im Bild nicht wirklich im Raum ist. Deswegen haben die handgemachten Puppen nicht nur Charme, sondern auch den Vorteil dieser speziellen Greifbarkeit.

Das Ding aus einer anderen Welt

Gestern, Heute, Morgen - Verknüpfung von CGI und Animatronics

2011 erschien ein Prequel des Films. Die Künstler haben sich Mühe gegeben, dem Stil von John Carpenters The Thing treu zu bleiben. Im diesem The Thing (welches übrigens auch hierzulande den englischen Namen trägt) kommt eine Mischung der beiden Effekt-Varianten zum Einsatz. So wurden neben computergenerierten Monstern auch echte Puppen gebaut, die durch CGI ausgeschmückt und nachgebessert wurden: Eine Mischung, die das beste der zwei Welten zusammenbringt und somit die Vergangenheit und die Gegenwart verschmelzen lässt. Nur am Blut und Schleim wurde in dem Prequel gespart. Was Kritiker damals bemängelt haben, waren die übertriebenen und allgegenwärtigen Körpersäfte. So fällt der neuere Film deutlich blutleerer aus. Das könnte eine bewusste Entscheidung der Designer gewesen sein, oder auch zum Teil dem Problem von CGI zugrunde liegen, überzeugend Flüssigkeiten und nasse Oberflächen dazustellen. Was denn nun ansprechender (oder besser: abstoßender) ist, kann jeder für sich selbst entscheiden.

Das Ding aus einer anderen Welt

Für John Carpenter war Das Ding ein schleichender Erfolg. Mit 15 Millionen Dollar Produktionskosten und nur 19 Millionen Dollar Einnahmen war der Film ein finanzieller Misserfolg. Doch die Geschichte zeigt, dass Das Ding seinen verdienten Platz in der Hall-Of-Fame der Horrorfilme gefunden hat. Bei einer Vorführung von Das Ding beim CapeTown Film Festival 2013 gab Carpenter eine kurze Ansprache :

Von den Fans wurde es gehasst, gehasst! Diese Aufgabe hatte ich verloren. Aber jetzt sind wir hier, 31 Jahre später, und das Ding füllt den Kinosaal.

Habt ihr Das Ding aus einer anderen Welt gesehen?

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