TheNumber - Kommentare

Alle Kommentare von TheNumber

  • 8

    Nach einer sehr mäßigen zweiten Staffel 2 gehts hier wieder steil bergauf. Der historische Kontext des Mauerfalls ist natürlich ein super spannendes Setting für eine DDR-Spion-Serie und die Verflechtung verschiedener Geheimdienste und Akteure, die wir bereits kennen, mit vielen verschiedenen Agendas ist durch das politische Chaos und die Aufbruchstimmung ein guter Nährboden für Verschwörungen, Infiltrationen und Verrat. Dabei muss ich sagen, dass der Anfang der Staffel da noch etwas überzeugender wirkt, weil es hinten raus etwas übertrieben wirkt. Nichtsdestotrotz fand ich auch v.a. die Beziehung zwischen Martin und der Lehrerin Nicole als auch letztere als Figur selbst super interessant, auch weil Svenja Jung eine tolle und für die Serie erfrischend naive Ausstrahlung hat inmitten all der abgebrühten und mittlerweile auch klar geschädigten Spione - und eigentlich auch fast die einzige sympathische Figur ist, zu der man eine gute Beziehung als Zuschauer aufbauen kann. Die alten Bekannten machen ihren Job ganz gut, aber ich finde, die Narben, die dieser Job hinterlässt, merkt man am eindeutigsten und besten an Martin Rauch, dessen Charakterentwicklung hier ziemlich logisch und interessant weitererzählt wird.
    Immer noch nicht ganz so stark wie der Überraschungshit in der ersten Staffel, aber Deutschland 89 kommt zu einem gelungenen Serienabschluss mit einem sehr spannenden Finale, das den Zuschauer das ein oder andere Mal laut aufatmen lässt und beleuchtet eine geschichtlich sehr spannende Zeit.

    • 6 .5
      über Gauguin

      Durchaus interessantes Biopic über einen verarmten Künstler und seine Lebensumstände. Das Leben in Tahiti und die Schwierigkeiten dort sind ganz gut dargestellt und Vincent Cassel spielt diesen Mann mit seiner unaufhaltsamen Leidenschaft und einer leicht arroganten Art echt gut. Insgesamt etwas langatmig und gefühlt auch etwas repetitiv, aber die Charakterstudie von Gauguin und die Beziehungen, die er knüpft, haben mir ausgereicht, um mich ordentlich durch den Film zu bringen. Trotz einiger Längen hier und da für Kunstinteressierte vielleicht ein netter Einblick in den Schaffensprozess und das schwere Leben eines Künstlers.

      • 7

        Ein Mainstream-Einstiegsguide in simpelste Ideen des Feminismus, der durchaus unterhält und gefallen kann, der aber auch einiges an Potenzial liegen lässt. Der intersektionale Feminismus wird lediglich angerissen, obwohl es da viel mehr Spielraum gegeben hätte und der Reveal am Ende war völlig unrealistisch und panne, gerade da hätte ich von Amy Poehler mehr Feingefühl erwartet. Das Moxie-Magazin in der Entstehung und v.a. im Aufschwung zu sehen macht schon Spaß, auch wenn manche Aktionen und Momente vielleicht etwas übertrieben wirken bzw. sehr von dem lauten, wilden feuchten Rebellinnen-Traum des Charakters von Amy Poehler gefärbt sind. Als Charakter fand ich die Mutter cool, auch Seth ist ein sehr cooler Charakter bis auf seine extrem merk- und fragwürdige Idee fürs erste Date. Clark Greggs Kurzauftritt hat mich zum Schmunzeln gebraucht, der Sountrack war nett. Insgesamt ein eher plumper Film, der aber für sehr junge Zielgruppen mit dem Schwung, den der Film hat, ein Thema aufmacht, in das sie sich dann hoffentlich noch mehr reinlesen; dennoch ein durchaus unterhaltsamer netter kleiner Film.

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        • 7 .5
          über Swallow

          Eine ziemlich heftige und mitnehmende Charakterstudie einer Frau, in der einiges schlummert und brodelt, was erst nach und nach aufgedeckt wird. Der Film ist wunderbar subtil und kaut dem Zuschauer nicht alles vor, sondern lässt Raum für Spekulationen und Interpretationen, ohne allzu künstlerisch-obskur rüberzukommen. Man fragt sich, was sie zu diesem Schluck-Zwang führt (der übrigens entsprechend unangenehm inszeniert wird), und denkt sich öfters, was sie denn in diesem Ehemann sieht, der sie nicht sonderlich toll behandelt. Haley Bennett spielt diese Frau mit einer sehr starken Fassade ziemlich eindrucksvoll und gerade hinten raus entwickelt der Film eine ziemliche Wucht, die das etwas gemächliche Tempo vom Anfang durchaus bezahlt macht. Auch wenn ich den echt unbequemen Film weiterempfehle, will ich persönlich den ungern noch mal schauen.

          2
          • 6 .5

            Ich muss sagen, ich war ziemlich underwhelmed, da Fincher sowie dieser Film ein sehr hohes Ansehen genießen. Ich fand den Film zwar nicht komplett öde oder unspannend, aber bis auf ein paar Schockmomente am Anfang und auch später und ein paar Momente des Kribbelns, dass jemand auf der richtigen Spur ist fand ich nicht, dass da große spannende Momente oder Twists vorkamen. Klar, muss das auch nicht unbedingt sein, aber ich finde, bei dem Genre erwarte ich das schon ein bisschen. Insgesamt stört mich aber, dass ich irgendwann nicht mehr ganz durchgeblickt hab, wer von den ermittelnden Personen wer ist und welcher Hinweis jetzt was genau ausschließt und was bedeutet. Hätte man mich nach dem Film gequizzt, ich hätte sehr wenig wiedergeben können, weil ich das ziemlich verwirrend fand. Klar kann auch das gewollt sein ob des Kommentars über Polizeiarbeit, insbesondere die Zusammenarbeit über jurisdictions hinaus, aber ich hab mich bisschen lost gefühlt und fand das nicht so toll. Das Ende legt dann wieder etwas an Tempo zu und hatte mich dann wieder ein wenig, aber die Hinführung dahin im Mittelteil fand ich doch arg langatmig und undurchsichtig. Mark Ruffalo und v.a. Jake Gyllenhaal fand ich super, Downey Jr. fand ich ziemlich nervig. Die Charakterentwicklungen fand ich spannend und auch die Geschichte selbst ist ja durchaus spannend, aber ich bin nicht so ganz mit dem Pacing bzw. der Inszenierung klargekommen. Vielleicht bin ich da mit dem falschen Mindset angetreten, aber ich war ziemlich enttäuscht, obwohl ich eigentlich Fan von vielen Fincher Filmen bin.

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            • 8

              Ein faszinierender Film mit einer skurrilen wie interessanten Prämisse. Yorgos Lanthimos vermag es, seine skurrilen Geschichten mit einer dichten Atmosphäre zu beleben. Die emotionale Distanz, die sich in diesem Film über menschliche Nähe ergibt, trägt zu diesem Faszinosum Partnervermittlungshotel bei. So verstört wie man manchmal ist, so in sich schlüssig erscheinen manche Überlegungen zur Prämisse. Die Schauspieler spielen alle sehr zurückhaltend, der Film ist aber extrem gut besetzt: Olivia Colman, John C Reilly, Ben Whishaw, Lea Seydoux und die beiden Leads Colin Farrell und Rachel Weisz, die alle einen tollen Job machen. Vor allem Farrell hat man noch nicht oft so lowkey gesehen, auch wenn er eine ähnlich unterkühlte Performance in Killing of a Sacred Deer abliefert.
              Der Film ist einen Tick lang, vor allem in der zweiten Hälfte, bietet aber einen bissigen Kommentar auf gesellschaftliche Erwartungen bezüglich Liebe und Zweisamkeit. Ein bizarrer wie einnehmender Film, der seine einzigartige Prämisse mit einer fast hypnotisierenden Ruhe und schwarzem Humor inszeniert.

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              • 9 .5

                Staffel 2 erweitert das Universum um die Hintergründe um Della Duck, was den Plot auch inhaltlich interessant macht. Die Charaktere sind mittlerweile etabliert und auch in Staffel 2 erlebt die Duck-Familie viele aufregende Abenteuer. Ich schätze die Liebe zum Detail sehr, wie man in Highlight-Folgen wie der überragenden Darkwing Duck-Folge sieht, und ne Folge Ducktales geht quasi immer. Ich mag die immer wiederkehrenden Nebencharaktere und Antagonisten und auch die versteckten Anspielungen. Es ist einfach witzig, clever und unterhaltsam.

                • 8

                  Fast abgesetzt kehrt unser Lieblingssquad (NINE-NINE!) für eine weitere Runde zurück und es macht einfach wieder Spaß. Es hat nicht mehr die gleiche Frische wie der Anfang der Serie, aber dafür wirkt alles so eingespielt und so routiniert, dass die Charaktere at ease miteinander Schindluder treiben können, sich gegenseitig necken, unterstützen oder fordern. Das Squad ist so eng zusammengerückt, dass sogar Scully und Hitchcock jetzt im Vorspann sind - aber auch dass sich die Erlebnisse so anfühlen, als hätten sie größere Stakes. Auch wenn die Storyline um Commissioner Kellys Scharmützel bei weitem nicht so sehr mitreißt, wie die ersten Staffeln, guckt sich auch Staffel 6 einfach sehr leicht weg. Wir kriegen wieder eine tolle Heist-Folge und die gewohnten und auch überraschende Lacher. Das Weggepiepse der Kraftausdrücke ist etwas gewöhnungsbedürftig, stört aber nicht.

                  • 8 .5

                    Durch den Wechsel ins Tourleben ergeben sich hier einige interessante Situationen und Konflikte sowie neue Charaktere. Shy Baldwin und Sterlin K Browns Reggie gefallen mir beide sehr gut, Suzies strapazierte Beziehung zu Midge ist spannend und auch die Entwicklung von Joel ist interessant zu verfolgen. Auch wiederkehrende Charakter wie Lennie Bruce machen sehr viel Spaß. Lediglich die Situation der Eltern find ich etwas ätzend zu beobachten, weil Rose immer noch nur nervt und Abe für meinen Geschmack ziemlich irrational wird. Midges Reise, sowohl emotional als auch buchstäblich und karrieretechnisch, macht die dritte zur besten Staffel, weil für mich hier bisher die emotionale Involviertheit am stärksten war, und auch der Humor nicht abfällt. Ich freu mich auf weitere Staffeln dieser Female-Powerhouse-Charaktere.

                    1
                    • 7 .5

                      Die zweite Staffel, die sich zu einem Großteil in diesem Ferienressort abspielt, ist zwar immer noch ähnlich unterhaltsam, hat aber inhaltlich nicht mehr die gleiche Power wie Staffel 1 für meinen Geschmack. Zachary Levi als Benjamin ist eine gute Ergänzung und Susies Odyssee als Pseudo-Klempner macht auch Spaß, aber die banalen Probleme der Wohlhabenden und der soziale Drahtseilakt in diesem Ressort haben mich etwas angeödet. Interessanter fand ich hingegen, wie sich Abe entwickelt und seine Beziehung zu Midge und ihrem Bruder. Insgesamt immer noch sehr nett anzuschauen und auch immer noch sehr witzig, aber emotional für mich die schwächste Staffel der ersten drei.

                      • 8 .5

                        Euphoria ist, konträr zu ihrem Titel, keine wirkliche Feel-Good-Serie. Hier werden verschiedenste High-School-Schüler der GenZ näher beleuchtet und ihre Probleme und Verhaltensweisen durch einen Flashback-Fokus pro Folge auf einzelne Charaktere narrativ geschickt erklärt, denn die Themen spielen auch oft für das größere Ganze eine Rolle. Die Schauspieler sind gut, allen voran Zugpferd Zendaya, die eine Monsteraufgabe vor sich hat, neben Hunter Schafer, die Jules spielt, aber durch die Bank würde ich bei keinem der Darsteller sagen, dass jemand qualitativ abfällt. Der Film hat, passend zu seiner Drogenthematik, rauschartige visuals, die wirklich wunderschön anzusehen sind, und bricht auch gern mal die vierte Wand oder inszeniert Gefühls- und Gedankenprozesse sehr eindrucksvoll. Die Charaktere sind sehr einfühlsam gezeichnet und fast durch die Bank dreidimensional (auch teilweise durch subtile und indirekte Charakterisierung, wie bei Fez) und dynamisch, was es interessant macht, ihre Beziehungen, Probleme und Freundschaften zu verfolgen. Auch wenn mich das Schicksal der Charaktere interessiert hat, hatte ich neben Verstört- und Angewidertsein von dem Verhalten einzelner Charaktere keine tiefere emotionale Reaktion, was für mich das ist, was zur Top-Serie fehlt. Die detaillierte Charakterzeichnung ist glaub ich wichtig, um das intergenerationale Verständnis zu erleichtern, denn jeder der Charaktere hat seine/ihre Macken und viele handeln impulsiv und treffen Entscheidungen, die nicht immer zum Positiven führen. Hervorheben möchte ich noch den völlig unaufgeregten Umgang mit Sexualität und Genderidentität, was zwar logischerweise im Leben von Teenagern eine große Rolle spielt, aber das Spektrum gut abdeckt und keinen big deal daraus macht. Musikalisch durch einen tollen Soundtrack unterstützt ist Euphoria audiovisuell und inhaltlich sehenswert, ist aber aufgrund des Fokus auf echten Problemen und unangenehmen Themen absolut kein Binge-Material.

                        • 8

                          Season 1:
                          Holy Moly, was für eine unfassbare brutale Serie. So was hab ich im Fernsehen noch nicht gesehen. Folge 1 überzeugt mit einer interessanten Ausgangslage und einer fantastischen Barprügelei, deren Chereographie-Glanz leider nur noch punktuell erreicht wird. Es gibt die ein oder andere gute Schlägerei, 1-2 unfassbare Schießereien und sonst ganz viel Bandenkonflikte durch ein Machtvakuum, Intrigen und einige Charaktere, die sich in unmoralischen Zonen bewegen, was immer wieder für Schocker sorgt. Die Prämisse an sich wird irgendwann etwas undurchsichtig durch all die Verstrickungen und Hintermänner usw. und auch nur noch mäßig interessant, weshalb es mir sehr schwer gefallen wäre, die Serie zu bingen, aber das Schicksal um die meisten Charaktere interessiert noch genug, um wissen zu wollen, wie sich dieses verstrickte Gesamtkonstrukt letztendlich auflöst. Ich hoffe, Gangs of London spielt eine Vorreiterrolle für harte Actionserien, denn der grundlegende Tonus ist stimmig und die Inszenierung extrem hochwertig. Leider nicht ganz der Hit, den ich mir nach dem Hype und nach dem Piloten erwartet habe, aber definitiv eine sehenswerte Serie, die man in der Form noch nicht (oft) im Fernsehen gesehen hat.

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                          • 6 .5

                            Ein sehr seltsamer Film, der mich ziemlich verwirrt zurückließ. Der Film hat eine sehr triste und unangenehme Stimmung, die sich auch effektiv auf den Zuschauer überträgt und das Innenleben der Charakter wiederspiegelt, und sobald angefangen wird, mit der Zeit zu spielen, fängt man als Zuschauer an, verschiedene Theorien zu entwickeln. Die erste Hälfte im Haus der Eltern ist daher noch recht interessant, wenn auch da schon etwas zäh. Die Autofahrt zurück "nach Hause" ist dann aber ultra langatmig und der Punkt, an dem mich der Film verärgert und verloren hat. Das Ende in der High School ist visuell und konzeptionell extrem interessant und verhindern die Bestätigung meines Gefühls, dass das einer der schlimmsten Filme war, die ich in letzter Zeit gesehen hab; aber für mich hat sich da noch nicht alles zusammengefügt. Erst nach Lektüre einiger Artikel online fügen sich die Puzzleteile stimmig zusammen und werten das Ende und den Film insgesamt um einiges auf. Ein zweiter Blick wird wohl ziemlich interessant sein aufgrund der ganzen versteckten Anspielungen. Leider muss ich sagen, dass ich gern auch selbst einiges verstanden hätte (ich vermag jetzt nicht zu sagen, ob ich zu verärgert und voreingenommen war nach dem ganzen konfusen und langatmigen Vorgeplänkel, oder ob ich einfach zu simpel gestrickt bin, um mehr subtile Hinweise aufzunehmen), sodass trotz meines großen und beeindruckten Aha-Momentes der Film einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Natürlich können nachträgliche Lektüre und Kontextualisierung das Filmerlebnis bereichern, aber letzteres sollte das meiner Meinung nach nicht benötigen. Ähnlich wie bei Tenet würde ich persönlich hier dem Regisseur einen Mangel an Zugänglichkeit vorwerfen, der das Begreifen der zugrundeliegenden Themen und Ideen nicht deutlich genug erleichtert. Jetzt ist natürlich Charlie Kaufman nicht dafür bekommt, der zugänglichste Regisseur zu sein, aber trotz wenn ich trotz einem ständigen Neubilden und Neuüberwerfen von meinen Theorien das Gefühl von völliger Verwirrtheit für das Gros des Films hab, ist das für mich kein befriedigendes Erlebnis. Ich erkenne dem Film also eine Cleverness und Tiefe an, die mir retrospektiv auch gefällt, das Filmerlebnis als solches war mir aber zu sperrig und die Inszenierung etwas zu uneindeutig. Man sollte vor dem Schauen wissen, worauf man sich hier einlässt, denn ich verbleibe mit ambivalenten Gefühlen dem Film gegenüber.

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                            • 7

                              Ein unglaublich stressiger Film. Die Safdie Brothers inszenieren hier einen Thriller, der Adam Sandler mal wieder die Möglichkeit gibt, in einer ernsten Rolle schauspielerisch zu glänzen. Sie inszenieren den Film aber so ähnlich wie das Innenleben seines Protagonisten, stets am Rotieren, Abwägen, impulsive Entscheidungen tätigen, die sich nicht oft auszahlen. Niemand in diesem Film ist auf irgendeine Art und Weise sympathisch, alle streiten oder fallen sich ins Wort und es passiert auch fast nur Mist, was den Film zu einer sehr anstrengenden Seherfahrung macht. Ich gehe mal davon aus, dass das ein Stilmittel ist, das dann auch gut passt als Plädoyer gegen gambling, aber es ist kein Film, der Spaß macht. Trotzdem ist es ein Film, der einen größtenteils am Ball hält, und der einige unangenehme Situation gut ausspielt, auch mit dem Überlebenskünstler- und Sich-aus-allem-Rausred-Talent von Sandlers Charakter. Woher der Award-Buzz kam, kann ich allerdings nicht so ganz nachvollziehen.
                              Solider Netflix-Thriller, eine der besseren Netflix-Produktionen, aber für mich auch kein Hit.

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                              • 7 .5

                                Holy Moly, was für eine unfassbare brutale Serie. So was hab ich im Fernsehen noch nicht gesehen. Folge 1 überzeugt mit einer interessanten Ausgangslage und einer fantastischen Barprügelei, deren Chereographie-Glanz leider nur noch punktuell erreicht wird. Es gibt die ein oder andere gute Schlägerei, 1-2 unfassbare Schießereien und sonst ganz viel Bandenkonflikte durch ein Machtvakuum, Intrigen und einige Charaktere, die sich in unmoralischen Zonen bewegen, was immer wieder für Schocker sorgt. Die Prämisse an sich wird irgendwann etwas undurchsichtig durch all die Verstrickungen und Hintermänner usw. und auch nur noch mäßig interessant, weshalb es mir sehr schwer gefallen wäre, die Serie zu bingen, aber das Schicksal um die meisten Charaktere interessiert noch genug, um wissen zu wollen, wie sich dieses verstrickte Gesamtkonstrukt letztendlich auflöst. Ich hoffe, Gangs of London spielt eine Vorreiterrolle für harte Actionserien, denn der grundlegende Tonus ist stimmig und die Inszenierung extrem hochwertig. Leider nicht ganz der Hit, den ich mir nach dem Hype und nach dem Piloten erwartet habe, aber definitiv eine sehenswerte Serie, die man in der Form noch nicht (oft) im Fernsehen gesehen hat.

                                • 9

                                  Uff. Ein Film, der mich am Ende im Kino absolut fassungslos zurückgelassen hat und mich noch lange beschäftigt hat und mich immer noch beschäftigt. Ein Film, der mich ähnlich wütend gemacht hat wie Spotlight, hier kommt nur noch eine Note Sorgen und Angst dazu. Ein Film, der eigentlich in Schulen gezeigt werden müsste, und wo ich gar nicht genug betonen kann, dass er viel mehr Impact auf unser Leben haben müsste.

                                  Dark Waters ist ein Enthüllungsfilm der alten Schule, diesmal ist es nur kein Team an Journalisten wie bei Spotlight (wo Ruffalo auch schon mitwirkte), sondern ein Anwalt. Was Bilott hier an Widerstand überwinden muss, wie sehr er sich aufopfert und seine Familie fordert, wie ungreifbar die Gräueltaten selbst für Experten sind (What if you swallowed it? That's like eating a rubber tire.) und mit welcher Nonchalance die Unternehmen ihre Vergiftung von Trinkwasser vertuschen und hinter legalen Stolpersteinen verstecken ist einfach etwas, was den Zuschauer schlaucht. Man braucht kein Chemiker zu sein, um zu verstehen, was für eine Scheiße da abgezogen wird. Die Ungerechtigkeit wird eindringlich klargemacht, mit einer Leidenschaft, mit der Ruffalo diesen Anwalt verkörpert, und mit absurden Technicalities und bürokratischen Fallen und Hindernissen, die die flächendeckende Systematik und Wohlwissendheit der Übeltäter dieser himmelschreienden Verbrechen offenlegt. Er wirkt im mittleren Akt vielleicht etwas langatmig, aber das könnte auch daran liegen, dass man einfach mittlerweile von dem langen legalen Atem der Chemiekonzerne zermürbt ist.
                                  Ein Film, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird, und der vielleicht wichtigste Film aus 2020, der auch mit Gewissheit in der Liste fürs Jahrzehnt der 2020er Jahre eine Rolle spielen wird. Fast auf einem Level mit Spotlight (den ich ja gern als das All the President's Men der Neuzeit bezeichne), welcher mich aber emotional noch mehr bewegte, wohingegen Dark Waters eher aufrüttelt und einen dazu bewegt, einiges zu überdenken. Ein absolutes Highlight 2020, in meiner Top-Liste GANZ vorne mit dabei.

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                                  • 9 .5
                                    TheNumber 01.01.2021, 20:46 Geändert 01.01.2021, 20:47

                                    Ich wurde von diesem Film völlig umgehauen. Die ultra sympathische Freundschaft zwischen Bales eigentümlichen und starrköpfigen Kauz Ken Miles und Damons selbstbewusstem Träumer Carroll Shelby ist einfach schön mitanzusehen und die Rivalität zu Ferrari macht einfach Spaß. Es dauert über die Hälfte des Films, bis es zum legendären Le Mans Rennen kommt, aber das macht gar nicht so viel. Die Sticheleien zwischen den Dickköpfen, die ultra witzige Prügelei, die Schrauberei und Träumerei und der Kampf gegen die finanz- und prestigeorientierten Executives reichen aus, um der Zuschauer mehr als bei der Stange zu halten. Miles hat zudem eine nette Vater-Sohn-Geschichte, die mich auch ziemlich bewegt hat, weil auch mein Vater Motorsportfan war und mich auch dafür fasziniert hatte. Der Film ist einfach grundsympathisch und charmant und liefert in der zweiten Hälfte mit fantastisch inszenierten Rennsequenzen, die noch besser wirken als bei Rush, und einem grandiosen Finale, das mich emotional zutiefst berührt hat aus verschiedenen Gründen und auf unterschiedliche Weise. Ein grandioser Film, der den Rennsport und v.a. die Leidenschaft dahinter abfeiert, und für mich ein absolutes Highlight aus 2019. Find ich sogar noch emotionaler als Rush, den ich auch sehr mag.

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                                    • 7

                                      Doctor Sleeps Erwachen braucht eine ganze Weile, um so richtig in Fahrt zu kommen. Nach dem ersten etwas anstrengenden Drittel, wo viel erklärt und etabliert werden muss, v.a. um McGregors Charakter, ist dann die Jagd von Rebecca Fergusons Sekte nach dem Kind echt spannend, auch weil Ferguson mit ihrer Antagonistin Rose the Hat bisschen abdreht und Spaß hat. Manchmal wirkt das ein bisschen over the top, aber das funktionierte für mich in diesem Setting. Die Konfrontationen machen dann tatsächlich ziemlich Spaß und das Finale im Overlook Hotel ist tatsächlich ganz cool gemacht, auch wenn man die Kontinuität bestimmt in paar Punkten ankreiden kann, und dort auch recht packend und gruselig. Ewan McGregor fand ich in der Rolle solide. Ein Film, der viel erledigen musste und seinen narrativen Ballast nicht so ganz geschickt einbaut, dessen Atmosphäre aber gerade zum Ende hin immer effektiver wird. Trotzdem ist Doctor Sleep ein gutes Stück zu lang und hier und da zu langweilig. Vielleicht hat sich Horror-Shootingstar Mike Flanagen da ein bisschen verhoben, auch wenn die Referenzen zu Shining sich gut einfügen (obwohl ich auch davon ein paar mehr hätte vertragen können). Solider, mitunter etwas langatmiger Horrorthriller im Shining-Universum, der den Erwartungen nicht ganz gerecht wird.

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                                      • 8

                                        Ein Film, dem es ganz gut gelingt, die extrem unangenehmen Gefühle von Opfern systematischer sexueller Belästigung im Showgeschäft für den Zuschauer, auch männliche, halbwegs begreifbar zu machen, und die Scham und die gefühlte Hilflosigkeit, die damit einhergeht. Dafür sorgt v.a. Margot Robbies Figur, die, anders als Therons und Kidmans Rollen, ein Amalgam aus verschiedenen Einzelschicksalen ist, und die von Robbie einfühlsam präsentiert wird, auch wenn ihre Rolle im Drehbuch für mich nicht immer 100% gelungen ist. Bombshell zeigt mit dem grauenhaften Fehlverhalten von Roger Aisles ein Thema, das durch die MeToo-Bewegung natürlich umso relevanter ist, und verhandelt die Schwierigkeiten der Opfer auf nachvollziehbare Weise. Theron ist kaum wiederzuerkennen und sowohl sie als auch Kidman fand ich hier nicht so stark wie in anderen Rollen. Ich war nach dem Film auf jeden Fall geschafft und auch sauer, auch wenn der Film nicht diese Aufdeckungsempörung wie ein Spotlight oder Dark Waters schafft (sind aber auch anders gestrickte Filme). Ich weiß nicht, ob die Serie The Loudest Voice das Ganze noch eindringlicher darstellt, aber ich finde Bombshell einen durchaus wertvollen Film, der aber in puncto Fingerspitzengefühl vielleicht etwas an Potenzial liegen lässt.

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                                        • 9

                                          Ein Klassiker des Horrorfilms. Michael Haneke inszeniert einen Film, der den Zuschauer einfach stresst (mit Spannungsaufbau und stressiger Musik) und terrorisiert, und diese Atmosphäre lässt einen ganz gut mit den Protagonisten mitfühlen. Der österreichische Akzent ist perfide, weil er eine gewisse Freundlichkeit suggeriert, aber der ganze Habitus der in weiß gekleideten Boys ist unangenehm und auch einige Sprüche und Dialoge wirken manchmal etwas panne, aber es ist einfach fast durchgehend unangenehm. Die berüchtigte Szene hatte für mich immer noch Punch, hat mich aber nicht so geflasht, weil ich schon davon gehört hatte. Der gelungen unangenehme Film schlaucht sein Publikum bewusst und ist ein Film, den jeder Genrefan gesehen haben sollte.

                                          • 8 .5

                                            Ein herrlich ungewöhnlicher und doch vereinnehmender Film, dessen Trailer mich direkt hatte. Robert Pattinson und Willem Dafoe spielen sich gegenseitig an die Wand, während sie ein Kauderwelsch reden, das ohne Untertitel nicht zu verstehen wäre. Was als straightforward Kammerspiel beginnt, wird zu einer abgefahrenen, leicht psychedelischen Reise, deren Auflösung ziemlich spannend ist, auch in puncto Interpretation. Der Schwarz-Weiß-Look und die komische Aspect Ratio passen zum Setting und der Stimmung, die sich extrem verdichtet innerhalb des Films. Wie so oft gibt es in einem Film, der eher etwas für Cineasten ist, auch die ein oder andere Länge, aber 2019 war The Lighthouse eins meiner Highlights im Kino, das auch eine Weile im Kopf bleibt.

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                                            • 7

                                              Ich fand den Film nicht so schlecht, wie er oft gemacht wurde. Ich find, dass die Verjüngungstechnik manchmal echt gut aussieht, aber in anderen Momenten sehr offensichtlich digital. Ang Lees 120 fps-Technik lässt in den durchaus gelungenen Actionsequenzen alles sehr scharf aussehen, vergisst neben der eindrucksvollen Motorrad-Verfolgungsjagd noch ein paar mehr Action-Highlights einzubauen. Ich mag Will Smiths Performance in seiner älteren Rolle und Mary Elizabeth Winstead, die ich nicht erkannt hätte, macht sich hier auch ziemlich gut. Clive Owen fand ich eher blass als Antagonist und auch die Geschichte ist recht generisch. Trotzdem war ich über die Mehrheit der Laufzeit gut unterhalten, auch wenn man dem Film definitiv einiges ankreiden kann. Kann man sich auch sparen, wenn einen die Effekte weniger interessieren, ein eher visuell beeindruckender Film statt eines inhaltlich überzeugenden Films.

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                                              • 9

                                                Makoto Shinkai ist einfach eine Bank, auf die man setzen kann. Wie auch schon in seinen Vorgängerfilmen und in seinem Ultrahit Kimi No Na Wa (Your Name) kriegt man hier ein visuelles Spektakel, wo jeder Frame ein Poster sein könnte, einen tollen Soundtrack (wieder von Radwimps, die schon für den hervorragend antreibenden Your Name Soundtrack verantwortlich waren) und eine verzaubernde Geschichte. Die Charaktere sind super sympathisch und im Zusammenspiel einfach interessant zu verfolgen. Da gibt es auch einige sehr witzige Situationen und Sprüche. Die Geschichte um Hina, das Mädchen, das das Wetter beeinflussen kann, ist stark erzählt und bietet mit dem Konflikt um Selbstlosigkeit und Altruismus eine Thematik, die mich persönlich sehr stark angesprochen und mitgenommen hat. Weathering with You kommt nicht ganz an den etwas epischeren Your Name ran, aber für mich fehlt hier nicht viel, um auf die gleiche Stufe zu kommen. Ein absolutes Highlight meines Kinojahres, das einen einfach in diese Welt entführt und mit seiner Geschichte und seiner Optik verzaubert.

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                                                  TheNumber 01.01.2021, 19:06 Geändert 01.01.2021, 19:06

                                                  Ich bin normal nicht der größte Tierdoku-Schauer, aber das, was hier abgebildet und erzählt wird, ist einfach faszinierend und einzigartig. Man mag zur Obsession des Protagonisten stehen, wie man will (ich find das auch etwas extrem), aber die Bindung, die er zu diesem Oktopus aufbaut, ist einfach rührend und herzerwärmend. Man erfährt von faszinierenden Verhaltensweisen, die man niemals für möglich gehalten hätte, und eine Begeisterung für die Spektakel der wilden freien Natur überträgt sich auf den Zuschauer. Die Botschaft zum Ende passt auch dazu und die Geschichte zwischen Craig Foster und dem Kraken wirkt so fragil wie bewundernswert und löst am Ende sogar kurz starke Gefühle im Zuschauer aus. Foster erzählt in Voice-Overn und Talking Heads von der Entwicklung dieser zarten Freundschaft und seine Begeisterung sowie auch andere Emotionen übertragen sich über diese Narration auf den Zuschauer; ich hätte nicht gedacht, dass man mit diesem Oktopus so bondet und mit der Beziehung zu Foster so mitfühlt. Ein überraschendes Highlight des Jahres für mich.

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                                                    Clint Eastwood inszeniert hier den Fall um Richard Jewell, der als übereifriger Sicherheitswachmann, der gern Cop wäre, in den Verdacht gerät, eine Bombe während der Olympischen Spiele in Atlanta 1996 gelegt zu haben. Eastwood schafft es hier relativ geschickt, die perfiden Machenschaften des FBI, geleitet von einem gut aufspielenden Jon Hamm, zurecht als unfaires Mobbing und In-die-Ecke-Drängen darzustellen, ohne Jewell komplett als Opfer zu inszenieren. Denn Jewell ist verhaltensauffällig und etwas tumb, wo schon wieder Paul Walter Hauser nach I, Tonya und BlacKkKlansmen nen Dummie spielt. Man weiß nicht ganz genau, wem man glauben soll, auch weil Jewell wiederholt sich in Fettnäpfchen setzt, was seinen Anwalt verzweifeln lässt, und man nicht genau weiß, ob er einfach simpel und ungeschickt ist oder ob das eine Masche ist. Auch wird die Darstellung der Hexenjagd in den Medien sehr gut eingebunden, wobei mir Olivia Wildes Charakter zu plump geschrieben wurde. Man ist trotzdem auf der Seite Jewells, da er doch auch sympathisch rüberkommt, und auch eine schöne Freundschaft zu Sam Rockwell als seinem Anwalt hegt. Richard Jewell ist ein ziemlich spannender Film über eine echte Geschichte mit einer kraftvollen Polizei- und Medienkritik.