Adams Äpfel - Kritik

DE/DK 2006 Laufzeit 95 Minuten, FSK 16, Komödie, Drama, Kinostart 31.08.2006

  • 7 .5

    Dänische Filme sind ja bekanntlich bisweilen abstrus und gewöhnungsbedürftig. „Adams Äpfel“ bildet dahingehend keine Ausnahme. Der bitterbösen Gesellschaftssatire gelingt es, innerhalb einer Gemeinde voll schräger Vögel und Versager, einen Skinhead zum Sympathieträger zu machen. Der Umgang mit Gewalt, Andersartigkeit und der Sturz in eine wahre Glaubenskrise sind Themen, auf die Regisseur Jensen explizit eingeht und den Zuschauer am Ende mit einem fast schon irritierten Gemütszustand zurücklässt.

    4
    • 10

      Eine Rabenschwarze Komödie des Dänischen Meisters.

      • 7
        mo 15.07.2015, 01:04

        Eine Tragikomödie im besten Sinne, deren Handlung zu keinem Zeitpunkt überraschen kann - aber die skurrilen Figuren dafür umso mehr. Die Schauspieler agieren überragend, auch Nebenfiguren wie der Dorfarzt sind zum Schreien.
        Am Ende geht alles etwas zu glatt, die Musik ist etwas zu dominant, die Symbolik etwas zu plump, aber die irre Situationskomik mit viel schwarzem Humor und der unvermeidliche BeeGees-Song trösten darüber doch hinweg. Letztlich hätte dem Film ein weniger kitschiges Ende gut gestanden. Alles in allem ein Genuss, wenn auch ein leicht schaler.

        • 9
          Angel Twist 03.07.2015, 01:42 Geändert 03.07.2015, 12:05

          Sieht fast so aus, als sei schwarzer Humor perfekt geeignet, um Gut - Böse so auf die Spitze zu treiben, dass die Unterscheidung selbst in ihrer ganzen Absurdität auf dem Tisch tanzt. Echt gut - ehm böse - gemacht.

          1
          • 10

            Wunderbare dänische Komödie mit viel schwarzem Humor. Vor allem aber auch eine Komödie mit viel Herz und bewegenden Momenten. Absolut gelungene Mischung, angeführt von einer tollen Schauspielerriege um den immer guten Mads Mikkelsen und Ulrich Thomsen. Starkes Ding!

            1
            • 10

              einer der besten filme der letzten jahre..wenn nicht...der beste!

              1
              • 8

                Adams Äpfel ist traurig, lustig und interessant. Der beste dänische Film aller Zeiten

                • 5 .5

                  Selten habe ich mich so schwer getan eben gesehenes einzuordnen.
                  Der Film hat seine Momente, sicherlich.
                  In den Kritiken hier wurde die Spannung hervor gehoben. Tatsächlich, möchte man fragen?
                  Der Humor wurde als excellent beschrieben. Diese Art Humor konnte ich allerdings an einer Hand abzählen. Zu finden war dann doch sehr viel platter Humor.
                  Die Charakterentwicklung wurde mehrmals als noch nie da gewesen, einzigartig beschrieben. Nun, der Dorfpfarrer bleibt wer er ist. Beim Nazi war nach 20 minuten absehbar dass er bekehrt wird. Alles zig mal gesehen.
                  Wie gesagt, er hatte sicherlich seine Momente.

                  Positiv (natürlich) Mikkelsen. Die restlichen Schauspieler sind nicht ganz Ernst, oder zumindest realistisch, zu sehen. Insbesondere der vom Saulus zum Paulus mutierende Nazi

                  Alles in allem möchte und kann ich mich der Lobhudelei allerdings nicht anschließen. Dazu ist er mir dann doch zu sehr auf "Glaub an Gott sonst..." angelehnt. Die Bekehrung des NeoNazis gibt ihr übriges.
                  Man wird gut und fast schon kurzweilig unterhalten aber nicht ohne die Gewissheit entlassen, dass da (deutlich?) mehr heraus zu holen gewesen wäre.

                  2
                  • 10

                    Wer ein Freund von skandinavischen, tiefstschwarzen Komödien mit skuriller Geschichte und noch skurilleren Charakteren ist, wird hier glücklich werden. Zuerst bin ich zugegebenermassen etwas enttäuscht gewesen, weil ich mehr erwartet hatte, aber während ich darüber sinniert habe, was ich hier schreiben könnte, ist mir bewusst geworden, wie derb genial der Film eigentlich ist. Er entfaltet seinen vollen Charme aber nicht sofort, sondern erst im Nachhinein, wenn man sich gewisse Szenen nochmals durch den Kopf gehen lässt.

                    Die Geschichte ist kurz zusammengefasst: Ein aus dem Knast entlassener Neonazi muss in ein Besserungsprogramm (Resozialisierung?), in eine Kirche, wo er drei Monate Zeit kriegt, ein ganz besonderes Ziel zu erreichen. Er soll einen Apfelkuchen backen.Ich will nicht spoilern, weshalb ich hier nicht hinschreibe, ob er es schafft.

                    Zu den Charakteren: Adam ist ein wortkarger Neonazi, der in seiner Klause erst einmal das Kruzifix von der Wand nimmt und ein Portrait von Hitler aufhängt («Ist das dein Vater?» – «Nein, das ist Hitler.» – «Nee, der hatte einen Vollbart … Ach, nein, du hast Recht. Ich habe ihn mit dem Russen verwechselt.»). Natürlich schlägt er gerne erstmal drein, bevor er das Gespräch sucht. Kommt ihm einer quer, gibt es erstmal was auf die Fresse. Wir alle lernen von klein auf, wie falsch ein solches Verhalten ist. Adam müsste also der geborene Antipathieträger sein.

                    Ivan ist der gutmenschlichste Gutmensch, den man sich überhaupt nur vorstellen kann. Er sieht immer das Positive, ist unempfänglich für alles Negative, weiss immer einen guten Rat. Einer Schwangeren, deren Kind behindert zur Welt kommen könnte, kann er in – ungelogen – 30 Sekunden die perfekte, alle Fragen beantwortende Antwort geben. Zack, Problem gelöst! Was auch geschieht, Ivan verliert nie seinen Glauben ans Gute im Menschen, und das, obwohl er selbst schon Schlimmes durchgemacht hat. Als Kind musste er beispielsweise stehend Fahrrad fahren, weil er … äh … keinen Sattel am Velo hatte. Ivan ist also der geborene Sympathieträger.

                    Gunnar ist der liebenswerte Dicke in der Runde. Er hat das Klauen und Trinken während seiner Zeit bei Ivan aufgegeben. Khalid ist der Quotenausländer, dem Ivan das Überfallen von Tankstellen abgewöhnt hat. Die beiden sind voll resozialisiert, haben ihre Zeit bei Ivan aber so genossen, dass sie beide freiwillig verlängert haben und auf Dauer in der Kirche bleiben.

                    Jensen müsste man nur schon für diese strunzdoofe Geschichte und die Charaktere Beifall klatschen. Es liest sich unspektakulär, weiss aber als Film zu unterhalten. Von unerreichter Genialität ist aber Jensens Art, den eigentlichen Sympathieträger, den Gutmenschen, so abgedreht darzustellen, dass sich der Zuschauer jedes Mal tierisch mitfreut, wenn er eins auf die Fresse kriegt. Schlimmer noch, man entwickelt vollstes Verständnis für den Neonazi/Schläger Adam. Ivans Äusserungen sind teilweise so völlig hohl, dass man absolut versteht, wenn Adam einfach nicht anders kann, als ihm mal ordentlich die Fresse zu polieren. Man würde es ja gerne selbst tun, aber ist ja nur ein Film. Deshalb ist man dankbar, wenn Adam den Job übernimmt. Das alles ist so verdreht, das ist einfach nur noch genial. Der Film ist die fieseste, schonungsloseste Abrechnung mit Gutmenschen, die mir je über den Weg gekommen ist. Da wird der Gutmensch wirklich völlig demontiert und auseinandergenommen, da kann gar kein Auge trocken bleiben. Der Humor ist absolut derb und teils arg unter der Gürtellinie, aber niemals platt. Teilweise erschliesst er sich dem Zuschauer erst nachträglich. Man denkt darüber nach, was man gesehen hat, wird sich erst dann bewusst, wie krank das war, und kommt aus dem Grinsen nicht mehr raus.

                    Erst wollte ich dem Film «nur» so sieben bis acht Punkte geben. Während ich geschrieben und über den Film nachgedacht habe, ist mir erst wirklich bewusst geworden, wie herausragend er ist und wie köstlich er mich unterhalten hat. Diese nachträgliche Erkenntnis ist für mich irgendwie das Typische für diesen Film.

                    Wenn ich Mads Mikkelsen nicht eh schon einen der coolsten Typen überhaupt finden würde, für sein Spiel in Adams Äpfel müsste ich ihn sofort ins Herz schliessen. Was er da abliefert, ist absolut genial.

                    Was bleibt noch zu sagen? Nicht mehr viel. Man muss sich den Film anschauen.

                    «Den können Sie nur noch öffnen und als Scheisshaus gebrauchen.»

                    6
                    • 8

                      Schade, zum Ende hin verliert sich der Film meiner Meinung nach etwas und wird vorhersehbarer. Vorher habe ich aber das ein oder andere Mal wirklich lachen müssen über die grandiosen Charaktere und die unglaubliche Situationskomik. Meiner Meinung nach die beste Szene des Films: Khalid fängt an die Vogelplage zu beenden.

                      • 8 .5
                        Shady95 06.04.2015, 23:20 Geändert 06.04.2015, 23:21

                        Ganz toll! Schwarzer Humor, eine wirklich merkwürdige aber lustige Story und wunderbare Charaktere. Die Skandinavischen Filmemacher können es einfach! Kennt jemand noch ähnliche Filme? Hab leider das Gefühl die meisten schon gesehen zu haben...

                        1
                        • 10
                          ju.ku.750 28.03.2015, 18:00 Geändert 28.03.2015, 18:24

                          Ich liebe diese Art von Humor.
                          Der Film bietet einen wie immer herorragenden Mads Mikkelsen und viele lustige Dialoge:)

                          "Ist das ein gut aussehender Mann! Dein Vater?"
                          "Das ist Hitler!"
                          "Nein, Hitler hatte einen Vollbart. Nein hast recht, hab ich mit dem Russen verwechselt."

                          Gunnar: Er hat meinen Kater erschossen Ivan: Nein, wir dürfen uns nicht immer wegen jeder Kleinigkeit gegenseitig beschuldigen. Er war des Lebens überdrüssig und da war unsere kleine Schießerei eine gute Gelegenheit, Abschied zu nehmen.

                          2
                          • 7 .5

                            gibt es überhaupt einen Film mit Mads Mikkelsen der nicth geil ist :D?

                            2
                            • 10

                              Topfilm...,mehr ist nicht zu sagen, und wenn doch wurde es in den Kritiken von Melzer, dopodynamite und co. bereits hervorragend getan.

                              1
                              • 9

                                Vor ein paar Tagen habe ich diesen herrlichen Film nun bereits das dritte oder vierte Mal gesehen und er konnte mich immer noch begeistern, wie schon bei der ersten Sichtung.

                                Das Bibel Prinzip: "Wenn dich jemand auf deine rechte Wange schlägt, dem halte auch noch die andere hin" wird vom Pastor Ivan (Mads Mikkelsen) geschickt zur Rehabilitation von Sträflingen genutzt, während er gleichzeitig mit seinem eigenen Schicksal zu kämpfen hat. Einer seiner "Patienten" ist der Nazi Adam, welcher durch Ivans geschickt psychologischen Ansatz während des Films einen kompletten Sinneswandel durchlebt. Dieser ist spannend zu verfolgen und der Film versteift sich (wenigstens über weite Teile) nicht zu sehr auf den Religiösen Hintergrund, als dass es einen nicht Religösen Menschen wie mich nerven würde. Neben Adam befinden sich in Ivans Kloster auch noch ein krimineller Araber und ein Alkoholiker. Diese Konstellation blüht unter dem tiefschwarzen, Dänischen Humor absolut auf und es entstehen eine menge sehr grotesker und überaus lustiger Situationen. Besonders gefällt mir, dass dies gelingt, ohne dass die eigentlich ernste, gar dramatische Handlung dadurch an Ernsthaftigkeit verliert.
                                Thomsen und Mikkelsen spielen in den beiden Hauptrollen wirklich großartig. Mikkelsen, den ich generell herrlich finde, kann hier sogar noch eine Schippe auf sein gewohntes Können legen und liefert meine persönliche Lieblingsleistung seiner Karriere ab.
                                Das Ende ist für mich das einzige, was diesem sonst großartigen Film einen Punkt Abzug einbringt.

                                Insgesamt auf jeden Fall ein wirklich zu empfehlender Film mit einem herrlich grotesken Humor, einer netten Geschichte und tollen Darstellern.

                                Besonders die sich mit getauschten Rollen wiederholenden Autofahrten bleiben mir immer im Kopf^^

                                https://www.youtube.com/watch?v=YfbJP_8M79E

                                7
                                • 7

                                  Ich hatte ehrlich gesagt keine großen Erwartungen, aber "Adams Äpfel" hat mich dann doch ziemlich überrascht! Zuerst einmal muss man hier die großartigen Schauspieler loben. Besonders Mads Mikkelsen ist hier der absolute Hammer und es ist für mich sogar die Rolle, in der er mich bisher am meisten überzeugt hat. Teilweise hat mich seine Darstellung hier irgendwie sogar an Christoph Waltz erinnert. Besonders in der ersten Hälfte ist der Humor wirklich recht gut gelungen und ich persönlich konnte doch an vielen Stellen lachen oder schmunzeln. Die Story bekommt außerdem Pluspunkte von mir dafür, dass sie ziemlich originell ausgefallen ist und ich sie so zumindest noch nie gesehen habe. Das Problem liegt für mich aber in der zweiten Hälfte des Films! Auf der einen Seite wird der Film mit fortschreitender Laufzeit in meinen Augen immer zäher und langatmiger, die religiöse Thematik wirkt irgendwann viel zu aufdringlich und übertrieben und die paar wenigen Witze wollen dann auch nicht mehr so Recht zünden, sodass der Eindruck von dem großartigen Anfang leider von einer ziemlich schwachen zweiten Hälfte etwas getrübt wird. Nur Mads Mikkelsen kann hier eben wie gesagt mit seiner Leistung noch etwas retten, was der Film an großem Potential liegen lässt. Auch das gekünstelte Ende passt irgendwie nicht so wirklich zu der Bösartigkeit des Anfangs, was man in meinen Augen auch nicht mit einer "Charakterentwicklung" rechtfertigen sollte.
                                  Fazit: Hätte man das Niveau der ersten Hälfte beibehalten, wäre meine Bewertung höher ausgefallen, aber so bleibt "Adams Äpfel" für mich nur ein "sehenswerter" Film.

                                  1
                                  • 9

                                    Den Film zeichnet vor allem eine großartige Charakterentwicklung aus- ich habe lange keinen Film mit so interessanten Figuren gesehen. Lustigerweise kommt einem der Neonazi Adam inmitten dieser verrückten Bande am normalsten vor. Kein Wunder, dass Ivan, großartig umgesetzt von Mads Mikkelsen, ihn zu seiner "rechten" Hand erklärt. Hut ab! Fantastischer Film.

                                    2
                                    • 8

                                      Ich bin immer noch ziemlich geplättet von der Story. Sehr interessant, schwarzhumorig, recht bizarr, aber noch kein Mindfuck à la Lynch. Es ist erfreulicherweise immer klar was passiert, und weshalb, und die auftauchenden Fragezeichen klären sich recht schnell. ‚Adams Äpfel‘ lebt von der Story und dem trockenen Humor - andere Kino-Elemente wie Optik, Rasanz, etc. sind reduziert, was ihre Wirkung noch deutlich verstärkt, wenn sie dann doch einmal auftauchen, so wie bei der Szene mit dem Gewitter. Ich war schon immer der Überzeugung, dass um uns herum weit mehr Dinge exisitieren und vor sich gehen, als wir mit unseren Sinnen und Messgeräten wahrnehmen können. Die Story vermittelt diesen Gedanken eindrucksvoll, indem sie das Schicksal von mehreren Leuten verküpft, die alle mehr oder weniger krank oder durchgeknallt sind, deren Handeln aber Effekte erzeugt, die weit über den Zufall hinausgehen und Manches zum Guten wenden. Der Film ist auch ein subtiles Plädoyer für Gott.

                                      5
                                      • 10

                                        Humor so schwarz, dass er Baumwolle pflücken könnte; davon können selbst die Coens noch einiges lernen. Das alleine macht den Film aber noch nicht zu dem, was er ist: Ein wunderbar erfrischendes Drehbuch, hervorragende musikalische Untermalung, ein brillanter Mads Mikkelsen und ein Regisseur, der virtuos eine Balance zwischen Tragik und Komik erzeugt machen "Adams Äpfel" zu einer der besten Komödien unserer Zeit.

                                        4
                                        • 9

                                          Wundervoll!
                                          Einer der wenigen Filme, die Humor, Tragik, Groteske und Spannung funktionierend in sich vereinen. Und es schafft, Trauer und Humor in der gleichen Szene (!) aufleben zu lassen.

                                          Bravo!

                                          • 10

                                            ******
                                            Dieser Kommentar ist ein Wichtelkommentar im Rahmen der User-Wichtel-Aktion-2014 für Vitellone. Vitellone hat mir freundlicherweise eine feine Auswahlmöglichkeit überlassen, und beim lesen der Vorschläge war mir sofort klar, auf welchen Film es in der letzten Runde unserer Wichtelaktion hinauslaufen muss: "Adams Äpfel".
                                            ******

                                            "Hier steht du bist ein Neo-Nazi ... Bist du wirklich einer? ... darauf kommt man gar nicht, wenn man dich so sieht!"

                                            Adam O. Pedersen (Ulrich Thomsen) ist ein Neonazi. Ein Vorzeigenazi sogar. Bringt er doch überall wo er hingeht sein kleines Hitlerportait mit, welches er sich pflichtbewusst an die Wand hängt, während die nächtliche Lektüre aus Hitlers Manuskript „Mein Kampf“ besteht, das sich schon fast obligatorisch im Nachttischschränkchen neben dem Bett befindet.
                                            Allerdings ist Adam kein allzu schlimmer Finger, so besteht bei ihm immerhin die Chance der Resozialisation. Wahrscheinlich wäre ihm der Knast jedoch lieber gewesen, als er mitten in der dänischen Pampa ausgesetzt und wenig später von Pfarrer Ivan Fjeldsted (Mads Mikkelsen) aufgegabelt wird. Was Adam nicht weiß: Dieser unverbesserliche Optimist hat die Aufgabe, Adam wieder auf den rechten (linken?!) Pfad der Tugend zurückzubringen. Seine Methoden sind dabei nicht nur äußerst fragwürdig, sondern auch sein Charakter ist Adam schnell zuwider. Und dann sind da noch die anderen Schäfchen in Ivans Herde, mit denen er zurecht kommen muss: Eine Alkoholikerin, ein Triebtäter und ein Tankstellenräuber. Und ein Landarzt, der sich darüber echauffiert, dass seine Patienten einfach nicht sterben wollen...

                                            "Ist das ein gut aussehender Mann! Dein Vater?"
                                            "Das ist Hitler!"
                                            "Nein, Hitler hatte einen Vollbart. Nein hast recht, hab ich mit dem Russen verwechselt..."

                                            „Adams Äpfel“ war vor Jahren meine Eintrittskarte in die Welt des skandinavischen Kinos. Vermutlich habe ich nie einen Film unter Freunden öfter empfohlen, als den. Es ist und bleibt einfach ein Genuss, diesen Balanceakt des dänischen Drehbuchschreibers Anders Thomas Jensen dabei zu beobachten, wie er bissig schwarzen Humor mit einem ausgewachsenen Charakterdrama kombiniert. Dabei braucht es gar nicht viel, um der Geschichte immer weitere Facetten zu verleihen, die sorgfältig verfeinert werden. Denn obwohl es wirklich verdammt viel zu lachen gibt, selbst wenn es noch so schmerzlich makaber gerät, nie driftet es in eine übertriebene Blödelei ab, mit der man sich schwertun könnte. Stattdessen bewahrt sich die Dramödie in der Geschichte von Gut gegen Böse immer ihre Bodenhaftung, die sie ihren einprägsamen Charaktermomenten verdankt. Durch die skurill witzigen Einfälle verursachen diese nicht minder bissigen Momente einen umso kontrastreichen wie eindrucksvollen Impuls in der Handlung, wodurch sich die Figuren förmlich gezwungen sehen, sich stets weiterzuentwickeln. Sie können gar nicht anders, als diese Entwicklung durchzumachen. Auch das gelingt Jensen mit viel Feingefühl und Sinn fürs Wesentliche.
                                            Denn obwohl es hier so einiges zu belachen gibt, irgendwann fällt der Groschen und Adam und Ivan merken, dass sie sich verändern müssen. Adam kann nicht immer der böse Schlägernazi sein, ganz egal wie sehr er sich auch an seine Skinheadattitüde klammern mag, und Ivan muss lernen, dem Leben entgegenzublicken, anstatt sich hinter seinem verblendenden Optimismus zu verstecken und vor den nicht so sonnigen Momenten seines Lebens zu fliehen.
                                            Vielleicht war die Begegnung der beiden ja von Gott oder dem Teufel vorherbestimmt, wer weiß das schon... aber den beiden herausragenden Akteuren Ulrich Thomsen und Mads Mikkelsen dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen oder mit Binsenweisheiten nur so um sich werfen und damit gegenseitig versuchen, ihrem Gegenüber ihre Macken auszutreiben, ist in der malerischen dänischen Landschaft bei Horne Kirke einfach zu herrlich und einprägsam in Szene gesetzt.

                                            Mittlerweile ist "Adams Äpfel" schon gar kein Geheimtipp mehr. Aber wer auf unglaublich fiesen und akzentuierten Humor, der im Einklang mit feingeschliffenen Figuren mit ihren Ecken und Kanten und einer intelligenten Handlung steht, der kommt um diese Perle des dänischen Kinos gewiss nicht herum.

                                            "Er hat meinen Kater erschossen!"
                                            "Nein, wir dürfen uns nicht immer wegen jeder Kleinigkeit gegenseitig beschuldigen. Er war des Lebens überdrüssig und da war unsere kleine Schießerei eine gute Gelegenheit, Abschied zu nehmen."

                                            Und zum Abschluss wünsche ich euch einen schönen 4. Advent und vorab auch gemütliche und frohe Festtage. Das solltet ihr mit folgendem Song feiern:

                                            https://www.youtube.com/watch?v=YfbJP_8M79E

                                            20
                                            • 10

                                              Fick dir Gunnar, der Film hat unheimliches Kultpotenzial. Einige Sprüche haben sich schon etabliert!

                                              1
                                              • 9

                                                Abgründe tun sich auf und zack sitzt man mittendrin. Was hat dieser Film geniale Dialoge, teerschwarzen Humor und ist, verfluch mich nochmal, politisch völlig unkorrekt. Dieser staubtrockene Humor und die Unaufgeregtheit mit der die Szenen manchmal für kurze Zeit fast normal erscheinen, bis jemand den Kater erschießt, oder wir alle einfach nur noch den verdammten Apfelkuchen wollen.

                                                • 8 .5
                                                  ProShout 05.11.2014, 23:20 Geändert 05.11.2014, 23:20

                                                  Ein Film in dem ein Neo-Nazi der normalste Akteur ist...mh.
                                                  Das Beste im Komödien Genre was ich seit Langem gesehen habe - grandios.
                                                  In diesem Sinne: " Fick dir Gunner!"

                                                  1
                                                  • 9 .5

                                                    Ich will auch einen Apfelkuchen :-)

                                                    Ein wirklich klasse Film, der mich emotional berührt hat.