Mulholland Drive - Kritik

FR/US 2001 Laufzeit 146 Minuten, FSK 16, Thriller, Drama, Kinostart 03.01.2002

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    miarehkitz 10.01.2015, 23:46 Geändert 11.01.2015, 00:00

    Aaahhh, was für ein Trip! Vollkommen unvorbereitet und unvoreingenommen griff ich mir "Mulholland Drive" aus unserer hauseigenen DVD - Sammlung, um mir damit ein paar der dunklen winterlichen Abendstunden zu vertreiben, die einem im Moment so zusetzen. Doch was mir dann letztendlich zusetzte, waren nicht die fiesen Abendstunden, sondern dieser unglaublich vereinnahmende, grauenvolle, aber zugleich angenehm albtraumartige und faszinierende Film von David Lynch!

    Wie soll ich‘s sonst beschreiben, als in eben gewählten Worten? "Mulholland Drive“ ist ein düsterer, nebulöser, wirrer, konfuser Mindfuck - Trip durch die Irrungen und Wirrungen der menschlichen Psyche; ein Sog, der seinesgleichen sucht. Ein Sog, gespickt mit fesselnden, traumartigen Bildern und mitreißender musikalischer Untermalung. Ein Sog, dem ich mir nach der ersten Sichtung nicht entziehen konnte und der einige Tage später seine Wiederholung forderte, geradezu herausschrie.

    (Bisschen Spoilern erscheint unausweichlich.)

    Ganz ehrlich war ich bei der ersten Sichtung vollkommen überfordert und auch etwas übellaunig, so erwartete ich doch nach kurzem Überfliegen der Filmbeschreibung einen, naja, sagen wir, 0815 – Thriller mit bisschen Mystery und so. Was ist schon dabei, so’ne Alte, die ihr Gedächtnis verliert, eine andere Alte hilft ihr dabei und beide versuchen das Geheimnis um ihren Gedächtnisschwund zu lösen? Ich dachte, es artet in so‘ner typischen Krimistory aus - crazy, die Mafia ist hinter der Ollen her und so weiter. Als ich dann merkte, hey, Moment mal, da passieren jetzt aber gänzlich skurrile und kuriose Dinge (hier nenne ich mal vorsichtig den Aufenthalt der beiden Protagonistinnen im Silencio – Theater und die diesbezüglichen Geschehnisse), habe ich mich aufgeregt und gedacht, was soll der abgedrehte Scheiß? Außerdem versteh ich nix, halloo? Ich konnte 3/4 des Filmverlaufs bestens folgen, was soll das jetzt?..

    Was dann folgte, hat mich umgehauen. Ich saß verdattert vorm Fernseher und konnte nicht glauben, was ich sehe, konnte nicht fassen, was da vor meinen Augen passiert. Obwohl ich’s nicht verstanden hab, obwohl ich’s nach wiederholtem Anschauen wahrscheinlich immer noch nicht in Gänze verstanden habe (kann man das überhaupt? Soll man das überhaupt? Kann überhaupt irgendjemand ernsthaft behaupten, diesen Mindfucker tatsächlich verstanden zu haben?) hat’s mich gepackt. Es war wie ein Albtraum, mit dem man sich konfrontiert sieht, nur dass das Gesehene die knallhart bittere Realität wiederspiegelt – eine albtraumhafte Realität, in der die Protagonistin gefangen ist, unfähig, sich von ihrem selbstgeschaffenen Trugbild zu lösen, außerstande, sich von ihren Dämonen zu befreien. Eine Realität, ausgelöst durch die im Silencio – Theater unvermittelt hereinbrechende Erkenntnis, dass alles eine Illusion ist: Sowohl die von Dianes Unterbewusstsein geschaffene Parallelwelt, ein „Bettyversum“, als auch die in ihrem wirklichen Leben stets präsenten, aber unerfüllten Träume und Wünsche. Silencio – ein Sinnbild für all das Illusorische, was sich in Dianes Wunschwelt und ihrem realen Leben bereits manifestiert hat und sie langsam, aber sicher von innen auffrisst.

    Was bleibt, sind zerstörte Träume, eine verpfuschte Zukunftsvision, eine abgewiesene Liebe, Demütigungen en masse, eine fatale und folgenschwere Entscheidung, eine kaputte und vereinsamte menschliche Existenz, die sich letztlich - gedrängt von Wahn, Hysterie und Halluzinationen - ihrem scheinbar unausweichlichen Schicksal ergibt und all den Selbsttäuschungen ein Ende setzt, indem sie sich eine Kugel in den Kopf jagt, und in ihren verschwitzten roten Bettlaken und der grünen Bettdecke stirbt.

    Ich glaube, ich könnte stundenlang weiterschreiben. Allein die im Film vielschichtig verwobene Symbolik könnte mich zu ewig andauernden Interpretationsergüssen verleiten..

    (Kleines Beispiel: Die alten Leute. Diese auf erschreckende Weise aufgesetzt fröhlich und freudestrahlenden Menschen. Was verdammt sind sie? Wofür stehen sie? Wieso flimmern sie in der ersten Szene, in der Dianes Rock’n’Roll-Tanzwettbewerbsgewinn angedeutet wird, neben ihr auf dem Bildschirm, mit diesem furchteinflößenden, zähnefletschenden Grinsen? Wieso scheinen sie zuerst nette Leute zu sein, die „Betty“ in Dianes Parallelentwurf die Nervosität vor dem großen Unbekannten nehmen, die Diane dann aber später zunächst in Miniaturform, nachher in ihrer vollen Monstrosität, mit ihrem hysterischen Gelächter in den Selbstmord treiben? Was sind sie? Das Gewissen? Die böse Vorahnung, die genau weiß, in welche Richtung Dianes Leben in LA schlittern wird? Oder sind sie wie Engelchen und Teufelchen auf Dianes Schultern? Nur dass beide kleine, gemeine Teufelchen darstellen, die Diane überhaupt erst den Floh von der Schauspielkarriere ins Ohr gesetzt haben, wohl wissend, dass sie nicht nur scheitern, sondern auch einen Pakt mit dem Teufel, der Schreckensgestalt hinterm Winkie’s, eingehen wird, wo sie in einen Auftragskiller auf Camilla ansetzen wird?! Ahhhh!)

    .. aber dem sollte ich mal ein Ende setzen. Festzuhalten bleibt: Ein Film wie ein Traum. Ein Film wie ein Albtraum. Ein Film wie ein Schreckensentwurf einer labilen, leidgeplagten Psyche, gefangen in der Traumfabrik schlechthin: Hollywood. Mehr Schein als Sein.

    Gruselig. Und so gut. Eine Zehn!

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      der Film bekommt von mir glatte 2 Punkte. Aber auch nur für die guten Schauspieler. Handlung hätte was werden können. Es ist mir total unklar, wieso die Handlung teilweise so dämlich (Typ im Rollstuhl-Szene) oder vor allem das Durcheinander in der zweiten Hälfte dargestellt werden muss. Auch die Theaterszene sind ziemlich schlecht und sinnfrei. Das abschließende "Silentio" sagt mir eigentlich nur, dass dem Regisseur sämtliche Fähigkeiten abhanden gekommen sein müsen. So ein Scheiß. Sorry.

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        Krankes Meisterwerk.

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          Dass es einen großen Twist geben würde und dass wohl ohne anfängliche Verwirrung ein Lynch kaum möglich ist, war mir ja vor der Sichtung schon bewusst. Dennoch ist mir das ganze irgendwie zu krass surreal - soll wohl eben die Aussage sein. Und wenn schon Lynch selbst ein "Merkblatt mit Interpretationshinweisen" verfasst hat, dann ist das eben kein Film für mich (das hab ich erst im Nachgang herausgefunden. Eventuell schau ich mir den Film ja vielleicht unter diesen Gesichtspunkten nochmal an, allerdings mag ich doch eher Filme, welche ich ohne vordergründige Recherche anschauen kann :D)

          Ein Film muss sich zwar sicher nicht immer bis ins Detail erklären lassen können, aber bei Mulholland Drive gab es da für mich persönlich einfach zu viele Elemente, die selbst zum Ende hin zu wirr waren, um einen für mich schlüssigen Zusammenhang zu konstruieren.

          So muss ich leider, leider gegen den Strom schwimmen und kann dem Film hier lediglich Punkte für gute Schauspieler und das Einfangen einer mystischen Grundstimmung geben. Hach, schade.

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            Aufgrund der vielen positiven Kritiken zu diesem Film, wollte ich mir auch selbst ein Bild darüber machen.

            Leider habe ich von der 1. Minute keinen Zugriff bekommen. Die Machart und die Atmosphäre dieses "Meisterwerks" war absolut nichts für meinen Geschmack. Mulholland Drive war einer der wenigen Filme, die ich bis jetzt gesehen habe, den ich mir nicht bis zum Schluss angeschaut habe. Nach gut einer halben Stunde konnte ich es einfach nicht mehr ertragen und musste dieser Zeitverschwendung ein Ende bereiten.

            Schade...

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              Dergestalt 07.12.2014, 19:48 Geändert 23.01.2015, 19:41

              [Dieser Film ist Teil meiner Liste "Kino als Wahn" und irrsinnig]

              Wie in "Lost Highway" treffen auch hier wieder verschiedene Genres in einer ganz eigenen Mischung zusammen. Lynch beherrscht die Spannung dabei erneut wie kein anderer Regisseur und lässt den Zuschauer schließlich in einem Strudel aus Wahn und Emotion allein. Am Ende kann man detektivisch klug (der Film besitzt ja viele Kriminal/Thriller-Elemente) versuchen, noch ein Oben und Unten zu erkennen, wird sich aber damit konfrontieren müssen, dass der Film rein inhaltlich nicht zu fassen ist. Es handelt sich um ein Form- und Narrationsexperiment, das durchweg konsequent, aber schlicht unverständlich ist. Kleine Spuren bekannter Genres gibt es zwar, aber die bleiben bloß Appetithäppchen im Strudel emotionaler Kraft. Und hier punktet der Film durchweg. Filmische Suggestion in Perfektion.

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                Altai 03.11.2014, 15:12 Geändert 03.11.2014, 15:58

                Was für ein Film. Mal dachte ich, ich hätte ihn verstanden, dann haut mich Herr Lynch wieder aus den Socken und in meinem Kopf sind nur Fragezeichen vorhanden. Der Film hat von allem ein bisschen, Sozialkritik,Thriller,Erotik usw. Also selten solch ein surealen Film gesehen. Es geht um vieles in diesem Film aber hauptsächlich, so fasse ich das zumindest auf, geht es darum das man in Hollywood seine Seele an den guten alten Devil verkaufen muss um es zu etwas zu bringen.Oftmals diese Silencio Momente die mich stark an einen Rober Blake aus Lost Highway erinnerten. Es herrscht eine Düsternis die krass aufs Gemüt schlägt. In diesem Film, so scheint es, wird auf einen Vertrag zwischen Regisseuren Produzenten und Schauspielern mit den Dämonen Hollywoods hingewiesen, und einzig allein die Seele ist der Preis für den Ruhm den er einem beschert!

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                  NewSTARs 31.10.2014, 02:34 Geändert 31.10.2014, 02:42

                  David Lynch's "Mulholland Drive" ist ein großes, verstricktes, surrealistisches Filmerlebnis mit mehreren kleinen Storys, die sich verschmelzen, vertauschen und am Ende ein Ganzes ergeben. Viele Szenen bieten im einzelnen eine ganz eigene Atmosphäre, die auch dem Zuschauer für ihre Dauer über ein anderes, neues Gefühl geben. Besonders wegen dieser abwechslungsreichen Art wird der Film trotz seiner langsamen, ruhigen Erzählweise nie langweilig und frischt mit neu angesetzten Ideen immer wieder auf. Bei der Zweitsichtung wird demnach umso klarer, dass jede Szene einen wichtigen Teil zum Ende beiträgt und die Laufzeit von 147 Minuten gerade zu perfekt ist, ohne irgendwann überflüssig oder schnell erzählt zu wirken. Klar, Lynch lässt sich sehr viel Zeit, dennoch wirkt die letzte halbe Stunde bei der Erstsichtung wie viel zu schnell erklärt um dem Twist hinterher zu kommen. So erging es mir persönlich. Nun ist der Twist kein einfach zu verstehender, sondern ein gigantisch raffinierter, höchst komplexer Twist, welcher anfangs stark sacken muss um verstanden zu werden. Das fieseste ist, dass Lynch die Puzzelteile nur mit einem dünnen Faden verbindet, über dessen Deutungen man selbst spekulieren muss. Und genau das ist es, was "Mulholland Drive" von all den anderen Filmen seines Genres abhebt. Er fordert nicht während des Filmes das Denkvermögen des Zuschauers, sondern erst am Ende bzw. wenn die Erzählung der Geschichte vorbei ist. Dabei ist die gesamte Liebesgeschichte, die vorallem aus Neid, Hochmut, Wollust besteht, sehr emotional, tragisch und äußerst glaubwürdig gezeigt. Unterstützt wird dieses unvergessliche Filmerlebnis mit einem wundervollen Cast, in dem besonders Naomi Watts und Justin Theroux herausstechen. Der intensive Soundtrack bringt stark die surrealen, schmerz- und gefühlsvollen Liebeselemente zum Ausdruck als perfekter Ausgleich für die absolut geniale Kameraführung, welche mit dem Sound-Mix die mulmig wirkende Traum-Atmosphäre einzigartig kreiert.

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                    Er verfolgt mich sogar in meine Träume

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                      Das ist ja fast schon pervers, wie Mulholland Drive mit jeder Minute, in der man über ihn nachdenkt, faszinierender wird. Ultrakunst nennt man das wohl. Traurig, dass mein alter Kommentar (Wertung: 8.5) keine 2 Jahre hielt.

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                        Bereits der Einstieg - Befremdlich wirkende Fragmente eines Jitterbug-Contests und eine bildhübsche Frau, die nach einem seltsamen Zwischenfall nachts verwirrt über den Mulholland Drive irrt - deutet es an: Mit "Mulholland Drive" widmet sich David Lynch wieder der düsteren, abwegigen Seite des Filmemachens und kehrt nach dem hoffnungsvollen, geradlinigen "The Straight Story" zu seinen surrealen Wurzeln zurück.
                        Ursprünglich als TV-Serie geplant, dann vom Sender abgelehnt und eher aus der Not geboren als eigenständiges Filmprojekt realisiert, entpuppt sich "Mulholland Drive" schließlich sogar noch als das vielleicht beste Werk von David Lynch. Basierend auf eigenen Erfahrungen im Filmgeschäft und inspiriert durch seine Lieblingsfilme wie "Sunset Boulevard" oder "Vertigo" schuf der Regisseur einen Film, der selbst wie eine Art moderne Version von Billy Wilder´s Klassiker wirkt, nur eben mit der einzigartigen Handschrift eines David Lynch.
                        Die Handlung ist ein Spiegel, der einerseits die faszinierende, bezaubernde Oberfläche und den Glanz des Hollywood-Business veranschaulicht, auf der anderen Seite die Traumfabrik allerdings als das zeigt, was sie womöglich in Wirklichkeit ist: Ein nicht enden wollender Albtraum, ein verzweifelter Strudel, in dem sämtliche Ideale, Träume und Ambitionen ertrinken.
                        Es ist schwierig, den Film in seiner Gänze zu besprechen, ohne auf seine nahezu perfekte Struktur einzugehen. Zunächst wirkt alles tatsächlich wie eine Art Prolog für längerfristig geplante Handlungsstränge. Im Prinzip besteht die gesamte erste Hälfte aus einer Aneinanderreihung brillant komponierter Einzelszenen, von denen jede entweder mit düsterer Dramatik, verwirrendem Surrealismus, rätselhafter Symbolik, einer Spur bissigem Humor, sinnlicher Erotik oder abgründiger Spannung gefüllt ist. Die Inszenierung braucht man bei Lynch mittlerweile eigentlich kaum noch erwähnen, so hebt er erneut sämtliche rationale Grenzen auf und wandelt zwischen Realität und Traum/Fantasie mit einer fesselnden Perfektion, die ihresgleichen sucht. Hinzu kommt wieder ein herausragender Score von Angelo Badalementi, der wie immer auf meisterlichem Niveau für perfekt passende musikalische Untermalung sorgt.
                        Gegen Ende kommt dann der entscheidende Bruch, ein wahrer Game-Changer, der das Gehirn erst so richtig ins Rollen bringt, den Zuschauer aufruft, sich sämtliche Charakteristiken zu den entscheidenden Figuren selbst zusammenzusetzen und zu entwirren. Dabei lässt sich diesmal sogar ein gewisser roter Faden ausmachen, anhand dessen man sogar ein einigermaßen schlüssiges Bild erkennen kann, bei dem lediglich wieder einmal einzelne Elemente vielleicht auf ewig ein Rätsel darstellen. Als Beispiel seien hier nur der Club Silencio, die Winkies-Szene, die blaue Box mitsamt blauem Schlüssel oder das Rentner-Pärchen genannt. Szenen und Elemente, die sich unmittelbar beim Betrachter verewigen, die teilweise auch verstören und über die man sich am liebsten stundenlang den Kopf zerbrechen möchte.
                        Bei den Darstellern offenbaren sich ebenfalls fantastische Leistungen, da die wichtigsten Figuren praktisch mehrere völlig unterschiedliche Facetten zeigen müssen, was vom Cast hervorragend bewältigt wird. Vor allem Naomi Watts, der mit dieser Rolle der verdiente Schauspieldurchbruch gelang, brilliert auf allen Ebenen.
                        Über "Mulholland Drive" könnte man noch ewig weiter schwärmen. David Lynch schuf mit seiner ganz eigenen, einzigartigen Hollywood-Satire ein faszinierendes Drama, das mit viel düsterer Spannung, sinnlicher Erotik, vielschichtigen Figuren, einer Prise Humor, einer Vielzahl an brillanten, mitunter natürlich auch verwirrenden Einzelmomenten, einer insgesamt fantastisch konstruierten Geschichte und der handwerklichen Perfektion auf ganzer Linie für Begeisterungsstürme sorgt. Wahrscheinlich sogar sein stimmigstes, bestes Werk, was bei dem Namen David Lynch einiges bedeutet.

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                          Kurono 18.10.2014, 21:12 Geändert 19.10.2014, 00:43

                          „Mulholland Drive“, einer dieser Filme, bei denen es mehr Spaß macht, über sie zu lesen und zu diskutieren, als sie tatsächlich zu gucken. So dachte ich jedenfalls lange Zeit.
                          Nach einigen Gedanken und Interpretationen sehe ich in Lynchs Werk aber kein mysteriöses Kuriosum mehr, sondern ein doch recht bewegendes, menschliches Drama, welches uns ein unschönes und zugegeben, schon etwas karikiertes Bild von Hollywood zeigt.

                          Besonders gut gefällt mir dabei die Interpretation (ohne jetzt zu sehr in Detail zu gehen), dass die gesamte Handlung mit Betty und Rita nur ein Traum von Diane ist. Wenn alle Personen und Orte in diesem Part der Handlung somit Teil von Diane sind, lässt das interessante Interpretationen auf ihre Lebensgeschichte und Charakter zu.
                          Die Betty- und Diane-Handlung kombiniert, ergeben dann das menschliche Drama, welches aus geplatzten Träumen, nicht erwiderter Liebe, Hilflosigkeit und einen herzlosen Hollywood besteht.

                          Diese Interpretation ist sicherlich diskutabel und wenn Lynch ein einfaches Drama erzählen wollte, warum tut er das dann nicht einfach?
                          Gewissermaßen sehe ich also die Geschichte, die ich in sehen will. Diese finde ich aber spannend und interessant und ich kann so für mich behaupten, dass ich aus „Muhlholland Drive“ etwas mitnehmen konnte. Das rechtfertig mindestens ein „sehenswert“. Außerdem muss man den Film ja auch schon deshalb gesehen haben, um mitreden zu können;)

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                            Diesen Film habe ich nur mit Mühe überstanden... langweilige Story, teilweise geradezu unerträgliche Charaktere und die Atmosphäre... tja.... welche Atmosphäre eigentlich?
                            Mulholland Drive ist für mich an Langeweile nur schwer zu überbieten und wenn ich bei einem Film das Ende geradezu herbeisehne, damit bloß endlich Schluß ist, dann kann ich so einem Streifen bei aller Liebe nur 0 Punkte geben.
                            Fazit: zzz ZZZ zzz

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                              Nicht jedermanns Sache das steht schonmal fest aber für Filmliebhaber ein absolutes Muss! Ich weiss nicht so recht was ich von den letzten 30-40 Minuten halten soll, da hab ich nicht mehr ganz durchgeblickt. Lynch lässt die ersten zwei Stunden dem Zuschauer sogar Zeit zum nachdenken aber das hat sich für mich gegen Ende als Falle entpuppt, mein erster What-the-Fuck-Moment war im Theater oder der Oper? als Naomi anfing zu zittern/beben, danach hörte es nicht mehr auf. Durchaus spannend wenn man es zulässt, tja was soll ich noch dazu sagen außer "Sie ist die Richtige" :D Watts war einfach nur grandios! aber meine Befürchtung das mich das Ende nicht zufrieden stellen wird ist leider wahr geworden, schade. Ich werde jetzt erstmal die Auflösung nachlesen, hoffe es gibt eine plausible Erklärung und es wird nicht allzu philosophisch, denn ich denke das war Lynch's Absicht.

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                                Definitiv wieder so ein Film, den ich nicht nach 23 Uhr sichten sollte. Danach konnte ich nur schlecht einschlafen. Der Film hatte mich danach fast noch einmal genau so lange beschäftigt wie der Film selbst. Als ich dann die Betrachtungstipps von Lynch entdeckte, war ich nochmals kurz davor, mir den Film direkt noch einmal anzugucken. Ich habe es aber doch gelassen. Es war für mich der erste Lynch-Film und mich hat diese Machart und Erzählweise gepackt, gar fasziniert. Die ganze Zeit war so eine Surrealität dabei. Als diese späte "Wende" kam, war ich hellwach. Was war da plötzlich geschehen? Bin ich kurz weg gewesen? Nein, nichts dergleichen. Das ist tatsächlich passiert. Vor mir ist ein Film, der mir geistig doch einiges abfordert. Hallelujah!
                                Auf jeden Fall werde ich mir diesen Film erneut angucken und dann wohl mit komplett anderen Augen (nach einer kleinen Recherche) betrachten und analysieren. So wie ich die Kommentare gelesen habe, macht das nichts aus, da wohl jeder Lynch auf seine eigene Weise betrachtet.
                                Neudeutsch würde ich jetzt sagen, dass das ein ganz großes "Gefällt mir" ist.
                                Aber diese Redewendung geht mir tierisch auf den Sack.
                                Deswegen verwende ich den Ausdruck der britischen Offiziere aus dem Film "Die Brücke am Kwai": Kolossal!

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                                  Der Weg nach HOLLYWOOD ist gepflastert mit Steinen, jeder enthält einen kleinen Absturz aus Rissen, die sich schwer stoßend, kriechend, fortzubewegen gedenken.
                                  Auf der Suche nach Bedeutung entgleitet uns vollkommen der Sinn für das Wesentliche, und die eigens geschaffene, persönliche Apokalypse wurde verstörend eingeleitet.
                                  Das ist unser Schicksal am "Mulholland Drive".
                                  ...
                                  Ich setze allmählich meine David Lynch-Werkschau fort, denn eines ist mal klar: dieser Regisseur hat meinen Geschmack getroffen.
                                  Wenn man an Lynch denkt, dann denkt man auch an einen Kunstregisseur. Kunstfilmemacher und ich sind oft eine explosieve Mischung, da ich nicht selten das Gefühl habe, sie blicken auf ihr Publikum herab, lachen es aus, oder scheren sich einen Dreck darum, ob Leute ihre Filme mögen oder nicht - wer sie mag, der ist ein Arschloch, wer nicht, der hat sie schlichtweg nicht verstanden. David Lynch bildet aber die Ausnahme.
                                  Er lässt nicht so sehr den Intellektuellen raushängen wie einige andere Arthausregisseure.
                                  Erstmal ist er sich nicht zu schade, hin und wieder auch mal lineare Genrefilme zu drehen - denen er dann freilich seinen Touch aufdrückt - und zweitens hat man auch nach seinen künstlerischen Filmen nicht das Gefühl, dass man verarscht wurde.
                                  Nein, über seine Filme denkt man gerne nach, man versucht sie zu enträtseln, vor Allem, weil man auch weiß, dass es eine Lösung gibt, ein Schlüssel, der in die Box aus Antworten passt.
                                  Wenn man sich aus dem Dickicht aus Rätseln mal befreit hat, dann schlummert darunter sogar fast so etwas wie eine lineare Geschichte, die nur auf sehr eigenwillige Weise erzählt wurde.
                                  Lynch will auch sein Publikum fordern, es ist ihm unheimlich wichtig, er möchte ihm etwas bieten. Vor Allem WILL er auch, dass es sich Gedanken zu seinen Filmen macht.
                                  Am Wichtigsten ist dann auch, dass seine Filme immer noch zugänglich sind, qualitativ etwas zu bieten haben - grandiose Darsteller, wunderbare Kameraarbeit, unheimliche oder spannende Atmosphäre, Kreativität und tolle Drehbücher - und nicht wie dahingeklatscht wirken. Es gibt in dem Genre genug Filmemacher, die einfach zwei Minuten durchgehend mit einer Handkamera filmen, wie ein Ehepaar am Tisch sitzt, irgendetwas isst, sich nicht ansieht, dann zur nächsten Szene cutten, und das Kunst nennen. So ist Lynch aber nicht. Er holt aus jeder Einstellung etwas heraus. Er inszeniert seine Kunst als Puzzle für den Zuschauer, dass aber durchaus lösbar ist - auf mehrere Arten und Weisen, und die, die es gelöst haben, streiten sich dann, welche Zusammensetzung die Schönere und "Richtige" ist. Selbst, wenn man der Aufgabe nicht gewachsen ist, das Rätsel zu lösen, so bleibt das Werk an sich trotzdem beeindruckend, da jede Szene für sich genommen schon ein filmtechnisches Meisterwerk ist.

                                  In "Mulholland Drive" folgen wir einer jungen Frau namens Betty, die nach Hollywood kommt, um berühmte Schauspielerin zu werden und offenbar sehr talentiert und ambitioniert ist.
                                  Während ihre Tante in Kanada Filme dreht, darf sie deren Apartment benutzen. Dort findet sie eine Frau vor, die sich selbst Rita nennt, aber ihr Gedächtnis verloren hat und nicht weiß, wer sie ist, wie sie hierher kam oder was genau passiert ist.
                                  Gemeinsam versuchen sie nun Recherchen anzustellen, was vorgefallen ist.
                                  Währenddessen verliert ein genauso ambitionierter Regisseur allmählich die Kontrolle über seinen eigenen Film und wird zum Sklaven höhergestellter Personen...

                                  Der Schlüssel zu "Mulholland Drive", dessen Originaltitel 'Mulholland Dr.' einem zu denken geben sollte, ist meines Erachtens jedoch, die bis zu einem gewissen Zeitpunkt nachvollziehbare Handlung nicht als Ganzes zu sehen, sondern sie als eine Ansammlung von Elementen wahrzunehmen.
                                  Wie eine auf der Bühne stehende singende Frau auch kein geschlossenes Ganzes ist, sondern aus ihrer Optik und dem Klang ihrer Stimme besteht. Wir sehen sie singen, und werden mitgenommen... aber was passiert, wenn man eines der beiden Elemente entfernt?

                                  Ich habe für mich persönlich eine Interpretation gefunden, die ich rückblickend als schlüssig empfinde.
                                  Somit habe ich ihn als Rätsel empfunden, als ich ihn das erste Mal gesehen habe, beim kommenden zweiten Mal werde ich ihn als geschlossene und stimmige Geschichte wahrnehmen.
                                  Was ihn zu einem wirklich hochwertigen Film macht, ist aber, dass eben diese Geschichte allein schon beeindruckend ist, völlig gleich, wie man sie versteht.
                                  Lynchs Inszenierungsstil ist hypnotisch, atmosphärisch, mystisch, spannend und sinnlich, und diese Kombination zieht sich durch den gesamten Film, macht ihn schlichtweg zu einem Genuss, einem Erlebnis.
                                  Ein Kunstfilm sollte nicht erst durch das Philosophieren über ihn gut werden, sondern bereits von Haus aus gut sein, und durch das Philosophieren nur noch besser werden, wenn man dann meint, den entscheidenden Interpretationsansatz gefunden zu haben.
                                  Und Gott sei Dank ist "Mulholland Drive" letzteres.
                                  Neben einem tollen Regiestil wartet er mit viel Originalität und brillanten Darstellern auf, die den Film tragen. Alleine Naomi Watts spielt derartig brillant, dass sie eine Oscarnominierung verdient hätte.
                                  Durch den Film zieht sich ein Sog, der einen durch das Geschehen vorantreibt, und jeden einzelnen Moment ästhetisch perfekt wirken lässt...

                                  Lynchs Kunst besteht eben genau darin, dass er kein Snob ist, der dem Zuschauer sein Experiment vorsetzt und ihm jeglichen Anhaltspunkt entzieht, sondern dass er ihm eine gute Zeit bereitet und nebenbei auch noch eine Denkaufgabe gibt.
                                  Das Ergebnis ist dann genau das perfekte Beispiel für gelungenes Arthauskino.
                                  Und in der Hinsicht hat mich "Mulholland Drive" schlichtweg umgehauen.

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                                  • 9

                                    1.000! Endlich 1.000 bewertete Filme.. Und was war das bitte für eine Nummer 1.000!?

                                    Ein Film wie eine gute philosophische Denkrichtung: Viele Fragen und eigentlich keine Antworten! Lynch wusste mal wieder zu überzeugen.. SPOILER? Ist doch eh egal.. Versprochen: Du weißt nicht mehr als nach dem Film! Das ist ein Lynch, verdammt!
                                    Also: (Ne warte, lies es besser doch nicht! Oder?)
                                    Irgendwie denkt man sich zunächst noch seinen Teil, versucht den Film von Minute 1 an zu interpretieren - es ist schließlich ein Lynch -. Der Polizist fragt beim Autounfall, ob einer der Männer einen Perlenohrring getragen hätte. Nein, natürlich nicht.. Aber "Rita" vielleicht? Was soll sonst das beleuchtete Gemälde von dem Mädchen mit dem Perlenohrring ohne Perlenohrring in dem Haus von Betty's Tante? Und Moment mal: Das alte Ehepaar vom Flughafen lacht genau so merkwürdig, wie die Personen in dem anfahrenden Auto bei der anfänglichen Unfallszene... Was ist denn mit dem Typen im Diner los? Und von welcher brünetten, etwas verprügelten Prostituierten spricht der unprofessionelle Auftragskiller? "Rita"? Und wieso tauchen irgendwann alle an diesem verdammten Diner auf? Und vor allem: Warum zum Teufel hat der Obdachlose hinter dem Diner diese komische, blaue Box, durch die Betty plötzlich selbst das tote Mädchen in Appartement Nr. 17 wird (schon immer war?) und dann in der Zeitspanne wieder auf "Rita" trifft. Und wieso ist der Schlüssel dann zwar noch blau, aber nicht mehr dreieckig. SILENCIO!
                                    Und was sagt eigentlich Zizek dazu?
                                    Zu dem Szenario im Theater und dem Gesang (vom Band)
                                    "The fascinating thing about partial objects, in the sense of organs without bodies, is that they embody what Freud called “death drive”. Here, we have to be very careful. Death drive is not kind of a Buddhist striving for annihilation. I want to find eternal peace. I want… No. Death drive is almost the opposite. Death drive is the dimension of what in the Stephen King-like horror fiction is called the dimension of the undead, of living dead, of something which remains alive even after it is dead. And it’s, in a way, immortal in its deadness itself. It goes on, insists. You can not destroy it. The more you cut it, the more it insists, it goes on. This dimension, of a kind of diabolical undeadness, is what partial objects are about."
                                    Es gibt wieder Szenen die sich zwischen Realität und Fantasie befinden... Die Szenen im Appartement 17? Geht es um Realität und Fantasie von Betty? Vorher Fantasie, jetzt eingemischte Realität? Deswegen die Elemente von Film Noir, Musical und Heist-Movie?
                                    Nur was das eine angeht bin ich mir sicher: Ich habe wieder einmal keine Ahnung was wirklich passiert ist, wurde stark unterhalten und muss den Film noch 100 mal gucken und auf jede Kleinigkeit achten! Was für eine Nummer 1.000!

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                                      Das ist die Richtige – die richtige Portion Verwirrung für meine Wahrnehmungskraft.
                                      Wenn ich meine Klarheit im Kopf von abstrakten Strömen übermannen lassen möchte, begebe ich mich, wie neulich an einem gemütlich-stürmisch-lauem Sommerabend, auf mein Sofa und sauge mit immer wiederkehrendem Staunen Lynchs‘ Fantasien auf. Die Gedanken fangen an zweispurig zu fahren – Kurve hier, Kurve da – denn auch wenn die Story zu Anfangs aussergewöhnlich plausibel aufgebaut wird, wäre es doch eine Illusion zu glauben, Lynch hätte diesmal seine Verwirrspiele in eine kleine blaue Box weggepackt. Wie man inzwischen weiss, führen jegliche Interpretationsversuche bei Filmen von David Lynch ins Finstere. Dennoch ertappe ich mich doch hie und da beim Versuch meine Gedankenstränge zu sortieren, bis ich resigniere und dann... silencio...

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                                        nicht unbedingt mein fall

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                                        • 7

                                          Am Anfang habe ich mich zu Tode gelangweilt. Doch jetzt, nachdem ich das Ende gesehen habe, muss ich die ganze Zeit nachdenken. Was steckt hinter diesem Film ? Ich weiß, dass Lynch uns etwas tieferes mitteilen will. Ich gebe erstmal nur 6 Punkte, weil ich diesen Film noch nicht verstehe. Ich verstehe seinen Sinn noch nicht. Ich spüre aber einen enormen Willen, diesen Film verstehen zu wollen. Es wird Zeit für einen tieferen Blick in die Materie

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                                          • 9

                                            Stille. Mein Kopf ist Rührei.
                                            Na ja, nicht ganz, aber ihr wisst was ich meine. Das ist kein Film, es ist ein Erlebnis. Völlig einzigartig, völlig faszinierend, einnehmend. Ich habe alles verstanden, aber für nichts einen Sinn gefunden. Ich habe mitgefühlt aber keine Emotionen erlebt. "Mulholland Drive" ist wie ein magischer Spiegel.
                                            In Worte fassen kann ich diesen wunderschönen, verrückten Fiebertraum nicht wirklich. Aber allein die Vorstellung, auf all die kleinen Details achten zu können, wenn ich ihn ein zweites Mal sehe. Es juckt mir in den Fingern den Film sehr bald wieder anzuschalten.
                                            Intensiv war das Ganze sowieso. Der hypnotische Soundtrack hat mich erstmal ziemlich abgeschreckt. Genau wie die scheinbar betrunkene Kameraführung. Aber irgendwann entwickeln diese ungewöhnlichen Stilmittel einen Sog, dem sich einfach keiner entziehen kann. Und für schwache Gemüter ist dieser Film irgendwie auch nicht. Das hätte ich zwar gerade hier von nicht erwartet, aber ganz am Anfang gab es eine Szene, die hat mir wirklich den Schock meines Lebens eingejagt. Ich hab richtig aufgeschrien. Nach dem Abspann habe ich die Stelle aus Neugierde nochmal abgespielt und bin, ohne es verhindern zu können, gleich genauso zusammengefahren. Ein psychischer Einfluss, von dem man sich unmöglich abwenden kann.
                                            Wie geschrieben, in Worte fassen kann ich den Film noch nicht mal ansatzweise, vielleicht nach ein paar weiteren Sichtungen.
                                            "Mulholland Drive" sollte man definitiv gesehen haben. Es ist eine unvergleichliche Erfahrung, bei deren Erstsichtung vermutlich jeder etwas anderes sieht. Mein erster Lynch und ganz sicher nicht mein Letzter...

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                                            • 10

                                              Nach "Eraserhead", den ich zwar insgesamt zwar gut, aber auch ein wenig zu verrückt fande, habe ich mich nun an "Mulholland Drive" gewagt und er ist direkt in meine Liste der Lieblingsfilme eingekehrt! Dieser Film ist in meinen Augen ein absolutes Meisterwerk und er lässt sich eigentlich kaum in Worte fassen. Schauspielerisch ist er ziemlich stark und die Story ist einfach der Hammer! Während man in der ersten Filmhälfte noch relativ gut der Handlung folgen kann (bzw. glaubt, dass man es kann) wird der Film dann gegen Ende hin so verworren und skurill, dass man überhaupt nicht mehr hinter die Handlung steigt. Wer hier Auflösung erwartet, der wird enttäuscht sein, denn die Auflösung selbst wird einfach in weitere Rätsel gepackt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand direkt beim ersten Mal den Film wirklich versteht, denn ich glaube, dass es unmöglich ist, wirklich jedes Detail richtig zuordnen zu können. Das macht "Mulholland Drive" auch zu einem Film, den man sich mehrmals ansehen kann, da man immer wieder die Story weiter entschlüsseln kann, aber im Moment habe ich noch nicht wirklich das Bedürfnis, ihn noch einmal zu sehen, denn dieser Film verstört! Hier gibt es viele surreale Bilder zu sehen, die einen ziemlich verunsichern und verängstigen und besonders die Szene am Anfang im Hinterhof von "Winkie`s" zähle ich persönlich zu den gruseligsten Filmszenen aller Zeiten. Dazu kommt noch ein genialer Soundtrack, der eine unglaubliche bedrohliche Stimmung erzeugt und Lynch schafft es einfach perfekt, eine unterschwellige Angst zu erzeugen! Besonders das Ende ist dann noch absolut großartig inszeniert und wirkt enorm beängstigend.
                                              Fazit: Alle, die gern bei Filmen miträtseln und unkonventionelle Filme mögen, sollten sich definitiv "Mulholland Drive" anschauen, denn dieser Film lässt einen danach nicht mehr los, zwingt einen regelrecht zum Interpretieren und ist in meinen Augen ein absolut großartiges, unheimliches Meisterwerk!

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                                              • 8 .5

                                                THERAPEUTISCHER SPOILER enthalten

                                                Ein Film wie die Philosophischen Untersuchungen von Wittgenstein: Normalerweise sind Schauspieler und Figur, Namen und Figur, Gegenstand und Gegenstand identitär, das heißt, ein Schauspieler spielt eine Figur, ein Gegenstand hat eine Bedeutung, und die Name-Objekt-Relation von Dingen wird konstant gehalten. Dit is hier nicht der Fall. Der Film besteht im Grunde aus drei Teilen in denen die genannten identitären Beziehungen fast alle hintereinander zerblasen werden und man irgendwann garnicht mehr so genau weiß, "Was jetz was und Wer jetz wer und Wann jetz wann ist" ...Es stellt sich an allen Ecken die skeptizistische Frage, wie denn sich jetzt genau das Ganze auf die Realität bezieht.

                                                Wittgenstein würde sagen: Dat is die falsche Frage. Die Ausdrücke erhalten ihre Bedeutung nicht aus ihrer Beziehung von Bild, Gesicht, Wort zu einer (wie auch immer zu repräsentierenden) Wirklichkeit sondern in Relation zueinander. ...Muss ihn unbedingt nochmal sehen, den Film.

                                                P.s.: Übrigens lassen sich auch die im Internet kursierenden Interpretationen in philosophische Traditionen einordnen. Die bekannteste ist die Traumdeutung, die im Grunde solipsistisch ist, also à la "Ich denk euch einfach weg".

                                                • 10

                                                  Wtf...was für ein Trip, den Grundstein des Films denk ich hab ich Verstanden, ansonsten schwebt über mein Kopf immer noch ein kleines Fragezeichen, wobei man ja David Lynch's Filme nicht wirklich interpretieren sollte, hat mir jemand mal gesagt...

                                                  • 6 .5

                                                    Der Film beginnt sehr vielversprechend und baut über die ersten 2h der Laufzeit eine große Spannung auf. Statt der erhofften genialen Auflösung folgt in den nachfolgenden 30min jedoch ein Trip, der mir scheinbar eine Nummer zu hoch ist. Der Film endet mit riesiger Verwirrung.

                                                    Es mag Zuschauer geben, die Gefallen an Filmen haben, die einen weit über das eigentliche Filmende hinaus fordern und scheinbar nur mit Tipps des Machers selbst aufzulösen sind. Ich persönliche bevorzuge jedoch geschlossene Werke, demnach kann ich mit diesem Film eher wenig anfangen.

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