The Tree of Life - Kritik

The Tree of Life

US · 2011 · Laufzeit 139 Minuten · FSK 12 · Drama, Fantasyfilm · Kinostart
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    - - Die Jedi Ritter alter Tage - -

    Was kann man denn über diesen Film nicht sagen? Rein gar nichts falsches zumindest. Denn Terrence Malick gelang hier ein Film, über den man eben alles mögliche sagen kann. Spott, Hohn, Liebe, Hass, Genie, wieder Liebe, zynische Zeilen, Verklärung oder esoterischer Blödsinn. Alles darf und soll gesagt werden. Malick will es so - davon bin ich nach der nun xten Sichtung überzeugt. 5 Jahre habe ich gebraucht, um mal ein paar Worte zu finden, die mich mit dem Film verbinden. Die Gestirne wandeln langsam und ein kunstvoll verschachteltes Werk wie The Tree of Life braucht vermutlich auch alle Zeit eines Lebens, um im Kopf des geneigten Sehers zu wirken und zu blühen. Man kann The Tree of Life als persönlichsten Film von Malick deuten. Visionär! Ein Wort das ich sonst nie benutze, weil es eben sehr oft, viel zu inflationär verschandelt wird. Es ist eben auch die zurückgezogene Art des Regisseurs. Kaum ein Interview oder ähnliches, keine Audiokommentare oder Making Of's mit seinem Selbst vor der Linse. Dieser Mann spricht nur durch die Kunstform des bewegten wie geformten Bildes, traumwandlerischer Soundcollagen und dem ehrfürchtigen Einsatz von Score und Klassik. The Tree of Life wirkt mit dem Hintergrund an Malicks Alter wie eine Homage, ein Fragment oder eine Erzählung an die eigene Kindheit und Jugend.

    Glaube? Wissenschaft? Autorität? Gehorsam? Liebe? Brüder? Ehe? Tod? Evolution? Wie schemenhafte Erinnerungen Malick's wandern und schleifen die Gegensätze aneinander und die einzigartigen Bilder über die Netzhäute des Zuschauers. Niemals zuvor und bisher nicht wieder gab es solch einen Rausch an Bildern, Eindrücken und Ruhe im Kino. Ein richtiger echter Plot ist vielleicht nicht die große Stärke dieses monumentalen Werkes, aber jeder empathisch, spirituell und poetisch veranlagte Mensch kann hier etwas einbauen, mitnehmen oder sich einfach dem Sog dieses Meisterwerkes der Filmlandschaft hingeben. Malick entführt einen hier mit dem emotionalen Cast in einen Traum, der einen weilen, reisen und glauben lässt. Wobei man das Wort Glaube an sich frei auslegen kann. Ich selbst sehe hier keinefalls einen Werbespot für Übersinnliches, sondern eine Fabel über die Liebe und den Mensch als denkendes, greifendes und störrisches Wesen. Träume. Malick spann einen Anfang dieses Traumes zurecht. Vermutlich die größte aller Filmsequenzen überhaupt. Urknall, Ursuppe, Gaswolken, Strahlen, Wasserstoff und der Werdegang des Universums. Brilliant animiert, wundervoll instrumentalisiert und Gänsehaut pur. Mein Sohn sagte ja vor zwei Jahren, dass The Tree of Life der wohl komischste Dinosaurierfilm aller Zeiten ist. Recht hat er, ohne es genau zu wissen. Dieser Knirps! Da sagte er einfach, dass The Tree of Life ein Dinosaurierfilm sei. Aber auch er schaute ihn mutig bis zum Finale hinaus und auch wenn ihn KEINER in meinem privaten Umfeld mag, kann sich jeder an The Tree of Life erinnern und einzelnes wieder geben, atmen und sinken.
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    Letztes Jahr - im Juli oder August - wollte mein Sohn mit mir wenigstens mal im Garten Zelten. Er mag die Geschichten um meine Ausflüge, traut sich aber (immer noch) nicht mit in den Wald. Wird bauten also unser Zelt vor meiner alten Hütte auf, grillten ein paar Roster, Steaks und einige Scheiben Toast und spielten bis in die späten Stunden dieses Abends Fußball. Das Tor steht immer neben einer alten Kiefer. Diese Kiefer ist nicht einfach ein gerader Nadelbaum, sondern teilt sich in der Mitte auf. Mindestens 15 Meter hoch und wie eine riesige Galbel empor ragend, bestimmt sie das Bild dieses Landstriches. Drum herum noch ein paar alte Schuppen mit Gartengeräten und dem alten Motorrad meines Vaters. Als es dann eben schon sehr dunkel war, rollten wir unsere Schlafsäcke aus, machten die Lampen aus und schauten in die strahlenden und funkelnden Sterne. Wir ließen das "Tor" unseres Zweimannzeltes auf und blickten durch das insektensichere Netz hoch in den klaren Himmel. Überall um uns herum zirpten Grillen und andere Insekten. Wir stritten noch, ob es ein abnehmender oder zunehmender Mond war...egal.

    Da wir kein Smartphone oder der Gleichen bei hatten um unsere gedachten und ausgesprochenen "Fakten" zu untermauern, streuten wir zusammen die ulkigsten Gerüchte im Zelt, stellten die quirligsten Theorien über das Weltall und die Sterne darin auf, verbreiteten Tratsch und erzählten einfach ein bisschen Blödsinn. Wir kicherten ewig und diskutierten über Star Wars(ich wäre sehr froh darüber, würde diese Phase langsam mal aufhören), Halo, Need for Speed, PS4 oder XBone und die Ace Ventura Filme. Ziemlich spät sprach er ein Thema an, auf das ich nicht vorbereitet war. Ein paar Monate zuvor verstarb ja seine geliebte Omi und er erzählte mir, wie es bei der letzten Übernachtung kurz vor ihrem Tod mit ihr war. Sie schauten "Merida", spazierten einige Meter und schauten nochmal alte Fotoalben durch. Er sagte mir, dass er mich als Knirps mit "Hochwasserhosen" und lila Pullover sah und das ich einst ziemlich blöd aussah. Er erzählte mir alles so ruhig und eindringlich, als würde ich genau neben ihm und meiner Mom stehen. Er sprach und sprach von ihr, erzählte nochmal wie sie duftete, wie sie lachte und ihm ein Foto mitgab. Er grabbelte in unserem winzigen Zelt herum und zog seinen bunten Busausweis heraus. Hinter seinem "ich musste leider genau dieses Gesicht machen"-Foto dieses Dauerfahrscheins holte er ein Bild vor, dass sie beide bei einer Sylvesternacht mit bunten Hüten zeigte - überall Konfetti. Es war gar nicht traurig, sondern eben ein letzter Gruß an das Leben und dem Glauben an die Gedanken, Fragmente und Irrlichter der Gefühle.

    Er packte das Foto wieder weg und war einen Moment lang still. Er schaute mit mir hoch in die Sterne und wir sahen zig Flugzeuge vorbei fliegen. Intervall rot, Intervall weiß und so weiter. Er fragte mich, ob sie da oben auf uns vielleicht doch herunter schaut. Glaube? Wissenschaft? Liebe? Wieder Liebe? Vielleicht könne er ihr dann sagen, dass es ihm Leid tut, dass er sie nicht hier halten konnte. Ich sagte ihm nach einigen Momenten der zirpenden Ruhe, dass alles nun mal wandelt, stirbt und wieder auf die Erde gelangt. Und die Lichter der Sterne funkelten. Ich drehte mich zu ihm und lenkte einmal herum. Der Sinn des Lebens. Ich weiß nicht, ob ich ein guter Vater bin - das werden wir sicher alle erst am eigenen Sterbebett erfahren -, aber ich schaute ihn an und er lächelte zurück. Ich erhob die Stimme, wollte ihn aus der Melancholie holen und stellte ihm eine Frage. Er horchte gespannt.

    "Tragen die Jedi eigentlich Unterwäsche?"

    Er zog die Brauen hoch, plusterte mit kindlichem Lachen und drehte sich zurück in sein straffes Campingkissen. "Darüber muss ich nachdenken Papa, aber ich glaube nicht daran. Die haben ja nicht mal Toiletten in den Filmen." Ein hallendes Kichern schlich durch die dünnen Wände unseres Zeltes und der Wind wehte uns ins Land der Träume. Ich weiß nicht mehr genau, was ich träumte, aber könnte ich mir nur einen einzigen Traum einreden, dann wäre es jener aus dem Finale von The Tree of Life. Der Strand...

    For the Roses...

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      RoboMaus 20.10.2016, 12:15 Geändert 24.10.2016, 16:44

      "Es gibt zwei Wege durch's Leben zu gehen: die Natur oder die Gnade", wobei mit "Natur" die niederen Triebe des Menschen gemeint sind, schön von kirchenartigem Orgelgedudel unterlegt......

      Mitnichten. Diese Option stellt sich niemandem, denn jeder Mensch geht natürlicherweise seinen Neigungen nach und folgt damit unweigerlich seiner genetisch-charakterlichen Grundausstattung. Malick erstellt nichts als eine pseudo-intellektuelle Prämisse, in deren Rahmen er seine zusammenhanglos wirkenden, aneinander geschnittenen Bilder und Handlungsfetzen stellt. Dazu murmelt Sean Penn: "Die Welt ist habgierig, und es wird immer schlimmer...". So ein Spruch kommt immer gut - schliesslich sind wir da alle einer Meinung. Habgier ist ja auch etwas ganz Neues in der menschlichen Geschichte....

      Das Weltall, unendliche Weiten, sprudelnde Lava, tosende Wasserfälle, Quallen im Urmeer - nett anzusehen, aber was sollte dieses kitschige, erfundene Mitleid unter Dinosauriern? Eine versteckte Botschaft, dass schon Dinosaurier die besseren Menschen gewesen sein sollen? Dass wir uns bei denen noch eine Scheibe abschneiden können? Auch Schimpansen führen organisierten Krieg.

      Floskeln & flusige Bilder durch die Hälfte des Films, dazu Smetanas 'Moldau' - hübsch, aber dürftig. Jede BBC-Naturdoku ist besser.

      In der zweiten Hälfte, die sich inhaltlich höchst konsequent aus der ersten ergibt, widmet sich Malick der Entwicklung des gottesfürchtigen Brad Pitt und seiner Söhne, deren Selbstzweifel in erquickendem Geflüster vorgetragen sind: "Warum soll ich gut sein, wenn du es nicht bist?" Ja, es ist schon ein Kreuz mit diesem religiösen Eifer, eignet er sich doch ideal für langatmige, aber trotzdem bedeutungsschwanger wirkende, gekonnt zeitlupenartige Handlungsabläufe, gekrönt von einer gefühlt zehnmütigen Strandparty ohne Worte: ein Meisterstück nichtssagender Inszenierkunst.

      ...und was lehrt uns das alles? Brad Pitt ist Brahms-Fan!
      Wie schön ist es doch, vom Baum der Erkenntnis zu naschen ;-)

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        Selten fällt es mir so schwer, etwas zu einem Film zu schreiben, wie jetzt bei "The Tree of Life". Erst einmal muss ich die Eindrücke verdauen, meine Gedanken sortieren. Letztendlich begeistern mich Aronofsky (The Fountain, Noah) und Kubrick (2001) zwar mehr als Malick, aber nichtsdestotrotz ist auch "The Tree of Life" ein großer und einzigartiger Film, den man so schnell nicht vergessen wird.

        Das liegt natürlich zum Einen an den beeindruckenden Bildern über die Entstehung des Universums, der Erde, des Lebens sowie über den unweigerlichen Tod der Sonne und der Erde in ferner Zukunft, zum Anderen aber auch an dem intensiven Familiendrama, welches Malick hier präsentiert. Brad Pitt als autoritärer Familienvater und Jessica Chastain als liebende Mutter spielen wahrlich hervorragend. Auch die Kinderdarsteller können mehr als nur überzeugen, in Nebenrollen sieht man Sean Penn als erwachsenen Sohn Jack in einer Selbstfindungsphase und Fiona Shaw (Tante Petunia) als Großmutter.

        Meine größte Befürchtung war jene, dass sich Malick zu sehr in christlich-spirituellen Themen verheddert, aber dieser Fall trat zum Glück nicht ein. Selbstverständlich nimmt der Gottesglaube einen nicht geringen Teil der Handlung ein, allerdings ist er stets Ausdruck der Charaktere. Malick selbst stellt Gott als ein Konstrukt bzw. eine Metapher dar und lässt seine menschlichen Charaktere wie im echten Leben darauf reagieren, daran verzweifeln und scheitern. Die Antwort auf die Frage, wo, wer oder was Gott ist, überlässt er dem Zuschauer. Teilweise hatte ich das Gefühl, ihn in der alleswissenden Kamera bzw. dem Zuschauer selbst (also mir) zu finden. Als Zuschauer sieht und hört man alles, selbst zu den innersten Gedanken und Gefühlen hat man Zugang. Dies verbleibt jedoch auf dem Stand eines stummen Beobachters, denn so wie im realen Leben sind die Menschen auf sich allein gestellt und ihrem Schicksal ausgeliefert. Von Gott (falls es ihn wirklich geben sollte) ist keine Hilfe zu erwarten, genauso wenig wie vom Zuschauer.

        Darüberhinaus ist "The Tree of Life" eine Liebeserklärung an das Leben selbst, was Malick dadurch bewerktstelligt, dass er das Heranwachsen der Kinder von der Geburt an bis zu ihrer Pubertät auf Schritt und Tritt verfolgt. Mit Sicherheit wird jeder die ein oder andere Parallele zu seinem eigenen Leben in dem jeweiligen Alter ziehen können. So stark wie Malick hier die Wichtigkeit des menschlichen Lebens hervorhebt, verdeutlicht er gleichzeitig dessen Unbedeutsamkeit im Vergleich zur Existenz des Universums. Das Universum existierte schon lange vor den Menschen und wird es auch nach deren Ableben weiterhin tun. Am Baum des Lebens stellt die Menschheit nicht mehr und nicht weniger als ein im Wind wogendes Blatt dar. In gewisser Weise lebensspendend, aber ebenso entbehrlich und vergänglich.

        Nichtsdestotrotz muss sich "The Tree of Life" die Aufzählung einiger Schwächen gefallen lassen. Vor allem im ersten Abschnitt leidet der Filmgenuss an einem unausgegorenen Schnitt. Zu abrupt wirken die Szenenwechsel, der Zugang zu den Charakteren und der Geschichte wird dem Zuschauer somit etwas erschwert. Besonders schade ist dies für Emmanuel Lubezkis Kamerafahrten, da es so scheint, als hätte ihn Malick hier mehrmals ausgebremst. Im weiteren Verlauf kann er zum Glück sein volles Talent ausschöpfen. Obwohl mir Malicks Gedankengänge gut gefallen haben, gehen ihm manchmal trotzdem die Pferde durch. Keine Ahnung, was er sich z.B. bei der Gnadentat des Dinosauriers gedacht hat, aber das war mal ganz grober Unfug.

        "The Tree of Life" ist ohne Zweifel ein polarisierender und sperriger Film. Zuallererst sollte man sich auf dieses Werk und seine Thematik einlassen können, ansonsten braucht man es mit einer Sichtung gar nicht erst zu versuchen. Ich bin froh, dass mir der Film gefallen hat, werde ihn aber definitiv noch mehrmals anschauen müssen, um ihn vollständig verstehen zu können.

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          Open minded ist eine Grundvoraussetzung für THE TREE OF LIFE. Und der Pott Kaffee war auch Pflicht, denn die ersten 40 Minuten waren wirklich unglaublich hart. Was sich dann allerdings entwickelte, ließ mich etliche Stunden nach dem Abspann immer noch nicht los, ließ mich immer wieder innehalten und das Gesehene reflektieren.
          Am TREE OF LIFE hängen eine Menge Fragen, Eindrücke aber auch Gefühle über die eigenen Eltern, übers Eltern sein, über Zeit und Vergänglichkeit. Terence Malick konnte mich hier nicht so killen wie mit dem Meisterwerk THE THIN RED LINE, aber einen Film immer wieder zwischen 5,0 und 9,0 hin und her pendeln zu lassen ohne das der Faden reißt, ist auch schon eine Kunst für sich...

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            Flowrider 09.08.2016, 14:55 Geändert 29.10.2016, 10:51

            Es ist schwer zu bestreiten, dass die Naturaufnahmen von unnennbarer Schönheit sind, aber soetwas sucht man doch in einer Dokumentation und nicht in einem Spielfilm, egal ober nun künstlerisch anspruchsvoll sein will oder nicht. Filme können nunmal nicht zu neunzig Prozent aus Naturpanoramen, animierten Supernoven und eingeflüsterten Bibelzitaten bestehen.
            Insofern ist es mir ein gänzliches Rätsel, warum die Kritiker von Cannes "The Tree of Life" mit der Goldenen Palme preiskrönen, aber Filme wie (erst kürzlich) Ryan Goslings "Lost River" oder Refns "Only God Forgives" als prätentiös verschimpfen.

            Fazit: Naives Kunstkino, das gerne mehr wäre, als es letztendlich ist.

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              Eine Aneinanderreihung von sekundenlangen Sequenzen, ganz schrecklich anzuschauen. Nach 20 Minuten hatte ich keine Lust mehr.

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                Unterwerfung, Hierarchie, Nahrungskette.
                Mikrokosmos, Kosmos, Universum.
                Die adrigen, durchleuchteten Blätter eines Baums, der strömende Fluss des Blutes durch unsere Venen.
                Liebe, Zweifel, Geburt und der Tod.
                Ein Spaziergang durch den Garten des Lebens, ein Herumtollen der Kinder im flachen Bach der verantwortungslosen Glückseligkeit.
                Wir alle waren Kinder, das Erzeugnis der Liebe zweier Menschen oder das extatische Eindringen und Vereinnahmen von Geschlechtsorganen.
                Metamorphose, Zellteilung.
                Der Samen, der Spross über Jahre herangewachsen zum aufzweigenden Baum, dessen Narben tiefer, auf ewig unvergessen bleiben, aber verheilt sind.
                Ein ausgebildetes Nervensystem, das uns die Möglichkeit zum Denken gibt.
                Ein unaufhörlicher, nie stehenden bleibender Fluss der Gedanken.
                Wasser, Wellen, vom Licht getriebene Quallen.
                Gehirnströme.
                Im Federbett in sinnlosen Träumen dahingleiten und wieder zurückkehren ins Diesseits der erfüllten und unerfüllten Sehnsüchte.
                Bruder und Schwester, Familie.
                Die Verzweigung der Natur.
                Unserer Natur.
                Fressen und gefressen werden.
                Das sich drehende Rad am hochgebockten Auto. Unsere Erfindung.
                Das sich bewegende Sonnensystem. Galaxien.
                Den Kuchen essen.
                Einen Baum pflanzen.
                "Wenn der Baum groß ist, bist du längst erwachsen."
                Regeln sind da um gebrochen zu werden.
                Im Himmel wohnt der liebe Gott?
                Vielleicht auch nicht.
                Sich das erste mal den Regeln widersetzen und abends in der Decke eingekuschelt phantastischen Geschichten der Mythologie lauschen, bis man eingeschlafen ist.
                Prägende Momente, Erziehung, das Entdecken der eigenen Verantwortung.
                Strenge, Talent, Lebensweisheiten.
                "Mach nicht den gleichen Fehler wie ich", schallte es aus dem Mund meines, wie sicher auch aus dem deines Vaters.
                Irgendwann, irgendwo.
                Was ist Zeit?
                Das erste mal verliebt sein, es wird bestimmt nicht das letzte mal gewesen sein.
                Den erblichen Fußabdruck hinterlassen in der verwehenden Wüste der Vergänglichkeit.
                Unser Dasein als einzige Beeinflussung durch unsere Umgebung.
                Leben, reich werden, jeder ist seines Glückes Schmied.
                Man darf nie sagen "kann ich nicht".
                Menschlicher Fortschritt sichtbar in den monumentalen Gebäuden unserer Zeit.
                Der Drang alles perfekt machen zu müssen und wenn nicht, dann mit den Konsequenzen rechnen zu müssen.
                "Wie sollen wir Sachen wissen, ohne sie auszuprobieren?"
                Die alles umgebende Pracht im Detailreichtum, die Schönheit der einfachen und komplexen Natur.
                Selbstzweifel, Vergebung, Gnade.
                Respekt, Angst, Tod.
                Die Probleme jedes Einzelnen, das Schicksal unserer Welt, die Bedeutungslosigkeit im Bezug zum gesamten Universum.
                "Glücklich kann nur sein, wer liebt."
                Konvergierende Erdplatten erschaffen Boden für neues Leben.
                Dein Körper verwest, deine Seele verpufft in der Unendlichkeit.
                Neue Triebe entwachsen aus den Überresten, die du hinterlassen hast.
                Ebbe und Flut.
                Ein dauernder Wechsel der Generationen.
                Wozu leben wir?
                Emotionen.
                Leben und Sterben, unüberwindbar.
                Unendlichkeit.
                Der Baum des Lebens.
                Unser Baum des Lebens.

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                • Terrence Malicks The Tree Of Life ist ein Film von gewaltigen Ambitionen und tiefer Menschlichkeit. Nicht weniger als das Abbild aller Existenz durch das Prima einer überschaubaren Zahl menschlichen Lebens: Der O'Brien Familie. Mir fällt nur ein einziger Film ein, der einen ähnlichen Anspruch hat und das ist 2001 - doch dem geht das Humanistische von Malicks Film ab. Malick ist der letzte Überlebende der New Hollywood Generation, dem immer noch und immer wieder solch ein Meisterwerk zuzutrauen ist! Ich kann mich kaum erinnern, wann mich ein Film zuletzt so berührt hat und so viel mit meinem eigenen Leben zu tun hatte. Fast kommt es mir so vor, als ob die Männer in The Tree Of Life ich selbst sind. Hätte ich die Begabung Malicks und müsste einen autobiographischen Film drehen, er würde wohl so aussehen. Wir erleben die Kindheit in einer kleinen Stadt, wo das Leben einfach so fliesst. Ein Vater tritt auf, der Disziplin predigt und eine Mutter, die für Vergebung eintritt. Wir befinden uns auf einer Insel des Müssigangs und nur in dieser Umgebung stellen sich die Fragen nach dem Sinn des Lebens (denn dafür braucht es Zeit). Die drei Jungs der O'Brien Familie sind von der Sonne gebräunt und leicht zerkratzt vom Spielen. Die flüchtigen Eindrücke, die sie von den Geheimnissen der Erwachsenen bekommen, stören sie und erhöhen den Wunsch, selbst möglichst schnell ewachsen zu werden. Ich selbst wuchs auf im Vorort von West-Berlin, dort wo die Mütter aus dem Küchenfenster nach den Kindern sahen und gegen sechs alle rein mussten zum Abendessen. Die Türen der Häuser standen offen und wir fühlten uns beschützt - ich denke von der Unschuld, die so eine Umgebung ausstrahlt. Malick erhielt hier die kongeniale Unterstützung von seinem Produktions Designer Jack Fisk, der die Bilder dieser Kleinstadt Idylle (es muss im mittleren Westen sein) schuf. Wie in seinen letzten Filmen kommt Malick ohne einen offensichtlichen Plot aus. Er zeigt, wie die Sommertage aufeinanderfolgen und lässt seine Figuren dazu monologisieren. Tatsächlich sind es weniger die Gespräche zwischen den Charakteren, als vielmehr die Selbstgespräche, die The Tree Of Life ausmachen. Wir sehen dem täglichen Leben zu. Inspiriert wohl durch Malicks eigene Erinnerungen aus seiner Heimatstadt in Texas wird das Geschehen begrenzt durch 1.) Raum und Zeit und 2.) Spiritualität. Malick führt dazu atemberaubende Bilder vor von der Entstehung und Ausbreitung des Universums, dem ersten Leben und der Evolution. Er landet im Hier und Jetzt - bei uns allen. Durch den Urknall wurden wir erschaffen und heute sind wir - du und ich eben. Aber was folgt danach? Zu beginn werden die Wörter "Nature" und "Grace" geflüstert. Wir erleben, wie die Natur das Leben schenkt und wieder nimmt. Einer der O'Brien Brüder stirbt. Wir können auch der Zeit zusehen: Aus dem jungen Jack O'Brien (Hunter McCracken) wird schliesslich ein Mann mittleren Alters (Sean Penn). Und dann? Ich denke, der Film verspricht ein Nachleben, ein Afterlife. In einer einsamen Landschaft grüssen sich die Menschen feierlich. Ich glaube, dass hier Einklang und absolutes Verständnis herrschen. Manchmal konnte man lesen, dass Mr. O'Brien (Brad Pitt mit Kurzhaarschnitt) eine Figur ist, die zu einseitig als eine Art Dompteuer gesehen wird. Es scheint ihn einzig die Disziplin zu interessieren. Für mich tut er einfach nur das, was er für richtig hält. Mrs. O'Brien (Jessica Chastain, die so ätherisch wirkt) ist verständnisvoller und liebenswürdiger. Sicher, wir sehen eine Familie der 50er Jahre und es ist nichts Ungewöhnliches, dass ein Kind am Essenstisch mal eine reinbekommt. Immerhin entschuldigt sich Mr. O'Brien bei seinem Sohn Jack: "I was a little hard on you sometimes". Der antwortet nur: "It's your house". Jack verteidigt seinen Vater sich selbst gegenüber. So wird man erwachsen. Das alles wirkt in Malicks Film wie ein kurzes Blitzlich des Lebens innerhalb der ewigen Bereiche des Raumes und der Zeit vorgeführt. (Dazu gibts unsere Film List "Mystik" auf cinegeek.de

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                    Habe ca. 30 Minuten darauf gewartet, dass der Film endlich los geht, musste mir dann aber irgendwann eingestehen, dass der wohl so bleibt: aneinandergereihte Naturbilder und absolut keine Handlung. Sorry, aber absolut nichts für mich!

                    Ich sah mich dann - da ich schon begann unter Krämpfen zu leiden - dazu gezwungen abzuschalten.

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                      Der Film ist kein Drama. Kein Fantasy. Es schmerzt auch hier überhaupt das ganze als Film zu bezeichnen. Das einzige was ich persönlich gelten lasse ist eben der Ausdruck Kunstfilm. Was er ja auch ist. Und zum Glück ist Kunst ein sehr, sehr dehnbarer Begriff. 2 Stunden und 20 Minuten die sich eher anfühlen wie 6 Stunden ^^
                      Nach 40 Minuten habe ich auf Pause gedrückt. Meine Freundin und ich haben kurz überlegt und diskutiert was das ganz soll? Sie wollte eher was anderes sehen... ich meinte,.. "Neeeeiin... jetzt wird es dann bestimmt losgehen. Die ganze Zeit nur irgendwelche Naturaufnahmen... jetzt fängt der Film bestimmt gleich an."
                      Naja und als der Film dann zu Ende war, haben wir beide mal ordentlich gelacht. Also, gelacht haben wir während dem Film auch. Eben wegen den ganzen sinnlosen Aufnahmen. Aber nach dem Film... so richtig gelacht. Da wurde der Filmfan mal so richtig verarscht :D
                      Also, ich mag ja eigentlich Naturdokus. Ich mag auch anspruchsvolle Filme.. aber echt jetzt... der hier?!?
                      Falls ich mal Sean Penn oder Brad Pitt über den Weg laufen sollte, verlange ich von beiden eine Entschuldigung :D

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                        Nach einer erneuten Sichtung von Malick's "The Tree Of Life", dachte ich mir, ich lese mein Kommentar durch, welches ich vor zirka einem Jahr geschrieben habe und habe gesehen das ich einige MP-User beleidigt und dadurch negatives Feedback zurückbekommen habe! In diesem Sinne entschuldige Ich mich für mein damaliges Kommentar! Dadurch habe ich mich entschlossen, mein Kommentar von Grund auf neu zu schreiben!

                        Wie oben schon geschrieben, habe ich mir "The Tree Of Life" wiedereinmal angesehen und bin zu dem Entschluss gekommen, dass er nicht nur 10 Punkte Wert ist, nein, er zählt von nun an zu meinen Lieblingsfilmen! Warum das so ist, erkläre ich kurz:

                        Was uns Terrence Malick hier bietet ist kein Film, sondern ein meisterliches Kunstwerk! Es ist ein Genuss, eine Offenbarung, diesen Film zu sehen! Weil einfach alles stimmt! Die traumhafte Musik, die schauspielerische Leistung, die unglaublichen Zitate und die meisterhafte Kamera!

                        Es ist ein Kunstwerk, dass Menschen den Sinn des Lebens zeigt! Sowohl im positiven als auch im negativen Sinne!

                        Fazit: Nicht nur mein längstes Kommentar, dass ich hier je geschrieben habe, sondern auch mein intensivstes, weil es einfach ein unglaubliches Kunstwerk von Film ist, dass sich mindestens eine Sichtung verdient hat!

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                        • Ich fand den Film garnicht toll zuviel Kunst zuwenig Geschichte, das war teils sehr verwirrend! Ich war froh als er zu Ende war ich hab mich furchtbar gelangweilt!

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                            manuella.semyd 30.09.2015, 14:24 Geändert 30.09.2015, 14:24

                            Ich war zuerst sehr gespannt auf den Film. Leider fand ich den Kunst-Anspruch des Films völlig überambitioniert, und die Geschichte die erzählt wird find ich eher mässig spannend, und durch diese unbewussten-ich erzähl mit anderen Perspektiven- Kameraeinstellungen wird die Geschichte auch nicht besser. Was vielleicht noch bei der ersten halben Stunde geht, wird irgendwann fade. Ich verstehe die Idee und finde das auch spannend, kann aber in der Umsetzung echt leider nichts damit anfangen. Weil der Film auf mich neben der langweiligen Geschichte auch noch so überambitioniert wirkt - ist es mein absoluter Hassfilm.

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                              TheBirdman 24.09.2015, 13:29 Geändert 24.09.2015, 13:31

                              "The Tree of Life" spaltet die Massen wie selten ein Film zuvor, die einen lieben ihn, die anderen können mit Malicks Machart nicht groß etwas anfangen. Bedauerlicherweise muss ich mich selbst nach diesem Erlebnis in letztere Sparte eingliedern. Malick hat einen Kunstfilm geschaffen, keine Frage, eine Ode an das Leben, an das Enstehen und den Verfall des Lebens und dessen endgültige Schönheit in seiner Gänze. Dabei ist die erste halbe Stunde wirklich herausragend inszeniert, mit seiner kurzen Einführung in das Leben der Familie O'Brien und den anschließenden Bildern zur Entstehung der Welt. Die Bilder, die wir dabei vor unserem geistigen Auge sehen, sind wundervoll, anmutig und stilbildend zugleich. Doch leider ist diese erste halbe Stunde leider schon das Beste an "The Tree of Life". Denn spätestens ab dem Zeitpunkt verliert sich der Film in seiner Langatmigkeit und der zähflüssigen Erzählstruktur der eigentlichen Handlung, die immer wieder mit pseudointellektuellen Kommentaren aus dem Off untermalt wird. Die Geschichte um die Familie O'Brien wirkt dabei stets so unglaublich banal, dass man schnell anfängt, das Interesse an den Figuren zu verlieren. Da können im Endeffekt nicht einmal die großartigen Performances der Darsteller (Pitt, Penn und Chastain) etwas retten, die ihren Charakteren allein schon durch ihre stellenweise nonverbale Aura Leben einhauchen.
                              Interessanter Kunstfilm, der wiederholt mit dem Vaterkomlex spielt, dessen Botschaft leider etwas auf der Strecke bleibt und einen mit mehr Fragen, als Antworten zurücklässt.

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                                Nach "The Tree of Life" weiß glaube ich jeder, was richtige Kunst und wahre Schönheit ist. Poet des Kinos - so betiteln viele Terrence Malick.

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                                  Irgendwie hab ich die ganze Zeit versucht den tieferen Sinn zu deuten. Bin wohl daran gescheitert. Gerade auch am Ende, wurde es, finde ich, immer verworrener und bevor ich mir eine Interpretation zurecht gedacht hatte, wurde sie auch schon wieder von der Flut der nächsten Bilder zerstört.
                                  Den Grundgedanken versteh ich ja, aber hätte man das nicht ein Wenig kürzer und nicht ganz so verwirrend verpacken können?
                                  Sehenswert aber allemal, gerade auch wegen dem visuellen Aspekt und der beeindruckenden Kameraführung.

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                                    Ioosh698 07.08.2015, 23:05 Geändert 07.08.2015, 23:10

                                    Ioosh und "der Poet des Kinos": Eine Reise durch das Werk des Terrence Malick...

                                    #2 THE TREE OF LIFE

                                    Terrence Malick hat mit THE TREE OF LIFE ein faszinierendes Erlebnis geschaffen, voller Poesie, Philosophie, Gefühl und Kraft. Nachdem ich mir vor kurzem Malicks DER SCHMALE GRAT angesehen habe, welcher meinen Einstieg in die Filmografie dieses Regisseurs darstellte und mich auf einer speziellen Ebene sehr berührte, war ich ja bereits MEHR als angetan was das Können dieses Mannes betrifft, doch das ich dieses Gefühl bei der Sichtung von THE TREE OF LIFE ebenfalls genauso stark in mir spüren würde, wenn nicht sogar NOCH stärker, hätte ich tatsächlich nicht gedacht!

                                    THE TREE OF LIFE ist eine filmische Explosion, ein verdammt eigenwilliger und doch unglaublich berauschender und geheimnisvoller Streifen, in dem sich Terrence Malick in all seinen Vorstellungen sichtlich ausgetobt und dem Film SEINEN ganz persönlichen Stempel aufgedrückt hat, in so gut wie jeder Szene.
                                    Ich glaube man kann es keinem Übel nehmen wenn behauptet wird, dass THE TREE OF LIFE nicht den persönlichen Geschmack trifft, dazu ist der Film, wie schon gesagt, viel zu eigenwillig und einzigartig.
                                    Ja, THE TREE OF LIFE ist letztlich, wie einige andere berühmte Werke der Filmgeschichte, ich denke da beispielsweise an 2001 oder von Triers ANTICHRIST, ein einziges großes Fragezeichen, dessen Antwort wahrscheinlich nur der Regisseur des jeweiligen Filmes lüften und somit Licht in's Dunkle bringen könnte. Doch vielleicht liegt ja genau DA die ganze Faszination die dieses Werk umgibt: Der Drang des Regisseurs sein Publikum zum Nachdenken anzuregen? Der Hang und die Liebe Malicks zur Philosophie? Der Wille des Regisseurs, die Zuschauer daran zu erinnern wo allen Lebens zeitlicher Ursprung liegt? Vielleicht war dies genau die Absicht von Terrence Malick, die Leute zu ermutigen, zum tiefen in sich kehren, zum Rückblick auf ihr eigenes Leben, ihre eigene Kindheit, die Fürsorge und Erziehung der Eltern, alles eingebettet in die Entstehung sämtlichen Lebens? Wer weiß, vielleicht gibt Malick in THE TREE OF LIFE mehr von seinem eigenen Leben und seiner eigenen Kindheit preis als wir eigentlich denken? Sind wir alle nur eine kleine Schachfigur auf einem riesigen Schachbrett, dazu "verdammt" auf ewig verrutscht zu werden? Wie ein Blatt am Baum des Lebens von einer Station zur nächste geweht zu werden, auf der Suche nach Schicksal, Zukunft, Glück und Antworten? Die Vergangenheit durch Seelenreise erforschen und bekämpfen, um so Klarheit und innere Reinheit mit all den offenen Antworten zu erlangen?
                                    Fragen über Fragen und doch (fast) keine Antworten. Terrence Malick lässt in THE TREE OF LIFE alle gängigen Konventionen links liegen und schafft ein bildgewaltiges Kunstwerk ganz nach seinen Vorstellungen. Ich habe versucht den tieferen Sinn in THE TREE OF LIFE zu Suchen und Antworten auf all die vielen Fragen zu erlangen, doch bin dabei kläglich gescheitert. Man muss den Film schlichtweg "geschehen lassen", sich der Geschichte und den zahlreichen visuellen Offenbarungen einfach geschlagen geben um all die Schönheit erkennen zu können die uns Malick hier präsentieren will.

                                    Was Malick und sein Kameramann Emmanuel Lubezki hier für herausragende Bilder gezaubert haben ist absolut großartig um (wie gesagt) eine Offenbarung! Ich mag Lubezki sowieso, doch was dieses Talent hier geleistet hat verdient Lob, großes Lob! Allgemein ist THE TREE OF LIFE optisch ein wunderschönes Gemälde, voll erhabener Schönheit und Stärke.
                                    Wenn die zahlreichen existentiellen Fragen des Filmes, meist begleitet von wunderbar angenehmen Stimmen aus dem Off, von diesen Bildern, wo Terrence Malick mal wieder zeigt das ihm in diesem Bereich kaum ein anderer Regisseur das Wasser reichen kann, perfekt abgerundet werden, dann ist das berührend, wohltuend und meisterhaft zugleich umgesetzt worden!
                                    Die Szenen während der Darstellung des Urknalls und der Entstehung allen Lebens, der Geburt des Universums, haben mich in ihrer Inszenierung und vor allem musikalischen Begleitung so sehr beeindruckt wie kaum ein anderer Filmmoment sonst. Einige mögen diese Szenen langweilig nennen (wie gesagt, kann man wohl keinem krumm nehmen), doch für ist es schlichtweg große Kunst. Ja, Malick mag sich mehr auf seine grandiosen Bilder verlassen als auf seine Geschichte, doch was will man denn tun, wenn man von all dem einfach zu jeder Sekunde in seinen Bann gezogen wird, am ganzen Körper Gänsehaut bekommt und einfach nur dankbar ist, für das was man hier zu sehen bekommt? So tun als wäre es öde, nur weil es jemand anderes vielleicht so empfindet? Nein, ganz sicher nicht!

                                    Die Schauspieler, welche Malick oft nur als eine Art Polster für seinen optischen "Wutausbruch" nutzt, zeigen dabei ebenfalls guten Leistungen. Brad Pitt spielt als harter und strenger Pragmatiker äußerst glaubhaft und macht eine wiedermal richtig starke Figur!
                                    Sean Penn, auch wenn er im Film selbst nicht lange zu sehen ist, gilt für mich sowieso als einer der besten Charakterdarsteller überhaupt und gefällt als an seine Vergangenheit gebundener Sohn Jack auch auf ganzer Linie!
                                    Und Jessica Chastain steht für mich im Kontext der fantastischen Bilder kurz gesagt für die ganze Schönheit und Ausdruckskraft dieses Filmes. Eine talentierte, charismatische, sympathische und wunderschöne Frau ❤️

                                    Es werden ja hier immer wieder Vergleiche zwischen Kubrick und Malick gezogen, das sich diese beiden doch sehr ähnlich wären. Kubrick war DER Perfektionist, bei ihm musste ALLES zu hundert Prozent sitzen und zur Not so oft er es wollte wiederholt werden. Malick jedoch, so habe ich das Gefühl, lässt die Dinge geschehen so wie er es für richtig hält, so wie es seinem Weltbild entspricht, mit "Schönheitsfehlern", wenn es sein muss.
                                    Doch am Ende stimme ich einigen anderen gerne zu, wenn ich sage, das THE TREE OF LIFE Malicks 2001 darstellt...

                                    THE TREE OF LIFE ist, für mich, ein Jahrhundertfilm, ein gigantisches Werk, ein visionärer und berührender Geniestreich von Terrence Malick welcher mir einige Male Gänsehautfeeling bescherte!
                                    Und auch wenn ich es nach einer Erstsichtung eines Filmes eigentlich nicht mehr tun wollte, so kann ich hier nur ein ❤️ vergeben, für diesen tollen Film!

                                    "Glücklich kann nur seiner liebt. Wer nicht liebt, dessen Leben fliegt an ihm vorbei."

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                                      Deusfantasy 05.08.2015, 15:22 Geändert 03.04.2016, 17:01

                                      Eins ist definitiv klar, Terrence Malick hat mit "The Tree of Life" wirklich einen einzigartigen Film geschaffen. Im Vorfeld konnte ich sehr oft lesen, dass man den Film entweder hasst oder ihn liebt. An dieser Aussage ist durchaus was dran, auch wenn ich weder zur einen, noch zur anderen Seite gehöre. Dafür ist mir der Film letztlich einfach zu egal.
                                      Eine wirkliche Handlung gibt es leider nicht, was äußerst schade ist, da die Familie sehr Interessant ist. Die Geschichte um Jack und seine Familie wird größtenteils nur angedeutet, geht aber nicht genug in die Tiefe und steht letztlich ständig im Schatten der philosophischen Perspektive. Dieses Gefühl vermittelte mir auch die beständig an den Charakteren vorbeigleitende Kamera. Dadurch wirken alle Charaktere eher wie Schaufensterpuppen, die gut fürs Bild positioniert wurden. Die Figuren sind für mich somit komplett ungreifbar gewesen und dementsprechend konnten mich die Schicksale so gar nicht berühren. Sean Penns Kurzauftritt fand ich sogar fast schon eher belustigend, da er die meiste Zeit mit gequältem Gesichtsausdruck Fahrstuhl fährt oder an einem Strand spazieren geht.
                                      Auf der Gegenseite muss man dem Film aber auch die wahrlich atemberaubend schönen Bilder zu Gute halten. Eine Bilderkomposition, von der ich tatsächlich viel lieber mehr gesehen hätte, anstatt den oberflächlichen Familienkonflikten zu folgen.
                                      Mich erinnert „The Tree of Life“ irgendwie an einen Tintenklecks auf einer weißen Leinwand. Für die einen ein zutiefst kunstvolles Meisterwerk, für mich lediglich ein Tintenklecks, der eine weiße Leinwand beschmutzt.
                                      Der Film will einfach zu viel, erreicht dadurch aber nur wenig. Ich empfand ihn letztlich als aufgeblähtes, langweiliges, furchtbar prätentiöses Stück Schmu, ohne viel Unterhaltungswert. Die Bilder hauen aber noch einiges zum positiven raus.
                                      Das es auch anders geht, bewies Malick mit "Der schmale Grat", wo er es geschafft hat, einen kunstvollen und philosophischen Ansatz, mit einer wirklichen Handlung und einem größeren Unterhaltungswert zu kombinieren. Ich werde "The Tree of Life" in einigen Jahren aber trotzdem noch eine weitere Chance geben.

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                                        Der Filmtheoretiker Steven Shaviro hat einst folgendes behauptet: "There are two types of cinephiles: those who love 'The Tree of Life', and those who love 'Melancholia'." Tja, wie es aussieht, werde ich mich nach wie vor zu den Melancholia-Fanatikern zählen müssen. Wieso? 'Melancholia' löst in erster Linie folgendes aus: Fassungslosigkeit. Das Ende ist von der ersten Sekunde an offensichtlich, aber dennoch trifft es einen wie ein Schlag ins Gesicht. Was jetzt? Was war das? Wieso das ganze? Worauf will Lars von Trier hinaus? Dadurch, dass er dieses Gefühl der Unsicherheit auslöst, merkt man, dass von Trier hier vor allem auf eines hinaus will: Er will den Zuschauer zur Selbst-Hinterfragung animieren. Ihn zum Nachdenken über den Sinn des Lebens auffordern. Das tut er, indem er den Zuschauer direkt mit seiner Sterblichkeit konfrontiert. Der Tod definiert unseren persönlichen Sinn des Lebens.
                                        Was tut Malick? Er stellt es als Tatsache dar, dass der Sinn des Lebens das Lieben ist, das Lieben der Natur, das Lieben der Mitmenschen, das Lieben von Gott. Im Endeffekt erweist sich das als nervig. Klar, man könnte begründen, dass der Film in erster Linie eine subjektive Sicht ist und dass es hier nicht um das Vermitteln einer Botschaft, sondern um eine filmische (Selbst-)Suche geht. Man muss aber konstatieren, dass der Zuschauer von Malicks Denkprozess nicht ausgeschlossen ist und somit daran beteiligt ist, sprich: Dadurch, dass Malick diesen filmischen Selbstfindungsprozess dem Zuschauer zur Verfügung stellt, macht sich dieser zusammen mit Malick auf die Suche. Was mich also an dem Film letztendlich stört ist dieses förmliche Aufdrücken einer Antwort am Ende: "The only way to be happy is to love. Unless you love, your life will flash by." Dieses eindeutige Zitat einer Figur, mit der Malick eindeutig sympathisiert, führt die Rechtfertigung, dass es dem Film in erster Linie um die Aufforderung zur Selbstreflexion ginge, ad absurdum. Das, was mich daran vor allem stört: Malick lässt den Zuschauer nicht selbst zu der Erkenntnis kommen, er kaut ihm diese Erkenntnis durch dieses Voice Over förmlich vor. Im weiteren Verlauf des Films wird das nur noch bestätigt: Der Erwachsene Jack trifft seine Verwandten in einem Art Paralleluniversum (?) wieder und umarmt sie bedeutungsvoll. Malick bestätigt hiermit die vorhin angesprochene Weisheit und fordert somit nicht wirklich zur Reflexion, sondern eher zur Umsetzung einer von ihm propagierten Idee auf. Als der Abspann anfing, dachte ich mir nur: "Aha, durch Liebe wird man glücklich. Wusste ich vorher schon." Keine Reflexion, nichts. Vielleicht schaue ich schon wieder nur, aber sehe nicht, aber ich erkenne hier beim besten Willen keine Aufforderung zur Reflexion, sondern lediglich eine leicht penetrante Aufforderung, die Natur, Gott und seine Mitmenschen zu lieben. So richtig diese Idee auch sein mag: Sowas ist meines Erachtens für einen so dermaßen hochgelobten Film einfach zu wenig.
                                        Sorry Terry, aber ich bevorzuge immer noch Filme von depressiven Dänen.

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                                          Was soll ich noch großartig sagen? Malicks Werk hat mich zur richtigen Zeit, in einer schweren Phase meines Lebens erwischt und mir Kraft und Hoffnung gegeben. Ich denke der Film ist für jeden eine Bereicherung, egal ob im positiven oder negativen Sinne.

                                          take dat u litte malick haters cuz the tree of life is 1 naise movie okay!?

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                                            Grandiose Bilder und überragende Kamerführung, aber sonst leider einfach nur langweilig.
                                            Bei weitem nicht so stark, wie 2001 - A Space Odyssee

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                                              ...und am achten Tag erschien Terrence Malick und fasste die Essenz der ersten Woche in 139 Minuten zusammen...und fügte noch eins, zwei Updates ein...

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                                                Hi Leute,

                                                eigentlich schreibe ich sehr selten zwei Kommentare zum selben Film. Aber hier muss ich noch einmal meinen Senf abgeben.

                                                Sonntag-Nacht habe ich den mir alleine angeschaut. Ich habe insgeheim gehofft er packt mich wie 2001. Gelobt wird er ja ohne Ende. Auch von meinen Buddies hier.
                                                Umso länger der Film andauerte (ich dachte am Ende ich saß 5 Stunden vor dem Fernseher) desto mehr in Richtung so "What the fuck is that?!"

                                                Mein Urteil direkt nach dem Film war. Das ist hochwertiger Schrott mit unendlichem Inhalt. Anderer seits sagt eine noch tiefere Stimme in mir, man vielleicht bist du noch nicht bereit, das gesamte Ausmaß, was Malick versucht uns vermitteln, zu verstehen. Ich frage mich dann, muss ich das denn überhaupt?! Das hier verstehen?!
                                                Jeder Mensch ist doch am Ende für sein Leben selbst verantwortlich. Ich wusste bereits im sehr frühen Alter. Ich bin ein Teil des Ganzen Universum-Puzzles. Und nur ich alleine kann es lösen. Egal unter welchen Umständen man sein Leben lebt oder welche Erfahrungen oder Eindrücke man im laufe der Zeit gesammelt hat.

                                                So jetzt, gestern Abend habe ich den nochmal mit meinen Kids angeschaut. Die beiden Jungs sind 11 und 9 Jahre alt meine Tochter ist 7 Jahre alt. Ich habe gehofft durch die Augen meiner Kinder die Magie zu entdecken.

                                                Ich versuche so gut es geht meine Kinder frei zu erziehen. Selbstständiges denken und immer nach den 5 Ws fragen (Wer, was, wo, wann und vorallem nach dem Warum).
                                                Meine jüngste, sie wurde einige male sehr emotional und fühlte mit den drei Jungs im Film mit. So wie die anderen beiden auch. Das ist schon mal sehr gut. Mitgefühl ist da, für gleichaltrige fremde Kinder. :) Mein mittlerer meinte und er ist ziemlich aufgeweckt. "Papi was ist den das für ein Schrott". Mein ältester meinte nachdem ich nach seinem Resümee nachfragte. "Irgendwie ist er schlecht aber wieder rum auch gut." Jedoch wollte keiner abbrechen und die drei haben den zu Ende geschaut. Weil sie insgeheim gehofft haben den Sinn zu erkennen!

                                                Mein Fazit: Okay, bei mir war das dann so, er hat sogar noch einen Punkt Abzug bekommen. Und lasse den erstmal Ruhe vergehen. Und denke ich gebe dem noch einmal die Chance in 10 Jahren oder so. Dann sehe ich wirklich ob hier etwas zeitloses erschaffen wurde oder doch nur eine leere Luftblase.

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                                                  was ist Leben und wie wird Leben gelebt? Malick geht aufs Ganze, er will das allumfassende Universum, den unendlichen Kreislauf und er verheddert sich!!
                                                  Finde ich.

                                                  Meine Interpretation:
                                                  Der Baum des Lebens ist die Antwort. Von der Wurzel bis hin zu den letzten Zweigen muss der innere Energie-Fluss gewährleistet sein. Sprich Pflege, Sonne und Liebe. So ist man von Kindesbeinen an, gegen Gewitter und äußere Einflüsse geschützt.

                                                  Kein Wunder das viele Kinder Verhaltensgestört aufwachsen und im Erwachsenen -Alter, Schwierigkeiten mit sich und ihrer Umwelt haben.
                                                  Hier Sinnbild für dieses Scheitern, sind die Eltern der Familie OBrien. Die das beste für die eigenen Kinder wollen und dabei sich in festgefahrene Erziehungs-Ideologien verharren. Die Mutter ist zu arg emotional nett. Das schadet dem Kind Jack und seinen Brüdern, genau so wie die rabiate und dominante Erziehung des Vaters.

                                                  Das Zauberwort heißt HARMONIE und GLEICHGEWICHT. Wenn diese erreicht ist, dann kann braucht man sich nicht mehr vor dem Tod zu fürchten.

                                                  Mein Fazit: Ich habe eine 2001 Familien-Odyssee erwartet. Es wurde so etwas wie eine schwere Geburt des Kosmos mit leichten Komplikationen.

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                                                    "Im mehrfach oscarprämiierten Tree Of Life von Terrence Malick muss eine Familie den Verlust ihres Sohnes verkraften."

                                                    Äh... nein, der hat nicht einen einzigen Oscar abbekommen liebes Moviepilot-Team ;)