The Tree of Life - Kritik

US 2011 Laufzeit 139 Minuten, FSK 12, Drama, Fantasyfilm, Kinostart 16.06.2011

Kommentare zu The Tree of Life

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    timmoe 07.11.2014, 22:13

    Schon für den schmalen Grat konnte ich kaum Verständnis aufbringen und so ist auch "The Tree of Life" ein für mich kaum zu durchdringendes Machwerk. Da helfen auch die fantastischen Bilder nicht.

    • 7 .5
      Martin Oberndorf 27.10.2014, 12:06

      "The Tree of Life" ist eher ein Erlebnis als ein Film. Das gilt, solange Terrence Malick seine ausdrucksstarken Bilder auf die Leinwand bringt, und nicht versucht, eine Geschichte zu erzählen, oder besser gesagt Fragmente einer Geschichte.

      Vielleicht möchte uns der liebe Herr Malick zeigen, was für schöne Dinge das Leben bietet, und in einer Zeit, in der ich denke, dass man den Sinn für das Harmonische und das Herz etwas verloren hat - ich glaub, der Hang zur Begeisterung geht leicht zurück - ist ein Film, der sich Zeit nimmt, den Zuschauer durch die wunderbaren Bilder dieses Universums daran zu erinnern, dass es soviel Schönes auf der Welt gibt, genau das, was einige Misanthropen und Pessimisten brauchen, um sich am Leben doch noch erfreuen zu können.
      Und in diesen Momenten kommt "The Tree of Life" mit einer ähnlichen Wucht daher wie 'Koyaanisqatsi' oder '2001: Odyssee im Weltraum'.
      Mit einer zumeist ruhigen, aber manchmal doch raschen Kameraführung fängt Malick wirklich bombastische Bilder ein, und erzeugt einen Rausch aus Faszination und Überwältigung, und zeigt sowohl die Natur von Mutter Erde, das Universum und überraschenderweise auch die Zivilisation - es gibt z.B. eine Szene, in der durch eine bei Nacht beleuchtete Stadt im Höchsttempo gefahren wird, und deren Lichter somit malerisch verlaufen und Farbenspiele erzeugen.
      Dann aber sehen wir wieder Bilder einer Geburt, oder Leuten, die ihrer (Büro-)Arbeit nachgehen.
      Diese Szenen sind größtenteils unkommentiert, und lassen dem Zuschauer freien Raum zur Empfindung, sie zeigen für mich die Vielfalt dieser wunderbaren Welt, in aller Pracht.
      Es folgen dann animierte Aufnahmen zu Zeiten der Dinosaurier oder des Urknalls, die ebenfalls von Leben und Tod zu erzählen scheinen und Theorien zur Entstehung der Evolution und der Entstehung jeglicher Existenz zeigen.

      "The Tree of Life" zeigt aber freilich auch Bilder religiöser oder esoterischer Natur, aber was ist dagegen einzuwenden? Gehören diese Dinge zur Philosophie und zum Leben nocht auch schon seit jeher dazu?
      Und warum kann man nicht auch ausschließlich an eine allgegenwertige Macht glauben, oder an ein Leben nach dem Tod, ohne, dass man sich an die Schriften eines heiligen Buches binden will.
      Ich bezeichne mich weitgehend als Agnostiker, und als relativ unesoterisch, glaube aber an mein inneres Tier, ohne mich jetzt uneingeschrenkt als Therianthrop bezeichnen zu können.
      Es sind die irdischen, und überirdischen Dinge, sein sie nun existent oder auch nicht, die das Leben ausmachen.
      "The Tree of Life" zeigt all das, stellt nur durch reine Bilder allgegenwärtige und bewusstseinserweiternde Fragen, und ist in der Hinsicht wohl das größte Ereignis, welches filmisch möglich ist.

      Und dann macht "The Tree of Life" aber einen entscheidenden Fehler: er beginnt, diese anhand eines Beispiels zu zeigen.
      Er nimmt dem Zuschauer dadurch die Denkaufgabe ab, er überlässt es ihm nicht, sich zu den Bildern selbst Gedanken und Assoziationen zu machen.
      Gezeigt wird eine Familie in den 1960er Jahren, bestehend aus dem Vater, der Mutter und den 2 Söhnen.
      Die Eltern vertreten zwei komplett gegensätzliche Weltanschauungen, nämlich glaubt die Mutter an die Seele, die Harmonie und innere Kraft, und fühlt mit ihrem Herzen, während der Vater erfolgsorientiert, rational und taktisch agiert, und sich somit von seinem Verstand leiten lässt. Die Söhne erfahren freilich durch die Eltern eine Prägung, in welchem Ausmaß auch immer.
      Diese grundsätzlich interessante Grundidee wird nicht als Geschichte, sondern als Aneinanderreihung alltäglicher Szenen dargestellt.
      Leider, muss ich sagen, passt dieses Element nicht unbedingt in den Film, der alleine durch Bildsprache mehr erreichen könnte.
      Denn wo er noch über weite Strecken unheimlichen Eindruck auf den Zuschauer hinterlässt, und ihn, obwohl er zu keiner Zeit verbal kommuniziert, dazu zwingt, aktiv mitzuerleben - mit der Berauschung stellen sich automatisch auch die philosophischen Ansätze, denn im Betrachter wird etwas ausgelöst - wird er während seiner wirklich filmischen und narrativen Szenen leider fast schon banalisiert.
      Denn so besonders wirkt er nicht mehr, wenn er sich erstmal konventioneller Mittel wie Charakteren, Dialogen oder Interaktion bedient, da man hierdurch auch ganz klare Sympathien aufbauen kann.
      Ich meine, wie sollen Aufnahmen einer Landschaft, einer Explosion oder eines Gebäudes als Identifikationsfiguren dienen? Eben, es geht nicht - der Zuseher ist Teil des Erlebnisses, und ist selbst die Hauptperson. Hat man nun aber die Charaktere und das Geschehen hinzugefügt, so wird der Zuschauer lediglich zum passiven Betrachter und ist nicht mehr aktiver Bestandteil des Films.
      Man kann sich mehr oder weniger zurücklehnen, und ihn wie jedes andere cineastische Werk betrachten.

      Ich persönlich empfinde es so, dass der wirklich erzählerische Teil, der Spielfilmteil, dem unkommentiert dokumentarischen, der in meinen Augen der weitaus bessere ist, im Wege steht.
      Ich bin mir jedoch sicher, dass viele das genau umgekehrt sehen werden.
      Somit bleibt "The Tree of Life" ein toller Film, und ist zu Teilen ein Meisterwerk, als Gesamtwerk kommt er jedoch nicht so hoch hinaus, wie er könnte.

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        Andiko78 21.10.2014, 16:37 Geändert 09.11.2014, 22:05

        Der eine liebt ihn, der andere hasst ihn. Ich gehöre zur Kategorie 1. Wenige Filme spalten die Gemüter so wie Tree of Life. Ich glaube man benötigt für den Film ein gewisses Maß an Sensibilität, der eine hat sie eben der andere halt nicht. Ratio ist hier fehl am Platze. Alleine schon die Entstehung des Universums und im Hintergrund "Lacrimosa" lässt ein förmlich zerfließen. Dann diese intelligente Auseinandersetzung mit dem Vater-Mutter-Konflikt, den jeder Mensch bewusst oder unbewusst hat. Traumhafte Bilder, stimmiger Soundtrack und eine gute schauspielerische Leistung von allen Akteuren. Terrence Malick hat all sein Wissen und Erfahrung in diesen Film gelegt. Einziger Wermutstropfen ist das Ende, welches vielleicht doch etwas zuviel Erlösungsspektakel ist. Aber sonst ist der Film einfach nur schön.

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          sarahtopia 14.10.2014, 20:34

          verwirrt + fasziniert = wow!

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            Steve1306 27.09.2014, 03:11

            Als ich "The Tree of Life" zum ersten Mal gesehen habe, war ich enttäuscht und verwirrt - Jessica Chastain und Brad Pitt zeigen zwar, wie gut sie schauspielern können, die Kameraführung fand ich beeindruckend und die Bilder zwar schön, aber merkwürdig und unzusammenhängend. Das Ende hat mich völlig überfordert, ich habe die Voice-overs einfach nicht begriffen und weder Sinn noch Tiefe in dem Film erkannt.

            Jahre später habe ich dem Film eine zweite Chance gegeben. In der Zeit hat sich vieles in meinem Leben verändert - ein geliebter Mensch ist gestorben und meine Faszination für den Weltraum, für Philosophie, für "die großen Fragen der Menschheit", für unkonventionelle Erzählweisen von Storys (bin nebenbei Autor) und künstlerisch wertvolle Filme wie "2001 - A Space Odyssey" ist regelrecht explodiert.

            Und plötzlich hat "The Tree of Life" mir das Herz gebrochen. Es gibt ganz wenige Filme, die es geschafft haben, mich zum Weinen zu bringen - spontan fällt mir jetzt nur "Dead Poets Society" ein.

            Man muss wissen, was einen bei Terrence Malick erwartet. Christopher Nolan und David Fincher sagten in einem Interview, bei ihm sei es wie bei Kubrick oder Hitchcock - der visuelle Stil, die eingefangenen Bilder, stehen in einer untrennbaren Beziehung zu der erzählten Geschichte bzw. dem Gefühl, das der Film beim Zuseher hervorrufen will.

            Jessica Chastain hat die Dreharbeiten als sehr ungewöhnlich, spontan und offen beschrieben - ich finde es zum Beispiel interessant zu wissen, dass die Jungschauspieler nie das Drehbuch gelesen haben - und dass sich die Szene, in der der Schmetterling auf Chastains Fingern landet, (wie so viele andere) rein zufällig ergeben hat. Von den visuellen Effekten weiß ich, dass für die Weltraumszenen mit echten Flüssigkeiten und Farbstoffen experimentiert wurde, und dass Douglas Trumbull (2001, Blade Runner) dafür zuständig war. Aber ich glaube nicht, dass ich mir jemals ein komplettes Making of ansehen werde - das würde nur die Illusion zerstören. Erwähnenswert sind jedoch noch die beeindruckende Kameraführung (Stichwort Steadicam) und der gelungene, zu jeder Zeit stimmige Soundtrack.

            Ich denke, dass "The Tree of Life" ein Film ist, zu dem man entweder eine emotionale Verbindung hat, oder eben nicht. Er ist voller Philosophie, Metaphern und unbeantworteten Fragen um den Sinn unserer Existenz und wohl ein sehr persönliches Werk für Malick, der damit hauptsächlich ausdrücken will, dass wir alle Erlösung finden können, und dass es zwei Wege durch das Leben gibt - "nature" und "grace", die er in den Naturaufnahmen ausdrückt, und auch auch in den unterschiedlichen Lebenseinstellungen und Erziehungsmethoden von Jacks Mutter (sie steht für "grace") und Vater (er steht für "nature") wiederspiegelt - zwei Lebenseinstellungen, die in Jack miteinander ringen, seit er ein Kind ist.

            Natürlich könnte man den Film an dieser Stelle zu Tode analysieren und Szene für Szene hinterfragen, aber ich belasse es dabei, denn jeder sollte für sich nach seiner Bedeutung suchen. Dass manche absolut nichts mit dem Film anfangen können, verstehe ich gut, weil es mir selbst so gegangen ist. Und wenn man den Film nicht auf einer gewissen emotionalen Ebene sieht, kann man ihm einiges vorwerfen und viel kritisieren. Der einzige Vorwurf, den ich jedoch nicht verstehe, ist dass der Film nicht tiefgründig genug sei. Alleine der Titel "The Tree of Life" / "Der Baum des Lebens" ist ein Motiv, das man in unzähligen Kulturen und Glaubensrichtungen findet, und mit dem wir alle etwas verbinden können.

            Für mich ist "The Tree of Life" mehr als ein Film - er ist ein mutiges, unkonventionelles Kunstwerk, eine Hymne auf das Universum und auf das Leben, ein Hoffnungsschimmer auf Erlösung, ein berührender, atemberaubend schöner Traum.

            "Help each other. Love everyone. Every leaf. Every ray of light. Forgive." - Mrs. O'Brien (Jessica Chastain)

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            • 8 .5
              MrDepad 22.09.2014, 15:50

              Für "The Tree of Life" nahm sich Terrence Malick wieder einige Jahre Zeit, allein 3 Jahre verbrachte er nur im Schneideraum.
              Es ist erneut ein Mammutwerk, das Malick dem Zuschauer bietet. Der Regisseur hat viel zu erzählen, aber noch viel mehr zu zeigen. Genauso wie die einzigartige, faszinierende Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki, der hier eine seiner besten Leistungen überhaupt abliefert, kreist Malick um verschiedene tiefschürfende Themengebiete.
              Überwiegend aus der Perspektive von Jack, einem Architekten, der mit sich selbst im Unklaren ist, spannt der Regisseur erzählerisch einen Bogen rund um die Entstehung allen Lebens, Glaubensfragen, menschliche Konflikte, familiäre Wurzeln oder das Gleichgewicht zwischen Entscheidung und Vorherbestimmung.
              In Verbindung mit der meisterhaft ausgearbeiteten, assoziativ-meditativen Schnittfolge und den einmaligen Bildern von Lubezki nähert sich Malick dem Wesen einer texanischen Familie in den 50er-Jahren an. Genauso fragmentarisch und fetzenhaft wie die Erinnerungsstücke von Jack bietet der Regisseur dem Zuschauer lediglich Eindrücke und lose wirkende Szenensprünge, die er selbst zu einem Bild formen darf.
              Mutig scheut Malick ebenfalls keine inszenatorischen Grenzen und fädelt mitten in die Handlung eine fantastisch aussehende Passage ein, in der er seine eigene Version des Urknalls sowie der Entstehung von Planeten und Lebensformen präsentiert.
              Im Kern geht es aber um die Kindheitserinnerungen von Jack, wie er mit seinen Brüdern aufwächst, wie die Jungs liebevoll und zärtlich von der Mutter aufgezogen werden, aber auch wie sie unter der strengen, autoritären Hand des Vaters (grandios von Brad Pitt gespielt) leiden. Dabei fällt es dem erwachsenen Jack schwer, ein Fazit über sein Leben zu ziehen, seine eigenen Hintergründe einordnen zu können und letztendlich zu verstehen, welche Entscheidungen und Einflüsse ihn zu dem Mann gemacht haben, der er schließlich wurde.
              Aus diesem unkonventionellen Erzählfluss, der aus konkreten Rückblenden, träumerischen Erinnerungsfragmenten, Perspektivwechseln sowie den markanten, tiefgründigen Monologen und teilweise eingestreuten religiösen Zitaten besteht, formt sich ein thematisch tonnenschweres Werk, welches zusammen mit der faszinierenden Inszenierungs- sowie Schnittvorgehensweise und den authentischen Darstellern eine spezielle, einzigartige Seherfahrung formt, die bewusst spaltet.
              Mit "The Tree of Life" schuf Regisseur Terrence Malick, der ohnehin noch nie für leichte Kost bekannt war, so ziemlich seinen kontroversten Film. Die Themenvielfalt, zusammen mit der genialen Inszenierung und der ambitionierten, philosophischen Betrachtungsweise seiner vielschichtigen, oftmals fragmentarischen Erzählung ergibt ein faszinierendes, polarisierendes Werk, welches jeder Zuschauer anders auffassen und verarbeiten wird.

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                BobbyStankovic: www.meinungsimperialismus.de 19.09.2014, 21:27

                [...] Das Prinzip der Natur wird durch die Vaterfigur (Brad Pitt), die Gnade durch die Mutterfigur (Jessica Chastain) verkörpert, dazwischen befindet sich Terence Malicks Alter Ego Jack. Ein kleiner Junge, der sich zwischen beiden Polen bewegt und aufwächst. Gnade und Natur streiten sich, lieben sich und verfechten einen permanenten Kampf mit ihren eigenen Mitteln. Die Gnade versucht durch Liebe und Zuneigung die Gunst der Menschen zu erreichen, die Natur dem unbedingten Memento, man würde in dieser Welt untergehen, begegne man ihr nicht mit Härte. [...] Der Film betrachtet sich selbst als auf die gesamte Welt und Weltgeschichte anzuwendende Prophetie. So gut die Familiengeschichte Jacks auch erzählt sein mag, sie ist großenteils nur angedeutet und immer im gewaltigen Schatten dieser Weltentstehungs/Schöpfungssequenz. Malick provoziert durch diese Überdimensionierung einen Vergleich zu Tarkowskij oder Kubrick. [...] Man muss dem Film zumindest zu Gute halten, dass er mit sehr vielen Symboliken aufweist, die über den ganzen Film verstreut sind und dem Film eine angenehme Tiefe verleihen, z.B. die Baumsymbolik. Allerdings kann ich schon mit der Grundintention des Films nicht viel anfangen und finde die Überdimensionierung des Films, die um eine Vergleichbarkeit mit Noé, Kubrick und Tarkowski bettelt, einfach nur arrogant. “The Tree of Life” wird wohl noch die ein oder andere Chance bei mir bekommen, den langweilig fande ich den Film, hingegen meiner Profilierung eines “Hassers”, nicht. Daher hochachtungsvolle:

                • 6 .5
                  Sonnenverehrer67 19.09.2014, 19:40

                  Dieser Film stirbt in Schönheit. Malick ist einer der letzten visuellen Exzentriker der Filmwelt. Aber Christopher Plummer hat mit seiner kritischen Meinung zu gegenüber Malick schon recht. Er verliert sich in den Bildern, und drückt die Handlung in den Hintergrund, so das von dieser, wie sie im Skript vorhanden ist, nicht mehr viel übrig bleibt.

                  • 7 .5
                    lukas.stracke 17.08.2014, 17:27

                    10 Punkte für Bilder und Musik. Einiges gehört wirklich zum wunderschönsten und ungewöhnlichsten, was es je im Film zu sehen gab. Und dann die Kameraführung von Lubezki! Eigentlich mag ich ja unruhige Kameraführung nicht so sehr, aber hier steckte so viel Vision und Sinn dahinter.
                    Inhaltlich hab ich nicht sonderlich viel verstanden (vor allem nicht die Rolle von Sean Penn) und die Flüsterkommentare haben mich schon etwas genervt. Er fühlt sich auch ein ganzes Stück länger an, als er ist. Am interessantesten fand ich tatsächlich die Sequenz, in der die Frühgeschichte der Erde dargestellt wird, vom Urknall (?), bis zum Aussterben der Dinosaurier. Was hier an Effekten geboten wird, ist atemberaubend.
                    Sicher kein Film, den ich mir so bald noch einmal ansehen werde, aber dennoch sehr ambitioniertes und faszinierendes Kunstkino.

                    • 8 .5
                      Kamil90 27.07.2014, 13:18

                      Ein ganz schwieriges Pflaster von Terrence Malick, welches man vermutlich bloß lieben oder aufs Äußerste hassen kann. Würde man schreiben, dass der Film bloß das Porträt einer Familie aus den 60ern darstellt, müsste man lügen, besteht die erste Hälfte doch fast ausschließlich aus sorgfältig ausgewählten und aneinandergereihten Naturaufnahmen und Kosmosfotografien, welche die Ursprünge unserer Welt, die Suche nach einer Ordnung und unseren Platz als individuelle Menschen in diesem großen Gefüge mit einer schieren Bildgewalt und Wucht symbolisieren. Und auch wenn es in der zweiten Hälfte beim Familienporträt etwas handfester zur Sache geht, so sucht man auch hier eine klare und konventionelle Narrative vergeblich, stattdessen wird man mit einer sehr ungewöhnlich fragmentarischen Erzählweise ohne rechten Fokus konfrontiert. So klingt der Film durchaus nach einer schweren Kost und ich kann jeden Verstehen, der ihn als zu prätentiös und mit zu vielen religiösen Untertönen behaftet abwertet, auf mich hatte der Film aber eine große Wirkung, die ich wohl als "hypnotisch" zusammenfassen würde. Ob man ihn nun dafür schätzt oder nicht, so kann man nicht abstreiten, dass fast jede Kameraeinstellung mit einer derartigen Akribie und einem derartig ästhetischen Anspruch ausgewählt wurde, dass es mir teilweise den Atem raubte und mich dazu einlud die Bilder mit meinen eigenen Interpretationen und Projektionen anzureichern. Der sehr klassisch angehauchte Soundtrack tut da sein übriges, um diesen Film zu einer großartigen Reise aufsteigen zu lassen. Empfehlen würde ich den Film im Übrigen wohl am ehesten, wenn man ihn sich im schönen HD auf einer großen Glotze anschauen kann, da hier die Bestechlichkeit der Bilder wohl ihre größte Wirkung offenbart. Wenn man sich auf unkonventionelles Kino einlassen kann, ist der Film definitiv eine Erfahrung!

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                        TheCineast 26.07.2014, 00:08

                        Das Leben. Zwischen Gott und Evolution. Zwischen Glaube und Glaube. Zwischen Sinn und Nicht-Sinn. Das Leben vor dem Abgrund. Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Müssen wir weitergehen?
                        BLA BLA BLA!

                        Schöne Bilder! Keine Frage. Nette SteadyCam Aufnahmen.. Klar! Aber der Inhalt. Uff! Wenn die angeblich "großen Fragen" gestellt werden müssen, dann doch bitte richtig und nicht absolut zweigleisig. Nicht so ganz flach-philosophisch!

                        • 5 .5
                          manuel.scharrer 15.07.2014, 17:58

                          schöne, atemberaubende Bilder + wenig Inhalt = 3 Stunden Bildschirmschoner

                          Sicher ist dieser Film wahnsinnig gut gemacht und für Filmästheten sicher ein Meisterwerk, aber ich brauche bei einem Film dieser länge doch etwas mehr ... naja, eben etwas mehr. :)

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                          • 9 .5
                            Helmholtz 08.06.2014, 13:30

                            The Tree of Life von Terrence Malick...
                            Was wurde über diesen Film diskutiert, was wurde ihm nicht alles nachgeworfen...
                            Zu religiös, zu aufdringlich, nichtssagend, langweilig und pseudophilosophisch sei er angeblich. Aber vielleicht ist das ja einfach kein Film für die große Masse. Vielleicht muss man Malick ein bisschen verstehen, muss sich mit seinem Werk etwas näher beschäftigen. Denn Malick dreht im Grunde seit Jahren an einem gleichen Film, einem großen Thema. Seine Filme sind Gemälde, vielleicht zwar unterschiedlich in Intensität und Wirkung aber immer doch Bilder des selben Szenarios. Es ist das Bild des Menschen der vor dem Abgrund steht. Malicks Charaktere sie sind immer in schweren Situationen an denen sie zu scheitern drohen, Situationen in denen jeder Verzweifeln würde. Daraus entwickeln sich dann in seinen Filmen die philosophischen Auseinandersetzungen über den Glauben. Mit einer "Bibelstunde" hat das recht wenig bzw. gar nichts zu tun. Malicks Charaktere stehen kurz vor dem Abgrund und schreien in die Dunkelheit, würden gerne eine Antwort hören, aber bekommen sie nicht. Ihre Verlangen nach Vergebung und Vollkommenheit, es wird nie erfüllt werden.
                            Für einen "nichtssagenden" Film sagt "Tree of Life" erstaunlich viel aus hat man hier neben dem philosophischen Teil auch ein (Auto?)Biographischen Ansatz, der das Leben und die Entwicklung einer Familie erzählt und subtil Kritik an patriarchischer und autoritärer Erziehung übt. Es ist ein emotionaler und schmerzvoller Film. Der Schmerz des Menschen, seine Tragik, sein Leben, es ist genauso wichtig und groß wie das Ende einer Galaxie (so meine Interpretation). Und es ist ein Film der grausam sein kann, man denke an die Szene in der Jack seinen Bruder in den Finger schießt.
                            An Erzählung, Kammeraarbeit (wie immer genial: Emmanuel Lubetski), Soundtrack (auch wie immer genial: Alexandre Despalt), dem brillianten Voice-Over, den Schauspielern, dem Schnitt, der Bildgestaltung... Es gibt hier einfach nichts zu meckern (außer vielleicht die etwas dämliche Dinosaurier-Szene, die hätte es nicht gebraucht). Tree of Life bricht mit allen Erwartungen und ist wohl das innovativste und schönste was das Kino in den letzten Jahren hervorgebracht hat.

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                              julia.capulet123 04.06.2014, 11:52

                              Am liebsten würde ich diesem film 0 punkte geben weil er sooooo langweilig ist, aber dass kann ich nicht dafür ist er zu gut umgesetzt.
                              ich finde aber trotzdem nicht das er zu empfehlen ist.

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                                littledrummerboy01 29.05.2014, 07:16

                                Das war es jetzt also, Malicks "bahnbrechendes, das Kino revolutionierendes Meisterwerk". Hm. Also so schlimm wie bei "The Thin Red Line", den ich wirklich nur zu Ende geschaut hab, um darüber allen Frust ablassen zu können, war's nicht. Ein Meisterwerk für mich aber auch nicht. Dass Malick schöne Bilder filmen kann, das wissen wir schon seit einer Weile. Aber leider auch, dass er nicht gerade der Größte ist im Geschichtenerzählen. Und hier scheint es dann teilweise als wolle er sich gleich ganz von der Geschichte frei machen, schafft es aber nicht. Irgendwie hängt hier eben doch alles zusammen, aber irgendwie will es keine Einheit bilden. Er zwingt schönste Bilder nebeneinander, unterlegt alles mit Musik, hat nur wenige Dialoge, dann ab und an wieder seinen Voice-Over Erzähler, aber auch nur mit kryptischen Sätzen. Und da will ich dann ab einem gewissen Punkt schon fragen: Was willst du eigentlich von mir, Terrence? Willst du mir was erzählen oder willst du mir was zeigen. Immer wieder habe ich beim anschauen das Gefühl, dass "The Tree of Life" Malicks "2001" werden sollte. Während Kubrick es in seinem Meisterwerk aber schafft, in der Leere des Alls und dem Tanz der Raumschiffe miteinander tief philosophische Fragen zu stellen und sich um den Kern von Existenz und Leben Gedanken zu machen, so kommt Malick hier aber ziemlich oberflächlich daher. Gerade die Monologe sind teilweise vor lauter Klischees schwer ertragbar. Und auch die Bildersprache: Mal ist Papi böse, mal ist wieder ganz lieb. Und das zeigen wir in den immer gleichen Szenen für eine gefühlte Unendlichkeit. Man sieht dabei dann auch richtig, wie sich Jessica Chastain ihre quasi nicht existente Rolle während des Spiels selbst überlegen muss. Und so verkommt der Film mit fortschreitender Laufzeit für mich immer mehr zum aufgepimpten Showreel eines sehr ambitionierten Kameramannes. Und Malick scheint die Arbeit des Regisseurs auch fast nur auf die Kamera zu reduzieren. Ob das nun visionär bzw. revolutionär im Kino ist, kann man diskutieren. Aber wenn Sean Penn in einem Interview zugeben muss, dass Malick nicht fähig war, ihm seinen Charakter oder die Geschichte schlüssig zu erklären und er während des ganzen Films eigentlich niemals hundertprozentig wusste, wen oder was er da eigentlich spielte, dann klingt das für mich nicht mehr wirklich nach Regie führen. Dabei ist der Gedanke, der wahrscheinlich hinter dem Film und der Geschichte gesteckt hat, gar nicht so uninteressant und hätte vielleicht wirklich zu einem großartigen Meisterwerk umgesetzt werden können, aber für mich ist "The Tree of Life" das nicht. Positiv formuliert scheitert der Film an seinen eigenen Ansprüchen. Malick versucht zu viel in seine Bilder zu packen und verliert den Zuschauer (oder zumindest mich) dabei zuerst emotional sehr schnell (der wow-Effekt der Bilder nutzt sich irgendwann ab) und dann irgendwann geht auch die Aufmerksamkeit flöten. Es scheint, wenn man sich ein bisschen mit dem Entstehungsprozess des Films beschäftigt und ihn unter diesem Aspekt betrachtet, alles so, als hätte Malick die Materie nie ganz durchdrungen. Es fehlt einfach an Konzept. Von daher bleiben nur die Bilder. Und leider muss ich auch da sagen, so relvolutionär sind sie nicht, denn es gibt so viele starke Referenzen zu "2001" im visuellen Stil, bzw. kaum eine Bildkomposition, die man nicht schon so ähnlich einmal bei Fellini gesehen hätte, dass die Bilder nach einer Weile auch nicht mehr alleine tragen. Außerdem geht Malick von Anfang an in die Vollen und kann nicht mehr steigern. So lässt mich der Film am Ende seltsam unberührt zurück, ich habe das Gefühl, dass ich begeistert sein sollte, aber es ist mir einfach egal, was ich gesehen habe. Von daher großen Respekt, das Experiment zu wagen, den Mut zu haben, einen nicht auf kommerzielle Weise gestalteten Film wie diesen produziert zu haben und ich kann den guten Willen dahinter überall sehen. Nur für mich ist das Experiment gescheitert. Aber wer weiß, was noch so kommt von ihm...

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                                  joachim.reinhardt.16 19.05.2014, 14:05

                                  Der Film nervt einfach nur unsäglich ! Öde Pseudo-Kunst-Kacke.

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                                    sachsenkrieger 06.05.2014, 09:07

                                    Wann hat mein Herz dich das erste Mal gespürt? Wann hast du mich verlassen? Wann kommst du zurück? Warum nahmst du mir meine Hoffnung?

                                    Warum schauen wir einen Film? Warum setzen wir uns abends nicht mit unseren Liebsten in den Garten, an den Strand, lauschen den Bäumen oder Wellen, schauen die Wolken und Sterne und bewundern den Untergang der Sonne? Warum bewerten und kommentieren wir Filme? Warum sehen keine zwei Menschen in dieser Welt den gleichen Film? Warum sind wir alle so gleich und doch so verschieden?

                                    Wann schufen wir die Regeln? Wann erfanden wir Gott? Wann druckten wir den ersten Geldschein? Wann zogen wir die erste Grenze? Wann bauten wir die erste Mauer, den ersten Zaun? Wann ließen wir uns das erste Mal kaufen?

                                    "So vielfältig sind die Wunder der Schöpfung, dass diese Schönheit niemals enden wird. Die Schöpfung ist hier. Sie ist genau jetzt in Dir, ist es immer schon gewesen. Die Welt ist ein Wunder. Die Welt ist Magie. Die Welt ist Liebe. Und sie ist hier, jetzt." - Dankgebet der Irokesen

                                    Wann verwandelte sich Liebe in Hass, wann Harmonie in Zorn? Wann endeten unsere Hoffnungen? Wann platzten unsere Träume? Wann verwandelte sich Herz in Verstand? Wann ließen wir unseren Willen brechen? Wann gaben wir es auf, zu kämpfen?

                                    "Im Stamm der Lakota war jeder gern bereit, Kinder zu betreuen. Ein Kind gehörte nicht nur einer bestimmten Familie an, sondern der großen Gemeinschaft der Sippe - sobald es gehen konnte, war es im ganzen Lager daheim, denn jeder fühlte sich an sein Verwandter. Meine Mutter erzählte mir, dass ich als Kind oft von Zelt zu Zelt getragen wurde und sie mich an manchen Tagen nur hie und da zu Gesicht bekam. Niemals sprachen meine Eltern oder Verwandten ein unfreundliches Wort zu mir, und niemals schalten sie mich, wenn ich etwas falsches getan hatte. Ein Kind zu schlagen, war für einen Lakota eine unvorstellbare Grausamkeit." - Luther Standing Bear

                                    Wann schlugst du das erste Mal jemanden? Wann hast du den Respekt verloren? Wann begannst du zu verachten? Wann gabst du die Regeln weiter, die du niemals lernen wolltest? Wann warfst du die Liebe davon? Wann bist du in deinem Inneren gestorben? Wann wurdest du zu einem Teil des Systems? Wann ließest du dich aus dem Paradies vertreiben?

                                    JA, WANN WAR DIESER TAG, ALS WIR DAS PARADIES VERLIEßEN, DAS DAS GROßE GEHEIMNIS FÜR UNS BEREITET HAT?

                                    Wann hörtest du auf, Fragen zu stellen? Wann glaubtest du, alle Antworten zu kennen, alle Weisheit zu besitzen? Wann glaubtest du, besser zu sein als andere? Wann wurdest du selbst zu Gott?

                                    Auch ein Terence Malick hat nur Fragen, keine Antworten. Jeder Zuschauer stellt sich seine eigenen Fragen, macht sich seine eigenen Gedanken, sieht seine eigenen Bilder, hört seine eigene Musik und kommt letztendlich an den Punkt, an dem alle landen. Es gibt keine Antwort. Ich weiß, das ich nichts weiß. Das ist nicht die schlechteste Erkenntnis!

                                    GOOD NIGHT AND GOOD LUCK!

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                                      Kieke 28.04.2014, 11:42

                                      eso-kitsch

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                                        Lydia Huxley 01.04.2014, 21:55

                                        In dem Baum des Lebens ist Jack (Sean Penn) nur ein Blatt im Wind an einem kleinen Ast. Er ist Architekt, wohnt in Houston. Doch die Geister der Vergangenheit haften an ihm. Er schaut zurück, hinunter, zu den Wurzeln, dort wo alles begann...

                                        Die O'Briens sind eine gewöhnliche Familie. So gewöhnlich wie eine Familie im Texas der 50er nun mal war. Jack (hier Hunter McCracken) ist der älteste seiner drei Brüder. Sein Vater (Brad Pitt) ist ein strenger Pragmatiker, von dem Jack sich tyrannisiert fühlt. Seine Mutter (Jessica Chastain) dagegen gibt ihren Söhnen den Halt, den sie brauchen, erträgt in stiller Sanftmütigkeit ihren drakonischen Ehemann.
                                        Aber in Jacks Augen flackert Aufmüpfigkeit auf. Man könnte es wohl einfach als Pubertät bezeichnen.

                                        "Ich bin Jacks entflammtes Gefühl der Ablehnung.
                                        Ich bin Jacks gebrochenes Herz.
                                        Ich bin Jacks vollkommenes Defizit an Überraschungen.
                                        Ich bin Jacks vergeudetes Leben."
                                        (kleiner Fight Club-Insider ;))

                                        Jack nimmt uns mit auf seine kleine Reise der Rebellion, auf seine Sinnsuche und schließlich auf seine Seelensuche.

                                        Malick hat es hier wohl nicht auf einen Plot mit dramatischen Verstrickungen abgesehen, sondern hat über weite Strecken versucht, Gefühle in Bildern zu bannen, hat versucht, die Antworten auf die geflüsterten Fragen visuell zurückzuflüstern. Davon mal abgesehen, dass die Naturaufnahmen wirklich wunderschön sind und in gewisser Weise auch ihren Zweck bei mir erfüllt haben, hätte man sie dezent verkürzen können. Bei einer Gesamtlaufzeit von 2 und 'ner viertel Stunde wirkte diese religiös gesinnte Naturdokumentation teilweise recht ermüdend. Sie ist wohl auch als Schöpfungsgeschichte zu interpretieren, bei der ich mir gewünscht hätte, dass Malick den Part mit den Dinosauriern weggelassen hätte. Die waren wie eine >> Elliot Reid - Momentkiller! << (Scrubs-Insider ;)). Was bei mir größtenteils die Punkte rechtfertigt, ist die Familiengeschichte. Trotz eines fehlenden Plots haben mich die O'briens sehr interessiert, ein einfaches Familienschicksal, dem durch das Drumherum doch so viel Bedeutung eingeflößt wird. Zwischen Zwängen und Konventionen, Freude und Freiheit lässt Malick das Licht fließen, die Blätter in den Bäumen rascheln - ästhetisch, über alles erhaben, völlig romantisiert! Aber irgendwie unvollendet, irgendwie ziemlich oft ziemlich aufdringlich, irgendwie zu gewollt künstlerisch, irgendwie langatmig und irgendwie auch schön, ruhig, warm und hell - wie ein sonniger Tag auf einer Decke unterm Baum. In Verbindung mit Bach, Mozart und Gorecki ist es wie Monets Seerosen in bewegten Bildern.

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                                          sven.etan.binkert 25.03.2014, 01:53

                                          Terrence Malick erklärt uns die Welt. Da kann man nur noch staunen. Aber wichtig ist eigentlich nicht, was er erzählt, sondern wie er es tut: Leidenschaftlich, exzentrisch und absolut fesselnd. Kameramagier Emmanuel Lubezki sorgt für die passenden Bilder. THE TREE OF LIFE ist schlicht und ergreifend überwältigend. Wenn auch, stellenweise, überwältigender Quatsch. Dennoch lohnt es sich, dieses einzigartige Kunstwerk anzunehmen. Und eben: Zu bestaunen.

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                                          • Drehmumdiebolzen 22.03.2014, 12:23

                                            "Es gibt selbstverständlich viele Probleme, die mit dem Leben zusammenhängen; von denen sind einige der bekanntesten: 'Warum wird der Mensch geboren?', 'Warum stirbt er?' und 'Warum verbringt er so viel von der Zeit dazwischen mit dem Tragen von Digitaluhren?' Einer Rasse hyperintelligenter, pandimensionaler Wesen (deren körperliches Äußeres in ihrem eigenen pandimensionalen Universum unserem nicht unähnlich ist) hing es vor vielen, vielen Millionen Jahren dermaßen zum Halse raus, sich ewig über den Sinn des Lebens rumzuzanken, was sie im übrigen bloß in ihrer Lieblingsbeschäftigung störte (dem Brockianischen Ultra-Kricket, einem höchst sonderbaren Spiel, bei dem man Leuten ohne ersichtlichen Grund plötzlich eins auf den Kopf gibt und wegrennt), dass sie beschlossen, sich auf ihre vier Buchstaben zu setzen und alle ihre Probleme ein für allemal zu lösen.
                                            Und zu diesem Zweck bauten sie sich einen kolossalen Supercomputer, „Deep Thought“, der so wahnsinnig intelligent war, dass er, noch ehe seine Datenspeicher überhaupt miteinander verbunden waren, mit „Ich denke, also bin ich“ die ersten Kernsätze von sich gegeben hatte und schon dabei war, die Existenz des Schokoladenpuddings und der Einkommensteuer voneinander abzuleiten, bevor es jemandem gelang, ihn auszuschalten.
                                            Er war so groß wie eine Kleinstadt."

                                            (aus: Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis, Kapitel 25)

                                            Terrence Malick ist wohl auch eine Maus.
                                            Ein scheuer, pandimensionaler Nager, der alle paar Jahre aus seinem Loch in Waco, Texas gekrochen kommt und fieberhaft in den unendlichen Massen, Weiten, Tiefen der Computermatrix nach der einen Antwort sucht.
                                            Eben nach der auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest.

                                            Weder gibt er eine Antwort auf die Frage, noch stellt er überhaupt innerhalb dieses überwältigend bildgewaltigen Opus Magnum auch nur ein einziges Mal jene Frage, denn diese Frage führt nur zu weiteren Fragen wie „Was ist der Mensch?“, „Was ist Schöpfung?“, Was ist Leben, was ist Tod?“ oder eben auch welche von der Sorte „Wer ist denn dieser Gott überhaupt eigentlich?“
                                            „The Tree of Life“ ist sein schwelgerisches Schreiten auf zwei klar vorgezeichneten Wegen durchs Leben.
                                            In Gedanken versunken und verlorener denn je buchstabiert Malick mit Hiobs Botschaft die „Big Bang Theory“ tränenreich von Alpha bis Omega durch und ergründet das Ende der Urzeit auf dem Grund von Douglas Trumbulls Milchschale.
                                            Auf der Reise ins vergangene Ich, das hier alle Jack nennen, findet er nichts weiter vor als den autoritären Vater, der in der freien Wildbahn der „Badlands“ das geliebte Haustier erschießt und die Mutter, die Leben pflanzt und engelsgleich in der Gestalt von Jessica Chastain über dem Ursprung, dem Boden der Tatsachen schwebt.

                                            Am Ende stößt Terrence Malick abseits der Familientragödie dann doch auf eine mögliche Antwort und sie ist mindestens ebenso absurd, unbefriedigend und enttäuschend wie nach 7 Millionen Jahren die ewige 42. Aber immerhin mit kürzerer Berechnungsdauer.
                                            Wenn ein Sean Penn am Strand des eigenen, gequälten Unterbewusstseins womöglich den Himmel auf Erden betritt, erfährt, erlebt, dann ist dabei nichts verloren, aber auch nichts gewonnen. Weder die Erkenntnis von allem und jedem, noch ob Malick in seiner Freizeit vielleicht tatsächlich leidenschaftlich brockianisches Ultra-Kricket spielt.

                                            So ist „The Tree of Life“ in seinem gigantischen, alles umfassenden Universal-Sammelsurium so viel und gleichzeitig doch so wenig.
                                            Mehr "Alles und nichts" als "Alles oder Nichts".
                                            Mehr Nichtsein als Sein.
                                            Doch auch unendlich faszinierend in seinem perfekt durchkomponierten Bilderrausch.
                                            Faszinierend nichtssagend, sozusagen.
                                            Getragen von Brahms, von Mozart, von John Taveners geradezu magischem "Funeral Canticle" und den dezenten Zwischentönen Alexandre Desplats.
                                            Stets mit dem Gedanken spielend, jene bedeutungsschwere Frage zu stellen, doch er scheint zu wissen, dass die richtige Antwort auf die richtige Frage nicht als das einzig Seeligmachende zur selben Zeit existieren kann.
                                            Und der große Deep Thought wusste ja bekanntlich schon: „Ich habe eine Antwort, allerdings glaube ich nicht, dass sie euch gefallen wird.“

                                            Aber keine Panik: Wenn der Baum groß ist, sind wir längst erwachsen.

                                            “The answer to this is very simple. It was a joke. It had to be a number, an ordinary, smallish number, and I chose that one. Binary representations, base thirteen, Tibetan monks are all complete nonsense. I sat at my desk, stared into the garden and thought '42 will do'. I typed it out. End of story.”
                                            (Douglas Adams)

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                                              PommesPapst 16.03.2014, 13:02

                                              Auch wenn The Tree of Life künstlerisch bestimmt wertvoll ist, hab ichs trotzdem nicht ausgehalten, ihn bis zu Ende zu sehen, denn mir war irgendwann so langweilig, dass ich eh nicht mehr aufpassen konnte.

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                                                Träumen Dinosaurier vom immer währenden Glück?

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                                                  Jeder, der den Namen Malick kennt, weiß in etwa worauf er sich bei dem Film einlässt. Der Name Malick steht für metaphysische Feuerwerke aus dem Off. Für Bildgewalt und Ästhetik. Malickfilme sind gefährlich für Zuschauer, die nicht wissen, auf was sie sich bei seinen Filmen einlassen. Denn es kann passieren, dass man überfordert wird. Man wollte doch schließlich nur für 133 Minuten unterhalten werden. Tree of Life ist jedoch kaum Unterhaltung, sondern Schwerstarbeit. Nicht nur, dass man unentwegt und auf direktestem Wege mit den Gedanken des Protagonisten konfrontiert wird - Nein, inzwischen lässt Malick den Zuschauer auch noch mit der Geschichte kämpfen. Denn nicht mal die ist hier auf den ersten Blick zu erkennen. Sicher werden die Umstände im Laufe des Films deutlicher. Doch die Zusammensetzung der Geschichte fordert Aufmerksamkeit.
                                                  Und so schwimmt der Zuschauer in einer Flut von Eindrücken, die er erst einmal einordnen muss. Ich persönlich verstehe die Leute, die dann irgendwann keine Lust mehr auf den Film haben. Aber es wäre wirklich schade, Tree of life als abgehobenen Bildersalat abzustempeln. Denn dieser Film ist unglaublich schön dargestellt. Seit jeher setzt Malick auf natürliches Licht. Doch nebenbei lässt er nun spektakulär Welten entstehen. Er lässt aber auch die kleinen Dinge zu unglaublicher Größe anwachsen. Tree of life muss wie ein teures Buffet genossen werden. Bissen für Bissen. Nur so bleibt von dem Film auch noch Tage später etwas an einem haften.

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                                                    ChaozzZJohnny 20.02.2014, 02:17

                                                    130 Minuten gähnende Langeweile in grandiosen Bildern. Konnte auch mit den Themen (Esoterik, Lebensbestimmung, Ziellosigkeit) nicht sonderlich viel anfangen und der Sakralgesang ging mir gewaltig auf die Nerven. An allen Ecken schreit einem der Film "KUNST!" entgegen, entdecken konnte ich keine. Dafür war die Handlung viel zu dünn, auch, wenn das grundlegende Konzept, die Verbindung allen Lebens auf eine Familie zu übertragen, keine schlechte Idee ist. Was die ständigen kitschigen Phrasen sollten, ist mir nebenbei bemerkt auch ein Rätsel.

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