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Cannes 2009: Inglorious Basterds: Zu wenig Gewalt und zu geschwätzig?
Veröffentlicht am 20.05.2009, 15:16
Einer der am sehnlichsten erwarteten Cannes-Filme in diesem Jahr ist ohne Zweifel Quentin Tarantino s Riff auf Kriegsfilme und Italowestern: Inglourious Basterds. Seit Monaten haben die Fans (und wir natürlich auch) jedes neue Bild, jeden Infofitzel von den Dreharbeiten begierig aufgesogen. Tarantino hat sein Versprechen wahr gemacht und den Film in nur einem Jahr heruntergekurbelt und geschnitten. Das ist im Vergleich zu den alten Italo-Exploitation-Filmern und B-Film-Helden wie Roger Corman zwar immer noch lahm, gemessen an Hollywoodverhältnissen aber dennoch recht flink.
Wir durften also gespannt sein, wie das Werk mit Brad Pitt als Anführer einer Truppe von Nazijägern, schließlich aufgenommen wurde. Heute ist der Film in Cannes gelaufen und die ersten Kritiken lassen ein gemischtes Vergnügen vermuten:
Baz Bamigboye schreibt in der britischen Daily Mail:
“Nicht genügend Skalps in Tarantinos sehnlichst erwarteten Inglorious Basterds. Obwohl der Film gut ist und viele spassige Momente besitzt, ist er eher geschwätzig als actionreich.
(...) Ein nostalgischer Tarantino, ganz sicher, aber ein bißchen mehr Wumms wäre wirklich glorreich gewesen.”
Begeistert ist hingegen Chris Hewitt von Empire Magazin
“Inglorious Basterds ist genauso eigenwillig wie die Schreibweise seines Titel. Ein wunderbar gespielter Film, der die Erwartungen ständig unterläuft. Es könnte das selbstbewussteste Drehbuch sein, das Tarantino bisher verfasst hat.
(...)
Der Film ist natürlich geschwätzig und es besteht kein Zweifel daran, dass Tarantino seine Figuren gerne reden hört, Aber QTs Dialoge sind um so vieles besser, als die von anderen Drehbuchschreibern, dass ich mich darüber nicht beklagen will.”
Die Kollegen von Fluctuat bemängeln, dass der Film eine falsche Erwartungshaltung erzeugt hat:
“Tatsächlich geht es im Drehbuch nicht um den Haufen blutgieriger, jüdischer Soldaten. Es konzentriert sich auf die Figur von Mélanie Laurent und das Pariser Kino, welches sie unterhält. Brad Pitt wiederum hat nur eine Nebenrolle, so kurz ist er auf der Leinwand zu sehen.”
Kirk Honeycutt vom Hollywood Reporter, war ebenfalls nicht so angetan vom Film und hielt seine Eindrücke gleich in einem kurzen Video fest:
Der Filmjournalist Michael Sennhauser hatte eher mit der moralischen Zweifelhaftigkeit des Nazischlachtens seine Probleme:
“Inglourious Basterds ist über weite Strecken recht unterhaltsam. Aber mit der zelebrierten zynischen Gewalt verrät Tarantino den Geist jenes Kinos, das er beschwört. Man kann ganz einfach nicht gleichzeitig naiv und wissend agieren. Was wir so lieben am brutalen Kino der 60er und 70er Jahre, ist seine Eindeutigkeit, seine Entschlossenheit und sein hippiemässiges Anrennen gegen den etablierten Moralkodex. Das hat Tarantino einst begriffen und mit Pulp Fiction umgesetzt. Jetzt will er seinen Kuchen behalten und essen zugleich. Mir hat das auf den Magen geschlagen.”
Die Meinungen gehen auseinander und wir dürfen weiter gespannt sein, bis wir uns endlich ein eigenes Urteil über Tarantinos neuste Eskapade bilden dürfen.
Batzman (Oliver Lysiak) 2009/05/20 15:16:00
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Kommentare
über Cannes 2009: Inglorious Basterds: Zu wenig Gewalt und zu geschwätzig?
alanger 2009/05/20 15:57:01
Ines Walk 2009/05/20 16:19:03
Es wird viel geredet und wie die Welt meint, hauptsächlich in deutsch, auch noch französisch und italienisch. Englisch sei eine Nebensprache in dem Film, und Brad Pitt spielt gar nicht die Hauptrolle: Das ist wohl eine gute Nachricht.
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dAShEIKO 2009/05/20 16:32:48
Man wird sehn...und ich frag mich ja immer noch, ob Expendables der bessere Tarratino sein wird ;)
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samploo 2009/05/20 16:51:39
Wenn man mit falschen Erwartungen an den FIlm rangeht ist man doch selbst Schuld. Solche Kritiker sollten im Vorfeld ueber sowas informiert sein. Ich zB wusste seit Monaten, dass Pitt nur eine Nebenrolle darstellen wuerde und es sich hauptsaehlich um Laurent als Shosanna drehen wuerde.
Ich freue mich nun aber noch mehr auf den FIlm, allein wegen den drei neuen Clips :]
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MovieMuc 2009/05/20 16:51:49
Grundsätzlich frage ich mich, warum wird Tarantino so hochgelobt?! Hab mittlerweile 5 versch. Kinofilme von ihm gesehen und alle sind geschwätzig und manche sind bestimmt keine Leuchten am Filmhimmel. Also bin gespannt auf den neuesten "Genie"-Streich ...
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arnonym 2009/05/20 16:59:34
YEAH!
Ich mag von Tarantino sowieso eher die "geschwätzigen" Filme, weswegen ich diesen vermutlich auch toll finden werde. Nachdem der Trailer sie ein wenig eindämmte brennt die Flamme der Vorfreude nun endlich wieder.
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alanger 2009/05/20 17:04:58
@sampoo: "Ich zB wusste seit Monaten, dass Pitt nur eine Nebenrolle darstellen wuerde und es sich hauptsaehlich um Laurent als Shosanna drehen wuerde." woher? das ganze marketing ging ja in eine ganz andere richtung.
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Ines Walk 2009/05/20 17:36:58
@alanger: Genau und auch nicht Laurent als Shosanna ist die Hauptperson, sondern ... Überraschung: Christoph Waltz.
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cannibal83 2009/05/20 17:46:01
Geschwätzig kann ja sowohl gut als auch schlecht sein. "Jackie Brown" z.B. war geschwätzig und toll, "Death Proof" war geschwätzig und mies. Ich lass mich überraschen in welche Kategorie der neue Tarantino passt.
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feininger75 2009/05/20 17:48:10
Auch Screen Internation hat mittlerweile in den Chor derjenigen eingestimmt, die Basterds bei allen Kudos für Tarantinos Genius für Dialoge zu verquatscht und unfokussiert finden.
Mike Goodrige schreibt:
"The problem is that no one character or set of characters runs through the entire two-and-a-half hour running time, and, with some of the scenes running up to half an hour each, the thread of the drama is left disjointed and the focus ever-changing."
http://www.screendaily.com/reviews/cannes-reviews/inglourious-basterds/5001437.article
Ich wäre nicht überrascht, wenn der Film im Gegensatz zu "Kill Bill" nach dem Festival noch einmal geschnitten und erst in einer gekürzten Fassung ins Kino käme.
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Sonse 2009/05/20 18:07:51
"...und Brad Pitt spielt gar nicht die Hauptrolle: Das ist wohl eine gute Nachricht. […] Christoph Waltz"
Mein Interesse ist damit sprunghaft gestiegen. :)
@Ines: Wenn du den Film schon gesehen hast, wie viel Schweiger (und Küger/Kruger) muss ich ertragen?
Da ich auch "Death Proof" ganz in Ordnung fand (und "Jackie Brown" sowieso), kann man wohl behaupten, dass ich nichts gegen Tarantinos Geschwätzigkeit habe.^^
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cannibal83 2009/05/20 20:09:30
Der Spiegel schreibt dazu: http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,626076,00.html
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alanger 2009/05/20 20:19:15
@cannibal83: sehr gut, danke.
sachma was is mit scarlett, du schaust so anders aus;)?
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hoepperno1 2009/05/21 00:35:16
was soll "geschwätzig" eigentlich bedeuten?
die reden alle nen mist...
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cannibal83 2009/05/21 00:45:14
@ hoepperno1
Ich würde sagen das bedeutet: Viele belanglose Dialoge...
Nicht sonderlich überraschend bei QT, die Frage ist halt ob diese Dialoge funktionieren. Die Presse meint jedenfalls "Nein".
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Ortega Lorre 2009/05/21 01:01:19
Batzman 2009/05/21 02:28:17
Trotz ihrer Dialoglastigkeit empfand ich die ersten Tarantinofilme nicht als geschwätzig, weil die Dialoge Drive hatten und Spaß machten. Bei Death Proof hingegen hab ich mich wirklich gelangweilt und bei den Quasselszenen mehr als einmal gewünscht die Tussis würden endlich die Schnauze halten und die Handlung weitergehen lassen...
Wenn die Basterds genauso laberig sind, dann fürchte ich das Schlimmste.
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Charlie Brown 2009/05/21 05:29:54
Er hat heute in Cannes leicht angedeutet,dass dies nicht das fertige Produkt ist und er nochmal leichte "Korrekturen" machen wird.Samuel L. Jackson als Erzähler fehlt bei der Cannes Version,an der Länge wird was gemacht, 160 min ist nicht die Endfassung etc.....er hat ja noch ca. 3 Monate bis Kinostart.
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Muffin Man 2009/05/21 13:19:36
"Tarantino beginnt mit totalem Stillstand - und nimmt danach langsam das Tempo heraus." Haha, ein herrlich geschriebener Artikel. Die Basterds werden wohl langweiliger Mist wie Death Proof auch.
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MasterTNQ 2009/05/21 16:32:45
@ batzman: Ganz meine Rede. Was in Pulp Fiction noch erfrischend originell und amüsant war, wurde in Death Proof einfach maßlos übertrieben. Die Sinnlosigkeit der PF-Dialoge ist zum Schießen komisch, die Dialoge in DP sind einfach nur langweilig.
Ich ahne Ähnliches bei Tarantinos neuem Machwerk.
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Lykaner 2009/05/25 13:46:10
Bei Tarantino spielt ja die Musik aus Radio, Dukebox etc. immer eine Riesenrolle. Diese hat DeathProof ausgezeichnet, genauso wie die tausend Anspielungen auf andere Filme.
(+ geniale Kamera-einstellungen = klasse Film...meine Meinung)
Bei Inglorious Basterds wird das mit dem Element der Musik zwecks fehlender, passender, oder im Fall von Tarantino völlig gegensätzlicher Musik, ziemlich schwierig umzusetzen.
(vllt. ertönen lustige Schlager aus einem "Volksempfänger" während irgendwer massakriert wird??)
Bin gespannt wie QT das gelöst hat.
Das mit der "Geschwätzigkeit" kann ich mir kaum vorstellen, zumal deutsche Schauspieler noch nie gut im "Schwätzen" waren. (Bitte, bitte Kino-Gott, ich will keinen Til Schweiger in langen Dialogen!!!)
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