Christopher Nolan darf nicht der nächste James Bond-Regisseur werden – er hat seinen 007 schließlich schon gedreht

26.08.2023 - 13:00 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
Daniel Craig als James BondUniversal
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Fans wünschen sich Christopher Nolan als Bond-Regisseur und er selbst ist auch daran interessiert. Dabei hat er den idealen 007-Filme längst gedreht und wäre die falsche Wahl.

Seit Inception, in dem Männer in perfekt sitzenden Anzügen durch Action-Setpieces des verschachtelten Traum-Ebenen-Blockbusters katapultiert werden, wünschen sich Christopher Nolan-Fans den Regisseur hinter der Kamera für die James Bond-Reihe.

Er selbst hat bereits Interesse an 007 bekundet, wäre für mich aber ganz klar die falsche Wahl. Nolan sollte sich nicht nur seine Originalität außerhalb von Franchise-Vorschriften bewahren. Er hat den idealen Bond-Film schon längst gedreht.

Nolan hat Bond-Bedenken, und zwar zu Recht

In einem aktuelleren Interview sprach der Regisseur darüber, dass er sich die Regie für einen Bond-Film definitiv vorstellen kann. Daran ist für ihn aber die Bedingung geknüpft, dass er seine eigene kreative Vision verwirklichen darf und sein Bond-Film eine Art Neuerfindung wird.

Damit sind wir schon beim großen Problem, denn kreative Freiheit ist bei einem beliebten Franchise, das schon 60 Jahre existiert, schwer möglich. Auch wenn die Daniel Craig-Reihe mit einigen Bond-Traditionen brach und die Figur in der Gegenwart hinterfragte, wich sie nie so ganz von der gewohnten 007-Formel ab.

Nolan dagegen bekam Franchise-Grenzen und Blockbuster-Druck selbst schon bei seiner gefeierten Batman-Trilogie zu spüren. Der dritte Teil The Dark Knight Rises war von dem Regisseur anfangs gar nicht geplant und wurde von ihm erst gedreht, als das Studio sich aufgrund des Hypes rund um The Dark Knight einen weiteren Batman-Film von ihm wünschte. So bekommt Nolan dann hohe Budgets und kreative Freiheit für Herzensprojekte wie Inception oder Dunkirk.

The Dark Knight Rises war also schon mal das Ergebnis, wenn ein Regisseur sich kreativem Druck beugt und einen überfrachteten, offensichtlich nicht ganz durchgeplanten Film abliefert. Inhaltlich umstrittene Momente wie die schlechteste Sterbeszene der letzten 10 Jahre hinterließen plötzlich Flecken auf Nolans davor strahlend weißer Batman-Weste.

Tenet ist schon der perfekte Bond-Film im Christopher Nolan-Style

Der wichtigste Grund, der gegen Nolan als Bond-Regisseur spricht, ist aber mittlerweile seine eigene Filmografie. Tenet ist schon der ideale 007-Film, nur eben auf typische Christopher Nolan-Art.

Noch stärker als mit Inception hat er hier einen Blockbuster gedreht, der voller Bond-Markenzeichen ist. Wir haben die maßgeschneiderten Anzüge, eine Geheim-Organisation, den unterhaltsamen Sidekick in Form von Robert Pattinson, eine klar definierte Mission, die Einführung von Gadgets (hier die Erklärung des Inversions-Konzepts) und ein russischer Bösewicht-Stereotyp, in den sich Kenneth Branagh mit Vergnügen stürzt.

Nicht zu vergessen die spektakulären Setpieces, die Nolan dank seiner einzigartigen Zeitreise-Idee ins surreal Überzeichnete verdreht. Action wie in Tenet wäre in einem herkömmlichen Bond-Film undenkbar. Und wir reden hier von einem Franchise, in dem die Hauptfigur irgendwann mit Surfbrett und Fallschirm über einen Tsunami geritten ist.

Christopher Nolan könnte sicherlich locker einen Bond-Film inszenieren. Am Ende würde man sich aber im schlimmsten Fall bei jeder zweiten Szene denken: "Sieht aus wie Tenet, aber schlechter!" Und das kann niemand wollen.

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