Der Film, der Netflix den Oscar wegschnappen könnte: Bewegenden Geheimtipp jetzt streamen

Coda im Oscar-Rennen 2022
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Coda im Oscar-Rennen 2022
20.03.2022 - 11:00 UhrVor 9 Monaten aktualisiert
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Netflix hat mit Power of the Dog einen starken Oscar-Kandidaten im Rennen – aber ein ebenfalls nominierter, zutiefst berührender Streaming-Film verdient mindestens genauso  Aufmerksamkeit.

Nicht bei den großen Streaming-Diensten Netflix, Amazon oder Disney+, sondern bei AppleTV+  schlich sich letztes Jahr Coda ins Herz derjenigen, die sich diese berührend wuchtvolle Entdeckung ansahen. Dieses Jahr wurde das Drama über die hörende Tochter einer gehörlosen Familie deshalb völlig zurecht mit drei Oscar-Nominierungen bedacht.

Netflix vs. AppleTV+: Coda füllt die Stille mit großen Gefühlen

Auch im großen Oscar-Favoriten The Power of the Dog bei Netflix füllen Blicke und Gesten häufig die Leere des Raums. Doch anders als dort, wo eine Anspannung und Bedrohlichkeit über allem liegt, ist die Sprachlosigkeit von Coda mit stillen Unterhaltungen und tiefgehender Zuneigung gefüllt.

Coda: Schaut den Trailer zum Oscar-Kandidaten bei AppleTV+

Coda - Trailer (Englisch Subs) HD
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Ruby Rossi (Emilia Jones) kennt ihr Leben in Coda nur als das einer "Dolmetscherin": Als hörende Tochter von gehörlosen Eltern (Troy Kotsur und Marlee Matlin) und Schwester eines ebenfalls gehörlosen Bruders (Daniel Durant) ist sie deren Schnittstelle zur hörenden Welt. Das heißt, sie muss selbst in ihren jungen Jahren für bürokratische Absprachen mit den Behörden reden und einspringen, wenn es Probleme im familieneigenen Fischerei-Geschäft gibt.

Für die Jugendliche wird diese ständige Verantwortung immer mehr zur Belastung. Denn auch wenn sie ihrer Familie helfen will, hat sie zugleich eigene Wünsche und Träume. Doch würden ihre gehörlosen Verwandten ihren Traum vom Musik-College je verstehen? Regisseurin Sian Heder erzählt diese Familiengeschichte bewegend, aber nie kitschig. Deshalb sollte auch das Netflix-Publikum, das glaubt, mit Power of the Dog sein Oscar-Soll erfüllt zu haben, diesen Film nachholen.

Coda ist ein Remake, das sein Original überflügelt

Umso erstaunlicher ist es da, dass Coda das US-amerikanische Remake eines französischen Kinoerfolgs ist. Denn die Masche, fremdsprachige Erfolge aus Europa in den USA auf Englisch neu aufzulegen, verliert sich meist in der Bedeutungslosigkeit einer blasseren Kopie (siehe Bella Martha und Rezept zum Verlieben, Ziemlich beste Freunde und Mein Bester & Ich, etc.).

Original & Remake: Verstehen Sie die Béliers? und Coda

Bei Coda allerdings gelingt das Kunststück eines besseren Remakes. Obwohl Verstehen Sie die Béliers? im Jahr 2014 durchaus eine unterhaltsame Tragikomödie war, bringt das US-Remake bei AppleTV+ deutlich mehr Eindringlichkeit und emotionale Tiefe mit und kombiniert das zusätzlich mit dem wahren Hintergrund der Konflikte um die Fischereiindustrie in Massachusetts.

Dass Coda die Béliers überflügelt, mag zum einen daran liegen, dass diesmal talentierte gehörlose Darsteller:innen ihre Situation selbst vermitteln. Zum anderen begibt sich Coda aber auch mutiger dorthin, wo Familie wehtut: wo nämlich Freiheitswille und Familienzusammenhalt aufeinanderprallen. Ruby liebt ihre Familie, das ist nicht zu übersehen. Doch dass genau die Menschen, die sie am meisten brauchen, ihr die Zukunft verbauen könnten, ist eine bittere Wahrheit.

Coda geht ins Rennen um den Oscar – aber kann er Netflix wirklich gefährlich werden?

Bei den Oscar-Vorhersagen (z.B. von Gold Derby ) hat The Power of the Dog klar die Nase vorn. In vielen seiner 12 Kategorien wird Jane Campions Drama als Favorit gehandelt. Doch dass Coda mit seinen drei Oscar-Nominierungen (Bester Film, Bester Nebendarsteller und Bestes adaptiertes Drehbuch) doch noch mindestens eine Trophäe abstauben könnte, ist gar nicht mal unwahrscheinlich.

Coda: Rubys gehörlose Familie

Coda legte bei Goldderby einen beachtlichten Umfrage-Aufstieg beim potenziellen Gewinner des Besten Films hin und gewann in den letzten Wochen stark an Popularität. Sian Heders Drehbuch-Adaption zeichnet sich wiederum als hervorragendes Positiv-Beispiel für die schon erwähnte Neuauflage eines bekannten Stoffs aus (der manche Deutsche vielleicht auch an Jenseits der Stille erinnern wird).

Der gehörlose Troy Kotsur, der in Coda Rubys Vater Frank spielt, hat außerdem nach der aktuellen Prognose , sogar bessere Chancen auf den Nebendarsteller-Oscar als Netflix' Stars Kodi Smit-McPhee und Jesse Plemons. Zugleich steht er mit dem Rest der Rossi-Familie für ein überaus überzeugendes Gesamt-Ensemble ein. Letzteres wurde – ebenso wie Kotsur – bei den SAG Awards ausgezeichnet, was ein gutes Zeichen für die Popularität des Films in der Academy darstellt.

Am Ende definiert natürlich nicht die Anzahl der gewonnen Academy Awards den Wert eines Films. Selbst wenn Coda keinen einzigen Oscar gewinnen sollte, ist und bleibt er ein fantastischer Film, den aktuell noch viel zu wenige gesehen haben. Wenn seine Oscar-Nominierungen ihm mehr Aufmerksamkeit verschaffen, ist das genaugenommen schon ein Gewinn. Denn ein großes Publikum zu erreichen bleibt für einen Film bei AppleTV+ ungleich schwerer als für einen Netflix-Erfolg.

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Habt ihr Coda bei eurer Oscar-Vorbereitung schon gesehen oder euch auf Netflix beschränkt?

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