Es ist ein Trauerspiel, was gerade mit Yellowstone passiert – das hat die erfolgreichste US-Serie nicht verdient

11.02.2024 - 10:00 UhrVor 15 Tagen aktualisiert
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Nachdem Kevin Costners Western-Serie Yellowstone ein neues Hit-Universum ins Leben gerufen hat, leidet sie aktuell am Streit hinter den Kulissen – und ich auch.

Yellowstone ist die derzeit erfolgreichste US-Serie. Doch obwohl viele Deutsche durch die Veröffentlichung der ersten 3 Staffeln bei Netflix gerade erst das Phänomen entdecken, steckt der Serien-Hit zugleich in seiner tiefsten Krise. Und das bereitet mir als Fan des Western-Universums Sorgen.

Es gibt viele Gründe, sich für Yellowstone zu begeistern, wenn Intrigen, starke Figuren und schöne Landschaften in einer modernen Western-Erzählung Hand in Hand gehen. Aber wenn die Machenschaften der Familie Dutton von den realen Streits der Filmschaffenden überlagert werden, hat die Serie ein Problem. Auch deshalb, weil sich das bald in der Qualität niederschlagen dürfte. Und Yellowstone das wirklich nicht verdient.

Die Yellowstone-Krise mit Kevin Costner in Kürze erklärt

Bereits im Mai 2023 erreichte uns die Hiobsbotschaft: Trotz ihres Erfolgs wird die Serie Yellowstone nach Staffel 5 abrupt abgesetzt. Der Grund ist ein Krach hinter den Kulissen und im Mittelpunkt steht dabei, wie leider allzu häufig, das schnöde Geld.

Bereit, Yellowstone zu begraben?

Was genau ist bei Yellowstone passiert? Hauptdarsteller Kevin Costner ist mit seinem durch Yellowstone aufpolierten Star-Status in der Lage, sein Herzensprojekt, das Western-Epos Horizon zu drehen. Dadurch bleibt ihm aber weniger Zeit für die Serie über die Familie Dutton, deren Patriarch er spielt. Er soll mehr Gehalt und weniger Drehzeit bei Yellowstone gefordert haben, was dem Serienschöpfer Taylor Sheridan bitter aufstieß. In der Konsequenz sah es nach einem schnellen Ableben für Costners Figur aus. Mittlerweile soll die kommende zweite Hälfte der 5. Staffel die Serie sogar ganz beenden. Wahrscheinlich ohne den Star.

Kevin Costner drohte daraufhin, den Yellowstone-Schöpfer zu verklagen, weil ihm für die unvollendete 5. Staffel sowie für die abgesägten Staffeln 6 und 7 eine 24-Millionen-Dollar-Gage zugesagt worden war. Unterdessen fordern auch drei weitere Hauptdarsteller:innen ein höheres Gehalt, während Serienschöpfer Sheridan für die Nutzung seiner Ländereien als Drehort ordentlich Geld einstreicht. Ach ja, und Cole Hauser wurde von Taylor Sheridan verklagt, weil die Schrift seiner Kaffee-Marke offenbar zu sehr dem Logo von Sheridans Ranch ähnelt. Kurzum: Es herrscht ganz offensichtlich Stunk zwischen Schöpfer und Stars.

Ist Yellowstone der Erfolg zum Verhängnis geworden?

Wer ist unsympathischer: Derjenige, der mehr Geld für weniger Arbeit fordert oder derjenige, der seine Stars vielleicht nicht ausreichend bezahlen will? Und was ist überhaupt "ausreichend" im Filmgeschäft? Ich will mich als Außenstehende ohne Einblicke in tiefere Beweggründe nicht auf eine Seite stellen. Deswegen fühle ich mich wie ein Scheidungskind, das unter der Gesamtsituation leidet.

Yellowstone-Cowboys: Rip, Kayce und John Dutton

Denn die schöne Aufstiegsgeschichte von Yellowstone, die einst von HBO abgelehnt wurde, um dann bei Paramount Network und Paramount+ zum Serien-Hit zu avancieren, erhält einen bitteren Beigeschmack. Dabei begeisterten zuletzt auch die zwei Ableger 1883 und 1923 als gelungene Western-Geschichten und zementierten die Qualität des Yellowstone-Universums.

In meiner Euphorie über die gelungenen Prequel-Serien der Familie Dutton vergesse ich gelegentlich, dass die letzte Yellowstone-Folge (das Midseason-Finale der 5. Staffel) in den USA im Januar 2023 ausgestrahlt wurden. Eine mehr als 12-monatige Pause mitten in einer Staffel ist keine normale Wartezeit. Ob die übrigen sechs Episoden der fünften Staffel wirklich 2024 kommen, ist fraglich. Das sind düstere Vorzeichen für das Serien-Finale von Yellowstone.

Der Yellowstone-Streit kann sich nur negativ auf die Geschichte der Serie auswirken

Nach dem Marathon-Lauf, den Yellowstone als Hit-Show mit aktuell zwei veröffentlichten und drei weiteren geplanten Spin-offs hinlegte, strauchelt die Hauptserie auf den letzten Metern. Und egal, wie erfolgreich die Tochter-Serien noch werden: Der getrübte Ruf der Mutter-Serie wird auch an ihnen nicht spurlos vorübergehen.

Erst recht, wenn durch den Streit das Yellowstone-Ende zerfasert, statt mit einem durchdachten Paukenschlag abzutreten. Wie sollen die letzten Folgen das überstürzte Finale noch retten, wenn die Hälfte der Besetzung streikt? Es kann nur unbefriedigend sein, wenn der Familienpatriarch John Dutton in der Staffelpause aus der Serie geschrieben wird. (Ob Kevin Costners jüngstes Signal zur Yellowstone-Rückkehr nach dem eskalierten Streit bei Taylor Sheridan auf fruchtbaren Boden fällt, ist fraglich.)

Yellowstone bald auch ohne Beth?

Eigentlich sollte die angekündigte Sequel-Serie 2024 die Dutton-Geschichte mit bekannten Familien-Mitgliedern fortsetzen. Doch plötzlich ist nicht einmal mehr die Beteiligung von Costner-Ersatz Matthew McConaughey sicher. Da außerdem Luke Grimes, Cole Hauser und Fanliebling Kelly Reilly mit ihrem Gehalt unzufrieden sind, scheint die Kernfamilie der Duttons vollends zu zerbrechen. Aber was bleibt mir als Fan noch, wenn die wichtigsten Stars das Serien-Universum verlassen? Eine Anwaltsserie mit Wes Bentleys Jamie Dutton und seinen Daddy-Issues, die keinen Daddy mehr haben?

Mittlerweile fürchte ich, dass Taylor Sheridan einfach den gesamten Dutton-Clan der Gegenwart killt, um diesen unliebsamen Streit ein für alle Mal zu beenden und den steigenden Gehältern zuvorzukommen. Schließlich hat er genug Spin-offs und Prequels ins Leben gerufen, um Yellowstone in anderen Epochen weiterzuführen. Unabgeschlossene oder "falsch" beendete Geschichten können allerdings selbst Serien-Giganten auf die Füße fallen (siehe: Game of Thrones). Wenn dieser Streit letztendlich das Erbe einer eigentlich hervorragenden Erzählung zerstört, wäre das wirklich jammerschade.

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