Game of Thrones - 6. Staffel, 7. Folge im Recap

Game of Thrones - "Talk to the hand ..."
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moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

Ist alles nur ein Traum? Mit einer idyllischen Landschaft wird die Game of Thrones-Episode The Broken Man (DT: Der Gebrochene) eröffnet, weit und breit keine Zivilisation, kein Krieg. Eine frische Leinwand in saftigem Grün, auf die ein paar Menschen zarte Striche ziehen. Gemeinsam bauen sie eine Septe, ein Gebetshaus für die Gläubigen der sieben Götter, wie es in prachtvollem Stein derzeit dem High Sparrow (Jonathan Pryce) in King's Landing zur Verfügung steht. Es ist ein unwirklich friedvoller Ort und für eine Sekunde mag man denken, der Hound Sandor Clegane (Rory McCann) hätte sich nach seinem Tod im Paradies wiedergefunden. Natürlich wird sich diese Hoffnung dank der grausigen Rahmung am Ende der Folge als trügerisch herausstellen, während Arya Starks (Maisie Williams) blutiger Spaziergang durch Braavos einen regelrecht beten lässt, es handele sich nur um einen bösen Traum - und das sicher nicht, weil ihr Handlungsstrang so unglaublich brillant konzipiert wurde. Souveräner schneidet da Neuling Lyanna Mormont (Bella Ramsey) ab, die trotz ihrer Jugend Weitsicht und Durchsetzungskraft beweist. Meine Stimme für den Eisernen Thron hat sie.

Deadwood-Star Ian McShane kehrt ins frühere HBO-Heim zurück, um uns als Prediger Ray nach dem Cold Open praktischerweise daran zu erinnern, wie wir den Hound zum letzten Mal gesehen haben: schwer verwundet und von Arya sich selbst überlassen. Ray rettete dem "Gebrochenen" das Leben, er half einem Fremden. Die Besetzung von Ian McShane zahlt sich in dieser eigentlich viel zu kleinen Rolle aus. In wenigen Szenen schafft es McShane, das beruhigend Hoffnungsvolle dieses Mannes auszudrücken, der, wenn auch kein Leben in Sicherheit, so doch eines im Guten verspricht. An seinen Händen kann man aber das vergossene Blut früherer Jahre noch erahnen.

Er unterscheidet sich vom High Sparrow, der sich zu Ray eher verhält wie Cy Tolliver zum späten Al Swearengen (um mit diesem wenig stichhaltigen bzw. allzu stecherhaltigen Bordell-Kirchen-Vergleich den HBO-Kreis zu schließen). Der High Sparrow zeigt sich in seiner laufenden Bekehrung von Margaery (Natalie Dormer) wider aller weltlichen Entsagung als Machtmensch. Er hält sie an, Tommen Baratheon (Dean-Charles Chapman) einen Erben - und damit der Säule seines Glaubens ein in Zukunft sicheres Fundament - zu "schenken". Er instrumentalisiert ihre (vorgespielte) Läuterung für eigene Zwecke. Nun solle sich die Gute doch auch im Bett empfänglich zeigen. Passenderweise treffen wir den High Sparrow auch in dieser Folge von Game of Thrones in einer kerkerartigen Kapelle an. In einer Handvoll Einstellungen wird diese meist eingefangen, am liebsten in Form eines rigiden Längsschnitts, der auf klaustrophobische Schattenkuppeln blicken lässt, unter denen die Ratsuchenden sitzen wie in einem Film noir-Verhörraum. Dem gegenüber steht in The Broken Man die flüchtige Durchlässigkeit von Rays Gemeinde.


Während der High Sparrow bei Cerseis Strafwanderung durch die Stadt die innere Reinigung durch die öffentliche Bloßstellung erzwang, wird kein symbolischer Gang der Welt Ray von den Schreien der Mutter befreien, deren Sohn er einst tötete. Statt Lippenbekenntnissen rät er zu guten Taten. Dabei kann Autor Bryan Cogman bei der Gegenüberstellung der beiden Glaubensmänner auf eine der berühmtesten Passagen aus dem Lied von Eis und Feuer von George R.R. Martin verweisen. Darin werden die "bösen Männer" von den "gebrochenen Männern" differenziert, einfachen Leuten, die sich als Soldaten ein Abenteuer versprechen und stattdessen vom Krieg gebrochen werden und dessen Gewalt in marodierenden Banden weitertragen. Während im Buch zunächst aus der Distanz über diesen Menschentyp gesprochen wird, lässt Cogman Ray sofort von seinen eigenen Erlebnissen erzählen ("I was a soldier once."), die sich direkt auf den anwesenden Hound beziehen lassen. Das Surreale der ganzen Situation wird nur noch verstärkt, als die Männer der Bruderschaft von Beric Dondarrion auf den Plan treten, die offenbar dazu übergegangen sind, andersgläubige Zivilisten zu massakrieren. Als Subplot innerhalb einer sorgsam aufgebauten Welt erscheint die Hound-Episode wie so vieles in dieser 6. Staffel von Game of Thrones überstürzt. Eben so, als seien die Autoren dazu angehalten, zum Wohle der Handlung bloß nicht bei moralischen Krisen zu verweilen. Innerhalb der Folge allerdings bildet der kurze Traum eines friedlichen Beisammenseins eine gelungene symbolische Rahmung der diversen Verhandlungen von Jon (Kit Harington), Sansa (Sophie Turner) und Davos (Liam Cunningham), Olennas (Diana Rigg) Abkanzelung von Cersei (Lena Headey) und Jaimes (Nikolaj Coster-Waldau) Verhandlung mit dem Blackfish Brynden Tully (Clive Russell).


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