Mein Herz für Serie

Pushing Daisies - Kuchen, Mord & Gänseblümchen

Pushing Daisies: Warum Mord, Kuchen und Popupbücher richtig gut zusammen passen
© Warner Bros.
Pushing Daisies: Warum Mord, Kuchen und Popupbücher richtig gut zusammen passen

Manchmal ist es wie verflucht. Immer, wenn ich eine Serie wirklich mag, dann wird sie abgesetzt. Und das nicht nach einem langen, schönen Serienleben, sondern oft bereits nach nur ein oder zwei Staffeln. Ob das nun mein persönlicher Fernsehfluch ist oder die Tatsache, dass ich nunmal ein Herz für äußerst seltsame TV-Konzepte habe, bleibt dahingestellt.

Life. And death. And life again.
Pushing Daisies ist die wohl farbenfrohste Krimiserie, die ich gesehen habe. Hauptfigur ist der Pastetenbäcker Ned (Lee Pace), der die Gabe hat, Tote mit einer Berührung wieder zum Leben zu erwecken. Die Sache hat nur einen Haken: Wenn er sie nicht innerhalb von sechzig Sekunden noch einmal berührt, dann tritt die nächste lebende Person in der Nähe an dessen Stelle. Diese leidige Erfahrung muss Ned im Alter von zehn Jahren machen, als er seine Mutter wiedererweckt und beobachtet, wie der Vater seiner besten Freundin Chuck (Anna Friel) deshalb stirbt. Lange hat er nichts davon, denn als seine Mutter ihm das nächste Mal einen Gutenachtkuss gibt, verabschiedet sie sich wieder aus dem Leben. Durch den Tod ihrer Elternteile werden die Freunde getrennt, können einander und ihren ersten Kuss aber nie vergessen.

Jahre später treffen sie wieder aufeinander, jedoch könnten die Umstände nicht ungünstiger sein. Chuck ist nämlich tot. Ned erfährt davon nur zufällig, da er eine Vereinbarung mit Detektiv Emerson Cod (Chi McBride) hat, dem er hilft, Fälle zu lösen, indem er die Toten erweckt und nach ihrem Ableben fragt. Eine dieser Toten ist Chuck. Wie ihr euch denken könnt, bringt Ned es nicht über sich, sie wieder ins Jenseits zu schicken, was Emerson gar nicht gutheißen kann, selbst wenn „nur“ ein grabraubender Totengräber an Chucks Stelle getreten ist. Fortan lösen sie zusammen Fälle, während Ned und Chuck nicht nur damit zu kämpfen haben, dass keiner wissen darf, dass sie wieder lebt, sondern auch mit ihren Gefühlen zueinander, denen sie dank des Berührungs-Problems nicht nachgehen dürfen.

I spent so much time praying, I’ve run out of things to say. I’m having awkward silences with God!
Quietschbunte Farben, eine tragische Liebesgeschichte, verrückte Charaktere, absonderliche Krimifälle und Kuchen. Ich hätte nicht gedacht, dass aus so einer Kombination eine meiner Lieblingsserien entstehen würde. Wie ich bereits beim letzten Mal erzählt habe, habe ich eine Schwäche für interessante Charaktere und ich habe selten so absurd-liebenswerte Figuren erlebt, wie in Pushing Daisies. Wir haben zwei käseverrückte Tanten (Swoosie Kurtz und Ellen Greene), die als The Darling Mermaid Darlings berühmte Synchronschwimmstars waren, bevor sie Agoraphobie entwickelten.

Dann gibt es noch den Detektiv Emerson Cod, der nicht nur eine Schwäche fürs Stricken hat, sondern auch das erklärte Ziel, ein Pop-Up-Detektiv-Buch zu veröffentlichen, um seine entfremdete Tochter zurückzugewinnen, außerdem Chuck, die gerne bunte Kleider mit Petticoats trägt und erstaunlich positiv mit der Tatsache umgeht, ermordet worden zu sein, sowie Olive (Kristin Chenoweth), die Kellnerin in Neds Laden Pie Hole, die gerne mehr wäre als nur das und natürlich den schüchternen Ned, der noch immer vom schlechten Gewissen geplagt wird, weil er Schuld am Tod von Chucks Vater hat.

I don’t know how we survived without it: it’s like a sex addiction! I would imagine.
Pushing Daisies ist eine dieser Serien, die einfach nur Spaß machen. Obwohl es eine Mystery-Serie ist, ist sie nie dunkel, sondern immer bunt und fröhlich mit den abstraktesten Todesfällen, die vorstellbar sind. Die Charaktere sind liebenswert und die Dynamik untereinander ist genauso schön zu beobachten, wie die Rückblenden, in denen wir Ned als Kind seine Gabe analysieren sehen oder die Fälle rekonstruiert werden. Es macht Spaß gemeinsam mit den Hobby-Detektiven zu rätseln, welche der vier Ehefrauen des polygamen Hundezüchters denn nun die Mörderin ist oder wie das norwegische CSI-Team so arbeitet.

Die Serie hat eine kindliche Naivität, die durch ihre Farbigkeit und die Erzählerstimme (Jim Dale) aus dem Off nur verstärkt wird. Der Erzähler funktioniert fast genau so, wie in einem Buch oder Comic. Er untermalt das Gesehene, beschreibt es teilweise und verstärkt den Kinderbuchflair genauso stark, wie er zum Charme der Serie beiträgt. Die Themen Mord und Tod werden auf eine Art und Weise behandelt, wie wir sie höchstens aus der Serie Dead Like Me – So gut wie tot kennen, die wie Pusing Daisies von Bryan Fuller entwickelt wurde. Unter den Krimi- und Mysteryserien sticht sie noch immer heraus wie ein bunter Hund; in mehr als einer Hinsicht.

Pushing Daisies war und ist eine Serie, die sich mit keiner anderen vergleichen lässt. Auch nach zwei Jahren bin ich noch traurig, dass es nicht mehr als 22 Episoden gibt. Doch diese 22 Episoden kann ich mir immer wieder ansehen, ohne dass sie auch nur im geringsten langweilig werden, was ich nur selten über eine Serie sagen kann. Wenn die Welt draußen mal wieder viel zu grau und trist ist, dann schnappe ich mir ein Stück Kuchen, vergrabe mich auf meiner Couch und tauche in die farbenfrohe Welt meines Lieblingskuchenbäckers ab, denn niemand löst Morde schöner. Oder zumindest bunter.

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freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen für GamePro.de und brauche dafür sehr viel Kaffee.

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