Offener Brief

Russell Brand, du bist eine Nervkuh

Russell Brand ist... Russell Brand
© Warner
Russell Brand ist... Russell Brand

Lieber Russell,
Normalerweise mach ich sowas nicht. Normalerweise schreib’ ich keine Briefe an Leute, die ich nicht kenne in einer Sprache, die sie nicht verstehen. Aber es ist Zeit für eine Ausnahme. Heute startet Arthur in den deutschen Kinos, in dem du die Hauptrolle spielst. Warum, weiß ich nicht. Irgendjemand in den USA scheint zu glauben, dass du einen Film tragen kannst oder noch schlimmer: Dass du fähig bist, die übergroßen Fußstapfen von Dudley Moore auszufüllen. Das ist leider nicht der Fall, Russell. Dudley Moore war ein großer Comedian und ein guter Schauspieler. Du allerdings bist immer nur eines: Russell Brand.

Überall, nur nicht gut
Hier in Deutschland ist der Name Russell Brand noch nicht lange geläufig. In deiner Heimat Großbritannien machst du schon seit Jahren Schlagzeilen. Bei MTV wurdest du gefeuert, weil du am 12. September 2001 in einem Osama bin Laden-Kostüm vor die Kamera gegangen bist. Die Tabloids mochten dich sehr wegen deiner Sex- und Drogensucht, die du ja glücklicherweise überwunden hast (Schön für dich). Du warst ein B-Star der Yellow Press, der von einigen als begabter Standup-Comedian gefeiert wurde. Das ist okay. Doch dann kam das Kino. Und weißt du, was das Problem vom Kino ist, Russell? Es beschränkt sich nicht nur auf Großbritannien. Das Kino ist überall und es ist schwer, ihm zu entgehen. Noch schlimmer aber ist, dass dir unpassende Kurzauftritte in britischen Produktionen wie Die Girls von St. Trinian nicht mehr ausreichen. Du willst ein großer Hollywood-Star sein, übernimmst Hauptrollen und bist überall.

Doch was ist eigentlich mein Problem? Ich mag britische Komiker und verehre z.B. Peter Sellers. Grundsätzlich ist es immer wieder nett, wenn ein Brite Hollywood erobert. Bei dir, Russell Brand, ist das aber nicht der Fall. Mag dein virtuoser Umgang mit der englischen Sprache und dieser komische Essex’sche Dialekt im Interview oder auf der Bühne amüsant sein, braucht ein Film doch ein bisschen mehr Engagement. Ein wuscheliger Haarschnitt, große Augen und ein Drei- oder Vier-Tage-Bart machen noch keinen Charakter. Dein hölzernes Schauspiel, selbst wenn du nur auf der Leinwand dein Shtick abziehen sollst, ist erschreckend mies. Klar, leben viele Stars von einer Persona, die sie in jedem Film abziehen. Bei dir ist es aber nicht mal eine Persona, sondern eine bewegliche Karikatur deiner selbst, die neben deinen Kollegen wie ein Fremdkörper wirkt. Hey, da ist Helen Mirren, die eine Nanny spielt, und hey, da ist… Russell Brand!

Fernsehen ist auch was schönes
Ich meine ja nicht, dass du total untalentiert bist, Russell. Peter Bradshaw vom Guardian nennt dich in seinem Arthur-Verriss sogar einen großartigen Comedian und Peter Bradshaw ist ein ziemlich schlauer Mann. Aber nicht jeder Comedian ist für die Kinoleinwand geboren. Manchmal genügt es vollkommen, sich mit Bühnen und BBC-Dokus und dergleichen abzugeben. Ist das nicht genug? Muss es immer mehr Berühmtheit sein? Deine Version von Arthur ist in den Staaten jedenfalls gefloppt. Vielleicht solltest du, Russell Brand, mal darüber nachdenken. Die Studiobosse tun es ganz bestimmt. Sei doch einfach mal etwas weniger gierig. Wir haben schon einen Johnny Depp, wir brauchen keine billige Kopie seines Captain Jack Sparrow.

Mach einfach mal Platz, Russell. Es gibt britische Comedians, die das Scheinwerferlicht des Kinos eher verdienen, die sogar schauspielern können. Schau dir z.B. mal den Steve Coogan an. Oder Sacha Baron Cohen. Nur so als Tipp. Wie wär’s mal mit einem ausgedehnten Urlaub samt Abstinenz vom Kino? Bei der Gelegenheit kannst du übrigens ausführlich mit deiner Frau Katy Perry sprechen. Über ihren “Gesang”, ihre “Musik” und ihre sexistischen Lieder. Du weißt schon…

Hochachtungsvoll,
Jenny

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