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Wenn einsame Männer im Wald leben

Pfizze (Sven Pfizenmaier), Veröffentlicht am 14.02.2013, 08:50

Die erste Berlinale-Woche ist rum und hat einige persönliche Highlights für mich bereit gehalten, auch wenn der Wettbewerb in erster Linie eher an mittelmäßigem Material gewonnen hat.

Berlinale Tag 7 Berlinale Tag 7 © Dogfish Pictures / Concorde / moviepilot

Dank des kurzen gestrigen Tages schaffte ich es tatsächlich erstmals seit Beginn der Berlinale, in einer Nacht mehr als vier Stunden Schlaf zu bekommen. Dementsprechend fühlte sich der siebte Tage fast schon so an wie der erste. Die Energie brauchte ich auch für einen langen Tag voller Leid und Elend, das mir gleich mit dem ersten Film um die Ohren geschlagen wurde.

Leid und Elend in Bosnien
Die Berlinale ist ein Festival voller Leid. Damit meine ich nicht die Qualität der Filme, sondern ihre Inhalte, die meistens wie Steine im Magen liegen. Aus dem Leben eines Schrottsammlers macht da keine Ausnahme. Zentrum der Geschichte ist eine in Armut lebende bosnische Familie. Eines Tages erfährt Nazifs Ehefrau Senada, dass das Baby, welches das dritte Kind der beiden wäre, in ihrem Bauch tot sei. Sie ist dringend auf eine Operation angewiesen, doch da sie nicht versichert ist und selber nicht für die Kosten aufkommen kann, weigern sich die Ärzte.

An Episode in the Life of an Iron Picker – der Name ist Programm, so viel sei verraten. Es handelt sich um einen Auszug aus dem Leben einer normalen Familie in Bosnien, der in erster Linie dazu dient, auf die Missstände des Landes hinzuweisen. Seine Wirkung verfehlt der Film sicherlich nicht, die Trostlosigkeit machte sich bei mir nach wenigen Minuten breit. Besonders originell kann dieses nüchtern abgefilmte, von Humor befreite Melodram aber nicht genannt werden. Das will es vermutlich auch gar nicht, sondern uns lediglich auf einen anderthalbstündigen Ausflug in die leidende Unterschicht Bosniens mitnehmen. Das gelingt zwar, allerdings werde ich das Gefühl nicht los, dass der Film als Dokumentation besser funktioniert hätte.

Zwischen den ersten beiden Pressevorführungen haben wir uns wieder für euch vor die Kamera gestellt und ein wenig über Gold, Closed Curtain und Side Effects geplaudert; leider ohne Stefan, den die Berlinale-Grippe erwischt hat. Viel Spaß.


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Deine Meinung zum Artikel Wenn einsame Männer im Wald leben

Kommentare

über Wenn einsame Männer im Wald leben


Stefan Ishii

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Soi langsam nerven mich einige der Tagebucheinträge hier... Es tut mir leid. Aber vielleicht habt ihr hier den Falschen zur Berlinale geschickt. Man sollte Festivalfilme schon mögen, um hier anständig die Filme bewerten und kommentieren zu können.

"Besonders originell kann dieses nüchtern abgefilmte, von Humor befreite Melodram aber nicht genannt werden." Also, wirklich... Ist doch kein Unterhaltungsfilm. Es geht hier um Probleme der Menschen und nicht um deine Bespassung!

Wahrscheinlich wirst du noch ziemlich überrascht sein, wer welche Preise gewinnt.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 9 Antworten

Stefan Ishii

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Pfizze, ich verstehe dich schon ganz gut... Meine Formulierungen waren sicherlich ja auch etwas überzogen. Das gebe ich zu...

Klar ist es nicht einfach zu jedem Film nen aussagekräftigen Kommentar zu schreiben. Ich schaue ja selbst jeden Tag 4 Filme und schaffe es nicht, hier vernünftige Kommentare zu verfassen (deshalb reduziere ich mich in der Hinsicht auf ganz wenige Ausnahmen).

Dass der Wettbewerb vielleicht nicht so stark ist, steht ausser Zweifel. Deshalb hat jeder Film aber jedoch seine eigene Identität und sollte nicht als ein Teil eines Ganzen betrachtet werden. Und etwas Positives läßt sicherlich fast überall finden...

Und Jenny, klar kann einem die eigene Meinung nicht genommen werden. Das lasse ich auch nicht zu.


robertpires27

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Der Gedanke mit der Dokumentation ist mir auch direkt danach in den Kopf geschossen...Es ist dahingestellt ob es wirklich notwendig ist in allen Einzelheiten und ohne Schnitt zu zeigen wie jemand Schrott sammelt und das nicht nur einmal ! Auch wenn ich die Intention dahinter verstehe, geht das Ganze schon stark in Richtung Doku...