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Wir schauen Breaking Bad - Staffel 5, Folge 12

Pfizze (Sven Pfizenmaier), Veröffentlicht am 04.09.2013, 08:50

Es ist wieder so weit. Breaking Bad befindet sich auf der Zielgeraden und ist vor Spannung kaum noch auszuhalten. Lasst uns zusammen diese schwere Zeit überstehen.

Rabid Dog Rabid Dog © AMC

Diesmal fiel mir das frühere Aufstehen zwecks Breaking Bad -Sichtung leichter als sonst. Denn nachdem Vince Gilligan und seine Schreiberlinge mir vergangene Woche einen Herzstiillstand nach dem Nächsten einjagten, wurde diese Woche schon vor Beginn der aktuellen Folge Rabid Dog reichlich Adrenalin ausgeschüttet. Und, oh mein Gott, was war das wieder für eine Folge!

Was ist passiert?
Wie erwartet hat Jesse (Aaron Paul) nicht die Bude von Walt (Bryan Cranston) angezündet, sondern wurde im letzten Moment von – wie sollte es anders sein – Hank (Dean Norris) gestoppt und mit zu ihm nach Hause genommen. Während Walter also mit seiner Familie zur Sicherheit erst einmal in ein Hotel zieht, hat die Geschichte mit der Ricin-Zigarette Jesse nun tatsächlich so weit gebracht, mit Hank gemeinsam gegen Heisenberg vorzugehen, was vor wenigen Folgen noch undenkbar erschien. Ganz klassisch verkabelt er den verängstigten Jesse, um sein Gespräch mit Walt abzuhören und aufzuzeichnen. Jesses Paranoia gewinnt jedoch die Oberhand, sodass es zu keinem Treffen kommt, was alle Beteiligten noch weiter in Bedrängnis bringt.

I am not in danger!
Was für eine Eröffnungssequenz! Es ist nicht nur ein Augenschmaus, wenn die Kamera auf dem Boden liegt und den im bedrohlichen Licht badenden Türknauf filmt, während Walter sich dem Schlafzimmer langsam nähert, um zu überprüfen, ob Jesse sich darin versteckt. Dass er es nicht tut, ist eigentlich von Beginn an klar, trotzdem erreicht die Szene eine ungeahnte Intensität, denn wenn Heisenberg eine Schusswaffe in die Hand nimmt, dann nur weil er keinen anderen Ausweg sieht. Falls der unwahrscheinlich Fall eintritt, dass Jesse sich doch hinter Tür versteckt, dann wird es kein schönes Ende nehmen. Der Moment, in dem klar wird, dass dem natürlich nicht so ist, ist ebenso schön wie beängstigend: Jesse scheint einen besseren Weg gefunden zu haben, Walter weh zu tun, als sein Haus niederzubrennen. Doch alles halb so schlimm, denn was darauf folgt, löste bei mir eine herzerwärmende Mischung aus Nostalgie und Optimismus für die kommenden Folgen aus.

Obwohl Jesse es ganz offensichtlich verdammt nochmal ernst meint mit dieser Heisenberg-suchen-und-zerstören-Sache, tut Walt fast schon auf eine niedliche Art und Weise alles, um ihn vor den Augen anderer nicht in einem zu schlechten Licht dastehen zu lassen. Seiner Familie tischt er eine solch haarsträubende Lüge auf, dass er sie nicht einmal selbst vortragen kann, ohne dass ich mich vor meinem Bildschirm fremdschämen musste. Es war sicher nicht das erste Mal, dass Skyler (Anna Gunn) seine Lüge problemlos durschaute, aber selten schien sie so sehr zu erzürnen, dass sie sich tatsächlich dagegen aussprechen muss. Wie genau sie sich ausspricht, ließ wohl jedem Rücken Zuhause einen kalten Schauer hinunterlaufen. “After everything we’ve done, you can’t just talk to that person .. We’ve come this far. What’s one more?” So kalt diese Aussage auch klingt, wirklich verübeln kann ich ihr jedoch nicht, die Figur umbringen zu wollen, die mir in den letzten Jahren so sehr ans Herz gewachsen ist. Schließlich wurde Walt nie müde ihr zu erzählen, dass er all die Dinge rund um seine Crystal Meth-Geschichte nur zum Wohle der Familie getan hat. Nur für die Familie. Nicht um die persönliche Gier nacht Macht zu stillen. Nunja, dass die Familie bald vollständig massakriert werden könnte, ist eine durchaus nachvollziehbare Befürchtung von Skyler und somit eine vollkommen berechtigte Frage. Was macht schon einer mehr aus? Walt hatte Jesse ohnehin in jüngerer Vergangenheit nicht so behandelt, als sehe er in ihm etwas anderes, als “einen mehr”.

Und trotzdem spricht er sich felsenfest dagegen aus. Walter setzt sich aktiv und aufrichtig für Jesse ein. Ich fühlte mich für einen Augenblick in die schönsten Zeiten von Breaking Bad versetzt: Die Momente, in denen Walt und Jesse ihre kleinen Zankereien um tote Drogenbosse, Freundinnen und vergiftete Kinder unter den Teppich kehren konnten und einfach nur wieder leidenschaftlich Crystal Meth gekocht haben. Als die selbe Überzeugung und gewisse Loyalität Jesse gegenüber auch Saul entgegenschlägt, entfacht für einen kurzen Moment sogar ein Funke Hoffnung. Vielleicht wird es ja doch noch was mit den beiden? Vielleicht schaffen sie es auch, diesen riesigen Berg Schmutz zu beseitigen und die ganze Geschichte genau so zu beenden, wie sie angefangen hat: gemeinsam. Dementsprechend kann ich mir auch nicht vorstellen, dass Walter Todd am Ende der Folge angerufen hat, um Jesse umbringen zu lassen. Ich will es nicht glauben.

Heisenberg auf den Fersen
Hank währenddessen entwickelt sich in meine Augen zu einem richtigen Unsympath. Ich verstehe ja, dass er mit Leib und Seele hinter der Vernichtung der Drogenorganisationen steht und grundsätzlich ist die Verteidigung des Gesetzes natürlich nichts Negatives, allerdings entwickelt er sich immer mehr zu einer DEA-Version von Heisenberg. Bloß nicht so clever, wie Jesse richtig anmerkt. Denn auch wenn Hank zweifellos mit der selben Willenskraft und Überzeugung vorgeht wie sein drogenkochender Gegenspieler, wirkt Hanks ungeduldiges Handeln stets überstürzt, bemüht und undurchdacht. Mit dem Kopf durch die Wand und ohne Rücksicht auf Verluste zwingt er Jesse den Auftrag durchzuführen, als er ihm aus den Auto schubst, um das Gespräch mit Walter zu suchen. Hank ist zu sehr von Heisenberg besessen und zu sehr auf sein Ziel fokussiert, als dass er in irgendeiner Weise gut durchdachte Pläne aufstellen könnte. Ob das lange gut geht, ist fraglich.


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