Ein Platz an der Sonne

Zum Tod von Elizabeth Taylor

24.03.2011 - 09:25 Uhr
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Elizabeth Taylor in Katze auf dem heißen Blechdach
© MGM
Elizabeth Taylor in Katze auf dem heißen Blechdach
Sie war einer der großen Stars des klassischen Hollywood-Kinos. Gestern verstarb Elizabeth Taylor im Alter von 79 Jahren in Los Angeles. Ein Rückblick auf die Karriere eines Kinderstars, der zur Diva, Schauspielerin, Aktivistin und Legende wurde.

Als “Legenden” werden viele Schauspieler bezeichnet, doch Elizabeth Taylor verkörperte in jeder Minute ihres Lebens auf und abseits der Leinwand die Definition dieses Begriffs. Sie war ein Star in einer Zeit, als dieses Wort noch nicht inflationär für jede Kurzzeit-Sensation benutzt wurde, die ihre 15 Minuten Ruhm auskostet. Sie war ein Star und eine Schauspielerin, eine Aktivistin und ein Mensch, dessen Leben ausserhalb des Scheinwerferlichts nicht weniger spannend war als die Epen, in denen sie mitspielte.
Elizabeth Taylor gehörte zu einem Typus unter den Filmgöttinnen, wie es ihn heute nicht mehr gibt. Sicherlich nicht weniger von Fotografen verfolgt als heutige “Stars”, bewahrte sie sich ihre Aura. Noch mehr: Ihr eigenes Leben umgab schon bald ein Mythos, spannender als alle Filme. Gestern ist Elizabeth Taylor im Alter von 79 Jahren nach langer Krankheit gestorben und mit ihr verlieren wir ein weiteres Stückchen einer Ära des Kinos, die es so nie wieder geben wird.

Vom Kinder- zum Weltstar
Elizabeth Taylors Leben vereinte viele Klischees in sich, welche die Tragik des Startums ausmachen. Eines davon ist dasjenige des Kinderstars. Wie ihre Zeitgenossin Judy Garland wurde Elizabeth Taylor von ihrer Mutter auf die Bühne und ins Rampenlicht geschoben. Mit drei Jahren nahm die 1932 in London geborene Elizabeth Rosemond Taylor Ballettunterricht, mit neun folgte ihre erste Filmrolle. Ihr Vertrag bei Universal wurde nach nur einem Film eingestellt. Eines der Urteile : “Sie kann nicht singen, nicht tanzen, nicht spielen. Noch schlimmer: Ihre Mutter ist ja wohl die unerträglichste Frau, die ich jemals treffen musste.” Bei MGM formte man sich eine andere Meinung und gab ihr eine Rolle in Heimweh (Lassie Come Home). Auf den 10 Minuten langen Auftritt in dem Film, dessen Hauptdarsteller eigentlich ein Collie war, folgte ein 7-Jahres-Vertrag bei MGM. Der Rest ist, wie es so schön heißt, Geschichte.

Mit 12 und einer Rolle neben Mickey Rooney in Kleines Mädchen, großes Herz wurde Elizabeth Taylor zum Kinderstar. Das war 1944. Fünf Jahre später schrieb das Time Magazine in einer Titelgeschichte über den “aufsteigenden Star”: “Sie hat schweres, schwarzes Haar und Brauen, die ebenfalls dick und schwarz sind, aber nicht zu dick für ihre Figur, blaue Augen mit opulenten Wimpern, die beim kleinsten Schatten sich ins Violette verdunkeln. Ihr Teint wurde von einem ekstatischen Publicity-Mitarbeiter als eine ‘Schale Sahne mit einer darin schwimmenden Rose’ beschrieben. Kameramänner haben ihr das größte Kompliment gemacht: ‘Bei ihre gibt es keine unvorteilhafte Perspektive.’”

Das harte Leben einer Legende
Elizabeth Taylors Übergang ins Erwachsenenfach war überraschend fließend. Anders als viele Kinderstars war sie nie wirklich weg. An der Seite von Spencer Tracy und Joan Bennett gelang ihr 1950 in Vater der Braut ein erster kommerzieller Erfolg nach dem Teenager-Alter, ein Jahr später folgte mit Ein Platz an der Sonne von George Stevens die Umgarnung der Kritiker. Die damals ungebrochene Macht der Studios war ihr Widersacher in den nächsten Jahren, es war schließlich die Zeit als Stars ein “property”, also im Besitz des Studios waren und Elizabeth Taylor gehörte MGM. Doch die großen Rollen sollten noch folgen. Vier Jahre hintereinander wurde Elizabeth Taylor ab 1958 für den Oscar nominiert, eine heute fast unvorstellbare Leistung. Filme wie Die Katze auf dem heißen Blechdach und Plötzlich im letzten Sommer waren darunter, doch erst mit Telefon Butterfield 8 gewann sie 1961 ihren ersten Academy Award. Sechs Jahre später folgte der zweite mit Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, ihrer vielleicht schwierigsten Rolle.

Doch das Privatleben der Elizabeth Taylor erwies sich als nicht weniger anspruchsvoll. Acht Ehen führte sie im Laufe ihres Lebens, zwei davon mit Richard Burton, ihrem wohl wichtigsten Leinwandpartner. Das ewige Hin und Her zwischen den beiden Stars führte zu einer Reihe von Filmen, in denen die privaten Abgründe und Höhepunkte auf das Geschehen auf der Leinwand abfärbten und eine ganz besondere, unerreichte Chemie zwischen den beiden zauberte. Es sind diese Momente in Wer hat Angst vor Virginia Woolf? von Mike Nichols, in denen Privates und Kino verschwimmen und das seltene Gefühl aufkeimt, echte Menschen da oben zu sehen, nicht Stars, nicht Figuren, nicht Rollen, nicht Schauspieler… echte Menschen! Das macht einen Film wie Wer hat Angst vor Virginia Woolf? so unerträglich und zugleich so wahr, das zaubert aber auch aus Marcus Antonius und Cleopatra so ein mythisches Liebespaar des Kinos.

Private Tragödien, Alkoholismus und Krankheiten konnten Elizabeth Taylor bis gestern nicht kleinkriegen. Für den Kampf gegen AIDS engagierte sie sich jahrelang. Ihr guter Freund Rock Hudson war schließlich daran gestorben. Am 23. März hörte der Kampf auf, starb Elizabeth Taylor im Kreise ihrer Familie. Die Ruhe hat sie sich verdient.

In welchem Film hat Elizabeth Taylor sich unvergesslich in euer Gedächtnis gebrannt?

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