Finding Vivian Maier - Kritik

Finding Vivian Maier

US · 2013 · Laufzeit 84 Minuten · FSK 0 · Dokumentarfilm · Kinostart
Du
  • 8

    Eine tolle Doku mit einer tollen Story, aber nicht ganz so tollen Hintergründen.

    Auszug aus Wikipedia:

    Zu einem Großteil der heute verbreiteten Biografie Vivian Maiers tragen im Wesentlichen zwei längere Dokumentarfilme bei, die in ihrer Darstellung von Maiers Lebensgeschichte deutlich voneinander abweichende Bilder zeichnen.

    Im Sommer 2013 zeigte BBC One den Dokumentarfilm Vivian Maier: Who Took Nanny’s Pictures? der Regisseurin und Filmproduzentin Jill Nicholls.[6] Nicholls‘ Film war rechtlich und inhaltlich als reine BBC-Dokumentation für das Fernsehen produziert worden, eine für den Verleih konzipierte Version war folglich nicht im Kino zu sehen. Infolge hoher Einschaltquoten wurde der Beitrag auf verschiedenen Kanälen von BBC One bis Ende 2014 mehrfach als Wiederholung gesendet.[75]

    John Maloof verfilmte einige Monate später mit dem Filmemacher Charlie Siskel seine Version der Geschichte von der Entdeckung der Fotografien und der Spurensuche nach der Person Vivian Maier in dem mittels Crowdfunding finanzierten Dokumentarfilm Finding Vivian Maier, der im September 2013 auf dem Toronto International Film Festival erstmals gezeigt wurde. Der Film ist ein von einer aufwändigen PR-Kampagne begleitetes Remake aus der subjektiven Sicht Maloofs, bei dem die Erstveröffentlichungen von Maiers Bildern bzw. ihre anderen Entdecker, Zeitzeugen sowie die BBC-Dokumentation in auffälliger Weise keine Erwähnung finden. Kritiker wie Daniel Kothenschulte sprechen in diesem Zusammenhang von Spurenverwischung innerhalb eines publikumswirksamen Promotionfilms in eigener Sache, dessen Kapital die angeblich traurige Lebensgeschichte Vivian Maiers sei, und „die den Van-Gogh-Mythos vom lebenslang verkannten Künstler wiederaufleben lässt.“[41] Die US-amerikanische Filmkritikerin Dana Stevens rezensiert Finding Vivian Maier als „einen der schlimmsten Dokumentarfilme“, den sie in diesem Jahr [2014] gesehen habe, „oder zumindest den mit der krassesten Diskrepanz zwischen dem inneren Wert des Themas und der Art und Weise, wie es ästhetisch, intellektuell und moralisch präsentiert wird.“[54][76]

    Im Dezember 2013 wurde schließlich eine amerikanische Version von Vivian Maier: Who Took Nanny’s Pictures? unter dem Titel The Vivian Maier Mystery produziert,[77] kam jedoch aus unerfindlichen Gründen nicht im US-Fernsehen zur Ausstrahlung.[74]

    Der Korrespondent des Deutschlandfunks Jürgen Kalwa versucht einen Vergleich zu ziehen und äußert sich in einem Interview auf Deutschlandfunk Kultur über Maloofs Film dergestalt, dass „leider nur der Nicholls-Film so wichtige Fragen“ aufwerfe wie: „Warum wird diese Vivian Maier heute von Leuten zu einem Mysterium verklärt, die im Besitz des gesamten Materials sind? Die Frau, von der wir nun – dank des Films – glauben, dass wir sie kennen, wurde von ‚Leuten erfunden, die eine gute Story lieben‘, sagt Pamela Bannos, eine Fotografin und Maier-Expertin, die an der Northwestern University außerhalb von Chicago unterrichtet. Erfunden. Nicht Gefunden.“[78][8]

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    • John Maloof kaufte vor einigen Jahre einige Negative und stiess per Zufall auf eine grossartige, bis dahin unveröffentlichte Künstlerin: Vivian Maier. Nun hat er einen Film über sie gemacht. Als sie 2009 starb, hinterliess sie eine ungeordnete Sammlung von Negativen und Abzügen. Ein Raum voller Erinnerungen, denn Vivian Maier war ein Messie (so Maloof). Zwei Jahre vor ihrem Tod stiess er auf diesen Schatz. 2007 ersteigerte er einen Karton mit Negativen aus den 50er und 60er Jahren. Er hoffte, Aufnahmen von Chicago aus der Zeit zu bekommen. Was er aber erhielt, waren Menschen in Alltagssituationen. Afro-amerikanische Familien, Kinder, Obdachlose, Arbeiter - festgehalten mit liebevollem Blick. Maloof sammelte einige der Negative und stellte sie ins Internet. Die Resonanz - überwältigend! Flugs stellte er weitere Arbeiten von Maier online. Als er Vivian Maier zum ersten Mal googelte ergab das 0 Treffer, heute sind es Millionen! Dank seines Blogs wurde Maier weltberühmt! Hätte man sie bereits während der 60er entdeckt - zweifellos wäre sie eine der berühmtesten Künstlerinnen der Strassenfotografie geworden. So starb sie einsam und verwahrlost, von den Nachbarn als Exzentrikerin wahrgenommen. Ihre Fotos sahen zu Lebzeiten nur eine Handvoll Menschen. Sie ging nie ohne Kamera vor die Tür, doch die Fotografie war viel mehr als nur ein Hobby: Die Fotografie war ihr Leben. Vivan Maier war kein Sonderling. Sie litt auch nicht an Depressionen oder mentalen Störungen wie andere Aussenseiter der Kunst. Es existieren Mitschnitte, wie sie Passanten auf der Strasse interviewt und die zeigen eine kinderliebe und lebhafte Frau. Wieso führte sie aber ein Doppelleben als Kindermädchen und Künstlerin? Sah sie sich überhaupt als Künstlerin? Finding Vivian Maier ist keine Biographie, dafür eine Reflexion über diese Künstlerin wider Willen. Menschen, die sie kannten, beschreiben aber auch noch eine andere dunkle Seite, denn Vivian Maier war wohl aggressiv. Der Film setzt so ein Puzzle zusammen, in dem bis zum Ende wichtige Teile fehlen. Es bleibt ihre Begabung, in Alltagssituationen Wahrhaftigkeit zu entdecken.
      noch mehr Filme über Fotografen gibts in unserer Film List auf cinegeek.de

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      • 8

        Double-Feature-Empfehlung ist hier fast trivial: Searching for Sugar Man.

        In beiden Filmen ist die erzählte Story ziemlich abgefahren; vorliegend die Qualität der Bilder auf der einen Seite, die Frau, die ihren Job als Kindermädchen wohl vor allem wegen der Möglichkeiten, rauszukommen und zu photographieren gewählt hat, und ihre wahnsinnige Introvertiertheit auf der anderen Seite. Oder beides zusammengefasst: Da ist jemand mit Hingabe und Talent Künstler in der obersten Liga, nur kaum jemand weiß das.

        Beim Erzählen selbst hapert es leider auch hier, wie im genannten Vergleichsstreifen: Zwar wird man sehr schnell abgeholt und reingerissen, aber es hätte viel mehr Abstand zwischen "Entdecker" und "Erzähler" geben müssen - hier ist es ein und dieselbe Person (John Maloof). Man muss ihm zugute halten, dass er offensichtlich mit viel Enthusiasmus an die Sache gegangen ist, aber ein versierter DokuFilmer / investigativer Journalist hätte da präziser arbeiten können, viel präziser.

        Dennoch aufgrund der Geschichte als solcher einmal mehr eine unbedingte Dokuempfehlung, die noch einiges an mehr Potential gehabt hätte.

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        • 8
          Fando_Y_Lis 11.04.2015, 23:38 Geändert 12.04.2015, 23:40

          Bei der Ausstellung in Berlin hatte ich das Gefühl, ich betrachte Fotos von Diane Arbus, obwohl Vivian Maier sehr wahrscheinlich niemals auch nur ein einziges Bild von der berühmten Street-Fotografin gesehen hat, da sie (Vivian) autark arbeitete, zurückgezogen lebte und sich überhaupt nicht für die Kunst-Welt interessierte. Die Geschichte über den Fund der Bilder ist genau so interessant wie die wirklich grossartigen Fotos selbst. In kurzweiligen 84 Minuten stellt der "Finder" sich vor und die Geschichte vom Ramsch-Kauf (anders lässt es sich wohl kaum nennen) bis zum Berühmtwerden dar, wobei er sich manchmal schon ein wenig holprig zu sehr selbst inszeniert. Das möchte ich ihm aber nicht zur Last legen, da er noch relativ jung rüber kommt. Interessant finde ich einen der ersten Sätze der Doku, wo eine Protagonistin sagt, dass Vivian so was wie die Doku mit Sicherheit nicht gewollt hätte. Ist dem so? Was HÄTTE sie denn gerne gewollt? Das werden wir vielleicht nie erfahren, da sie nicht nur zurückgezogen lebte, sondern eine anscheinend sehr seltsame Person war, die zudem verschiedene Variationen ihrer Herkunft und ihrer Identität in die Welt gehievt hat - lange Zeit bevor es Internet und virtuelle Erlebnisse gab. Anscheinend hat sie sich aber immerhin Gedanken darum gemacht, dass ihre Kunst eventuell eines Tages bekannt wird. Sie hat ungefähr einhundertfünfzigtausend Fotos hinterlassen, die zum grossen Teil erst posthum entwickelt wurden. Der Film interviewt ihre Zeitgenossen (darunter mehrere - inzwischen erwachsene - Kinder die sie betreute, sie arbeitete nämlich viele Jahre als "Nanny") aber auch andere artverwandte Künstler. Manchmal ist sie auch selbst zu sehen und/oder zu hören, z. B. bei Tonbandaufnahmen oder auf Super-8-Filmen. Und natürlich auf ihren zahllosen Selbstportraits.

          Ich finde "Finding Vivian Maier" sehr sehenswert, nicht nur weil die ganze Geschichte so interessant ist, dass kaum jemand sie erfinden könnte, sondern auch weil sich gut über die heutige Zeit reflektieren lässt, in der jede/r ein Künstler ist und das ganze (manchmal nicht besonders spannende) Leben virtuell öffentlich macht, während wir es hier mit einer wirklichen Künstlerin zu tun haben, die ihr Leben lang nicht nur ihre Person, sondern auch ihr offensichtlich grandioses Werk mehr oder weniger unter Verschluss gehalten hat.

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          • 8

            John Maloofs faszinierende Dokumentation begibt sich auf die Suche nach der Künstlerin Vivian Maier, die posthum eine der wichtigsten Vertreterinnen der Straßenfotografie wurde. Aus Interviews mit Zeitzeugen und Freunden ergibt sich das widersprüchliche Bild einer Frau, die unerkannt ein Doppelleben führte. [Andreas Busche]

            • 10

              Was für ein wunderbarer Film.....und jetzt kommt die Ausstellung nach Berlin!!!

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              • 5

                Der Film fängt recht vielversprechend an und ist dann aber leider viel zu lang geworden, Auf 45 Minuten hätte man den Film im Schnitt bestimmt kürzen können ohne essentielle Dinge wegzulassen. Die im Film gezeigten Fotografien von Vivan Maier sind klasse, und es ist natülich toll daß fotografische Größen zu Wort kommen (Meyerowitz,Mary Ellen Mark) aber davon abgesehen wirkt es so als diene der Film nur der Vermarktung /Mystifizierung der Fotografien und des Entdeckers /Filmemachers. Wichtige Fragen die zum Thema gehören (Wem gehört das Urheberrecht der Bilder. Welche Vereinbarung hat er mit dem im Film vorkommenden Cousin getroffen? Warum gibt es aufeinmal einen Riesenhype um die Fotografien) blendet der Film ganz aus. Bei anderen Fragen (Warum wurde Vivian Maier erst nach ihrem Tod so berühmt ? Wollte Sie Ruhm? Warum hat sie fotografiert ? ) stochert er sehr im Nebel und die Interviewten des Films erzählen aus ihrer Vergangenheit mit Vivan Maier, und von deren Schrulligkeiten, die aber leider nur selten wirklich relevant vorkommen.

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                • 6 .5

                  [...] „Finding Vivian Maier“ ist eine konventionell gestaltete Dokumentation auf dem Niveau einer ordentlichen TV-Reportage, die eine durchaus interessante Kunst-Entdeckung beleuchtet und dezent mystifiziert. Letzteres unterstreicht die beachtlich aufwändig komponierte Musik, die, fast schon zu hochtrabend, durchgehend eine motivierte Stimmung erzeugt. Zwar verstreicht der Film weitgehend ohne Pfiff, beinhaltet aber spannende Denkanstöße zu dem Verhältnis zwischen KünstlerIn, Kunstwerk und Publikum.

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                  • 8

                    Eine vom ersten Moment an fesselnde Dokumentation und indirekte Persönlichkeitsstudie über die Jahrhundertfotografin Meier, filmisch abwechslungsreich und nachvollziehbar umgesetzt. Zum Schluss (etwa die letzte Viertelstunde) weihräuchert es ein wenig, wie das in US-Dokumentationen halt manchmal so ist. Dem Gesamteindruck schadet dies aber nicht.

                    • 7 .5

                      Maloof und der Produzent und Regisseur Charlie Siskel zeichnen anhand von Fotos, Filmaufnahmen und Berichten ein einnehmendes Porträt einer einsamen Frau, die davon getrieben war, die Zeit festzuhalten.

                      • 8

                        Finding Vivian Maier ist eine ungewöhnlich spannende und faszinierende Dokumentation. Das liegt auch daran, dass der Film gleich auf mehreren Ebenen so viel zu erzählen hat.

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                        • 8

                          Filmisch ist Finding Vivian Maier kein Meisterwerk. [...] Zu etwas ganz Besonderem wird die Dokumentation dank der Vielstimmigkeit, die sich aus der großen Zahl der Menschen ergibt, mit denen Vivian Maier zu tun hatte.

                          • 7

                            Der Dokumentarfilm Finding Vivian Maier zeichnet [...] das Bild einer verstörenden Persönlichkeit, die aber gleichzeitig eine großartige Fotografin war.

                            • 7

                              Peppige Dokumentation über eine großartige Straßenfotografin, die erst posthum eine Anerkennung bekommt, die sie nie gesucht hat. Gleichzeitig der Versuch einer Annäherung an eine sehr einsame Persönlichkeit, die ihr Umfeld bevorzugt durch das Kameraauge betrachtete. Spannend, mit einer guten Portion Voyeurismus.

                              • 7 .5

                                „Finding Vivian Maier“ zeigt nicht nur eine jahrzehntelang verborgene Filmkunst, sondern auch eine geheimnisumhüllte, vielleicht sogar widersprüchliche Persönlichkeit, die schon immer exzentrisch und einzelgängerisch war und vor allem am Ende ihres Lebens völlig vereinsamte.

                                • 8 .5

                                  ein wirklich gelungenes portrait vivian maiers - soweit man die wenigen, aber dann doch gar nicht so spärlichen fakten, die sich finden ließen, überhaupt "portrait" nennen kann. zwar bleibt manches - notgedrungen - offen oder doch nur vermutung, aber die art in welcher der junge filmemacher & entdecker der photographin freunde und bekannte von "miss mayers" zu wort kommen lässt (durchaus auch selbstkritisch), bringt einem die rätselhafte persönlichkeit der künstlerin trotzdem sehr nah. zusammen mit vielen großartigen photographien, videoaufnahmen und o-tönen aus dem nachlass erhält man einen ausführlichen, gut strukturierten einblick in ihr schaffen, dem es nicht an spannung mangelt. den eindruck, der regisseur würde sich selbst zu sehr in den vordergrund setzen, kann ich nicht teilen. doch urteilt selbst, es lohnt sich unbedingt!

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                                  • 8

                                    John Maloofs und Charlie Siskels Dokumentarfilm Finding Vivian Maier über eine mysteriöse, bislang unentdeckte Fotografin mutet streckenweise wie ein Mystery-Film an

                                    • 4

                                      Was für eine Entdeckung: Fotos von Menschen auf der Straße, die so sensibel getroffen sind, dass sie zu Tränen rühren - Augenblicke der Verletzlichkeit, der Sehnsucht, der Trauer und des Stolzes wurden hier ins Licht gesetzt. Eine tolle Leistung, der Welt diese Bilder der zu Lebzeiten unbekannt verbliebenen Künstlerin zugänglich gemacht zu haben. Leider geht es in dem Film nur an der Oberfläche um die faszinierende Künstlerin. In aller Breite wird vielmehr die Verwirklichung des amerikanischen Traums durch den jungen Aktivisen und Filmemacher zelebriert - was geht nicht alles, wenn man nur will. Ärgerlich macht es mich, den selbstbezogenen Schilderungen folgen zu müssen, mit denen Zeitzeugen die widersprüchliche Kauzigkeit des einstigen Kindermädchens zu interpretieren suchen. Es ist den Fotos anzusehen, dass hier eine sehr verletzte Seele einen Ausdruck gefunden hat. Das Gute an dem Film ist, dass er, wenn auch nebenbei, auf Vivian Maiers Kunst aufmerksam macht.

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                                      • 6 .5

                                        Die Dokumentation von John Maloof und Charlie Siskel ist eine interessant zu schauende Detektivarbeit. Sie zeigt eine insgesamt faszinierende Geschichte.

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                                          Es gibt Geschichten, die sind so unglaublich, dass sie wirklich so passiert sein müssen! Ein Kindermädchen als Freizeit-Fotografin, die sich ihre Bilder nie angesehen hat, hundertfünzigtausend! Negative in Kisten verstaut und hunderte Rollen unentwickelter Filme hinterließ. Und diese Fotos haben Weltniveau! Das zeigt uns der Film mit wunderschönen Beispielen und versucht gleichzeitig sich über Zeitzeugen und Fundstücke an die Geheimnisse von Fräulein Maier anzunähern, die 2009 im Alter von 83 Jahren verstorben ist, ohne den Ruhm für Ihre tollen Bilder geerntet zu haben. Aber das wollte sie möglicherweise auch nicht!

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