Just the Wind - Kritik

Csak a szél

HU/FR/DE · 2012 · Laufzeit 98 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 8

    Fliegauf ist mit "Just the Wind" ein lebendiges Drama gelungen, welches es versteht, den Zuschauer durch das Fehlen der Musik und die dokumentarisch anmutende Kameraführung, die Gefühle und Gedanken der Charaktere greifbar zu machen. Man kann die blanke Hoffnungslosigkeit am eigenen Leibe erfahren. Leider wirkt die Darstellung der sozialen Ausgrenzung an manchen Stellen gar aufgezwungen und plakativ, als habe Fliegauf über das Ziel hinaus geschossen, was aber im Angesicht des großartigen (oder eher grauenhaften) Finales ein geradezu mickriger Kritikpunkt ist. Ein spannendes Gesellschaftsdrama, das den Zuschauer in seinen Bann zieht und biss zum bitteren Ende nicht mehr loslässt.

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    • 6 .5

      Fliegaufs Film beruht auf einer tatsächlich geschehenen Mordserie in den Jahren 2008 und 2009: Die Vorgehensweise war immer gleich: Häuser wurden von den Angreifern mit Molotow-Cocktails in Brand gesetzt, anschließend wurden die Flüchtenden erschossen. Dabei starben sechs Menschen.
      Die Taten sind Ausdruck eines erstarkenden Rassismus. Rechtsradikale ungarische Parteien schüren ethnische Spannungen, um sich Wahlerfolge zu sichern. In Zeiten wirtschaftlich schwieriger Bedingungen ein billiges, populistisches Mittel.
      Die Kamera filmt die Menschen in diesem Film nicht. Sie ist mitten unter ihnen, zwischen ihnen, schaut über die Schulter. Der Zuschauer erlebt plastisch, was geschieht. Fliegaufs filmischer Ansatz schafft die Möglichkeit, ganz in der Geschichte zu sein. Wenig fragt der Film nach Ursachen und gesellschaftlichen Entwicklungen - und birgt damit Potenzial für kontroverse Diskussionen. Ist Ungarn ein Einzelfall? Worin gründet sich der Rassismus dort?
      Andererseits gelingt es ihm in der einmal gewählten Perspektive, das Klima ständiger Bedrohung erlebbar zu machen. Und dies ist das Verdienst von Fliegaufs Film: An der Figur der Mari und ihrer Familie hakt Bence Fliegauf wie in einer Check-Liste die Facetten des Rassismus ab. Wird ein Computerbildschirm geklaut, fällt der Verdacht zuerst auf Maris Tochter Anna. „Sie stinken“, sagt Maris Chef, und stellt ihr beim Gespräch den Ventilator vors Gesicht. Der Bus hält 50 Meter hinter der Haltestelle, wenn Mari einsteigen will. Als ein schwarzer Wagen dem Sohn Rio folgt, ist klar: Bis zu den nächsten Gewehrschüssen ist es nur noch einen Schritt.
      Fliegauf lässt dem Publikum wenig vom Glauben an eine Besserung der Zustände - sein Film ist ein deprimierendes Werk, das die ganze Hoffnungslosigkeit der Lage auf Spielfilmlänge komprimiert.
      Ein Film, der auch die Jury-Mitglieder des diesjährigen Amnesty-Preises - Schauspielerin Birgit Minichmayr, Regisseur Ayat Nayafi und den Amnesty-International-Kommunikationschef Deutschand Marcus Beeko beeindruckte: Sie verliehen „Just the Wind“ die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung.

      • 0
        bruno.thorday 09.04.2015, 20:05 Geändert 09.04.2015, 20:06

        Dieser Film ist eine Katastrophe
        Mein Vater ist Ungar und ich habe eine Einsicht auf die Dinge die da abgehen, aber dieser Film
        Ist ein absolutes nogo FILM
        Dieser Film hat ein Riesen Aufsehen gesorgt in negativer Richtung in
        Ungarn und alle sind empört !

        • 7

          [...] Selten hinterlässt ein Film den Zuschauer so sehr mit der simplen Frage “Warum?”. Menschen überfallen andere Menschen in der Nacht und töten sie mit Schrotflinten, egal ob Mann, Frau oder Kind. Es gibt keinen Grund dafür und Fliegauf hat auch nie den Hauch eines Interesses einen zu liefern, den Rassismus der Ungarn zu psychologisieren. Stattdessen tut der Regisseur etwas Einfaches wie Bemerkenswertes: Er zeigt die Sinti und Roma in all ihrer sozialen Schieflage, ungeschönt und authentisch, solidarisiert sich aber mit ihnen, indem er die Kamera so nah wie möglich an seine Figuren heranbegibt. [...] "Just The Wind” zieht seine Stärken aus seiner unbamherzigen Konsequenz, ein sensibles ungarisches Thema an die Öffentlichkeit zu bringen und für eine breite Diskussion greifbar zu machen. Der formal minimalistische Stil bewegt den Fokus auf das behandelte Objekt anstatt auf sich selbst, was ihn als politisches Statement umso besser, filmisch aber zu keinem Meilenstein macht.

          • 7

            Just the Wind überzeugt durch seinen Mut zum Realismus. Er behandelt ein aktuelles, angesichts der rechtsnationalen Regierung in Ungarn hoch politisches Thema in einer filmischen Form, die mehr vom Zuschauer verlangt, als es sich in seiner eigenen Betroffenheit bequem zu machen.

            • 6

              Mit seinem Film, der auf der Berlinale 2012 einen Silbernen Bären sowie den Amnesty International Filmpreis gewann, setzt Fliegauf auf die bildliche Identifikation mit der unterdrückten Minderheit, deren unerträgliche Lebenssituation für sich spricht.

              • 8

                Just the Wind ist eine zutiefst klaustrophobische Erzählung, die nie den Blick öffnet für den Raum [...], sondern immer ganz nah an den Figuren bleibt [...].

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                • 8

                  Zwangsläufig wird sich der Zuschauer an das beklemmende Gefühl erinnern, das Just The Wind in ihm hinterließ, wenn er das nächste Mal über den Rechtsruck in Ungarn liest. Und sich fragen muss, wie weit Film und Realität wohl wirklich auseinander liegen.

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                  • 8

                    Ohne auf plakative orchestrale Musik zurückzugreifen, evoziert Fliegauf mit leisen Tönen eine unheimliche Atmosphäre [...]. Ein eindrucksvoller, stilistisch herausragender Film.

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                    • 6

                      Etwas wie einen Arthaus Film aussehen zu lassen, macht noch keinen.
                      Eine Geschichte gibt es hier kaum.
                      Ein Filmischer Roma Zoo, der Betroffenheit statt Verständnis erwecken will.

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                      • 7

                        Starker Tobak, der Aufmerksamkeit erfordert, um den alltäglichen Terror nicht zu übersehen. Schlicht und doch ergreifend.

                        • 7 .5

                          Was Fliegaufs Film zu einem so eindrücklichen Erlebnis macht, ist sein Bemühen um Objektivität.

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                          • 6

                            Regisseur Benedek Fliegauf zeigt die harten Lebensbedingungen der Roma in Ungarn mit einer Kamera, die den Figuren stets sehr nah ist. Was eine intensive Atmosphäre erzeugt, ist für meine Augen auf die Dauer leider auch etwas anstrengend. Dennoch finde ich es grundsätzlich lobenswert, dass sich der Filmemacher diesem Thema verschrieben hat und es realistisch unter die Lupe nimmt.