Enthüllt

Benedict Cumberbatch – Eine Studie in Scharlachrot

Benedict Cumberbatch, seiner Zeit voraus
© StudioCanal
Benedict Cumberbatch, seiner Zeit voraus

Mein lieber Watson,

nach den Turbulenzen der letzten Tage bin ich nun noch einmal kurz zur Ruhe gekommen und nutze die Zeit, um ein Thema aufzugreifen, welches wir erst letztens diskutiert hatten. Du weißt ja, dass ich Ruhe eigentlich nicht ausstehen kann, da mein Gehirn gegen jegliche Art der Stagnation rebelliert. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen hat mich dein merkwürdiges Gedankenspiel von vor zwei Abenden sehr beschäftigt. Wohl auch, da ich mir mein Vermächtnis mehr in Erinnerung gehalten wünsche, als mir lieb ist. Wer mich nach meinem Ableben einmal verkörpern soll? Nun, mein lieber Watson, ich bin da kürzlich auf jemanden gestoßen.

Zuallererst ist natürlich festzuhalten, dass es sich hierbei um einen Mann mit Talent handeln muss. Und kein Dahergelaufener, der sich möglicherweise als “Fan” ausgibt, nur weil er deinen Selbsthilfe-Blog verfolgt. Je länger die relevante Person im Business ist, desto besser. Nun, ich habe mein Auge auf jemanden geworfen, der nicht nur zu Kindheitszeiten schon im Theaterclub seiner Schule mitwirkte, sondern von seinem damaligen Lehrer sogar als talentiertester Theaterschüler zu dessen Wirkungszeit bezeichnet wurde. Ich halte nicht viel von menschlichen Gefühlen und Emotionen, wie du weißt. Und auch bei dieser Lobpreisung könnte es sich auf den ersten Blick um einen menschlichen Defekt handeln.

Doch habe ich diesen Mann bereits in Aktion erlebt. Im Februar 2011 sah ich die Premiere vom Theaterstück Frankenstein – ja, die berühmte Novelle unserer Landesfrau Mary Shelley – hier in London. Inszeniert wurde das Stück damals von Regisseur Danny Boyle. (Ich hörte, dass dieser auch im Film Karriere gemacht haben soll?) Die Darstellung des Auserkorenen war beeindruckend, doch für den Moment hielt ich die Erinnerung an diese Person nicht für relevant und vergaß ihn schnell. Etliche Abende später setzte ich mich zum besseren Nachdenken vor den Fernseher. Ich hasse dieses abscheuliche Gerät und frage mich immer noch, was du damit willst, aber es hilft mir beim Grübeln, da die Bilder so unreflektiert vorbeiziehen können. Doch ein bekanntes Gesicht erregte plötzlich meine Aufmerksamkeit.

Mein lieber Watson, auch wenn es manchmal schwer begreiflich ist, wirst du nun auch sicherlich schon wissen, was ich meine. Ich sah natürlich eben jenen jungen Mann wieder, den ich zuvor als Victor Frankenstein beobachtete. Und wieder verkörperte er einen mehr oder minder genialen Wissenschaftler. Passend also zu meiner Person, der ich ja die Wissenschaft der Deduktion perfekt vorangetrieben hab. Ehe ich abschweife, lass dir gesagt sein, dieser TV-Film (Hawking – Die Suche nach dem Anfang der Zeit), der den PhD-Studenten Stephen Hawking zum Thema hatte, war beeindruckend. Auch wenn mich das Gerede um Sterne, Universum und Zeitschreibung nur am Rande, nein, eigentlich gar nicht interessiert, war der künstlerische Ausdruck des Hauptdarstellers bezeichnend.

Aus reinem Interesse an der Person nahm ich mir vor, dessen Laufbahn weiterzuverfolgen. Man kann schließlich nie wissen, wann ein abgehobener Star der dunklen Seite des Ruhms begegnet. Nennen wir es also detektivische Feldforschung. Im Fernsehen erlebte der Mann, der heute übrigens 37 Jahre alt ist, 2010 durch eine ganz besondere Serie seinen weltweiten Durchbruch. Das dumme ist, mir ist der Name dieses Beitrags entfallen. Auf jeden Fall geht es um so etwas ähnliches, was wir tagtäglich vollbringen – und damit rühmen sich auch noch Leute. Watson, ich fürchte, wir werden in nächster Zeit vielen Nachahmern begegnen. Jedenfalls hat mir seine Darstellung in dieser Serie überhaupt nicht gefallen. Zu überdreht, kalt und fernab der Realität. Welcher Ermittler lässt sich auch schon von einem consulting criminal hereinlegen?

Dennoch brachte ihm diese Rolle internationale Anerkennung. Und so blickte mir der Mann zusätzlich von diversen Filmplakaten entgegen. Ich nahm mich einiger Filme an. Ob britische Historienfilme oder Spionagethriller, der Herr glänzte immer öfter. Persönlich gefiel mir ja dieser Dame König As Spion doch ein wenig, obwohl ich natürlich über die wahre Identität des Verräters schon nach wenigen Minuten Bescheid wusste. Zu einfach, mein lieber Watson, viel zu einfach. Danach folgte ein Science-Fiction-Film – Star Trek Into Darkness war der Titel – in dem er das absolut Böse personifizierte. Doch der Teufel steckt im Detail: “Science”. Ein grausamer Film also für meine Wenigkeit.

Doch er hat mir bewiesen, dass er in der Lage ist, vielseitige Facetten unterschiedlicher Charaktere abzubilden. Das wäre gerade das Passende für mich. Du solltest dir auch ein Bild von dem Mann machen. In nächster Zeit sollen wohl drei große Filme mit seiner Beteiligung erscheinen: Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt, 12 Years a Slave und Im August in Osage County sind die Titel. Ach ja, und wenn du ihn nur einmal hören magst, dann schau dir entweder zu Weihnachten diesen neuen Der Hobbit: Smaugs Einöde an oder schalte unser Radio ein. Dort läuft ab und zu das Stück Cabin Pressure, bei welchem er mitwirkt. Zudem hat der Mann bisher so viele Auszeichnungen erhalten, dass er wohl mit Recht den Titel eines großartigen Schauspielers tragen darf.

Also, mein lieber Watson, sollte es so kommen, dass ich vor dir diese Welt verlasse, dann wende dich doch bitte an diesen Benedict Cumberbatch und bitte ihn um einen Gefallen von nationaler Wichtigkeit! Alles andere hast du bitte zu boykottieren.

Es grüßt dich,

dein Sherlock Holmes.

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