Black List - Wie aussagekräftig ist die Liste der besten Drehbücher?

The Wolf of Wall Street, Juno, There Will Be Blood, The Wrestler, Arrival
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Mehr noch als mit den schauspielerischen Leistungen, der Inszenierung des Regisseurs sowie allem technischen Drumherum steigt und fällt die Qualität eines Films mit der des zugrunde liegenden Drehbuchs. Wenn die nicht stimmt, wird es auch einem Meisterregisseur aus der Liga eines Hitchcock oder Kubrick nicht gelingen, einen zufriedenstellenden Streifen auf die Leinwand zu zaubern. Um eine Plattform für die vielversprechendsten Skripte Hollywoods zu schaffen, rief Franklin Leonard deshalb 2005 die sogenannte Black List ins Leben. Über 250 Filmschaffende nennen dazu jeweils bis zu zehn noch unverfilmte Drehbücher, die sie im vergangenen Jahr besonders überzeugt haben und die meistgenannten landen dann schlussendlich auf Leonards schwarzer Liste. Im vergangenen Jahr haben wir euch die Black List bereits in einem ausführlichen Artikel vorgestellt.

Doch wie aussagekräftig ist diese Liste? Entstehen aus den guten Drehbüchern schlussendlich auch gute Filme? Dies versuche ich in den folgenden Absätzen herauszufinden. Besonders soll dabei auch der Erfolg bei den alljährlichen Academy Awards betrachtet werden, da bei der Verleihung am 04.03.2018 mit Die Verlegerin, I, Tonya und Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit erneut drei Filme vertreten sind, die auf Black-List-Drehbüchern basieren.

Allgemeiner Erfolg der Black List-Filme

Von den knapp 1000 Drehbüchern, die seit der ersten Ausgabe der Black List 2005 auf dieser aufgeführt wurden, gingen über 300 schließlich auch in Produktion und spielten an den weltweiten Kinokassen zusammen mehr als 26 Milliarden Dollar ein (via The Black List). Unter anderem waren auf der Black List die Drehbücher zu Damien Chazelles elektrisierendem Musik-Drama Whiplash (2012), Paul Thomas Andersons Historien-Epos There Will Be Blood (2006) und Martin Scorseses Börsenmakler-Biopic The Wolf of Wall Street (2007) zu finden. Dies sind die besten Filme, deren Vorlagen seit 2010 auf der Black List aufgeführt waren (nach imdb-Wertung):

Wie man aber auf der folgenden Grafik sieht, waren längst nicht alle auf der Black List aufgeführten Drehbücher später auch Volltreffer. Unter anderem erhielt 2012 der Psycho-Horror Shut In mit Naomi Watts und Jacob Tremblay viele Stimmen der Experten (mehr als Whiplash im gleichen Jahr). Der fertige Film kam jedoch alles andere als gut an. Ähnlich sah es auch bei Atemlos - Gefährliche Wahrheit mit Taylor Lautner und Serena mit Jennifer Lawrence und Bradley Cooper aus, deren Skripte beide auf der 2010er Black List standen.

Insgesamt betrachtet haben die guten Verfilmungen von Black List-Drehbüchern jedoch klar die Nase vorn: Während von denen, die seit 2010 aufgeführt und anschließend verfilmt wurden, nur 18 eine imdb-Wertung von 6 oder schlechter aufweisen, sind bei der Filmdatenbank ganze 40 mit einer Punktzahl von 7 oder besser bewertet.

Die Black List bei den Oscars

Auch anhand der alljährlichen Oscarverleihung lässt sich einschätzen, ob die Experten hinter der Black List ein gutes Gespür für die besten Drehbücher des Jahres haben. Insgesamt waren die Verfilmungen für 264 Academy Awards nominiert, dazu gesellen sich in diesem Jahr noch sechs weitere für Die Verlegerin, Roman J. Israel, Esq. und I, Tonya. Jedoch wird mit der kommenden Verleihung eine über zehn Jahre andauernde Serie gebrochen: Seit 2007 waren immer mindestens zwei zuvor auf der Black List aufgeführte Drehbücher für Oscars in den Kategorien Bestes adaptiertes Drehbuch bzw. Bestes Originaldrehbuch nominiert. Doch in diesem Jahr sind weder die Skripte zu I, Tonya von Steven Rogers und Roman J. Israel Esq. von Dan Gilroy, noch das zu die Verlegerin von Liz Hannah und Josh Singer für einen Goldjungen nominiert. Anhand der nachfolgenden Grafik könnt ihr erkennen, das Black List-Filme in den vergangenen Jahren eine deutlich größere Rolle bei den Oscars gespielt haben. So gingen sogar stolze zehn der letzten 20 Drehbuch-Trophäen an Skripte, die zuvor auf der schwarzen Liste standen.

Ein Blick in die Zukunft

Mit über 60 oscarnominierten Filme und modernen Klassiker wie There Will Be Blood, Brügge sehen... und sterben?, The Wolf of Wall Street oder Inglourious Basterds, die aus auf der Black List aufgeführten Filmen hervorgingen, sowie dem großen Erfolg in den Drehbuch-Kategorien bei den Academy-Awards im vergangenen Jahrzehnt, kann man Hollywoods Liste der besten unverfilmten Drehbücher auf jeden Fall als guten Indikator für die Film-Highlights der nächsten Jahre sehen.

Wir können sehr gespannt sein, was die nächsten verfilmten Vorlagen für uns bereit halten und ob sie den Vorschusslorbeeren der Black List-Experten gerecht werden können. Noch in diesem Jahr erwarten uns der Kriminalthriller LAbyrinth (alias City of Lies), das Science-Fiction-Drama I Think We're Alone Now sowie das Liebesdrama Life Itself. Übrigens stehen auch auf der aktuellen Black List wieder einige sehr vielversprechende Kandidaten für zukünftige Kino-Hits - darunter ein Biopic über das Leben von Harry Potter-Autorin J.K. Rowling.

Was ist euer Lieblingsfilm, der auf einem Black List-Skript basiert?

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