Das bessere Game of Thrones schreibt gerade TV-Geschichte und keiner kriegt es mit

16.05.2023 - 17:10 UhrVor 10 Monaten aktualisiert
Succession
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Wie sehen 60 perfekte TV-Minuten aus? Succession hat mit der 8. Folge der 4. Staffel eine eindrucksvolle Antwort gegeben, die definitiv in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Succession hat gerade die beste Serien-Episode des Jahres abgeliefert. Das Drama um das Erbe eines ruchlosen Medienmoguls befindet sich in seiner letzten Staffel, was bedeutet: Jetzt rollen Köpfe. So überraschend die Ankündigung des Serienendes kam, so erbarmungslos rasen wir auf das Finale zu. Mit der 8. Folge der 4. Staffel hat die Serie ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht und ein Meisterwerk geschaffen.

Die Prämisse von Succession ist schnell erklärt: Logan Roy (Brian Cox) besitzt eines der einflussreichsten Medienkonglomerate in den USA. Da er nicht ewig leben wird, drängt sich mit fortschreitendem Alter die Frage der Nachfolge auf. Wer führt Waystar RoyCo in die Zukunft? Ansprüche werden von den unterschiedlichsten Seiten erhoben. Alle streiten um die Krone, aber der König denkt nicht einmal daran, abzudanken.

Succession macht in Staffel 4 keine Gefangenen mehr

Ich habe selten 60 dermaßen dicht erzählte TV-Minuten erlebt. Doch genau das ist der Reiz dieser finalen Staffel: Wo viele andere Serien an den Punkt kommen, wo sie um Zeit spielen und dadurch selbst explosive Konflikte verwässern, macht Succession seit acht Wochen keine Gefangenen mehr. Alles, was sich in den ersten drei Staffeln angestaut hat, entlädt sich gerade mit voller Wucht. Dem beizuwohnen, ist phänomenal.

Hier könnt ihr den Trailer zu Succession schauen:

Succession - S04 Trailer (English) HD
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Die Figuren auf dem Schachbrett von Succession wurden in Position gebracht und sind bereit für die großen Züge. Allen voran die Roy-Geschwister Kendall (Jeremy Strong), Shiv (Sarah Snook) und Roman (Kieran Culkin), die seit Beginn der Serie um das Medien-Imperium ihres Vaters streiten. Halten sie am Ende zusammen oder betrügen sie sich? Succession findet die abgründigste Antwort auf diese Frage.

Die 8. Folge katapultiert uns mitten in die Wahlnacht in den USA. Es sind jedoch nicht die Stimmzettel, die über den nächsten Präsidenten entscheiden, sondern die Narrative, die als Geschichten darum gebaut werden. Kendall, Shiv und Roman sitzen in den gläsernen Räumen ihres TV-Senders und müssen sich für eine Version entscheiden, mit der sie die Geschichte Amerikas, ihrer Familie und ihres eigenen Lebens fortschreiben.

Am Ende von Succession warten Monster

Vier Staffeln lang kämpften die Roys um Macht und Einfluss. Meistens handelt es sich allerdings nur um Theorie. Ständig steht ein neuer Deal im Raum, eine angedeutete Abmachung oder ein vages Versprechen. Selten werden die Dinge beim Namen genannt. Stattdessen benutzt jeder ein Vokabular von Möglichkeiten, um seine wahren Absichten nicht zu verraten, obwohl für glasklar ist, dass alle das Gleiche wollen.

All die Assets und Zahlen, die sich die Figuren gegenseitig an den Kopf werfen, finden selten eine tatsächliche Entsprechung in den Episoden. Meistens bewegen wir uns in den gleichen austauschbaren Räumen wieder und fragen uns, worum die Figuren eigentlich feilschen. Ist das alles überhaupt echt? In der neuen Folge zeigt uns Succession endlich, wie dieses Machtimperium aussieht, wenn es sich in voller Bewegung befindet.

Während sich die Figuren auf einer Mikroebene zerfleischen, beeinflussen ihre (anfangs taktischen, später impulsiven) Handlungen die Zukunft Amerikas. Ein Leben lang war Macht ein Spielball und alles in Bewegung. Zum ersten Mal erfahren sie, was es bedeutet, sich festzulegen. Jetzt kann sich niemand mehr die fünf Minuten nehmen, die ansonsten immer eingefordert wurden, um sich neu zu ordnen.

Succession erinnert uns auf schmerzvollste Weise daran, welchen Menschen wir wirklich zuschauen. Das Bild, das daraus entsteht, ist ein extrem hässliches. Seit Beginn der Serie frage ich mich, ob die Roy-Geschwister jemals etwas Aufrichtiges untereinander ausgetauscht haben. Am Ende der neuen Folge fürchte ich mich nur noch vor den Monstern, weil wirklich jede Szene der Serie mit gespaltener Zunge daherkommt.

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