Der König der Löwen: 10 erstaunliche Vorlagen haben den Disney-Film inspiriert

Der König der Löwen
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Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.

Mit einem König der Löwen-Quiz konntet ihr zum 25. Jubiläum bereits euer Wissen zu dem Zeichentrickklassiker von Disney auf den Prüfstand stellen. Bevor am 17.07.2019 Jon Favreaus Disney-Remake Der König der Löwen erscheint, zu dem wir schon erstaunlich viel wissen, lohnt aber auch ein tieferes Eintauchen in die Mythologie des Films.

Deshalb blicken wir an dieser Stelle noch einmal auf den ursprünglichen König der Löwen-Film zurück und decken auf, welche anderen Geschichten ihren Einfluss ausübten, als es um die Erschaffung des Disney-Meisterwerks ging. 10 inspirierende Vorlagen haben wir für euch zusammengetragen:

Der König der Löwen als "Bambi in Afrika"

Wie die erweiterte DVD-Fassung von Der König der Löwen im Bonusmaterial verrät, wurde die Idee zum Film dem Studio als "Bambi in Afrika" vorgestellt. Tatsächlich weisen die zwei Disney-Filme trotz des Abstands von 52 Jahren große Parallelen auf. Am auffälligsten ist natürlich der Elternverlust (bei Bambi ist es die Mutter, bei Simba der Vater), der beide Tiere zu Halbwaisen macht.

Aber auch der Kreislauf des Lebens, der im König der Löwen ein Hauptthema ist, existiert in Bambi bereits, wenn im Frühling der Zyklus neugeborener Rehkitze wiederholt beginnt. Disney hat sich also selbst inspiriert. Während die Zeichner schon für Bambi echte Rehe als Studienobjekte erhielten, durften dann reale Löwen ins Studio.

Der König der Löwen als Disneys Hamlet

Eine weitere Ähnlichkeit, die den König der Löwen-Schöpfern erst nach und nach bewusst wurde, ist die zu William Shakespeares Stück Hamlet. Viele Königsgeschichten handeln natürlich von Intrigen am Hof, doch als den Regisseuren Rob Minkoff und Roger Allers die Parallelen auffielen, beschlossen sie, die Shakespeare-Ähnlichkeiten weiter auszubauen.

Scar war zunächst nur ein Außenseiter, wurde daraufhin aber zu Mufasas Bruder geupgradet - so tötet der Bruder (Scar/Claudius) den König (Mufasa/Hamlet Sr.) und der wird von dessen Sohn (Simba/Hamlet Jr.) nicht gerächt. Erst als dem Sohn der Geist des Vaters erscheint, fasst er die Vergeltung und seinen angestammten Platz ins Auge. - Der König der Löwen-Spitzname "Bamblet" (Bambi + Hamlet) kursierte hinter den Kulissen.

Die Bibel beeinflusste den König der Löwen

Sogar Bibel-Motive flossen in die Schöpfung des Königs der Löwen ein: Eine von den Filmemachern im Bonusmaterial bestätigte Parallele finden sich zu Moses brennendem Dornbusch - wobei Simbas Erleuchtung durch die feurige Himmelserscheinung seines Vaters erfolgt.

Außerdem waren die Löwen-Erschaffer sich der Ähnlichkeit zu Josef bewusst (am besten wohl bekannt aus Andrew Lloyd Webbers Musical "Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat"): Als Lieblingskind mit großen Plänen aufgezogen, wird dieser aus seiner Heimat verstoßen und kehrt erst Jahre später zurück, um von seiner Familie kaum erkannt zu werden.

"Hakuna Matata" - das neue "Probiers mal mit Gemütlichkeit"

Weitere Disney-Inspiration fand der König der Löwen im Tonfall von Das Dschungelbuch. Während Bär Balu in dem 1967er-Werk für Mogli noch mit dem Song "Probiers mal mit Gemütlichkeit" das sorgenfreie Leben heraufbeschwor, wurde dieser Part in Bezug auf Simba, Timon und Pumbaa übertragen, die mit "Hakuna Matata" ("Es heißt die Sorgen bleiben dir immer fern") die notwendige Leichtigkeit mitbrachten.

Eine literarische Vorlage für das ungleiche Duo Timon und Pumbaa

Timon und Pumbaa zogen ihre Inspiration als ungewöhnliche Freunde aus einer Buchvorlage: John Steinbecks Roman Von Mäusen und Menschen bot die ideale Vorlage für ein ungewöhnliches Doppel: Lennie und George - also der große Naive und der kleine Bestimmer - fanden sich im Warzenschwein und Erdmännchen vom König der Löwen wieder ... zum Glück mit besserem Ausgang.

Was Scar und Leni Riefenstahl gemeinsam haben...

Im DVD-Audiokommentar zum König der Löwen gehen Don Hahn, Roger Allers und Rob Minkoff darauf ein, dass die in Reih und Glied marschierenden Hyänen zu Scars Lied "Seid bereit" nicht von ungefähr an dikatorische Machtdemonstrationen im Dritten Reich erinnern. Tatsächlich wurde die Szene von Leni Riefenstahls Propaganda-Werk Triumph des Willens inspiriert.

Disneys Naturdokus befeuerten Der König der Löwen

Bevor Der König der Löwen 1994 ins Kino kam, erfreuten sich in den 1980ern und frühen 90ern Tier-Dokumentationen zunehmend großer Beliebtheit. Explizit nannten die Regisseure zum Beispiel die National Geographic-Doku Eternal Enemies: Lions and Hyenas. Disney kombinierte außerdem selbst schon damals echte Natur-Aufnahmen mit lustigen Geschichten, die den realen Bildern angedichtet wurden.

Da Der König der Löwen einer der ersten Disney-Filme ganz ohne Menschen war, wurden die Dokus zur geistigen Vorlage genommen, um diesmal mit gezeichneter Wirklichkeitsnähe und kaum anthropomorphisierten Tieren eine fiktive bewegende Story zu spinnen. (In frühen Entwürfen setzten Tiere und Landschaften sich noch aus deutlich bunteren afrikanischen Mustern zusammen.)

Jeremy Irons' Scar zieht sich nicht aus der Affäre

Schauspieler Jeremy Irons spricht in der Originalversion vom König der Löwen-Bösewicht Scar. Er wollte die Rolle zunächst nicht, nachdem er sie dann doch annahm, übte er indirekt aber sogar großen Einfluss aus: Die Animatoren sahen sich Jeremy Irons nämlich in Verhängnis (Damage, 1992) und Die Affäre der Sunny von B. (Reversal of Fortune, 1990) intensiv an, um das Spiel seiner Gesichtsmuskeln auf Scar zu übertragen.

Aus letzterem Film wurde augenzwinkernd sogar ein direktes Jeremy Irons-Zitat übernommen: "You have no idea" (im Deutschen: "Schräg ist noch gar kein Ausdruck") - auf Youtube wurde die Szene gegeneinander geschnitten.

Pumba, der Taxifahrer

Hin und wieder erlaubt es sich Der König der Löwen also, aus dem Rahmen der "echten Natur" auszubrechen und andere kulturelle Einflüsse anzudeuten. Deshalb durfte Timon in Afrika Hula tanzen und Pumbaa hatte die Möglichkeit, im Kampf gegen die Hyänen Martin Scorses Taxi Driver rauszulassen: Er fragt nämlich wiederholt "Redest du mit mir?!" ("Are you talkin' to me?!"). Robert DeNiro und sein Spiegelbild sind bestimmt stolz auf diese Anspielung.

Kimba gegen Simba: Japanische vs. Disney-Löwen

Die japanische Manga-Reihe, die auch zur Anime-Serie Kimba, der weiße Löwe adaptiert wurde, wurde von Disney nie als offizielle Vorlage für Der König der Löwen anerkannt. Dennoch finden sich große Parallelen in einzelnen Elementen, z.B.:

  • Der Namen-Gleichklang von Kimba und Simba ist nicht zu überhören.
  • Affe und Vogel dienen als Berater.
  • Und auch der weiße Löwenjunge verliert seinen Vater durch Mord und will in seine Heimat zurückkehren, um den Thron zu besteigen.

Wie es der (Nicht-)Zufall will, war Kimbas Königreich ein Dschungel und auch Der König der Löwen hieß zunächst "King of the Jungle", bevor die Filmemacher feststellten, dass Löwen gar nicht im Urwald lebten. Da Kimba aber wiederum stark von Disneys Bambi beeinflusst worden war, schloss sich hier wohl der ewige Kreis der Kopien bzw. gegenseitigen Inspiration.

Wusstest du bereits um die König der Löwen-Einflüsse aus früheren Geschichten?

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