Der Retro-Held 2018: Christopher Nolan bringt uns Filmgeschichte näher

Christopher Nolan
© Warner Bros.
Christopher Nolan
10.12.2018 - 10:35 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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2018 hat Christopher Nolan keinen eigenen Film herausgebracht, untätig war der Regiestar aber keineswegs. Wir huldigen seinem Einsatz für den Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum und das analoge Kino.

Christopher Nolan brachte vergangenes Jahr seinen gefeierten Kriegsfilm Dunkirk in die Kinos. 2018 gönnte sich der Brite dafür eine Auszeit, zumindest in seiner Funktion als Regisseur. Tatsächlich galt die Aufmerksamkeit des 48-Jährigen in den vergangenen Monaten abermals voll und ganz dem Medium Film, wobei sich Nolan in hohem Maße als Bewahrer des analogen Kinos verdient machte. Der Star-Regisseur nahm sich Stanley Kubricks Science-Fiction-Meilenstein 2001: Odyssee im Weltraum zur Brust und präsentierte im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes die von ihm persönlich restaurierte 70mm-Originalfassung des legendären Werks. Anschließend landete eben diese Version sogar in einigen Kinos, natürlich zur Freude vieler Cineasten. Im Rahmen unseres moviepilot-Jahresrückblicks haben wir Christopher Nolan daher zum Retro-Held 2018 gekürt.

Christopher Nolan verbeugt sich vor 2001 und dem traditionellen Kino

Wie die New York Times  berichtet, arbeitete Nolan mit Warner Bros. zusammen, um 2001: Odyssee im Weltraum in altem und zugleich neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Der Regisseur erhielt dabei Zugang zu aufbewahrten Originalnegativen und konnte schließlich die ursprüngliche 70-mm-Fassung wiederherstellen. Tatsächlich hatte Warner bereits 1999 eine Art Sicherungskopie der ursprünglichen Kamera-Negative angefertigt und auch damit begonnen, alte Reparaturspuren an den Originalen zu beseitigen. Jedoch waren die echten Negative leicht eingeschrumpft und waren farblich verblasst, sodass der Konzern seine Arbeit an Kubricks Vermächtnis zunächst einstellte - bis Christopher Nolan auf den Plan trat und das Projekt an sich riss.

2001: Odyssee im Weltraum

Dank Christopher Nolan haben jetzt auch jüngere Generationen die Chance, 2001: Odyssee im Weltraum so zu sehen wie von Stanley Kubrick beabsichtigt. Nolan selbst bevorzugt für die von ihm aufpolierte 70-mm-Version eigenen Angaben zufolge den Begriff "unrestauriert", obwohl es sich bei seinem Vorgehen technisch gesehen durchaus um eine Restaurierung des Klassikers handelt. Nicht zuletzt nämlich ist sich der Interstellar-Regisseur durchaus auch der Tücken bewusst, die ein solcher Prozess mit sich bringen kann. Gegenüber Variety  gab er zu Protokoll:

Es gibt diesen Trend und diese Gefahr, dazusitzen und sich zu denken: 'Was hätte der Filmemacher getan, wenn er 5.1-Sound zur Verfügung gehabt hätte? Oder Dolby Atmos? Oder Laserprojektion?' Diesen Weg wollte ich in keiner Weise beschreiten.

Christopher Nolan hat 2001: Odyssee im Weltraum neu für sich entdeckt

Christopher Nolan war ironischerweise noch nie mit einem eigenen Film in Cannes vertreten, für seine Verdienste an der Restaurierung von 2001: Odyssee im Weltraum wurde er im Frühjahr an der Côte d’Azur jedoch frenetisch gefeiert. Und noch aus einem ganz anderen Grund hat sich die auf mehreren Ebenen tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Film für ihn ausgezahlt, denn so manche Szene betrachtet er nun in einem anderen Licht. Als Beispiel nannte Nolan gegenüber der New York Times jenen Moment, in dem der Computer HAL den Astronaut Bowman fragt, ob dieser ein Lied hören wolle. Nolan habe immer geglaubt, Bowman dulde den Gesang der Maschine lediglich, nach mehreren Sichtungen des Films innerhalb kurzer Zeit aber habe er Aggression als Motiv ausgemacht. Demnach will Bowman HAL singen hören, um sicherzugehen, den Antagonist währenddessen auch wirklich auszuschalten. Das Verstummen der Computers belegt dann den Erfolg des Astronauten.

Christopher Nolan

Christopher Nolans Feldzug gegen verfälschende neue Technologien

Unser Retro-Held 2018 ist Christopher Nolan übrigens noch aus weiteren Gründen. So wetterte er beispielsweise gegen Samsungs LED-Kino-Fernseher, der eines Tages die traditionelle Leinwand ersetzen könnte. Eben dieser Gedanke ist Nolan wie auch seinem Regie-Kollege Steven Spielberg ein Dorn im Auge. Dass der gigantische neue Bildschirm in der Lage ist, echtes Schwarz abzubilden, versöhnt die beiden offenbar keineswegs. Zudem engagierte sich Christopher Nolan gegen den zumeist automatisch eingestellten so genannten Soap-Opera-Effekt bei modernen TV-Geräten, der zwar für eine bessere Bewegungsschärfe sorgt, bewegte Bilder daneben aber sehr künstlich aussehen lässt. Auch hier geht es für den berühmten Filmemacher letztlich darum, dem Zuschauer ein Werk so zu präsentieren wie von Machern gedacht.

Wie steht ihr zu Christopher Nolans Einsatz für klassisches Kino (und Fernsehen)?

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