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Jonathan Rhys Meyers kann Die Kinder der Seidenstraße auch nicht retten

08.10.2009 - 08:50 Uhr
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Die Kinder der Seidenstrasse
© 3 Rosen
Die Kinder der Seidenstrasse
Der Film Die Kinder der Seidenstraße will im Gebiet von John Rabe wildern. Auch George Hogg, die Hauptfigur des Films, rettet hilflose Chinesen vor den Japanern. Leider gleicht auch das Drehbuch einer Billigproduktion aus Fernost.

Die Kinder der Seidenstraße handelt von der “auf einer wahren Begebenheit basierenden” Geschichte um George Hogg (Jonathan Rhys Meyers), der 1937 als Reporter nach China kommt und dort Zeuge japanischer Kriegsverbrechen wird. Da sich die Japaner bei ihren Untaten nur ungern beobachten lassen, gerät Hogg selbst in Gefangenschaft und wird erst in letzter Sekunde vom chinesischen Partisanenkämpfer Jack Chen (Yun-Fat Chow) vor der Hinrichtung bewahrt. Verletzt wird er von der attraktiven Krankenschwester Lee Pearson (Radha Mitchell) wieder aufgepäppelt und in einem abgelegenen Bergdorf versteckt. Dort trifft er auf 60 traumatisierte und verwahrloste Waisenkinder, die zunächst wenig begeistert über den Neuankömmling sind. Kaum dass es Hogg geschafft hat, sich das Vertrauen und den Respekt der Kinder zu erarbeiten, rücken die Japaner zum Dorf vor. Hogg bleibt nichts anderes übrig, als mit den Kindern über die raue und gefährliche Strecke entlang der Seitenstraße zu fliehen.

Diese Story nach dem Muster „Europäer rettet hilflose Ausländer vor ihren Feinden“ erinnert sehr an Schindlers Liste oder John Rabe, der im Kino trotz guter Kritiken nur mäßig lief. Da werden es Die Kinder der Seidenstraße wohl schwer haben, denn die Pressestimmen zum Film sind nur verhalten. Was den Film bei den meisten Kritikern zu retten scheint, ist der „Wahre-Geschichten-Bonus“, so schreibt Silvy Pommerenke von kino-zeit.de „Wenn der Film nicht auf einer wahren Begebenheit beruhen würde, dann könnte man dem Drehbuchautor vorwerfen, er hätte all zu sehr in die Kitschkiste gegriffen.“ Die Minneapolis Star Tribune bringt es auf den Punkt: „Irgendwo in diesem unbefriedigenden Drama versucht sich eine großartige Dokumentation herauszukämpfen.“

Für die Umsetzung der Story von Die Kinder der Seidenstraße fällt die Kritik schon deutlicher aus. Michael Meyns von programmkino.de bezeichnet den Film als „banal“. Kritisiert wird die zu schnelle Folge von Ereignissen, die es dem Film nicht erlaube, dramaturgische Tiefe zu generieren. Ähnlich urteilt F.M. Helmke von filmszene.de: „Hier wird vieles an-, aber nichts wirklich ausgespielt“. Nils Bothmann von Schnitt.de bemängelt „durch abrupte Zeitsprünge getrennte Episoden, denen es an Kohärenz mangelt“. „Voller Zwischenfälle aber ohne dramatische Spannung“ fasst Sheri Linden vom Hollywood Reporter die Handlung zusammen. Lob hingegen von Gebhart Hölzl vom Bayrischen Rundfunk : „Das bewegende Kriegsdrama besitzt alles, was man sich von einem großen Kinofilm erhofft: imposante Schauplätze im chinesischen Hinterland, bedrohliche Actionsequenzen, die das Grauen des Krieges spürbar machen und großartige Schauspieler.“

Auch der Hauptdarsteller Jonathan Rhys Meyers polarisiert in seiner Rolle als George Hogg. Während er der Kontra-Fraktion zu glatt und attraktiv für das chinesische Hinterland ist, kann er bei seinen Befürwortern genau damit punkten: „Dies alles gepaart mit einer unglaublich britischen Höflichkeit passt wie angegossen auf den Iren Jonathan Rhys Meyers, der selbst mit strubbeligen Haaren, dicken Wattehosen und Wollschal eine unglaubliche Eleganz auf die Kinoleinwand bringt. Aber nicht nur das, sondern auch in den verzweifelten Momenten, wenn er Zeuge einer Massenhinrichtung wird, panische Angst vor der vermeintlichen Enthauptung zeigt und auch emotional warmherzig den Blick auf den kleinen Jungen (oder die Geliebte) wendet, all das scheint weniger geschauspielert als vielmehr direkt aus des Mannes Seele zu kommen.“ (Silvy Pommerenke von kino-zeit.de). Kritisiert wird hingegen sein blasser Charakter George Hoog, dessen „Charakter und Persönlichkeit verborgen bleiben“ und überhaupt erst durch die Augenzeugenberichte im Abspann an Tiefe gewinnt (Jeannette Catsoulis von der New York Times)

Einigkeit herrscht lediglich in der Bewunderung für die chinesische Landschaft. „Es sind fantastische Aufnahmen, in die Kameramann Xiaoding Zhao diese Strapazen taucht.“ (Kathrin Häger vom Film-Dienst) „Die Kamera wird in den ungewöhnlichsten Perspektiven auf scheinbar Belangloses gerichtet und zaubert dadurch ganz Ungewöhnliches zu Tage.“ (Silvy Pommerenke von kino-zeit.de)

Schaut euch hier den Trailer an

Der Film startet am 8. Oktober in unserer Kinos. Schaut doch in unser Kinoprogramm, wenn Ihr wissen wollt, wo er läuft.

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