Ein stiller Star Wars-Held: Zum Tod von Chewbacca-Darsteller Peter Mayhew

Das Imperium schlägt zurück
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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.

Vor wenigen Stunden erreichte uns die traurige Nachricht von Peter Mayhews Tod. Bekannt wurde er durch die Verkörperung von Chewbacca, jenem zotteligen Wookie, der seit 1977 die Star Wars-Filme aufmischte. Einschüchternd in seiner Statur war sein Chewie aber vor allem eines: der Stille Held des Weltraumabenteuers. Selbst wenn ein aufgebrachtes Brüllen sein wohl bekanntestes Markenzeichen ist.

Wenige Filmfiguren haben einen vergleichbaren Eindruck in der Popkultur hinterlassen. Klar, gerade im Star Wars-Universum tummelt sich mit Luke, Leia und Han gleich eine ganze Reihe unvergesslicher Helden und Bösewichte, deren Gesichter auf T-Shirts gedruckt werden. Doch Chewie hat sie in seiner Einmaligkeit übertroffen und ist zur unangepassten Ikone aufgestiegen.

Wie Peter Mayhew eine unsterbliche Figur zum Leben erweckte

Nicht einmal Darth Vaders bedrohliches Atmen vermag es, mit den mal dramatischen, mal liebenswürdigen Lauten des Wookie mitzuhalten. Ein leidenschaftliches Whrrrrgrrrraaa, ein aufgebrachtes Aaarrrarrrgwwwhh oder ein warmherziges Brrawwwgraawwwh - obwohl sich Chewie auf den ersten Blick nicht kryptischer ausdrücken könnte, spricht er eine universelle Sprache, womöglich sogar die universellste der weit, weit entfernten Galaxis.

Peter Mayhew erweckte Chewbacca in einer dermaßen ausgeklügelten Mischung aus Mimik und Gestik (allein, wie er den Kopf zur Seite kippt) zum Leben, das nicht einmal das voluminöse Fell seine Ausdrucksfähigkeiten einschränkte. Im Gegenteil: Chewies Erscheinung ist stellvertretend für die gesamte Star Wars-Magie und fühlt sich zu keiner Sekunde wie ein Fremdkörper, eine schlechte Maske oder gar ein lächerlicher Einfall an.

Chewie ist der, der den Weltraum lebendig macht, der uns erzählt, wie viel größer dieses Universum ist. Nicht zuletzt steht Chewie auch für all die Geheimnisse, die wir nie erfahren werden, die verschlüsselten Codes des Star Wars-Kanons und die unerwartete Herzlichkeit, die sich hinter den fantastischen Welten versteckt, die unter der Last des Imperiums und allen damit einhergehenden Konflikten zu ersticken droht.

Chewie bringt Humor und Tragik in den Krieg der Sterne

Erstaunlich ist insbesondere, wie Chewie gleichermaßen Teil der großen Geschichte ist und trotzdem aus der Reihe fällt, als wäre er nur zufällig in diesen Krieg der Sterne gestolpert. Chewie hat seinen eigenen Kopf, seinen eigenen Rhythmus und vor allem seinen eigenen Magen. Die Dynamik, die sich daraus im Zusammenspiel mit den anderen Figuren entwickelt, ist fraglos einer der wertvollsten Star Wars-Schätze.

Dabei bringt Chewie nicht sehr viel Humor in die Galaxis, sondern ebenso stille Momente. Diese künden dann von der Tragik des ewigen Kampfs zwischen Gut und Böse. Herzzerreißend gestaltet sich etwa der Abschied von Yoda in Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith, der einer Randnotiz im großen Kanon gleicht, schlussendlich aber auch ein Bindeglied zwischen den verschiedenen Star Wars-Generation ist, die den gleichen Kampf erlebt haben.

Und dann wäre da noch seine Beziehung zu Han. Es ist unmöglich über Chewie zu reden, ohne den draufgängerischen Weltraum-Cowboy zu erwähnen. Allerdings nicht, weil die eine Figur von der anderen abhängig ist, sondern weil sie sich gegenseitig ergänzen, in Wort und Tat. Wo in Krieg der Sterne die Figuren erst zusammenkommen müssen, verfügen Chewie und Han bereits über eine gemeinsame Geschichte.

Auch ohne das Wissen, dass inzwischen in Form von Solo: A Star Wars Story auf die große Leinwand gebannt wurde, ließ die Chewie-Han-Beziehung stets ein größeres Weltraummärchen erahnen als jenes, das Georges Lucas in seiner Skywalker-Saga erzählte. Chewie und Han kommunizieren auf eine Weise, wie es nur in einer Freundschaft möglich ist, die auf absolutem Vertrauen und Gegenseitigkeit beruht.

Chewie, wir sind zu Hause

Einer der vielleicht schönsten Augenblicke zwischen den beiden ereignet sich im ersten Akt von Die Rückkehr der Jedi-Ritter, wenn Han, durchnässt und durchgefroren von seiner Karbonit-Gefangenschaft, in eine dunkle Zelle gesperrt wird. Ein Grummeln lässt ein grausiges Schicksal für den Draufgänger erwarten, doch dann offenbart sich in der Dunkelheit Chewie und nimmt seinen Freund in den Arm - und was gibt es schöneres als eine Chewie-Umarmung?

Selten war eine grobe Geste an einem so trostlosem, unangenehmen Ort von mehr Zärtlichkeit durchströmt, wie in diesem Moment, in dem sich Han zuerst noch gegen all die Emotionen des Wiedersehens sträubt, ehe er ihnen nachgibt. Dieses Hin und Her zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Chewie-Han-Begegnungen und hat auch in Star Wars 7: Das Erwachen der Macht nichts von seiner Faszination verloren.

Neben der Nostalgie, die das "Chewie, wir sind zu Hause"-Zitat beschwört, bleibt Peter Mayhews letzter Chewbacca-Auftritt besonders aufgrund einer kurzen Einstellung in Erinnerung, die seine Figur noch einmal so viel greifbarer macht. Wenn sich Han und Kylo auf der Brücke am Ende in der Starkiller-Basis begegnen, wird Chewie nicht nur Zeuge eines der tragischsten Star Wars-Momente, sondern auch des Zerfalls seiner eigenen (zweiten) Familie.

"Chewie, wir sind zu Hause" ist in diesem Moment nicht länger nur eine Behauptung, sondern das Siegel einer ewigen Freundschaft. Da sieht Chewie plötzlich den Sohn seines besten Freundes, der vom rechten Weg abgekommen ist, und kann selbst nichts unternehmen, weil auch er Teil dieser Familie ist. Einer von Chewies leiseren Lauten dringt aus dem Inneren des Wookies hervor und lässt uns seinen Pulsschlag in dieser hoffnungslosen Stunde fühlen.

Das Vermächtnis von Peter Mayhews Chewbacca

Das Erwachen der Macht markiert außerdem die Übergabe des Staffelstabs: Peter Mayhew, der dem Star Wars-Franchise auch weiterhin treu blieb, musste aufgrund von gesundheitlichen Gründen Chewies Kostüm an Joonas Suotamo übergeben, der zuerst als Chewbacca-Double fungierte, ehe er die Rolle in Star Wars 8: Die letzten Jedi komplett übernahm und ebenfalls im Solo-Spin-off verkörperte.

In beratender Position begleitete Peter Mayhew den gutherzigen Wookie dennoch weiter und hat dafür jede Medaille verdient, die Chewie nach der Schlacht um Yavin verwehrt blieb. Schlussendlich vermag aber keine Auszeichnung der Welt die Wärme, die Aufrichtigkeit und die Loyalität zusammenzufassen, mit der Peter Mayhews seinen Chewie als furchtlosen Sternenkrieger zum Leben erweckte.

Werdet ihr Chewbacca-Darsteller Peter Mayhew vermissen?

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