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Exkurs - Serien

Eine Reise durch die deutsche Kinolandschaft Teil 4

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Teil 1: https://www.moviepilot.de/news/eine-reise-durch-die-deutsche-kinolandschaft-teil-1-162633

Teil 2: https://www.moviepilot.de/news/eine-reise-durch-die-deutsche-kinolandschaft-teil-2-161179

Teil 3: https://www.moviepilot.de/news/eine-reise-durch-die-deutsche-kinolandschaft-teil-3-181571

Prolog

Genau wie die deutsche Kinolandschaft haben deutsche Serien nicht gerade den besten Ruf. Immer wieder werden dieselben Thematiken behandelt, dieselben "kreativen" Köpfe sind verantwortlich, dieselben Settings werden gewählt und derselbe Typ von Schauspieler/in wird für große Rollen gecastet. Es gibt natürlich immer Ausnahmen und gewöhnliche, oft bespielte Seriengenres (Arzt, Polizei/Detektiv, Familie) werden mit einer anderen Herangehensweise umgesetzt, dies geschieht jedoch eher selten.

Zu selten werden kontroverse und spannende Themen, Milieus und Figuren behandelt, zu selten bekommen mutige und innovative Projekte das ausreichende Budget um eine Serie gut umzusetzen oder sie werden in irgendein Spartenprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender verbannt. Ich möchte einfach 5 Serien vorstellen bei denen man etwas versucht hat, gar nicht so sehr auf die Hintergründe der Produktionsfirmen und Sender eingehen. Dabei versuche ich natürlich so viele Spoiler zu vermeiden wie es nur möglich ist.


Streaminganbieter auf dem Vormarsch

Nun scheint jedoch etwas frischer Wind in das Ganze zu kommen. Die großen Streaminganbieter mischen nun auch mit und setzen wie sonst auch, auf Eigenproduktionen. Die kreativen Köpfe bekommen ein größeres Budget, mehr kreative Freiheit und im Hintergrund steht ein großes Marketingpotenzial und die Chance auf eine weltweite Veröffentlichung. Eine dieser Serien ist Dark, eine von Netflix produzierte und publizierte Mysteryserie hinter der der deutsche Regisseur Baran bo Odar steckt der zusammen mit seiner Frau Jantje Friese die Idee zu der Serie hatte und bei deren 10 Folgen er auch jeweils Regie führte. In der fiktiven Stadt Weiden, die hier mitsamt seiner Einwohner beleuchtet wird, wird eine komplexe, mysteriöse Geschichte aufgebaut die mit einem massiven Cast und mehreren Zeiebenen schonmal die üblichen Sehgewohnheiten sprengt. Hier sollte ganz große und epochale Serienkunst entstehen die deutlich im Zeichen von Klassikern wie Twin Peaks steht. Leider ist Odar aber kein David Lynch und Weiden halt kein Twin Peaks. So wirken die Twists und Nebenplots ein wenig zu konstruiert und auch teilweise zu klischeehaft um hier wirklich in die Oberklasse der Serien einzutauchen.

Dabei ist das meckern auf recht hohem Niveau, denn das Setting rund um die Kleinstadt, den angrenzenden Wald und dem Atomkraftwerk ist schön schaurig-düster. Odar, der schon vorher mit Who Am I - Kein System ist sicher und Das letzte Schweigen bewiesen hat, dass er weiß wie man Genrefilme inszeniert, kann sich vollkommen austoben und schafft es einer dichte und glaubwürdige Atmosphäre zu erschaffen. Solange der Plot nicht weiter aufgelöst wird im Laufe der Staffel macht das miträtseln Spaß und unterhält wunderbar. Leider wird hier das Mysteriöse schon in der ersten Staffel weitesgehend entlarvt und nur ein paar essentielle Fragen sind noch offen. Ich hätte mir gewünscht, dass man sich ein wenig mehr auf die Charaktere konzentriert und die doch komplizierte und teils verwirrende Geschichte ein wenig mehr ausgearbeitet geworden wäre und man sich die großen Antworten für die zweite Staffel aufgespart hätte.


Eine weitere Serie die von einem großen Streaminganbieter angeboten wird ist You Are Wanted. Diese von Matthias Schweighöfer mitproduzierte Serie erschien über Amazon und ist ein Beispiel dafür wie man ein Serie NICHT machen sollte. Die Geschichte rund um einen wohlsituierten Manager (Matthias Schweighöfer) dessen Leben von einem geheimnisvollen Hacker auf den Kopf gestellt wird ist vollgepackt mit Klischees, orientiert sich sehr stark an typisch amerikanischen Filmen die im ähnlichen Milieu spielen und setzt odendrauf einen plumpen Hochglanzfilter ein der die gesamte Szenerie zu einer makellosen und langweiligen Mischung aus Der Staatsfeind Nr. 1 und Eagle Eye - Außer Kontrolle verkommen lässt. Das macht die Serie ebenso belanglos wie auch uninspiert langweilig, die teils grauenhaften Dialoge machen das Ganze nicht wirklich besser. Und trotzdem habe ich mir alle 6 Folgen a 60 Minuten angeschaut, denn das hier ist wirklich nicht viel schlechter als jeglicher Hollywoodserienschmonz ala Designated Survivor, dafür passt hier einfach auch das Produktionsbudget und die Optik zusammen. Jedoch sollten sich die Verantwortlichen wirklich mal überlegen ob es richtig ist Matthias Schweighöfer hier auch den Regiestuhl zu überlassen und in welche Richtung sich die Serie bewegen soll. Denn wenn man weiterhin diesen belanglosen Mittelweg zwischen Klischee-Genrefilm und Hochglanzwerbesendung geht, dann wird die Serie schnell in Versenkung verschwinden.

Mich persönlich würde eine etwas härtere Gangart ansprechen, denn wenn man schon immer das gleiche erzählt und die Charaktere auch nichts zu sagen haben, dann kann man wenigstens ein wenig Action ins Spiel bringen. Eine Erhöhung auf FSK 16 wäre dann aber unabdingbar und da die kommende Staffel auch eine 12er Freigabe hat, wird das dann wohl nichts werden. Vielleicht werde ich irgendwann so verzweifelt sein und mir die zweite Staffel ansehen aber wenn ich ehrlich bin liegt die Wahrscheinlichkeit, im Angesicht der Alternativen, wohl eher bei ca. 0,001%.

Auch hier, bei den Streamingriesen, ist nicht alles Gold was glänzt, bei weitem nicht. Jedoch wird der Weg geebnet um neue, interessante Formate zu etablieren und gleichzeitig werden die klassischen Fernsehanstalten, öffentlich-rechtlich wie auch privat, zum Umdenken und zu mehr Mut in der Programmgestaltung gezwungen.



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