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Aktion Lieblingsstar

François Truffaut - Ein künstlerisches Filmgenie

26.08.2013 - 19:01 Uhr
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François Truffaut
© Columbia Tristar
François Truffaut
Dieser moviepilot-User hat François Truffaut zu seinem Lieblingsstar erklärt. Der französische Regisseur war ein Mitgründer der Nouvelle Vague und hat mit seinen unkonventionellen Filmen die internationale Filmlandschaft beeinflusst.

„Ich habe den großartigsten Beruf der Welt.“ Wer will das nicht von sich sagen können? Den meisten, die das tun, glaubt man es nicht wirklich. Wenn François Truffaut über das Filmemachen spricht, glaubt man ihm aber sofort. Und spätestens, wenn man seine Filme sieht, ist man sich sicher: Dieser Kerl liebt, was er tut!

Es ist noch gar nicht lange her, da stand ich auf dem Friedhof Montmatre in Paris vor Truffauts Grab. Meine Freundin war ziemlich entsetzt, dass wir so viele Metro-Stationen, so viele Treppenstufen und so viele falsche Abzweigungen genommen haben, nur für ein Grab und noch entsetzter, als sie bemerken musste, dass ich durch eben jenes Grab auch noch spontan dazu inspiriert wurde, zum ersten Mal in meinem Leben Blumen zu kaufen. Eifersucht war aber auch angebracht, denn mir ging schon ein bisschen der Atem schneller, als ich vor dem recht unspektakulären und vor allem erstaunlich kleinen, schwarzen Grab stand und ehrfurchtsvoll die Blumen niederlegte. Zwischen all der prunkvollen, alten Gräber darum herum hätte man das Grab des großartigen François Truffaut leicht übersehen können. Seine Bedeutung für die Filmgeschichte zu übersehen, ist aber schlicht unmöglich.

Bevor Truffaut überhaupt das erste Mal eine Kamera in der Hand hatte, leistete er bereits seinen größten Beitrag zur Filmgeschichte. Im Jahr 1954 schrieb er den Artikel Eine gewisse Tendenz im französischen Film und revolutionierte damit den Beruf des Filmregisseurs, ja des gesamten Mediums von Grund auf. War bisher der Regisseur im besten Fall Handlanger des Produzenten und im schlimmsten Fall bloßer Techniker, sprach Truffaut ihm am Beispiel von unter anderem Alfred Hitchcock und Howard Hawks die Rolle des Autoren (Auteur) zu und stellte ihn auf eine Stufe mit Malern, Schriftstellern und Komponisten. Die Revolution, die den Filmemacher zum Künstler machen sollte, hatte begonnen. Zwar noch ganz unscheinbar auf dem Papier, aber bald schon ließ Truffaut seinen Worten Taten folgen und setzte mit Sie küßten und sie schlugen ihn seine Theorien auf die Leinwand um. Das war nicht nur die Geburtsstunde der Nouvelle Vague, nicht nur die Geburtsstunde des Autorenfilms an sich, sondern auch die eines der für mich persönlich wichtigsten Filmhelden: Antoine Doinel.

Vielleicht ist dieser Charakter deshalb so wundervoll, weil Truffaut hier viele seiner eigenen Erfahrungen verarbeitet hat, vielleicht ist mir aber Truffaut auch deshalb so sympathisch, weil mir Antoine so sympathisch ist, mit seiner Mischung aus Ferris Bueller und Felix Krull. Danach folgte ein atemberaubender Film dem anderen, von denen ich hier keinen explizit in den Vordergrund stellen möchte, denn gerade in ihrer Gesamtheit werden sie zu dem, was sie sind. Truffaut ist niemand, der mit jedem Film das Kino neu erfinden will oder dauernd versucht, sich selbst zu übertreffen. Truffaut ist wie der nette Märchenonkel, den ich nie hatte, der einfach Geschichten erzählt, humorvoll, philanthropisch und immer unglaublich weise. Jeden seiner Filme verehre ich, aber vor allem in ihrem Zusammenspiel, in ihren Ergänzungen ergeben sie ein stimmiges Gesamtwerk. So wie man Antoine Doinel mit Sie küssten und sie schlugen ihn allein noch nicht ganz kennenlernt, sondern auch noch die anderen Filme des Zyklus braucht, so braucht Truffauts Werk jeden einzelner seiner Filme um schlussendlich zu dem zu werden, was es ist: eine der beeindruckendsten Filmografien überhaupt.

Dabei war mein erster Kontakt mit ihm gar kein Film. Es war ein Buch. Mit dreizehn hatte ich aus der örtlichen Bibliothek den Interviewband Mr. Hitchcock wie haben sie das gemacht? ausgeliehen. Obwohl ich keinen der besprochenen Filme kannte, verschlang ich das Buch wie ein Besessener und merkte: Film ist mehr als sich bewegende Bilder, Film ist eine Kunstform, Hitchcock und Truffaut sind Künstler. Und was für welche! Das war die gleiche Erkenntnis, die 50 Jahre vorher Truffaut selbst gehabt hatte. So bewundere ich Truffaut nicht nur, weil er ein toller Regisseur ist, sondern auch weil er ein toller Fanboy ist. Ein Hitchcock-Fanboy. Wenn ich mir vorstelle, wie der Journalist François Truffaut im Jahre 1955 den großen Alfred Hitchcock für ein Interview in Marseille besuchte, dann war das wohl ungefähr ein ähnliches Gefühl für ihn wie für mich, vor dem viel zu unspektakulären Grab des viel zu früh verstorbenen Genies zu stehen, mit flachem Atem und unheimlich viel Respekt. Der größte Fanboy der Filmgeschichte hat in mir einen Fanboy gefunden.


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